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Aussicht auf steigende Zinsen? Vermögensverwalter diskutieren Anleihe-Portfolio

Wie gehen Vermögensverwalter mit möglicherweise steigenden Zinsen um? Die Meinungen gehen in der Diskussion auseinander.

Flexibel bei Anleihen

In den USA sehen viele Beobachter bereits eine Zinswende. In Europa fragen sich indessen Anleger, wie schnell die EZB der Federal Reserve Bank beim Anheben der Zinsen folgen wird. Doch wie müssen sich Anleger auf der Anleiheseite auf diese Unsicherheiten einstellen? Diese Fragen beschäftigen derzeit viele Vermögensverwalter und Investoren. Der risikolose Zins ist passé und die Gefahren steigen für Anleger allen voran auf der Anleiheseite.

Deswegen müssen sich Vermögensverwalter besonders flexibel auf der Rentenseite ihrer Portfolios aufstellen. Darin sind sich die sechs von uns befragten Experten einig. Aber wie viel Risiko bergen Wandelanleihen, Kurzläufer oder Hochzinsanleihen im aktuellen Marktumfeld? Citywire Deutschland hat bei Vermögensverwaltern nachgefragt und unterschiedliche Meinungen eingefangen.

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Katharina Ehrhardt

W&W Asset Management, Ludwigsburg

Hohe Flexibilität – nicht nur hinsichtlich der Asset Allokation, sondern auch im Bereich der Sub-Assetklassen – ist für uns eines der wichtigsten Kriterien einer erfolgreichen Multi-Asset-Strategie. Bei der Rentenallokation bedeutet das für uns schon seit längerem: Niedrige Duration, konsequenter Fokus auf Anleihen mit positiver Rendite und den Mut, Core-Segmente wie europäische Staatsanleihen temporär auch komplett zu meiden.

Während zum Beispiel europäische Anleihen inklusive Peripherie trotz des etwas gestiegenen Zinslevels das einzugehende Risiko unseres Erachtens immer noch nicht angemessen bezahlen, finden wir in anderen Teilen der Welt interessante Zinsalternativen, bei denen die Risiken mehr als angemessen bezahlt werden. Aktuelle Beispiele sind zum Beispiel Mexiko oder Indonesien. Aber auch unsere seit über einem Jahr bestehende Position in indischen Bonds hat sich sehr gut und exakt unseren Erwartungen gemäß entwickelt und bleibt enthalten. Aufgrund der Zugangsbeschränkungen für ausländische Investoren nutzen wir hier einen Fonds aus dem Hause Invesco, den Invesco India Bond Fonds. Gerne setzen wir auch gänzlich unkorrelierte und von Zinsänderungen wenig betroffene Bausteine wie Cat-Bonds im Portfolio ein. Neben einer bewussten Internationalisierung unseres Rentenportfolios setzen wir zudem immer noch auf Kreditprodukte, bei denen die von uns erwartete Spread-Einengung zumindest teilweise ein wohl nur moderat ansteigendes Zinsniveau kompen-sieren dürfte.

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Matthias Schiestl

Apo Asset Management, Düsseldorf

Bereits vor einigen Jahren ließen sich gute Argumente finden, warum die Zinsen ab sofort steigen und nicht weiter fallen sollten. Im Rückblick sieht diese Einschätzung natürlich nicht sehr klug aus, auch wenn die Argumente der Mehrzahl der Marktteilnehmer valide erschienen. Uns bestärkt dies darin, unseren Ansatz weiter zu verfolgen und das Geld unserer Kunden gut zu diversifizieren. Das bedeutet, dass wir mitunter erheblich von unserer Benchmark abweichen. Im Rentenbereich investieren wir neben klassischen Rentenfonds in Produkte, die andere Werttreiber als Zinsen aufweisen oder sogar von steigenden Zinsen profitieren können.

Wandelanleihen, Schwellenländeranleihen, Hochzinsanleihen aber auch Katastrophenanleihen gehören dabei schon seit Langem zu unserem Repertoire. Neben der Diversifikation haben wir auch absolut betrachtet ein angemessenes Ertrags-Risikoverhältnis im Auge: So haben wir uns zwischenzeitlich von einigen Themen wieder getrennt, beispielsweise von Frontier-Market- Anleihen oder RMB-Bonds, die uns derzeit nicht mehr ausreichende Kompensation für die unterliegenden Risiken bieten.

Im Staatsanleihebereich haben wir jüngst wieder in einen Fonds investiert, den wir aus der Vergangenheit kennen und der durch eine negative Duration (also eine negative Zinssensitivität) auch von steigenden Zinsen profitieren kann. In diesem Segment gibt es interessanterweise kaum mehr Produkte mit langem Erfolgsausweis, da der Jahrzehnte währende Renten-Bullenmarkt nahezu alle Fonds aus dem Markt gespült hat.

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Claus Weber

Selection Asset Management, München

Losgelöst von einem möglichen Szenario steigender Zinsen muss man feststellen, dass sich auf der Anleiheseite im Vergleich zur Vergangenheit, das Chance-Risiko-Profil deutlich zu Ungunsten der Investoren verschoben hat. Betrachtet man die Risikokom-ponenten wie Duration und Bonität klassischer Anleihen, so sind diese als genauso hoch einzustufen wie vor fünf oder zehn Jahren. Daran hat sich nichts geändert. Was sich allerdings geändert hat, sind die Erwartungswerte des künftigen Returns von Anleihen. Das liegt ganz einfach daran, dass es kaum mehr vernünftige Kupons (Rendite) bei herkömmlichen Anleihen gibt. Das heißt, selbst wenn die Zinsen niedrig bleiben, ist kaum ein nennenswerter positiver Ertrag zu erzielen. Sollten die Zinsen aber tatsächlich mal ansteigen, wird es wohl in den meisten traditionellen Anleiheportfolios ohne aktives Management zu einem Performance- Desaster kommen.

Aus diesem Grunde sollte heutzutage ein sehr flexibles und innovatives Management die Basis für ein erfolgreiches Anleihe- Management sein. Eine kluge und breite Diversifikation im Anleihe-Bereich hat heute eine viel höhere Bedeutung als früher. Dem Risiko-Management kommt dabei eine zentrale Rolle zu.

Betrachtet man das globale Universum, gibt es trotz fast Nullzinsen in einigen Ländern immer noch eine ganze Reihe von Möglichkeiten, ein renditeorientiertes Portfolio zusammenzubauen, bei dem das Risiko auf Ebene des Gesamtportfolios noch einigermaßen im Verhältnis zur erwarteten Rendite steht. Neben den traditionellen Staats- und Unternehmensanleihen der Industrieländer, deren Sicherheitspuffer kaum mehr vorhanden ist, sollten auch zunehmend Anleihen der Schwellenländer, aus dem Hochzins-Bereich, aber auch aus dem Hybrid-Bereich in den Fokus rücken und durchaus ein entsprechendes Gewicht in den Portfolios finden. Dadurch entstehen Diversifikation und zusätzliche Erträge. Wer hier Alternativen sucht, findet diese beispielsweise im IShares EM Local Govt. Bond ETF, im Nordea 1 - European High Yield Bond Fund EUR, im Aramea Rendite Plus Fonds oder auch im Pioneer Investments Global Convertibles Fonds.

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Christian Brede

Augmentum Finanz, Hamburg

Die Rentenmärkte sind durch die massiven Käufe der Notenbanken und deren künstlicher Niedrigzinspolitik stark verzerrt. Es besteht dadurch ein Umfeld rekordniedriger Realzinsen, in Europa und Japan sind diese sogar negativ. Die Risiken bei einem Ende dieser Liquiditätsschwemme sind offensichtlich, wobei die Politik des billigen Geldes seitens der EZB wohl noch länger anhalten wird.

Zinserhöhungen sind am wahrscheinlichsten in den USA zu erwarten. Daher präfe¬rieren wir kurze Laufzeiten – insbesondere im USD - bei der Rentenanlage und kaufen bevorzugt Floater sowie Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating. Gelegentlich versuchen wir durch Zeichnung von Neuemissionen aus diesem Sektor einen kleinen Rendite Pick-up zu erzielen. Als Beimischung - gerade aufgrund des höheren Zins- und Spreadniveaus - kaufen wir Corporate Bonds in den USA und Großbritannien. Hier lassen sich noch - je nach Laufzeit und Bonität - Renditen von 1 bis 3 % pro Jahr erzielen.

Rentenfonds mit kurzer Duration setzen wir aus Kostengründen nicht ein. Grundsätzlich dient uns der Anleihesektor eher als Geldmarktersatz, um die freien Mittel einer temporär reduzierten Aktienquote anzulegen. Daher achten wir in diesem Bereich besonders auf die Sicherheit und schnelle Liquidierbarkeit der Anlage. Wandelanleihen, Hochzins-Anleihen oder Schwellenländer-Anleihen setzen wir daher auch eher nicht ein.

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Diana Lange

Lange Assets & Consulting, Hamburg

Flexibilität ist bei der Selektion von Anleihen im Rentenbereich genauso wichtig, wie im Aktienbereich das fundamentale Research. Das bloße „Reinkaufen“ von zehnjährigen Bundesanleihen mit einer Rendite von 0,21% und damit einem Renten-KGV von 476x erscheint in keinem angemessenen Risiko- Renditeprofil zu stehen. Dahingegen erscheinen US-Aktien mit einem KGV von 21,7x als wahre „Schnäppchen“.

Im derzeitigen Rentenumfeld setzen wir daher auf flexible oder geldmarktnahe Fonds. Im flexiblen Bereich haben wir den SWuK Renten Flexibel UI im Fokus. Der Manager Peter Schneider hat in diesem Segment mehr als 20 Jahre Erfahrung. Den Fonds legte er mit dem Beginn der Selbstständigkeit in 2011 auf. Die Anlagerichtlinien gewähren dem Fondsmanager die Flexibilität auch oppor-tunistische Positionen in Wandelanleihen oder in der Region der Schwellenländer (G20) eingehen zu können. Mit einer Rendite von 3,8% pro Jahr seit Auflage bei einer Volatilität von 1,87% hat er uns absolut überzeugt.

Im kurzlaufenden Bereich setzen wir den geldmarktnahen Rentenfonds ASSETS Defensive Opportunities UI ein. Auch dieser Fonds hat eine hohe Sharpe-Ratio von 1,21. Mit diesen Konzepten sehen wir uns gut aufgestellt im derzeitigen Zinsumfeld, wo die Zinsen in Südeuropa, aufgrund wachsender Risikoaufschläge, aktuell steigen. Während in den Safe-Haven-Ländern die Zinsen bereits wieder sinken.

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Sirko Möllmann

Sparda-Bank Berlin, Berlin

Um trotz der aktuellen Zinssituation in den etablierten Märkten einen auskömmlichen Ertrag nach Kosten zu erzielen ist eine flexible Anleiheallokation unabdingbar. Die globalen Zinsmärkte bieten hierfür eine Vielzahl von Opportunitäten zum europäischen Zinsmarkt und sind ausgesprochen facettenreich. So bieten US-Hochzinsanleihen Renditen von 5,8% und das europäische Pendant nur Renditen von 2,75%. Im Vergleich dazu rentieren fünfjährige Bundesanleihen bei -0,46%. Allerdings muss der Investor hier mit einer erhöhten Volatilität gegenüber Staatsanleihen rechnen.

Das Gleiche gilt für Wandelanleihen, die sich von der Zinsentwicklung nahezu unbeeinflusst zeigen und neben Hochzins-Anleihen von der weltwirtschaftlichen Konjunkturerholung am stärksten profitieren. In unserem Portfolio gehören die High-Yield- und Wandelanleihenmärkte zu einem festen Bestandteil, wenn auch in sehr unterschiedlichen Gewichtungen im Zeitablauf. Aus der aktiven Steuerung der Gewichtungen können Mehrwerte für die Fondsanleger generiert werden. In der aktuellen Situation setzen wir im Segment der High-Yield-Anleihen auf die Vereinnahmung des laufenden Kupons und nicht auf weitere Spread-Einengungen, wie wir sie im Jahr 2016 gesehen haben.

Eine breite Diversifizierung über Managerstile und Regionen hinweg ist aus unserer Sicht im derzeitigen Zinsumfeld unerlässlich, so sind wir in Europa mit dem Barings European High Yield Bond Fund, in den USA mit dem Nomura US High Yield Bond Fund und auf globaler Ebene mit dem UBAM - Global High Yield Solution Fund breit aufgestellt. Um die Gesamtvolatilität des Portfolios zu senken, erfolgt die Beimischung von Anleihefonds, deren Anlagestrategie auf die etablierten Staatsanleihe-und Pfandbriefmärkte konzentriert ist.

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