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Bert Flossbach, Hendrik Leber und Co. diskutieren die Entwicklungen des Autombil-Sektors

Der Diesel-Skandal wirbelt den Sektor der Automobilhersteller kräftig auf – und lenkt den Blick verstärkt auf die Elektromobilität. Die etablierten Autobauer müssen jetzt handeln und sich klar positionieren.

Der Diesel-Skandal in der Autoindustrie hat die Diskussion über alternative Antriebe in den vergangenen Monaten enorm befeuert. Vor allem die Elektromobilität ist seither auf dem Vormarsch. Zwar gilt China – neben Tesla aus den USA – als Vorreiter bei der Herstellung batterieelektrisch betriebener Fahrzeuge. Doch auch bei den deutschen Autobauern herrscht ein spannendes Wettbewerbsumfeld in diesem Segment.

Die großen Fragen, die jetzt im Raum stehen, sind: Werden die E-Autos die Verbrenner wirklich ablösen? Und wenn ja, wann?

Zwar steigen im Moment die Verkaufszahlen der Elektrofahrzeuge, doch gemessen an den Pkw-Gesamtverkäufen ist ihr Anteil immer noch verschwindend gering. Ob es in naher Zukunft veränderte Bedingungen für die Hersteller geben wird, die den Durchbruch der Elektromobilität effektiv voranbringen werden, das lässt sich noch nicht mit Sicherheit beantworten.

Stecken die Autobauer also in einer Krise? Und wie müssen sie sich für die Zukunft aufstellen, um weiterhin erfolgreich zu sein? Darüber diskutieren vier Experten des Fondsmanagements. Zudem erklären sie, welche Auswirkungen der Markt auf ihr Portfolio hat – und wie sie dieses entsprechend angepasst haben.

Dieser Text erschien erstmals im Citywire-Magazin vom Oktober 2017.

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Bert Flossbach

Flossbach von Storch

„Wir haben aktuell die Position in Daimler etwa verdoppelt, ungefähr auf fünf Prozent des Fondsvolumens. Die Idee dahinter ist die extreme Vergünstigung der Aktie, mit Kursen um die 60 Euro. Bei einer gründlichen Betrachtung kann man aber feststellen, dass die Aktie eigentlich mindestens 30 Euro mehr wert ist. Insbesondere, wenn man zum Beispiel das Lkw-Geschäft mit dem von Volvo vergleicht. Sofern hier eine Aufspaltung des Bereichs stattfindet, ergibt sich daraus vielleicht eine Art Katalysator.

In Bezug auf weitere Bereiche außerhalb des klassischen Automobilgeschäfts, wie etwa die Mobility-Services, ist Daimler ebenfalls gut aufgestellt. Aufgrund des Diesel-Skandals ist der ganze Sektor sehr stark heruntergekommen, doch bei Daimler sehen wir die größte Unterbewertung – und das Chance-Risiko-Verhältnis sieht extrem gut aus!“

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Hendrik Leber

Acatis

„Klassische Autobauer stecken in einer tiefen Krise, weil sie die Wende zur Elektromobilität nicht schnell genug hinbekommen. Meiner Ansicht nach kommt die Wende zur Elektromobilität viel schneller und dramatischer, als von der Autoindustrie erwartet. Offiziell redet die deutsche Autoindustrie von einer rund 35%-Elektro-Marktdurchdringung im Jahr 2035. Meiner Ansicht nach werden noch vor dem Jahr 2030 volle 100% des Markenangebots elektrisch sein müssen. Viele Autohersteller können das hinbekommen, aber sie sind zu langsam und schleppen sehr viele Altlasten (alte Werke, falsch ausgebildeter Mitarbeiterstamm) mit sich herum.

Die Bewertungen von Autoaktien sind derzeit günstig – aber zu Recht! Der hohe freie Cash-Flow wird in Investitionen, Werksschließungen und Abfindungen investiert werden müssen. Sie sind optisch billig, aber ich möchte sie nicht mehr besitzen. Aufgrund des Diesel-Skandals ist die Glaubwürdigkeit der Branche in großem Stil verloren gegangen. Die Aufarbeitung kostet Geld, das woanders gebraucht würde. Aber der Diesel- Skandal war auch der Weckruf für die Elektromobilität.

Wir möchten in den nächsten Jahren nur noch in Autobauer investieren, die sich vollständig dem Thema Elektromobilität widmen. Das ist aktuell in unserem Portfolio die Firma BYD aus China. An erster Stelle profitieren die chinesischen Autobauer. Unter den Japanern ist Nissan sehr stark. Natürlich ist Tesla ein Profiteur, jedoch ein unprofitabler. Ansonsten sind noch unter den konventionellen Herstellern VW und GM zu erwähnen, die sich in einer drastischen Kehrtwende befinden.“

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Benjardin Gärtner

Union Investment

„Die hiesige Automobilindustrie ist öffentlich schwer angeschlagen. Die Dieselproblematik und die Kartellvorwürfe belasten die Konzerne. Das trifft sie in einer Phase, in der die deutschen Hersteller auch ohne diese Probleme alle Hände voll zu tun haben, um mit den Herausforderungen Schritt zu halten. Die Automobilindustrie steht vor den größten Veränderungen seit Jahrzehnten! Der Wechsel vom Verbrennungsmotor hin zu alternativen Antriebsformen fordert die Branche ebenso wie autonomes Fahren, die Umstellung der Mobilitätsgewohnheiten und die digitale Vernetzung. Jedes einzelne dieser Themen hat für sich genommen schon das Zeug für eine Epochenwende…

Aus der Perspektive des Investors ist auch Vorsicht geboten. Die Märkte haben zwar vieles eingepreist, die Risikolage spiegelt sich in den weit unterdurchschnittlichen Bewertungskennziffern von VW, Daimler und BMW wider. Weitere Rücksetzer können aber keinesfalls ausgeschlossen werden. Die Krise, beziehungsweise der Diesel-Skandal, ist schwerwiegend, aber nicht existenzbedrohend. Die Automobilkonzerne sind bilanziell gesund, berichten starke Umsatzzahlen und Gewinne und verfügen über hohe Liquiditätsbestände. Selbst, wenn man in einem Worst-Case-Szenario die höchsten zulässigen Strafen annimmt, können diese über die Nettoliquidität der betroffenen Adressen abgedeckt werden. Das gilt für VW, das gilt für Daimler und das gilt auch für BMW.

Union Investment hat das Engagement im Automobilsektor in Summe reduziert. Gleichwohl: Eine kurzfristige Anlageentscheidung bedeutet kein langfristiges Urteil.“

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Simon Webber

Schroders

„Autohersteller befinden sich nicht in einer Krise! Eine Krise hatten wir im Jahr 2009, heute befinden wir uns lediglich am Anfang einer Revolution der Versorgung unserer Fahrzeuge. Um erfolgreich zu sein, müssen die Betroffenen mutig sein und sollten nicht davor zurückschrecken, kurzfristige Profite zu opfern, um die nächste Phase der Industrie einzuleiten.

Ohne Frage sind die Automobilaktien einer der preisgünstigsten Sektoren am Aktienmarkt. Die Finanzmärkte preisen einen bevorstehenden Kollaps der Profite der Industrie ein. Sofern die Industrie diesen Übergang managen und nachhaltige Profite aufweisen kann, könnten die Bewertungen deutlich ansteigen.

Der Diesel-Skandal war fürchterlich für das Image der Automobilindustrie. Es wird viel harte Arbeit kosten, das Vertrauen in die Produkte und auch die einzelnen Marken wieder aufzubauen. Der Skandal war ein gutes Beispiel dafür, dass gute Unternehmensführung unverzichtbar ist.

Wir haben einige Zeit in die Automobilhersteller investiert, die gut aufgestellt sind für den Übergang zu einer mehr elektrischen Industrie, und wir erwarten, dass diese Aktien outperformen werden. Trotz einer schwächeren Herangehensweise an den letzten E-Mobilität-Hype als einige der Konkurrenten, mit einer langen Historie von Investments in Kraftstoffeffizienz und Elektrizitätstechnologie, denken wir, dass BMW außergewöhnlich positioniert ist, um einen rentablen Übergang zur E-Mobilität zu managen.“

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