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Börsen-Fusion: Fondsmanager warnen vor Monopolsituation

Börsen-Fusion: Fondsmanager warnen vor Monopolsituation

Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) planen eine Fusion. Das bestätigten beide Börsenbetreiber nachdem am Dienstag erste Spekulationen über einen Zusammenschluss publik wurden. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Pläne schnellten die Aktienkurse beider Unternehmen nach oben. Aktien der Deutschen Börse gewannen 7%, Papiere der LSE sogar 13%. Aber: Was würde eine solche Fusion und der damit einhergehenden Entstehung des mit Abstand größten europäischen Börsenbetreibers für Investoren bedeuten?

„Es ist prinzipiell für die Konkurrenzsituation gut, wenn es verschiedene Börsen gibt. Deswegen muss man sich immer fragen, inwiefern eine Fusion zu einer Monopolsituation führen kann“, sagt Fondsmanager Christian Funke auf Citywire Deutschland-Anfrage. Funke, der unter anderem den S4A Pure Equity Germany-Fonds verwaltet, sieht vor allem mögliche Synergien zwischen beiden Börsen auf der IT-Seite.

Dem stimmt Barings-Fondsmanager Robert Smith zu. „Beide Börsen könnten sich auf ein Exchange Electronic Trading-System einigen und dadurch Synergien erzeugen. Das gilt auch für die Abrechnungsprozesse, also Clearing-Prozesse, beider Unternehmen“, so der Fondsmanager des Baring German Growth-Fonds.

Auch sieht Smith einen durch die mögliche Fusion schrumpfenden Wettbewerb kritisch: „Es wird sicherlich Bedenken geben, inwiefern der Börsenwettbewerb behalten bleibt".

Clearingprozesse im Fokus

Für die Märkte würde sich generell jedoch nach wenig verändern, so Funke. „Dafür ist die Liquidität auf beiden Seiten zu groß und es gibt zu viele Handelsalternativen über MTFs wie beispielsweise die Chi-X-Börse. Große Chancen für Investoren sehe ich durch eine Fusion allerdings auch nicht“, ergänzt er.

Zwar hinke die Frankfurter Börse im Cash-Markt deutlich hinter den großen Börsen her, was ihr den von Aktien-Experten Max Otte gegebenen Spitznamen „Provinzbörse“ einbrachte. Die Stärken der Deutschen Börse sieht Funke aber an anderer Stelle: „Ihre Position im Derivate-Markt ist sehr stark und das ist meiner Meinung nach deutlich wichtiger für die Deutsche Börse.“

Die beiden Börsen-Unternehmen teilten mit, dass man eine Fusion unter Gleichen anstrebe. Bei einer möglichen Fusion würden Aktionäre der Deutschen Börse 54,4% der Anteile halten. Alle Sparten sollen unter den bestehenden Namen auftreten. Es ist nicht die erste Fusion, die die Deutsche Börse anstrebt. Ende 2004 und Mitte 2005 scheiterte eine Übernahme des LSE durch die Frankfurter Börse bereits.

„Es wundert mich nicht, dass die deutsche Börse unter dem neuen CEO Carsten Kengeter eine Fusion in Erwägung zieht - es gab dafür in der Vergangenheit ja schon in den verschiedensten Konstellationen immer wieder Anläufe“, sagt Funke.

Ein möglicher Brexit würde die Verhandlungen und eine mögliche Fusion allerdings nicht beeinflussen, meint Robert Smith: „Synergien können mit oder ohne Brexit erzeugt werden. Das spielt deswegen meiner Meinung nach keine Rolle bei der möglichen Fusion.“

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