Der drohende Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) hat sich über das Wochenende verschärft. Nun liefern britische Fondshäuser ihre ersten Statements für den Fall eines sogenannten Brexits.

Nach der Einigung zwischen dem britischen Premier David Cameron und den EU-Ländern zum Reformpaket am Freitag, übten prominente englische Politiker Kritik. Insbesondere der einflussreiche Londoner Bürgermeister Boris Johnson hatte angekündigt, sich für einen Brexit einzusetzen. Am Montag fiel der Pfund auf ein Drei-Wochen-Tief von $1,4235.

Die schottische Fondsgesellschaft Aberdeen Asset Management sagte auf Anfrage von Citywire Deutschland, dass sie mit ihrem Geschäft, das seit 20 Jahren europaweit Fonds vertreibt, auch bei einem Ausstieg Großbritanniens fortführen würden.

„Als eine Firma werden wir uns an mögliche Herausforderungen, die aus den Wahlergebnissen vorkommen, anpassen müssen. Insbesondere da wir in verschiedenen Ländern domiliziert und tätig sind“, sagte ein Pressesprecher bei Aberdeen.

Am 23. Juni werden die Briten darüber abstimmen, ob sie in der EU bleiben wollen oder nicht. Laut einer aktuellen Umfrage, liegt die Wahrscheinlichkeit eines Austritts bei 30%. Im Gespräch mit Citywire sagte der London-ansässige Anleihefondsmanager Mark Dowding, dass er die Wahrscheinlichkeit eines Austritts jedoch höher sehe. Es handele sich um einen Kopf-an-Kopf-Rennen, so Dowdning. Im Falle eines Brexits und eines gleichzeitigen Austritts Schottland aus dem Vereinigten Königreich, könne sich der Pfund auf £1,25 gegenüber dem Dollar fallen.

Wie Bloomberg im November vergangenen Jahres berichtete, sehen Analysten bei Morgan Stanley erhebliche Risiken in einem Brexit für britische Asset Manager. Am stärksten wären UCITS Fondsmanager wie Schroders Plc und Henderson Group Plc betroffen, so der Bericht. Ein Brexit könne möglicherweise dazu führen, dass einige britische Gesellschaften die Option in Erwägung ziehen, ihr Domizil zu verlassen.

Auf Anfrage von Citywire Deutschland kommentierte ein Presseprecher bei Henderson Global Investors in London: „Die Auswirkung eines Austritts auf unsere Branche würde davon abhängen, unter welchen Umständen diese vorkommen würden. Wir würden die damit verbundene Unsicherheit für unser Geschäft und unsere Kunden nicht begrüßen.“

Die Firma ergänzte: „Es ist viel besser, dass das Vereinigte Königreich eine starke Einheit bleibt, die einen Einfluss auf die europäische Politik, die unser Geschäft beeinflusst, ausüben kann. Das kann das Land nur als Mitglied der EU machen.“

Der deutsche Fondsmanager Max Otte begrüßte im Gespräch mit Citywire Deutschland einen Ausstieg Großbritanniens aus der EU. So sagte der Börsen-Experte: „Ich hoffe, dass der Brexit kommt. Großbritannien ist ein Fremdkörper in der EU und macht die Politik in der Eurozone schwierig beziehungsweise oft kaputt.“