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Christian Jasperneite von M.M.Warburg & CO im Portrait

Christian Jasperneite von M.M.Warburg & CO im Portrait

Christian Jasperneite stand lange vor einem Problem. Der Chief Investment Officer (CIO) vom Hamburger Bankhaus M.M.Warburg & CO fährt ausgesprochen gerne Rennrad. Im Wald um seinen Wohnsitz vor den Toren Hamburgs sind die schönsten Strecken aber nicht gut befahrbar mit den dünnen Rennradreifen. „Kaum war ich auf dem Schotterweg, hatte ich schon einen Platten“, so Jasperneite. Aber die schönen Strecken wollte sich der Investment- Experte, der seit 2009 als CIO bei M.M.Warburg & CO tätig ist, nicht entgehen lassen. „Ein Mountainbike war aber auch keine Option für mich. Die sind mir einfach zu langsam.“ Also fand Jasperneite eine Lösung und tauschte seine Laufräder aus. Nun fährt der gebürtige Münsterländer ein Hybriden aus Rennrad und Mountainbike. Die Geschwindigkeit bleibt, aber die Räder sind robuster und halten Fahrten auf Schotterboden aus.

Auf Geschwindigkeit und Risiko setzt Jasperneite auch gerne beim Investieren. Allerdings reagiert der Ökonom auch hier auf die Gegebenheiten und passt seine Investments an. „Bei Hochzinsanleihen sind wir im Rahmen der zulässigen Bandbreiten für das Portfolio derzeit eher an der Maximalgrenze.“ Und das, obwohl viele Vermögensverwalter und Investoren aktuell vor einem Übergewicht bei Hochzinsanleihen warnen, und mögliche Risiken bei High Yields als hoch erachten.

„Seit Jahren hört man, dass Hochzinsanleihen risikoreich sind, und es schnell zu vielen Ausfällen kommen kann. Aber seit Jahren laufen diese Hochzinsanleihen auch weiter. Im Grunde haben wir derzeit eine Notsituation. Mit hochwertigen Anleihen im Staatsanleihebereich kann man keinen Pfennig mehr verdienen. Es gibt ja quasi keine sinnvollen Alternativen mehr, und man muss ins Risiko gehen“, erklärt Jasperneite.

Klar sei aber auch, dass der Punkt kommen werde, an dem man nicht mehr für das Risiko belohnt werde. „Aber da neigen wir dann auch wieder dazu, auf die harten Fakten wie Gewinne und Konjunkturdaten zu schauen. Solange sich diese Daten verbessern und die Ausfälle bei nahe null sind, kann ich nicht nachvollziehen, warum ich heute bei Hochzinsanleihen rausgehen sollte. Das überdenken wir natürlich jeden Tag. Sobald sich ein Wendepunkt anbahnt, passen wir das an. Bis dahin muss ich aber die Renditen mitnehmen, die dort vorhanden sind.“

Jasperneite zeigt sich nicht nur auf dem Rennrad im Hamburger Wald pragmatisch, sondern auch bei seinen Investments. Das passt sehr gut zur nüchternen Hamburger Art. Dabei zog Jasperneite erst Anfang der Jahrtausendwende in die Hansestadt. Zuvor studierte er an der Universität Passau VWL und promovierte anschließend dort am Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik. Nach einem Forschungsaufenthalt an der Harvard University wechselte er im Jahr 2000 als Analyst im Makro-Research zur M.M.Warburg. „Ich hatte nie vor, zu einer Bank zu gehen. Ich war auch schon durch meine Tätigkeit an der Passauer Universität verbeamtet. Aber dann habe ich meine Frau kennengelernt, die Hamburgerin ist. Lange Zeit bin ich dann zwischen Passau und Hamburg gependelt. Deswegen habe ich dann beschlossen, mich nach einem Beruf in Hamburg umzuschauen“, blickt Jasperneite zurück.

Die Bankengruppe rückt zusammen

Nach 17 Jahren in Hamburg und einer zweijährigen Zwischenstation als CIO bei Marcard, Stein & CO verantwortet Jasperneite heute das Asset Management der Warburg-Gruppe, die für ihre Kunden ein Vermögen von rund 51 Milliarden Euro verwaltet (Stand Ende Dezember 2015) und sich im Wandel befindet. So wurden im Herbst 2016 die ehemaligen Tochtergesellschaften Bankhaus Hallbaum, Bankhaus Löbbecke, Bankhaus Plump und Schwäbische Bank auf die Muttergesellschaft M.M.Warburg & CO verschmolzen. Die Standorte und Namen der traditionsreichen Institute bleiben erhalten. Sie firmieren nun mit dem Zusatz „Eine Zweigniederlassung der M.M.Warburg & CO“.

Für die Kunden ergeben sich daraus auf den ersten Blick keine Veränderungen. Sie werden auch weiterhin von den bestehenden Standorten aus und von ihren gewohnten Ansprechpartnern betreut. In einer Zeit von steigender Regulierung und damit einhergehend höheren Kosten rückt die Bankengruppe mit diesem Schritt noch enger zusammen und bündelt ihre Stärken. „Sie ist somit auf die Veränderungen des Marktes, den technologischen Wandel und insbesondere auf die immer weiter steigenden regulatorischen Anforderungen bestens vorbereitet“, bilanziert Jasperneite. Den Kunden könne überall ohne Umwege oder Größenrestriktionen die volle Angebotspalette geboten werden, während gleichzeitig der Aufwand für Umsetzung und Prüfung sinke. Die weiteren zur Warburg Bankengruppe gehörenden Tochtergesellschaften Warburg Invest, M.M.Warburg & CO Hypothekenbank, Marcard, Stein & Co sowie die Unternehmen in der Schweiz und Luxemburg sind von der Verschmelzung nicht erfasst.

Einer für alle

Insgesamt wolle die Bankengruppe verstärkt auf die besonderen Fähigkeiten aus den verschiedenen Bereichen der Bankengruppe zugreifen und diese möglichst optimal bündeln. „Ein Beispiel: Wenn ein Portfoliomanagement im Hinblick auf dividendenstarke Aktientitel einen hervorragenden Track Record aufweist, wäre es nicht sinnvoll, dieses Know-how nicht für die gesamte Bankengruppe zu nutzen. Das bedeutet, dass einzelne bewährte Komponenten für alle Banken der Gruppe genutzt werden“, erklärt Jasperneite.

Man müsse nicht nur auf der Business-, sondern auch auf der Investment-Seite neue Wege gehen und alternative Lösungen für die aktuelle Marktsituation finden. „Das klassische Geschäft darf man aber auch nicht vergessen. Die meisten Assets werden immer noch in klassischen Multi-Asset-Portfolios verwaltet. Da muss man immer wieder seine Methoden überdenken und sich hinterfragen, ob man noch zeitgemäß agiert“, so Jasperneite.

Die vergangenen Jahre hatte man laut Volkswirt Jasperneite den Eindruck, dass die fundamentalen Daten keine große Rolle mehr gespielt haben. „Wir legen allerdings sehr großen Wert auf Fundamentaldaten bei der Allokation. Von Frühling 2015 bis Herbst 2016 gab es eine Phase, in der man mit den klassischen Indikatoren Fehlsignale produziert hat, weil die Märkte durch geldpolitische Entscheidungen und politische Entwicklungen überlagert waren. Inzwischen funktionieren die klassischen Methoden basierend auf Konjunkturdaten und Gewinnrevisionen aber wieder, und man kann Allokationssignale ableiten.“

So ist Jasperneite derzeit sehr Aktien-lastig unterwegs – sowohl in Europa als auch in den USA. „Wir sind am oberen Rand dessen, was unsere Bandbreiten hergeben.“ Im Moment habe die M.M.Warburg auf Europa ein etwas stärkeres Gewicht gelegt, weil man der Meinung sei, dass Europa etwas günstiger bewertet ist und im Konjunkturzyklus ein bisschen mehr Potential hat. „Aber auch die USA ist ordentlich. Seit der Trump-Wahl sind die Frühindikatoren nach oben gesprungen und die realwirtschaftlichen Daten sind auch unabhängig von der Trump-Wahl besser geworden. In beiden Regionen kann man sehr gut rechtfertigen, übergewichtet zu sein“, so Jasperneite.

Die Aktienquote wurde im Laufe des Jahres 2016 sukzessive aufgestockt und nochmals massiv Ende 2016 erhöht. Und wenn es einmal an den Märkten knallen sollte, sei der US-Markt immer der gewesen, der etwas vernünftiger und gemäßigter reagiere, daher sei die USAktienposition auch eine Art Stabilisator im Portfolio.

Eine Position, die mittelfristig immer wichtiger werden wird, sind Schwellenländer-Investments. „Über die nächsten Jahre kommt man nicht hinweg, die strategische Quote bei Schwellenländer-Aktien anzuheben. Wir haben derzeit ein kleines Übergewicht bei EM-Aktien. Aber langfristig muss man die Quoten nach oben ziehen“, sagt Jasperneite. In Schwellenländern finde Gewinnwachstum statt, und die Marktperformance werde bei mehr als 8% liegen. Entwickelte Länder würden hingegen in den kommenden Jahren bei rund 6% Marktperformance liegen. „Deswegen macht es Sinn, diese Länder perspektivisch stärker zu berücksichtigen.“

Und sollten die Investments in unwägbarem Gelände liegen oder Risiken beinhalten, die viele Investoren abschrecken, werden Jasperneite und sein Team die Situation analysieren, darauf reagieren, und im Zweifelsfall die Reifen wechseln, um auch die schönsten Strecken und unbefahrenen Wege zu erschließen.

Dieser Text erschien erstmals im vom Mai 2017.

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