Citywire - Für professionelle Investoren

Melden Sie sich an um unbeschränkten Zugriff zur Fondsmanager-Datenbank von Citywire zu bekommen. Die Anmeldung ist kostenlos und dauert nur wenige Minuten.

„Closet Indexing“-Debatte: Darauf müssen Vermögensverwalter bei der Fonds-Auswahl achten

„Closet Indexing“-Debatte: Darauf müssen Vermögensverwalter bei der Fonds-Auswahl achten

Sogenanntes „Closet Indexing“ beschäftigt derzeit nicht nur die BaFin, sondern auch Vermögensverwalter. Fonds, die zwar als aktive Strategien verkauft werden, aber im Grunde nur einen Index abbilden, treten derzeit immer häufiger in Erscheinung.

Laut der Europäischen Wertpapieraufsicht ESMA könnten rund 15% der europäischen Fonds, die aktiv vertrieben werden, letzten Endes passive Instrumente sein. Worauf müssen Vermögensverwalter beim Fonds-Kauf achten, wenn sie wirklich aktives Management erhalten wollen?

Auf diese Frage geht Harald Bareit, Geschäftsführer von QC Partners, einer Asset Management-Gesellschaft mit Sitz in Frankfurt am Main, ein. Zu den Kunden von QC Partners zählen Versorgungswerke, Banken, Versicherungen und andere institutionelle Anleger.

Herr Bareit, wie aktiv müssen Fonds sein, um wirklich als aktive Fonds zu gelten?

Dafür gibt es bestimmte Kennzahlen, wie etwa den Aktivitätsgrad (Active Share) eines Fonds, der die Abweichung von der Benchmark misst, sowie Standardabweichungen von einem Index (Tracking Error) und Bewegungen, die auf Referenzindizes zurückgehen (R-Quadrat). Von der Aussagefähigkeit dieser Kennzahlen ist allerdings nicht jeder Marktteilnehmer überzeugt. Die Diskussion richtet sich derzeit vornehmlich auf den Aktivitätsgrad der Investmententscheidungen. Dies greift aus unserer Sicht zu kurz – zum Beispiel rechtfertigt ein Fondsmanager seine aktive Rolle auch über die intensive Begleitung im Risikomanagement.

Derzeit prüft die BaFin, ob als aktiv vertriebene Fonds lediglich einen Index nachbilden, also ein sogenanntes „Closet Indexing“ betreiben. Häuft sich dieses Problem aus Ihrer Sicht?

Dem ging eine Untersuchung der Europäischen Wertpapieraufsicht ESMA zum Aktivitätsgrad von Fonds voraus. Danach könnten bis zu 15% derjenigen Fonds in Europa, die als Produkte mit aktivem Fondsmanagement beworben werden, betroffen sein. Ich glaube nicht, dass die Branche sich absichtlich in eine entsprechende Richtung entwickelt hat. Vielmehr hat dies mit Marktbedingungen zu tun. Mit den von der ESMA und anderen Aufsichtsbehörden eingebrachten Fragestellungen erhält die Diskussion um die Vor- und Nachteile aktiv und passiv gemanagter Fonds eine neue Dynamik.

Worin liegt die besondere Gefahr von Fonds, die sich zwar als aktive Fonds vertreiben lassen, aber letzten Endes nur einen Index abbilden, für Vermögensverwalter?

Wenn die Debatte vornehmlich um die Vor- und Nachteile aktiver Fonds versus passiver Indexfonds (ETFs) kreist, dann ist dem Vermögensverwalter damit wenig geholfen. Fakt ist: Innerhalb des aktiven Fondssektors gibt es erhebliche Unterschiede im Aktivitätsgrad der Fonds. Einige Fonds können beispielsweise ob ihrer Struktur und Strategie per se passiv nicht nachgebildet werden. Dann gibt es aber auch solche Fonds, die sich – gerade in schwierigen Marktphasen ­– näher an einen Index anlehnen. Die Vorteile des aktiven Managements sind dann ­– renditeseitig, aber auch mit Blick auf Stop-Risk-Systematiken ­– begrenzt. Insofern ist eine Entwicklung denkbar, in der der Markt sich selbst reguliert: Traditionelle Anlagen, wie etwa reine Aktienanlagen, könnten einen stärkeren Schwenk in Richtung passiver Indexfonds vollziehen. Während Strategien, die wirklich aktiver Eingriffe bedürfen - zum Beispiel mit Blick auf Risikomanagement - eine Aufwertung erleben.

Worauf sollten Vermögensverwalter achten, wenn Sie in aktive Fonds investieren möchten?

Natürlich sollte der Vermögensverwalter weiterhin darauf achten, wie regelmäßig es dem Manager gelingt, seine Benchmark zu schlagen. Darüber hinaus sollte er überprüfen, wie gut der Manager die oftmals kurzfristigen Auf- und Abwärtsphasen der Märkte zur Erzielung eines Mehrwerts für den Anleger nutzt. Vom Manager einfordern kann er Informationen darüber, wie dieser seine aktive Rolle rechtfertigt – etwa über die Häufigkeit der Eingriffe und Umschichtungen zur Erzielung von Ertragschancen oder zur Risikoabsicherung, um einen Schutz nach unten zu bieten.

Wo liegen Ihrer Meinung nach die Vorteile von aktiven Fonds gegenüber passiven Instrumenten?

Nur mit ETFs werden Anleger Verluste in Phasen hoher Volatilität nicht vermeiden können. Diese Verlustbegrenzung erfordert aktive Eingriffe und Strategien, die möglichst wenig mit anderen Werten korrelieren. Dafür muss sich ein Portfoliomanager laufend auf ständig ändernde Marktparameter einstellen. Dies bedarf eines aktiven Managements, ebenfalls können rein computerbasierte Modelle nicht allein eine Behavioral Finance-Strategie oder eine auf Beobachtung und Nutzung der Derivatemärkte gestützte Strategie steuern. Dafür, dass er für diese Strategie Gebühren zahlt, darf der Vermögensverwalter Diversifikationseffekte, Zusatzerträge oder aktives Risikomanagement erwarten.

Ist es aufgrund von steigender Regulierung für Vermögensverwalter nicht leichter, durch Investments in passive Instrumente Kosten zu sparen?

Sowohl aktiv gemanagte Fonds, als auch solche, die lediglich einen Index nachbilden, operieren derzeit innerhalb historisch exzeptioneller Rahmenbedingungen. Einher mit der derzeitigen EZB-Politik, die mehr als die Aufrechterhaltung der Geldwertstabilität verfolgt, gehen erhebliche Marktverzerrungen. Die EZB kauft monatlich Staats- und Unternehmensanleihen im Gegenwert von €80 Milliarden. Die Marktteilnehmer müssen nachhaltige Niedrig- und Negativzinsphasen hinnehmen. Natürlich wollen Vermögensverwalter in solch einem Umfeld über die Kostenseite ihren Gesamtkapitalaufwand steuern. Es sind Gründe wie diese, die den passiven Fondssektor auf ein Volumen von mehreren Billionen Euro haben anwachsen lassen.

Wie wird sich Ihrer Meinung nach das Verhältnis zwischen aktiven und passiven Fonds in den kommenden Monaten entwickeln. Werden immer mehr Investoren zu passiven Instrumenten greifen oder wird sich ein aktiv verwalteter Fonds immer durchsetzen?

Aktive und passive Fonds als Ergänzung zueinander und für eine ausgewogene Portfolio-Mischung sind sinnvoll. Aufgrund der wenig auskömmlichen Renditen von Staatsanleihen werden Anleger ihren Blick auf Produkte richten, die entweder über niedrige Preis-/Gebührenstrukturen punkten (zum Beispiel ETFs), oder als alternative Investments eine breite Streuung oder Zusatzrendite versprechen. Für Portfolien mit solchen Beimischungen – sei es beispielsweise über Derivate, Sachwerte oder Private Equity – rechnen wir mit einer steigenden Bedeutung des aktiven Managements.

Kommentar hinterlassen

Bitte melden Sie sich an oder registrieren Sie sich um zu kommentieren. Die Registrierung ist kostenlos und wird nur ein bis zwei Minuten dauern.
Unterwegs mit der Community
  • Citywire Deutschland 2017

    Citywire Deutschland 2017

  • Citywire Deutschland 2017

    Citywire Deutschland 2017

  • Citywire vs Sauren 2017

    Citywire vs Sauren 2017

  • Patricia Gasiorowska besucht Maria Spanner von Ariqon in Wien

    Patricia Gasiorowska besucht Maria Spanner von Ariqon in Wien

  • Vermögensverwalter Roundtable im Citywire HQ, München

    Vermögensverwalter Roundtable im Citywire HQ, München

  • Stefan Sealey tauscht sich mit Tobias Ueffing von Allianz Global Investors aus

    Stefan Sealey tauscht sich mit Tobias Ueffing von Allianz Global Investors aus

  • Wiesn-Treffen mit Katharina Ehrhardt von W&W

    Wiesn-Treffen mit Katharina Ehrhardt von W&W

  • Talabfahrt mit Thomas Metzger von Bankhaus Bauer

    Talabfahrt mit Thomas Metzger von Bankhaus Bauer

  • Das Citywire München Team freut sich auf Ihre Kontaktaufnahme

    Das Citywire München Team freut sich auf Ihre Kontaktaufnahme

  • Citywire Deutschland 2016

    Citywire Deutschland 2016

  • Citywire Deutschland 2015

    Citywire Deutschland 2015

  • Citywire Deutschland 2015

    Citywire Deutschland 2015

  • Citywire vs. Sauren 2015

    Citywire vs. Sauren 2015

  • Citywire Deutschland 2015

    Citywire Deutschland 2015

  • Elisa Morettini zum Mittagsessen mit W&W AM

    Elisa Morettini zum Mittagsessen mit W&W AM

  • Elisa Morettini in Wien mit Marcus Klug, von Bundespensionskasse AG

    Elisa Morettini in Wien mit Marcus Klug, von Bundespensionskasse AG

  • Citywire Deutschland 2014

    Citywire Deutschland 2014

  • Citywire Deutschland 2014

    Citywire Deutschland 2014