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Das deutsche Geschäftsklima unter der Lupe

Das deutsche Geschäftsklima unter der Lupe

Das Geschäftsklima in Deutschland hatte sich zuletzt erheblich verschlechtert. Nun ist der ifo-Index, der Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands, im November auf 104,7 Punkte gestiegen. Das sind 1,5 Punkte mehr als im Vormonat.

Vieles deutet also auf gute Geschäftsaussichten in den kommenden Monaten hin. Für Citywire Deutschland haben vier Experten ihre Einschätzungen zur Lage der deutschen Wirtschaft gegeben.

Frank Schwarz, Portfoliomanager, MainFirst - Absolute Return Multi Asset

Die Erholung, die der ifo-Index anzeigt, war bereits beim Einkaufsmanager (im Vormonat)- und ZEW-Index zu verzeichnen. Auch einige vorlaufende Indikatoren signalisierten diese Erholung.

Wenn man sich das Exportgeschäft in Deutschland anschaut, dann sind die Exportfirmen im gegenwärtigen Umfeld die großen Gewinner. Am Jahresanfang lag der EUR/USD Wechselkurs bei 1,37, aktuell steht dieser bei 1,24. Die Auto- und Pharmaindustrie, sowie Luxusgüter- und Flugzeughersteller sollten in diesem Zusammenhang am meisten profitieren. Auch europäische Technologietitel und Zementhersteller halten wir aber nicht nur aus diesem Grund für interessant.

Die Hauptursache der Marktkorrektur im Oktober war aus unserer Ansicht nach auf Verkaufsdruck bei geringer Liquidität im Rentenbereich (High Yield USA) zurückzuführen, welcher dann auf den Aktienmarkt überging. Hierdurch entstand ein Herdentrieb, der sich von Tag zu Tag verstärkte.

Auf diese Kettenreaktion nach unten folgte eine V-förmige Erholung ab Mitte Oktober, an der nur ein Teil der Investoren partizipierten. Nach und nach werden nun die Absicherungen geschlossen. Der Herdentrieb geht nun in die entgegengesetzte Richtung.

Bis zum Jahresende erwarten wir steigende Aktienkurse mit Fortsetzung im Kalenderjahr 2015. In Deutschland, aber auch in den meisten anderen Staaten, waren aus Bewertungssicht Aktien im Vergleich zu Renten in den letzten 100 Jahren noch nie so unterbewertet.

Edward Bonham Carter, Vice-Chairman, Jupiter Asset Management

Die Zahlen des ifo-Index sind vielversprechend. Die deutsche Wirtschaft hat ein starkes fundamentales Umfeld und eine sehr starke Präsenz in vielen Industrien und Sektoren. Auch der Mittelstand ist gesund.

Natürlich gibt es immer kurzfristige Gegenwinde und Deutschland hat ein höheres Exposure zu Russland als andere Länder. Auch die neue Dynamik der Energiegewinnung ist in diesem Zusammenhang nicht zu vernachlässigen, da sich Deutschland weg von der Atomenergie bewegt und hin zu erneuerbaren Energien. Das ist langfristig gesehen vielleicht die richtige Entscheidung, jedoch könnte es kurzfristig auch weh tun.

Wenn man sich die Levels der Inflation (oder Deflation) in der Eurozone anschaut, dann sieht man schon, dass Deutschland und der deutsche Verbraucher ‚zu viel‘ spart, was wiederum die Bilanzen der südlichen Länder beeinträchtigt.

Bezüglich der Firmen in Deutschland, sind die Kosten der Verschuldung im Niedrigzinsumfeld zwar niedrig, jedoch sind die wirklichen Kosten für einige Firmen schon sehr hoch. Deswegen bleibt es auch in der Zukunft wichtig, dass der Cash-Flow positiv bleibt und das Verhältnis zwischen Verbindlichkeiten, Fremdmitteln und Einnahmen stimmt. Insgesamt ist der Unternehmenssektor aber in guter Verfassung.

Daniel Zindstein, Leiter Portfoliomanagement, GECAM AG

Schon im Oktober dieses Jahres sagten wir, dass die Stimmung viel schlechter ist als die Lage. Aus diesem Grund überraschen uns die aktuell wieder positiver werdenden Konjunkturindikatoren nicht. Im Gegenteil: Eine Wende war bereits zu erwarten. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Die IWF/Weltbanktagung Anfang Oktober hatte zum Ziel Staaten zu mehr Aktionismus zu zwingen
 Konjunkturprogramme Europa/Deutschland, EZB-Quantitative Easing). Dafür wurde im Vorfeld die schlechte Stimmung geschürt (Weltrezession, Rezession in Europa). Dieser Umstand war Anfang Oktober leider nicht unwichtig für die Ängste an den Märkten.

Die extrem schlechte Industrieproduktion und Auftragseingänge aus Deutschland im August waren dieses Jahr hauptsächlich saisonal bedingt (Werksferien
der Automobilindustrie fielen komplett in den August).

Die Gewinne der Unternehmen sowohl in den USA als auch in Deutschland sind stabil. Im DAX haben über 40 Prozent der Unternehmen die Erwartungen
des Marktes sogar übertroffen. Mit 27,7 Mrd. Euro operativem Ergebnis haben die deutschen Blue-Chips das beste 3. Quartal der Geschichte erzielt.

Die Ebit-Marge der profitablen Unternehmen stieg von 7,9 auf 9,0 Prozent. Die DAX-Unternehmen werden davon im Frühjahr 2015 knapp 29 Mrd. Euro als Dividenden ausschütten – so viel wie nie zuvor.

Walter Sommer, Fondsmanager OP Food Fonds, GS&P Grossbötzl, Schmitz & Partner

Legt man die ifo Zahlen der vorangegangenen sechs Monate über die jeweilige Nachrichtenlage in diesem Zeitraum (Ukraine, Russland, ISIS, etc.) ist nachzuvollziehen, weshalb die Stimmung bei den befragten Personen negativ war. Diese Nachrichten sind mittlerweile weitestgehend in ihrer Dramatik abgeklungen. Gleichzeitig setzt Draghi verbal positive Impulse, die zu verbesserter Stimmung aufgrund voraussichtlich niedrigerer Refinanzierungskosten führen. Unterm Strich führt dies zu einem positiveren ifo, also einer positiveren Stimmung.

Was die Bewertungen anbelangt, so sind wir bei historischer Betrachtung im Dax in einem nicht mehr ganz neutralen Bewertungsbereich. Jedoch haben sich im Rahmen der Geldschwemme und den niedrigen Zinsen auch die Variablen für die Unternehmensbewertung verschoben.

Man kann also sagen, der Dax ist mit seinem aktuellen KGV von gut 17 weder günstig noch wirklich teuer bewertet. Der historische Median liegt bei knapp 16. Das gilt auch für eine vergleichende Betrachtung mit anderen Leitindizes, wie z.B. dem S&P 500, mit einem aktuellen KGV von ca. 18 (Der Median liegt dort bei 17,7). Zum Ende des Jahres wird traditionell noch ein großes Volumen über die Anlageklassen hinweg disponiert. Bei anhaltender positiver Stimmungslage ist vieles denkbar, auch eine Jahresendrallye.

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