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Das Erbe von Bill Gross: Scott Mather über den PIMCO Total Return

Das Erbe von Bill Gross: Scott Mather über den PIMCO Total Return

Als Scott Mather den PIMCO GIS Global Fund im Jahr 2008 übernahm, musste er diesen durch eine der schwersten wirtschaftlichen Zeiten der Finanzwelt navigieren. Kurz nach der großen Finanzkrise galt es, kluge Entscheidungen zu treffen und die kurz-fristige Performance des Fonds zu sichern, aber auch ein Fundament zu legen, das bis heute noch Bestand hat. Zwar sieht die Lage am Anleihemarkt sieben Jahre nach der großen Krise scheinbar entspannter aus, doch gibt es große Themen, die wie im Jahr 2008 einen entscheidenden Faktor für die Positionierung des Fonds spielen. Dazu gehöre beispielsweise die korrekte Einschätzung der Politik der Notenbanken, so der Anleihespezialist.

„Was wir in der Vergangenheit schon immer gut gemacht haben, ist, die Unterschiede zwischen den Ländern zu verstehen. In der Krise und der Zeit danach haben wir korrekt antizipiert, welche Län­der als nächstes geldlockernde Maßnahmen durchführen würden. Den Fonds haben wir so positioniert, um davon zu profitieren“, so Mather, der ebenfalls CIO für U.S. Core Strategies bei PIMCO ist.

Als der schlimmste Teil der Krise überwunden war, steuerte der Anleihemarkt jedoch auf einen erneuten Tiefpunkt zu, der vielen Investoren zum Verhängnis wurde. Wie nach jedem Rückgang am Markt gab es eine Fülle an Opportunitäten, die zunächst attraktiv aussahen, aber auch große Gefahren bargen. Auch diesen Rück­schlag am Markt konnte Mather weitestgehend vermeiden.

„Viele Investoren haben zu viel und zu früh im Kreditmarkt inves­tiert. Oder sie sind zu viel Risiko in der Peripherie eingegangen, als die Probleme in den Jahren 2009 und 2010 noch schlimmer wurden.“

Die Entscheidungen von Scott Mather und seinem Team spiegeln sich auch deutlich in der Performance des rund €7,09 Milliarden schweren PIMCO GIS Global Bond Fund wider. Der Fonds schlägt seinen Index, den Citi WGBI TR USD, über alle Zeiträume. Über

die letzten sieben Jahre konnte der Fonds eine Rendite von 116,3% erzielen, sein Index stieg um 59,4%.

Scott Mather ist seit Oktober 2011 durchgängig von Citywire mit einem Rating ausgezeichnet. Bereits seit August 2013 verfügt er über das höchste Citywire AAA-Rating.

Der Hochsommer der Fed

Den PIMCO GIS Global Bond Fund managt Mather seit ein paar Monaten nicht mehr. Die Verantwortung für den Fonds haben seine Kollegen Andrew Balls und Lorenzo Pagani übernommen. Mather managt weiterhin eine Vielzahl an Fonds für PIMCO, doch die wirklich neue und große Herausforderung kam mit dem Weggang von PIMCO Gründer Bill Gross und der damit verbundenen Über­nahme des rund €8,1 Milliarden schweren PIMCO GIS Total Return Fonds, den Mather nun seit Ende letzten Jahres zusammen mit Mihir Worah, dem CIO für Asset Allocation und Real Return, sowie mit Mark Kiesel, dem CIO für Global Credit managt.

Der Fonds musste große Abflüsse verkraften, nachdem bekannt wurde, dass Bill Gross zu Janus Capital wechseln würde. Jedoch habe dies auf die Performance keine Auswirkung gehabt, sagt Mather. Der Medienrummel um den Gross-Wechsel hat sich mittlerweile gelegt, viel wichtiger sei seit letztem Jahr eine korrekte Antizipation und entsprechende Positionierung hinsichtlich der ersten Zinsschritte der Fed, die Mather noch am Ende des Sommers 2015 erwartet.

„Eine der großen Ereignisse auf unserer Agenda ist die mögliche Zinserhöhung der Fed, auch wenn die globalen Zentralbanken wie die EZB, die Bank of Japan oder einige Schwellenländer-Banken ihr Geld weiterhin lockern.“

Die strategischen Veränderungen in der Positionierung des PIMCO GIS Total Return Fonds in den letzten sechs bis neun Monaten unterteilt Mather in drei Säulen: Eine Erhöhung des Untergewichts in US-Laufzeiten am kurzen Ende der Zinskurve, der Fokus auf inflati­onsindexierte Anleihen und die Erhöhung in US-Dollar Positionen.

„Wir sind der Meinung, dass die Fed am ehesten im Sommer handeln wird und die Zinsen normalisiert. Jedoch preist der Markt dieses Ereignis eher am Ende dieses und Anfang des nächsten Jahres ein. Das bedeutet, dass wir ein höheres Untergewicht am kurzen Ende der Zinskurve haben. Hier waren wir in der Vergangenheit auch oft übergewichtet – das ist also eine größere Veränderung in unserer Positionierung“, so Mather.

Eine weitere deutliche Veränderung sei der Fokus auf inflationsin­dexierte Anleihen. Anstatt in normale Treasuries zu investieren, die wiederum im Falle einer erhöhten Inflation stark in Verzug geraten könnten, habe man die inflationsindexierten Anleihen als „Ersatz“ genutzt. Diese könnten sowohl positiv von der Veränderung in der Inflation, als auch der Inflationserwartung profitieren, so Mather.

„Der Tiefpunkt der Inflation ist nicht mehr weit weg, deswegen glauben wir, dass inflationsindexierte Anleihen eine Outperformance gegenüber nominalen Anleihen haben können. Im Falle höherer Zinsen sollte die Position einen guten Puffer im Portfolio darstellen.“

Als dritten Punkt nennt der Anleiheexperte die Erhöhung der in US-Dollar begebenen Positionen. In diesem Zusammenhang erwartet Mather, dass sich die Währung in den nächsten ein bis zwei Jahre weiterhin verstärken wird. Grund dafür sei die vorangeschrit­tene Wirtschaftserholung in den USA. Der jüngste Dollar-Rückgang von etwa 5% sieht Mather als eine kleine „Verschnaufpause“ und als eine Chance zum Zukauf.

„Wir sind mehr in US-Dollar investiert und in anderen Währungen untergewichtet. Wir wollen uns auf den Dollar fokussieren. Auch wenn wir außerhalb der USA noch attraktive Möglichkeiten finden, sind diese immer komplett währungsgesichert.“

Schwellenländer ohne die Risikoschwelle

Wie kann man von Schwellenländer-Positionen im Fonds profitieren und gleichzeitig das „Schwellen-Risiko“ minimieren? Dazu müsse man sehr gezielt vorgehen, antwortet Mather. Zwar habe man das Exposure in dem Bereich am Ende des letzten Jahres und dieses Jahres erhöht, jedoch habe man sich insbesondere in den letzten sechs Monaten auf ein spezifische Auswahl an Emerging Markets fokussiert und von vornherein auf gewisse Risiken verzichtet.

„Wir haben uns in den letzten sechs Monaten auf eine bestimmte Auswahl an Schwellenländern fokussiert. In Ländern wie Mexiko glauben wir, dass lokale Zinsen einen guten Ersatz für US-Staatsan­leihen bieten. Auch wenn wir das Exposure in der letzten Zeit etwas verringert haben, sind wir hier immer noch positiv eingestellt.“

Der Grund für die positive Haltung gegenüber Mexiko seien die höheren Kapazitäten, die das Land noch für Investoren bietet, was daraus resultiere, dass der Wirtschaftszyklus Mexikos dem Zyklus der US-Wirtschaft um sechs Monate bis einem Jahr hinterherhinke. Die Zentralbank Mexikos habe sich eher wie eine „altmodische“ Zentralbank der entwickelten Märkte verhalten, indem sie keine außergewöhnlichen Geldlockerungsmaßnahmen durchgeführt hat, um der Wirtschaft mehr Schwung zu verleihen, so Mather. Im Kontext des extrem niedrigen Zinsumfelds in anderen Wirtschaften sei die Cash-Rate in Mexiko wiederum eher „normal“, fügt Mather hinzu.

„Mexiko hat eine 3% Basis-Zinsrate und im zehnjährigen Bereich bekommt man bereits Zinsen in Höhe von 6,25%. Das ist damit die steilste Zinskurve weltweit und fängt in dem heutigen Kontext trotzdem auf einem attraktiven Level an“, so der Fondsmanager.

Wenn man sich das Gesamtbild der Schwellenländer anschaut, müsse man jedoch mit großer Sorgfalt vorgehen, sagt Mather. Man solle beispielswiese bei chinesischen Emittenten aus dem Immobilienbereich vorsichtig agieren – hier kam es in der letzten Zeit schon zu vermehrten Zahlungsunfähigkeiten und diese könnten zunehmen, meint Mather.

Der gezielte Umgang mit dem Risiko wirkt sich für Mather positiv auf seine risikoadjustierte Performance über fünf Jahre aus. Hier ist der Fondsmanager auf dem ersten Platz aller Manager im Sektor für globale Anleihen.

Die Sorge um Liquidität

Insgesamt gäbe es seitens der Investoren zu viel Nachlässigkeit hinsichtlich der Liquidität am Anleihemarkt, sagt Mather. Auf der einen Seite gibt es eine immense Liquidität seitens der Zentral­banken und Rekord-Emissionen im Unternehmens-Sektor, auf der anderen Seite würden Anleger den wirklichen Liquiditäts-Aspekt bei diesen Positionen allerdings ignorieren und ihr Portfolio nicht genug an das Umfeld anpassen.

Mit diesen Aussagen ist Mather keineswegs alleine. Im Gegenteil. Investoren über den gesamten Unternehmensanleihe-Sektor finden es zunehmend schwerer, Anleihen zu kaufen und zu verkaufen. Sogar Staatsanleihen sind in der letzten Zeit unter Druck geraten und Robert Stheeman, Leiter des UK Debt Management Offices, warnte jüngst davor, dass der Gilt-Markt ebenfalls unter nicht vorhandener Liquidität leiden könnte. Zwar müsste eine wirkliche Liquiditäts-Krise durch ein bestimmtes Ereignis ausgelöst werden, durch das Inves­toren in einem großen Schub aus dem Anleihemarkt flüchten, doch die wahrscheinliche Leitzinserhöhung der Fed im Sommer sollte man nicht unterschätzen. Das weiß auch Scott Mather.

„Es bedarf nur einer kleinen Veränderung, in der sich der Markt neu positionieren will – zum Beispiel aus Schwellenländern oder aus dem Unternehmens-Sektor raus – und schon hat man eine überdi­mensionale Bewegung. Das ist ein Risiko, wenn man nicht darauf vorbereitet ist, kann aber auch Opportunitäten mit sich bringen.“

Diesbezüglich gab auch der Anleiheveteran Jeffrey Gundlach kürzlich ein Kommentar ab und artikulierte seine Sorge hinsichtlich „Junk-Bonds“, die bald von einem Doppelschlag getroffen werden könnten. Zum einen von höheren Zinsen und zum anderen von einer Vielzahl an Fälligkeiten. Ganze $600 Milliarden an Schrottanleihen werden 2018 und 2019 fällig. Diese Anleihen seien ausschließlich in einem Umfeld erhöhter Liquidität geboren und aufgewachsen – was passiert, wenn die lockere Geldpolitik endet, ist nicht vorherzusehen.

Genau deswegen müsse jeder Investor in sein Portfolio einen „Puffer“ einbauen, sagt Mather als Empfehlung für Investoren. Nur so könne man beruhigt sein, dass man im Falle einer ernsten Liquiditäts- Problematik auch nach unten hin abgesichert sei, insbesondere weil dieser Trend eher Jahre als nur Monate andauern könnte.

„Um sich auf ein Umfeld mit geringerer Liquidität vorzubereiten, sollte man seine Positionen im Portfolio genau analysieren und sichergehen, dass jede Position einen Puffer eingebaut hat, da wir glauben, dass dies ein Trend ist, der mehrere Jahre andauern wird“, so Mather abschließend.

LEBENSLAUF SCOTT A. MATHER

Scott Mather absolvierte seinen Master in Maschi¬nenbau und seinen Bachelor an der University of Pennsylvania. Bevor Mather im Jahr 1998 zu PIMCO kam, war als Fixed-Income-Trader bei Goldman Sachs in New York tätig und fokussierte sich auf hy¬pothekarisch besicherte Wertpapiere. Bei PIMCO ist Scott Mather der CIO für US Core Strategien. Er ist ebenso Mitglied des Investment Komitees und ma¬nagt mehrere Fonds für die Firma. Davor war Mather unter anderem für das Portfoliomanagement in Eu¬ropa zuständig und kümmerte sich um europäische und pan-europäische Portfolios. Ebenso war er der Co-Leiter für PIMCOs Mortgage- und Asset-Backed Securities Team. Insgesamt hat der Anleiheexperte über 20 Jahre an Investmenterfahrung.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Juni-Ausgabe von Citywire Deutschland.

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