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Der Blick über den Tellerrand: Nina Kordes von Dr. Hellerich & Co

Der Blick über den Tellerrand: Nina Kordes von Dr. Hellerich & Co

Neugier war es, die Nina Kordes ursprünglich in die Welt des Fonds­managements geführt hat.

„Für mich war es schon seit Studienzeiten wichtig, über den Tellerrand zu schauen, zu verstehen, wie die globalen Kapital­märkte funktionieren, und einfach immer wieder meinen eigenen Horizont zu erweitern.“

Die Diplom-Ökonomin, die vor zwei Jahren der Vermögensver­waltung Dr. Hellerich & Co in München beigetreten ist, schloss ihr Studium an der Universität Bremen und an der New School University in New York ab. Für ihre Diplomarbeit nutzte sie ihre Erfahrung in der angelsächsischen Finanzwelt und untersuchte die damals in Deutschland noch fremde Welt der Hedgefonds.

„Ich wollte ein Thema aufgreifen, das wirklich am Zahn der Zeit war. Man wusste damals in Deutschland noch nicht so richtig, was für Strategien Hedgefonds einsetzen. Für viele waren Hedgefonds eine Black Box.“

Ihre Neugier wird auch nach vierzehn Jahren Erfahrung in der Branche immer wieder neu geweckt. Zusammen mit Jochen Langhammer und Franz Haugg verwaltet sie zudem den über 55 Millionen Euro großen vermögensverwaltenden Hellerich Global Flexibel Fonds, der mit einer ausgewogenen bis konservativen Strategie beschrieben wird. Der Fonds investiert hauptsächlich in Einzelaktien, Anleihen und Drittfonds.

Bevor sie vor zwei Jahren zu Dr. Hellerich & Co. ging, war Kordes zwölf Jahre lang als Portfoliomanagerin im Aktienbereich und später auch Geschäftsführerin bei Mayr Investment Managers tätig. Bei Dr. Hellerich & Co ist sie für die Anlageberatung des über 20 Millionen Euro großen Hellerich WM Sachwertaktien Fonds zuständig. Daneben wagt sie mit dem Einstieg ins Multi-Asset-Management einen weiteren Blick über den Tellerrand.

„Als ich zu Hellerich gekommen bin, habe ich mich gefreut, viel­seitig investieren zu können und auch verschiedene Assetklassen abzudecken. Mit Multi-Asset ist es möglich, auf verschiedene Marktphasen zu reagieren. Man ist einfach flexibler, als wenn man nur in Aktien investiert.“

Über den Tellerrand geblickt

Mit dem Multi-Asset-Fonds, Hellerich Global Flexible, nutzt Kordes die Flexibilität, in Assetklassen zu investieren, die nicht unbedingt zur Massenware gehören.

„Es wird zwar viel über Emerging Markets und auch über chinesi­sche Aktien gesprochen, aber wahrscheinlich sind nach wie vor Viele in dieser Assetklasse nur gering investiert“, so die Einschätzung der Portfoliomanagerin, die betont, dass der Hellerich Global Flexibel Fonds defensiv aufgestellt ist.

Durch den Sturdza China Panda Fonds investiert Kordes mit dem Hellerich Global Portfolio in chinesische Aktien. Der von Lilian co-gemanagte Sturdza China Panda Fonds macht das fünftgrößte Exposure im Portfolio aus.

Nach dem eigenen Fonds, der die Top-Position im Portfolio ausmacht, und einem Immobilienfonds, dem Wertgrund WohnSelect Fonds, ist der Prince Street Emerging Market Fonds das drittgrößte Holding im Hellerich Global Flexibel Fonds. Dieser ist ein Schwellenländer- und Frontier Market-Fonds, der von David Halpert verwaltet wird.

Das Exposure in Schwellenländeraktien und –anleihen liegt insgesamt bei 10%. Der von Halpert verwaltete Fonds macht 5% des Hellerich Global Flexibel Fonds aus, während der Fonds von Lilian Co weniger als 2,5% des Portfolios ausmacht.

„Wir investieren seit Jahren in Schwellenländeranlagen, die wir sorgfältig aussuchen. Bei Fonds dieser Anlageklasse sehen wir es gern, wenn ein Absicherungsmechanismus, wie zum Beispiel eine aktive Kasse-Haltung, eingesetzt wird. So nehmen wir gerne den Fonds von David Halpert ins Portfolio, der sowohl in Aktien als auch in Anleihen investieren kann.“

Es handele sich dabei nicht nur um die Performance eines Mark­tes, sondern auch darum, wie sich der Fondsmanager in verschie­denen Phasen verhalten hat. Da sei bei dem Sturdza Fonds oder bei dem Schwellenländerfonds von Halpert die flexible Cash-Quote ebenso wichtig wie die Einzeltitelselektion.

„Man muss genau wissen, wofür der einzelne Fonds geeignet ist. Um ein Beispiel zu nennen: Wir nehmen den Fonds von Lilian Co nicht nur deswegen ins Portfolio, weil wir Exposure zum chinesischen Markt haben wollen. Wir wollen auch die Fähigkeit der Portfoliomana­gerin nutzen, den richtigen Moment am Markt abzupassen.

„Für uns ist es wichtig, nicht nur über Assetallokation zu investie­ren, sondern auch bei der Auswahl der Fonds zu verstehen, wie sich die Strategie des Fondsmanagers in verschiedenen Phasen verhält. Man muss genau wissen, in welche Titel investiert wird und warum – das gilt genauso bei der Auswahl von europäischen Aktienfonds wie auch von chinesischen Aktienfonds.“

Bei Dr. Hellerich & Co habe der Gründer, Dr. Peter Hellerich, schon früh angefangen, in chinesische Aktien zu investieren, so Kordes. Die Gefahr eines Home Bias besteht unter deutschen Investoren jedoch heute noch.

„Man darf nicht nur auf den deutschen oder auf den europäischen Markt schauen. Andererseits kennt man sich in diesen Heimat­märkten gut aus und geht kaum Fremdwährungsrisiken ein. Wenn man die Volatilität des Euro gegenüber anderen Währungen in den letzten zwei Jahren betrachtet, sieht man, wie wichtig die Wäh­rungskomponente in einem Portfolio mittlerweile geworden ist.“

Für das kommende Jahr sollte man jedoch nicht auf Fremdwäh­rung verzichten, so Kordes, die seit Jahren in den Templeton Growth Fund von Dr. Michael Hasenstab investiert.

„Wir sind sehr vorsichtig, was Hochzinsanleihen angeht und sehen, dass sich die Spreads mittlerweile deutlich verringert haben. Im Anleihenbereich setzen wir unter anderem auf den Templeton Global Bond Fund von Dr. Michael Hasenstab. Auch wenn die Performance des Fonds in manchen Marktphasen sehr schwankt, hat Herr Hasenstab sich über einen längeren Zeitraum als ein guter Fondsmanager bewiesen, der sehr aktiv und unabhängig vom Leitindex Anlageentscheidungen trifft.“

Rendite steckt in der Nische

In diesen noch sehr anspruchsvollen Zeiten an den Märkten bleiben Aktien für die Portfoliomanagerin die bevorzugte Assetklasse für das kommende Jahr. So investiert die Fondsmanagerin auch gerne in Nischen-Strategien.

Neben dem Schwellenländerexposure investiert Kordes daher unter anderem in eine Strategie der Würzburger Fondsmanager Jochen Knoesel und Ulrich Ronge, die auf deutsche Unternehmen in Sondersituation setzt.

„Wir suchen uns gern Nischen-Themen aus, deren Korrelation zum Gesamtmarkt gering ist und wo der Manager absolute Erträge anstrebt.“

Auch investiert der Fonds in den Biotechfonds, den FCP OP Medical Biohealth Trends Fonds, verwaltet von Dr. Michael Fischer und seinem Team.

„Wir nehmen den Fonds als Beimischung in das Portfolio. Wir sind angesichts der weltweit steigenden und alternden Bevölkerung vom Biotech-Trend sehr überzeugt und sehen ihn als Wachstumstreiber an.“

Im Immobilienbereich ist man seit längerer Zeit in den Wertgrund Immobilien Select Fonds von Fondsmanager Dr. Thomas Mayer investiert. Als einer der ersten Seed-Investoren habe man gezeigt, dass es nicht allein auf den Track Record eines Fonds ankomme.

„Wir geben guten Fondsmanagern eine Chance. Wenn der Fonds­manager durch andere Fonds seine Kompetenz zeigen kann, dann investieren wir auch in Fonds ohne Track Record.“

Zurück in die Hedgefonds-Welt?

Das meist diskutierte Thema im Team sei momentan die in der Finanzwelt anhaltende Frage, ob die Zinsen bald deutlich steigen werden.

„Es ist wenig hilfreich, zu prophezeien, wann die Zinsen steigen werden. Man sollte sich auf viele mögliche Szenarien einstellen. Wir glauben allerdings nicht, dass die Zinsen so schnell ansteigen werden, wie es derzeit am Markt behauptet wird. Hier kommen wir wieder zurück zu dem Punkt, warum Kasse als Assetklasse sehr sinnvoll ist.“

Als Alternative zu Aktien und auch Anleihen, wo es nicht nur schwierig bleibe, Renditen zu erwirtschaften, sondern wo auch für das nächste Jahr mit Rückschlagrisiken gerechnet werden müsse, investiert Kordes in Absolute Return-Strategien.

„Das, wofür früher die Hedgefonds-Produkte hauptsächlich stan­den, ist heute oft auch als reiner UCITS-Fonds erhältlich, nämlich eine Strategie mit einem Absolute Return-Ansatz. Was wir jedoch vermeiden wollen, sind Produkte mit risikoreichen oder unübersicht­lichen Derivatestrukturen.“

Kordes nennt als einen transparenten und guten Absolute Return-Fonds den von Geoff Oldfield betreuten Ennisfield Euro­pean Smaller Companies Fonds, der 1999 aufgelegt wurde.

Bei Produkten, die bei der Risikosteuerung stark auf Derivate zurückgreifen, bestehe jedoch die Gefahr einer mangelnden Transparenz und dadurch das Potenzial, dass man, wenn auch nur unbewusst, zu wenig diversifiziert ist, so Kordes.

„Was ich gerne sehen möchte, ist, wie man zu einem Ergebnis gekommen ist. Das Rendite-Risikoprofil einer Anlagestrategie lässt sich viel besser einschätzen, wenn das Fondsmanagement seinem Anlagestil treu bleibt und nicht plötzlich umstellt“, so die Portfoliomanagerin.

Für das nächste Jahr wird Flexibilität nötig sein, durch eine aktive Cash-Quote und breit diversifiziertes Portfolio.

„Im nächsten Jahr ist Kreativität gefragt. In diesem Niedrigzins­umfeld ist es sehr schwierig, im Anleihensegment attraktive Ren­diten zu erzielen. Dennoch darf man den ansonsten für Stabilität sorgenden Anteil im Portfolio nicht einfach durch Aktien ersetzen. Das würde das Risikoprofil zu sehr verschlechtern. Auf der Aktien­seite wird angesichts der hohen Bewertungen gutes Stock-Picking und auch Markt-Timing entscheidend sein.

„Es wird weiterhin nötig sein, sich mit neuen Themen auseinan­derzusetzen und auch bisher unbekannte Wege einzuschlagen.“

Nina Kordes

1994–1999 • UNIVERSITÄT BREMEN

  • Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, Abschluss Diplom Ökonom
  • Im Rahmen des Studiums Stipendium des DAAD für ein Studienjahr an der New School for Social Research, Graduate Faculty, N.Y.C.

1999–2012 • MAYR INVESTMENT MANAGERS GMBH

  • Portfolio Managerin, dann Leiterin Strategisches Portfolio Management
  • Management von quantitativ-basierten Aktienmandaten und Aktienfonds unterschiedlicher Anlageklassen, Entwicklung von Anlagestrategien (zwischenzeitlich Elternzeit für 2 Kinder)
  • ab 2010 Geschäftsführerin

2012–2014 • DR. HELLERICH & CO. GMBH

  • Senior Portfolio Managerin
  • Anlageberaterin des HELLERICH WM Sachwertaktien, Co-Anlageberaterin des HELLERICH Global Flexibel, Betreuung von Privatkundenmandaten

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Dezember-Ausgabe von Citywire Deutschland.

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