Citywire - Für professionelle Investoren

Melden Sie sich an um unbeschränkten Zugriff zur Fondsmanager-Datenbank von Citywire zu bekommen. Die Anmeldung ist kostenlos und dauert nur wenige Minuten.

Die Fabricius Vermögensverwaltung aus Frankfurt im Portrait

Die Fabricius Vermögensverwaltung aus Frankfurt im Portrait

Wenn man sich einen Ort vorstellt, den man mit Frank­furt und dem Verwalten von Geld in Verbindung bringt, kommen einem mehrere Hochhäuser von großen Banken in den Sinn. Gebäude und Institutionen, die das Stadtbild prägen, aber deren Vertrauen bei Kunden zuletzt gelitten hat. Anders hingegen zeigt sich das Büro der Vermögens­verwaltung von Michael Fabricius. Es ist kein mehrstö­ckiger Glasturm, der in der Skyline hervorsticht, sondern ein Büro, unmittelbar an der Alten Oper. Der Eingang liegt etwas versteckt zwischen zwei Restaurants auf dem Opernplatz, und vom Balkon der Firma hat man einen Blick auf die beiden Tower der Deutschen Bank.

Nur einen Steinwurf voneinander entfernt, trennt beide Firmen nicht nur das Erscheinungsbild und das verwaltete Geld, sondern vor allem die Art, wie sie jeweils damit umgehen. Insgesamt 130 Millionen Euro von rund 40 Kunden aus Deutschland, Österreich, Spanien und der Schweiz betreut Fabricius mit seinem Team aus sechs Mitarbeitern. Eine davon ist Veronica Fabricius, seine Frau. „Damals ist es mir gelungen, sie davon zu überzeugen, dass die Gründung einer eigenen Firma trotz diverser Alternativen der beste strategische Schritt war“, sagt Fabricius. Das liegt nun acht Jahre zurück. Bis heute haben er und seine Frau den Schritt nicht bereut.

Gründung ohne feste Investoren

„Mein Ansatz war, dass Dienstleister umso glaubwürdiger sind, je eindeutiger sie selbst unternehmerisch ins Risiko gehen. Das ist die mittelständische Prägung meiner Fami­lie“, sagt Fabricius, dessen Vater lange als Einzelhändler gearbeitet hat. „Wenn man sich um Vertrauen bewirbt, muss man Vertrauen stiften“, ist die einfache aber nicht immer befolgte Rechnung des Vermögensverwalters. Zum unternehmerischen Risiko zählt auch, dass Fabricius die KWG §32er-Lizenz der BaFin beantragte und seinen Namen als Firmennamen wählte: Fabricius Vermögens­verwaltung. Sechs Wochen nach Beginn der Lehman-Krise erhielt er seine Lizenz.

Fabricius ließ sich aber nicht entmutigen. Ohne Lead- Investor oder die vorherige Zusage von Kunden begann er. „Kunden kaufen nur von Siegern, und Sieger fragen nicht, ob Kunden mitkommen.“ Dieser Mentalität ist es vielleicht auch geschuldet, dass sich Fabricius nicht mit dem einfa­chen Weg zufrieden gibt. Sein Unternehmen steht auf der Basis von drei Säulen: Vermögensberatung, Vermögensver­waltung und als Ideengeber für Investoren, die Fragen auf bestimmte Antworten suchen. Beispielsweise ob und wie es möglich ist, vom Bevölkerungswachstum in Schwellen­ländern zu profitieren. „Wir unterbreiten ein Angebot, das über das reine Portfoliomanagement hinausgeht“, fasst Fabricius den Ansatz zusammen.

Der erste Baustein des Unternehmens war die Beratung. „In den ersten Jahren nach der Gründung bekamen wir von einigen Persönlichkeiten sehr viel Vertrauen entgegen­gebracht, sie bei diversen Fragen zu unterstützen. Der Bedarf nach unabhängiger Beratungskompetenz in Finanzangelegenheiten ist meines Erachtens sehr hoch“, so Fabricius. Aus solchen Beratungsmandaten sind oftmals langjährige Partnerschaften und auch Verwal­tungs-Mandate geworden. „Unser Anspruch, unsere Kunden umfassend zu betreuen, hat dazu geführt, dass wir uns seit der Gründung der Firma mit sehr verschie­denen Fragen beschäftigt haben, um die gewünschten Dienstleistungen erbringen zu können“, sagt Fabricius. Dies führe dazu, dass er inzwischen nicht nur Portfolien, sondern auch Spezialfonds verwalte, Privatinvestoren als Anlageberater unterstütze sowie erlaubnisfreie Beratungsdienstleistungen ebenso wie die sogenannte Abschlussvermittlung erbringe. „Damit sind wir in der Lage, Privatpersonen, Familien und Stiftungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu betreuen.“

Zwischen Princeton und ZDF

Nicht nur deswegen ergänzen sich die drei unterschied­lichen Angebote von Fabricius. „Dank der Kenntnis des Finanzsektors und der Marktnähe, die wir als regulierter Dienstleister und Portfoliomanager fortlaufend unter Beweis stellen, können wir individuelle Lösungen entwi­ckeln, die sowohl das aktuelle Marktumfeld als auch die Strukturen der Finanzbranche berücksichtigen.“

Dabei greift er nicht nur auf finanzielles Fachwissen zurück. Vor der Gründung der Fabricius Vermögensverwal­tung hatte er seit 2004 bei Goldman Sachs in Frankfurt in der privaten Vermögensbetreuung gearbeitet. Davor war er als Unternehmensberater bei Booz Allen Hamilton, inzwischen PWC Strategy, sowie bei diversen Banken, wie auch der Weltbank und dem IWF tätig gewesen. Fabricius hat zudem in Princeton promoviert und arbeitete auch als Journalist, unter anderem für das ZDF.

Aus all diesen Erfahrungen hat sich ein Credo heraus­gebildet: „Wir müssen da hin, wo Wachstum ist.“ Dafür schaut er sich auch Schwellenländer unter detaillierten Gesichtspunkten an. Relevant sind hier neben den makroökonomischen Daten insbesondere die Leistungs­bilanzsalden und -entwicklungen. „Innerhalb von Aktien sehen wir interessante Segmente bei Nebenwerten, in Schwellenländern und im Bereich Infrastruktur.“ Insge­samt hat er derzeit ein leichtes Untergewicht bei Aktien gegenüber der strategischen Quote – bei einem ausgewo­genen Mandat sind dies momentan 45%.

Keine Wetten auf Wahlen

Die Strategie zielt dabei immer auf den Werterhalt des Vermögens ab. „Unsere Kunden wollen absolut Geld verdienen – die meisten ziehen es vor, einen nennens­werten Gewinn zu realisieren als ihn zu riskieren. Und sie nehmen dafür in Kauf, einen eventuell folgenden Rebound der Kurse zu verpassen.“ Deswegen habe er im Januar aufgrund überraschend hoher Volatilität das Risiko aus den Portfolios genommen. „Nach wie vor erwarten wir, dass es keine Deflation gibt, eher geringes Wachstum als eine Rezession und dass das Risiko systemischer Verwerfungen gering ist“, erklärt Fabricius. „Nach unserer Einschätzung zeugten die Kurse im ersten Quartal dieses Jahres – insbesondere im Rentenmarkt – von einem Pessimismus, den wir nicht für berechtigt hielten. Hier haben wir selektiv nachgekauft.“

Bei der Auswahl der Investments hat in der ersten Jahreshälfte der niedrige Ölpreis eine große Rolle gespielt. „Hier haben wir geprüft, welches Exposure einzelne von uns eingesetzte Manager in diesem Sektor eingehen – in der Summe waren wir gegenüber dem Energiesektor deutlich untergewichtet.“ Nach der Erholung des Ölprei­ses ist das Brexit-Votum der Briten im Juni in den Fokus gerückt. Deswegen habe er in der Mitte des Jahres sehr verhalten agiert. Warum? „Auf ein bestimmtes Ergebnis einer politischen Abstimmung zu spekulieren, wäre mit unserem Verständnis als Treuhänder des uns anvertrauen Vermögens nicht vereinbar gewesen. Deswegen haben wir europäische Aktien reduziert, Gold und US-Treasuries erhöht. Dies hat die Schwankungsanfälligkeit unserer Strategien deutlich reduziert.“

Strategische Partnerschaft mit einem Adelsgeschlecht

Aufgrund niedriger Kosten und einer flexiblen Allokation fließen momentan beachtliche Summen in passive Instrumente wie ETFs. Fabricius hingegen selektiert: „Wir sind skeptisch, ob ETFs immer die bessere Lösung sind. Märkte leiden unter gewissen Verwerfungen, die ETFs abbilden. Beispielsweise ist in Südkorea Samsung ein beachtlicher Bestandteil des Marktindex, in Brasilien ist es Petrobras. Aber wir sind offen für ETFs, wenn wir verstehen, wie sie gebildet werden.“

Generell bevorzugt das Team um Fabricius allerdings aktive Fondsmanager. „Wir wollen bei Fondsmanagern hohe Eigenwilligkeit – einen sogenannten hohen ,Tracking Error'. Wir mögen keine Fondsmanager, die nah an der Benchmark sind. Auch Nischenplayer und hochspezialisierte Fondsmanager sind für uns grundsätzlich interessant.“

Auch Fabricius selbst hält sich immer wieder gerne jen­seits der klassischen Pfade seiner Branche auf. „Zu unseren Netzwerken zählen auch meine Verbindungen als Alumnus der BMW Stiftung Herbert Quandt sowie unsere strate­gische Partnerschaft mit dem sogenannten Fürstenberg Forum“, sagt Fabricius. Das Fürstenberg Forum ist eine Initiative der Familie Fürstenberg, einem schwäbischen Adelsgeschlecht, und verknüpft in einer offenen Struktur, branchenübergreifend wie interdisziplinär, Beziehungs­netzwerke und Interessensverbindungen. „Neben uns als Vermögensverwalter zählen hierzu unter anderem eine Kanzlei, ein Immobilienexperte, das Fraunhofer Institut als Innovationsforscher sowie ein M&A-Berater.“

Neuer Mietvertrag für zehn Jahre

So bringt Fabricius viele verschiedene Komponenten in seiner Vermögensverwaltung zusammen. Nun hat der ehemalige Journalist und Unternehmensberater zwar noch nie als Koch gearbeitet, doch zieht er Ver­gleiche mit der Gastronomie: „Das einzige Geschäfts­modell, dass meinem Anspruch gerecht werden kann, besteht aus einem – als Metapher gesprochen – kleinen Restaurant, in dem der Koch bedient.“ In dem kleinen Team der Fabricius Vermögensverwaltung gibt es keine Aushilfskellner. Alle spielen gemeinsam im Team eine wichtige Rolle für das gesamte Unterneh­men und agieren auch als Experten für unterschiedli­che Assetklassen oder Anlage-Regionen.

„Gerade in turbulenten Marktphasen ist es unerlässlich, Kunden auf Augenhöhe begleiten und unterstützen zu können. Das hat mich dazu bewogen, zu prüfen, welches Geschäftsmodell dafür geeignet ist. Eine Tätigkeit bei einer Großbank entsprach dem nicht“, erklärt Fabricius seinen Schritt in die Selbstän­digkeit. Dass seine Vermögensverwaltung nun, nach einem Umzug zwei Jahre nach der Firmengründung, inmitten vieler Restaurants am Frankfurter Opern­platz liegt, rundet das Bild ab.

„Durch den Umzug hat sich die verfügbare Fläche für uns verdreifacht. Wichtig war uns dabei Ste­tigkeit – den Mietvertrag haben wir für zehn Jahre geschlossen“, sagt Fabricius, der zufrieden auf die Entwicklung blickt: „Die Firma hat nach dynamischen Aufbaujahren inzwischen eine beachtliche Stabilität erreicht. Der Markt ist stark in Bewegung. Das gilt vor allem für Firmen, die nur zwei oder drei Jahre bestehen. Das wird einem erst richtig bewusst, wenn man selbst gründet. 

Dieser Artikel erschien ursprünglich im Citywire Deutschland Magazin vom Oktober. Das komplette Oktober-Magazin ist hier zu finden.

Kommentar hinterlassen

Bitte melden Sie sich an oder registrieren Sie sich um zu kommentieren. Die Registrierung ist kostenlos und wird nur ein bis zwei Minuten dauern.
Unterwegs mit der Community
  • Patricia Gasiorowska besucht Maria Spanner von Ariqon in Wien

    Patricia Gasiorowska besucht Maria Spanner von Ariqon in Wien

  • Vermögensverwalter Roundtable im Citywire HQ, München

    Vermögensverwalter Roundtable im Citywire HQ, München

  • Citywire Deutschland 2016

    Citywire Deutschland 2016

  • Citywire Deutschland 2016

    Citywire Deutschland 2016

  • Citywire Fußball Turnier 2016

    Citywire Fußball Turnier 2016

  • Stefan Sealey tauscht sich mit Tobias Ueffing von Allianz Global Investors aus

    Stefan Sealey tauscht sich mit Tobias Ueffing von Allianz Global Investors aus

  • Wiesn-Treffen mit Katharina Ehrhardt von W&W

    Wiesn-Treffen mit Katharina Ehrhardt von W&W

  • Talabfahrt mit Thomas Metzger von Bankhaus Bauer

    Talabfahrt mit Thomas Metzger von Bankhaus Bauer

  • Das Citywire München Team freut sich auf Ihre Kontaktaufnahme

    Das Citywire München Team freut sich auf Ihre Kontaktaufnahme

  • Citywire Deutschland 2016

    Citywire Deutschland 2016

  • Citywire Deutschland 2015

    Citywire Deutschland 2015

  • Citywire Deutschland 2015

    Citywire Deutschland 2015

  • Citywire vs. Sauren 2015

    Citywire vs. Sauren 2015

  • Citywire Deutschland 2015

    Citywire Deutschland 2015

  • Elisa Morettini zum Mittagsessen mit W&W AM

    Elisa Morettini zum Mittagsessen mit W&W AM

  • Elisa Morettini in Wien mit Marcus Klug, von Bundespensionskasse AG

    Elisa Morettini in Wien mit Marcus Klug, von Bundespensionskasse AG

  • Citywire Deutschland 2014

    Citywire Deutschland 2014

  • Citywire Deutschland 2014

    Citywire Deutschland 2014