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Die Münchner Fiduka Depotverwaltung im Portrait

Die Münchner Fiduka Depotverwaltung im Portrait

„Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten, und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich.“ Dieses berühmte Zitat vom Börsen- und Finanzexperten André Kostolany ist heute zwar vermutlich umstrittener denn je. Dennoch hat Kostolany mit seinen Thesen, Zitaten und Markttheorien viele Anleger inspiriert. Nicht zuletzt die Mitarbeiter der Fiduka Depotverwaltung im Herzen Münchens, die Kostolany 1971 als eine der ersten unabhängigen Vermögensverwaltungen in Deutschland gemeinsam mit Gottfried Heller gründete.

Noch heute lebt in der Münchner Kaufingerstraße das Erbe des 1999 in Paris verstorbenen österreichisch-unga­rischen Finanzexperten, Journalisten und Schriftstellers fort. „Die Firma war sehr lange von den beiden Galionsfi­guren geprägt“, erklärt Marco Herrmann, seit rund sechs Jahren Geschäftsführer bei der Fiduka. Doch auch nach dem Tod einer dieser Lichtgestalten ging die positive Entwicklung weiter: Seitdem Herrmann im Amt ist, hat sich die Kundenanzahl der Fiduka mehr als verdoppelt.

Gegründet wurde die Vermögensverwaltung, weil Heller und Kostolany Anfang der 1970er Jahre konstatierten, dass es kaum bankenunabhängige Beratung und Verwaltung gab. „Wir gehören zu den Pionieren der unabhängigen Vermögensverwalter“, sagt Herrmann. „Beim Verband unabhängiger Vermögensverwalter sind wir das zehnte Mitglied und somit seit der ersten Stunde dabei.“

Mitarbeiter als Eigentümer

Seit der Gründung der Fiduka hat sich allerdings viel ver­ändert. Sowohl an den Finanzmärkten als auch im Hause Fiduka selbst. Inzwischen verwalten zwölf Mitarbeiter ein Vermögen zwischen einer halben und einer Milliarde Euro. Besonders an der Fiduka ist auch, dass Manager und Mitarbeiter zusammen 75% der Unternehmensanteile besitzen. Die übrigen 25% hält der Gründer Heller, der sich 2008 aus dem operativen Geschäft zurückzog und heute als Seniorpartner in beratender Funktion agiert. „Eine Beteiligung reduziert die Fluktuation im Team. Das Portfoliomanagement-Team arbeitet seit annähernd zehn Jahren zusammen. Wir haben Mitarbeiter, die seit über 20 Jahren und Kunden, die seit mehreren Generationen dabei sind“, so Herrmann.

Das war allerdings nicht immer so. 2007 hat sich das Bankhaus Lampe im Sinne einer Nachfolgeregelung an der Fiduka beteiligt. „Dann kamen schwierige Zeiten mit der Finanzkrise auf die Branche zu, und die Fiduka hat sich neu aufgestellt. Letztendlich hat man festgestellt, dass es sinnvoller für die Fiduka ist, weiter komplett unabhängig zu sein“, blickt Herrmann zurück. Das Streben nach Synergien durch eine stärkere Integration in die Bank sei nie ein Thema gewesen. „Deswegen gab es keinen Mehrwert für das Bankhaus Lampe, und es war auch aus Kundensicht besser, wenn wir uns selber gehören.“

Komplett unabhängig ist die Fiduka allerdings jetzt auch nicht. Denn sie vertreibt fünf eigene Publikums­fonds, die zum Teil nur für Kunden der Vermögensver­waltung erhältlich sind. „Auch beim VuV gab es in den vergangenen Jahren häufig die Diskussion, wie unabhän­gig man noch ist, wenn man unter dem Dach einer Bank agiert“, erläutert Herrmann. „Zwar können wir uns nicht komplett unabhängig nennen, weil wir auch eigene Fonds managen, aber zumindest sind wir bankenunabhängig und stehen unter keinem Verkaufsdruck.“

ETFs als Notausgang

Generell sei es für einen Vermögensverwalter allerdings schwierig, eigene Fonds zu vertreiben, sagt Herrmann. „Wir managen unsere Fonds weiterhin sehr gerne, haben aber keinen Wachstumsfokus darauf und sehen uns primär als Vermögensverwalter. Dort können wir dem Kunden einen sehr guten Service bieten und auch bei der Performance überzeugen.“ Überzeugen will die Fiduka dabei schon lange nicht nur auf der Aktienseite der Investments.

„Die Fiduka wird als Aktienhaus wahrgenommen. In der Tat ist da unser Herzblut und wir lieben Aktien. Aber nicht jeder Kunde will 100% Aktien haben. Die Märkte schwan­ken sehr, und man wird nicht jeden Abschwung rechtzeitig erkennen. Also muss man entsprechend für jeden Kunden einen Portfoliomix finden“, erklärt Herrmann. Derzeit ist das ausgewogene Portfolio bei der Fiduka zu rund 50% in Aktien und zu rund 50% in Anleihen investiert.

„Wir haben einen relativ hohen Teil von Einzelaktien und mischen diesen dann Aktien-ETFs hinzu. Die nutzen wir als Exposure-Steuerung, um die Aktienquote zu steigern oder zu verringern. Das könnte man zwar auch mit Futures machen. Aber bei Kunden von Vermögensverwaltungen sind Futures in der Regel alles andere als beliebt und ETFs deutlich leichter zu vermitteln“, so Herrmann.
Die Aktien-Quote lasse sich mithilfe der ETFs aktiv und leicht steuern, wie Herrmann am Beispiel des Brexit-Votums vom Juni dieses Jahres verdeutlicht: „Beim Brexit waren wir seit Anfang Juni skeptisch und haben die Aktienquote reduziert. Dann ging der Markt plötzlich bis zum Brexit-Votum nach oben. Das machte für uns keinen Sinn bei so knappen Umfragen. Weil auf dem erreichten Index-Niveau relativ wenig Luft nach oben war, haben wir die Aktienquote noch einmal gesenkt.“ So habe Herrmann durch zwei, drei Geschäfte die Aktienquote mittels ETFs relativ schnell um zehn Prozentpunkte reduziert. Ende Mai war das ausgewogene Fiduka-Portfolio noch zu 60% in Aktien investiert gewesen, kurz vor dem Brexit-Votum waren es hingegen nur noch 45%.

Windeln statt Bücher

Bei einem wirtschaftlichen Umfeld, in dem Wachstum rar ist, müsse man als Investor Unternehmen finden, die trotz aller Widrigkeiten ein gewisses Grundwachstum haben und nicht massiv davon abhängen, dass die Wirtschaft insgesamt wachse. „Man muss Unternehmen suchen, die innovative Produkte herstellen oder die Grundbedürfnisse erfüllen“, erklärt Herrmann und fügt schmunzelnd hinzu: „In Japan kaufe ich dann weniger Schulbücher, sondern eher die Seniorenwindeln.“

Bei der Auswahl der Aktientitel ist für Herrmann und sein Team wichtig, Kompromisse einzugehen. „Die tief hängenden Früchte sind abgepflückt, man muss sich wei­ter strecken. Ein Unternehmen mit 5% Umsatzwachstum, 3% Dividendenrendite und einer günstigen Bewertung findet man im Grunde nicht.“ Deswegen seien klassische Nahrungsmittelproduzenten oder Pharma-Titel aktuell attraktiv. „Man muss aber trotzdem weiter diversifizieren und kann beispielsweise Aktien von Google und Danone zusammen mischen.“

Dass vor allem Hersteller von Nahrungsmitteln oder Pharma-Gütern derzeit hoch bewertet sind, sieht Herr­mann nicht kritisch. „Für bestimmte Unternehmen muss man eben mehr bezahlen. Wir kaufen zwar gerne günstig ein, aber die große Frage ist, ob der Preis zur Qualität passt. Dann zahle ich manchmal lieber etwas mehr für eine Aktie, die ich mag, die macht dann aber am Ende meist auch mehr Freude. Wer nur billig kauft, kauft zweimal.“

Weg von den USA

Teuer hingegen findet Herrmann derzeit viele US-Firmen. „Die Unternehmen haben sich schön entwickelt, aber sie tun sich im US-Markt schwer, ihre Gewinne auszuweiten“, so Herrmann, der derzeit eine Umschichtung von US- zu europäischen Aktien vollzieht. „In Europa, vor allem in Spanien und Italien, ist durch die fallenden Zinsen die Lage bei den Unternehmen besser geworden, das macht es auch wieder attraktiver, in diesen Ländern zu investieren. Außerdem glaubt keiner mehr so richtig an Unternehmenswachstum in Europa, deswegen ist man mit geringen Gewinnen schon zufrieden.“

Massive Unterbewertungen seien aktuell nicht vorhan­den. Man müsse Unternehmen finden, die ein gewisses Wachstum vorweisen und eine attraktive Dividende zah­len. „Wenn die Bewertungsniveaus wegen der niedrigen Zinsen in etwa gleich bleiben, verdient man über die Zeit durch das Firmenwachstum“, sagt Herrmann, der global investiert, allerdings Schwerpunkte in Europa und den USA setzt. So sind auf der Aktienseite derzeit 30% in den DAX, 30% in Europa und 25% in den USA investiert.

Von Hedgefonds zur Vermögensverwaltung

Dass Herrmann global investiert und ein großer Aktienfreund ist hat nicht nur mit der Tradition des Hauses Fiduka zu tun. Herrmann selber hat vor 25 Jahren in der Vermögensverwaltung angefangen und verwaltete unter anderem für die Bayerische Vereinsbank Spezi­alfonds und Publikumsfonds. Zudem baute er bei der Hypovereinsbank ein Hedgefonds-Projekt in London auf. „Hedgefonds-Manager in London zu werden war mein berufliches Ziel“, bekennt er.

Da Hedgefonds in Deutschland aber nur von wenigen Kunden angenommen werden, wandte sich Herrmann 2010 unter anderem nach einem eigenen Hedgefonds-Projekt in München wieder der Vermögensverwaltung zu – und investiert nun zu rund 50% auch in Anleihen. „Man muss sich, auch wenn man Aktien liebt, um den Anleihe-Teil kümmern.“ Klar sei dabei auch, dass man mit klassischen Bundesanleihen nichts mehr verdienen könne. „Dort sind wir komplett raus. Deswegen schauen wir bevorzugt auf Anleihen von Unternehmen, die wir auch auf der Aktien­seite beobachten. So kommt uns unser Aktien-Wissen auch auf der Anleiheseite zugute“, erklärt Herrmann.

Derzeit ist die Fiduka fast ausschließlich in Euro investiert. Der Schwerpunkt liegt bei der Anleiheseite auf deutschen Unternehmen. So sind aktuell 75% in deutsche Unternehmensanleihen investiert. „Wir sind mittel- bis langfristig besorgt über die Stabilität der Eurozone und bevorzugen deswegen Anleihen aus Deutschland. Beispielsweise von Heidelberger Cement oder Bayer.

Neue Analysten und Kundenbetreuer

Nicht nur die Eurozone insgesamt schätzt Herrmann als anfällig ein. Auch kleinere Mitbewerber in seiner eigenen Branche sieht er gefährdet. „Es wird einige Vermögens­verwalter geben, die ihr Geschäft aufgeben müssen, weil der regulatorische Druck immer größer wird, und die Aufgaben für eine Person nicht mehr machbar sind.“
Dies stellt für einen Vermögensverwalter mit der Größe der Fiduka eine Chance dar. „Wir sind für die Übernahmen eines anderen Vermögensverwalters offen. Allerdings muss er zu uns passen. Ein gewisser Übergang nach der Übernahme muss gegeben sein. Wir integrieren aber auch gerne einzelne Vermögensverwalter bei uns, wenn es für beide Seiten sinnvoll ist“, so Herrmann, der mit seinem Team überwiegend Kunden aus Süddeutschland, allerdings auch einzelne bis nach Sylt betreut.

Generell sei eine Integration oder Übernahme aber eher aus der Münchner Gegend vorstellbar. „Sonst müsse man ein eigenes Büro in einer anderen Stadt unterhalten, was die Synergieeffekte reduzieren würde“, erklärt Herrmann. Aufgrund wachsender Assets und Kunden, werde die Fiduka in den kommenden drei Jahren aller Voraussicht nach einen neuen Analysten und auch bei der Kundenbe­treuung einen zusätzlichen Mitarbeiter hinzunehmen.

Dieser Artikel wurde ursprünglich in der November-Ausgabe des Citywire-Magazins veröffentlicht.

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