Citywire - Für professionelle Investoren

Melden Sie sich an um unbeschränkten Zugriff zur Fondsmanager-Datenbank von Citywire zu bekommen. Die Anmeldung ist kostenlos und dauert nur wenige Minuten.

Franz Wamsler über die Gründung des FC Bayern und die Expansion seiner Vermögensverwaltung

Franz Wamsler über die Gründung des FC Bayern und die Expansion seiner Vermögensverwaltung

Zum Ende des 19. Jahrhunderts eröffnete in München die erste Werkstatt von Friedrich Wamsler. Sein Ziel: Einen Herd für den täglichen Gebrauch und den ganz normalen Haushalt entwickeln. Am Ende entstand der erste transportable Sparkochherd mit bayrischem Doppelzug. Kurz gesagt: Der Holzherd, wie wir ihn heute kennen. Die Gründung der Wamsler Öfen sollte aber nicht nur deutschlandweit Haushalte verändern, sondern auch die Fußballwelt.

Eine Generation später spielten die späteren Gründer des FC Bayern München beim MTV München im Hof der Herdfabrik Fußball. Fast alle Spieler waren auch bei der Wamsler Fabrik angestellt. „Dann ist es meinem Großvater damals zu bunt geworden, dass die immer in der Fabrik gespielt haben, und er hat ihnen einen Platz zur Verfügung gestellt“, sagt Franz Wamsler, sein Enkel und Gründer der Münchner Wamsler Vermögensverwaltung. Auch Tore, Trikots und den Ball stellte sein Großvater den fußballfreudigen Mitarbeitern zur Verfügung. „Damit hat er aktiv zur Gründung des FC Bayern beigetragen. Er hat auch die Gründungsurkunde des Vereins unterschrieben.“

Schon historisch gesehen war die Familie Wamsler immer stark in München vernetzt. Dazu trägt auch Franz Wamsler weiter bei. Er hat nach Jahren bei der Deutschen Bank in Frankfurt, bei der Hypo-Bank in New York und London sowie bei der PBS Privat Bank Schweiz in Zürich nun in München nicht nur die Wamsler & Co. Vermögensverwaltung gegründet. Zugleich ist er auch als Vize-Präsident der Filser-Buam, einem Verein mit aktuell 48 Mitgliedern zum Erhalt des Brauchtums in Bayern tätig.

„Einzelkämpfer wird es künftig nicht mehr geben“

Tradition ist zweifelsfrei wichtig für die Familie Wamsler und auch für die Vermögensverwaltung des gebürtigen Münchners. Allerdings nie, ohne den Blick für die Innovation und das Wachstum aus den Augen zu verlieren. Mit einem Partner und einer Sekretärin wurde die Wamsler Vermögensverwaltung 2006 in München gegründet. Seitdem ist das Unternehmen sukzessive auf derzeit zehn Mitarbeiter gewachsen. Früher war die Firma ein Single-Family-Office der Familie Wamsler. Inzwischen hat sie sich aufgrund der starken Nachfrage auch für Dritte geöffnet. „Wir haben in der Familie eine gelebte Vermögensverwaltung seit über 300 Jahren und sprechen mit Unternehmern auf Augenhöhe. Diese wissen, uns wird es auch in den nächsten 100 Jahren als Ansprechpartner geben“, so Wamsler.

Dann wird es voraussichtlich noch mehr Mitarbeiter im Hause Wamsler geben. „Auf der Business-Seite in die Offensive zu gehen und sein Wachstum voranzutreiben und sich dadurch konkurrenzfähig aufzustellen, ist meiner Meinung nach der einzige Weg, sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen.“ Regulatorische Herausforderungen werden immer höher, dadurch steigen die Kosten für eine Vermögensverwaltung. „Es müssen mehr Mitarbeiter eingestellt werden, die sich beispielsweise nur um Compliance-Themen kümmern. Einzelkämpfer in der Vermögensverwaltung wird es künftig nicht mehr geben“, so Wamsler, der hinzufügt: „Die Administration frisst wertvolle Zeit, Personal und Geld auf.“ Für ihn sei es allerdings wichtig, Compliance-Themen inhouse zu lösen und nicht auszulagern. „Wir wollen die direkte und sofortige Kontrolle haben. Für uns ist es wichtig, auf Themen schnell reagieren zu können.“

Neuer Standort in Nordrhein-Westfalen

Der Wachstumskurs der Wamsler Vermögensverwaltung wurde im Sommer 2016 bereits stark vorangetrieben. Die Münchner verstärkten sich mit einem neuen Team für das Portfoliomanagement und zwei langjährigen Kundenbetreuern. „Auch in Zukunft wollen wir unseren Wachstumskurs fortsetzen. Das beinhaltet einerseits die Einstellung von Einzelpersonen und andererseits möglicherweise auch von ganzen Teams oder kleineren bestehenden Vermögensverwaltern.“

Die neueste Niederlassung infolge des Wachstumskurses des Münchner Vermögensverwalters wurde unlängst mit zunächst einem Mitarbeiter in Nordrhein-Westfalen eröffnet. Es handelt sich um eine unselbstständige Niederlassung. Reinhard Ender, bisher Leiter der Vermögensverwaltung der Süddeutschen Aktienbank in Stuttgart, wird die Speerspitze vor Ort für diesen neuen Standort bilden. Weitere Kollegen sollen folgen.

„Wir spüren derzeit einen Trend, dass immer mehr Privatbanker in eine Vermögensverwaltung wechseln möchten. Der Knackpunkt ist dabei die Produktunabhängigkeit. Je reglementierter die großen Anbieter werden, umso größer wird der Drang, Investments kundenorientierter tätigen zu können“, erklärt Wamsler die Neueinstellung und den Start des ersten Standortes außerhalb Bayerns.

Neue Telefonanlage und eigene App

Diese Expansion sei unter anderem dadurch möglich, dass die Wamsler Vermögensverwaltung im vergangenen Jahr ihre gesamte Technologie ausgetauscht habe. „Wir haben sozusagen eine eigene Cloud beziehungsweise Server-Landschaft, auf die man mit entsprechender Sicherung zugreifen kann. Außerdem haben wir eine ganz moderne Voice-Over-IP-Telefon- Anlage, sodass der Anschluss neuer Mitarbeiter – über ganz Deutschland verteilt – reibungslos, schnell und sehr einfach läuft.“

Die Digitalisierung ist ein Kernthema für die Zukunft der Vermögensverwaltung, so Wamsler. „Jedes Büro muss mit schnellen Datenleitungen verbunden und ausgestattet sein. In unserem Bürositz in der Maffeistraße haben wir zwei verschiedene Datenleitungen, die jeweils redundant sind und zwei verschiedene Anbieter. Eine Leitung ist für die Übertragung der Daten, die andere für die Telefonleitung. Sollte einer dieser Anbieter ausfallen, können wir aber auch jederzeit auf den anderen Anbieter wechseln. Datenschnelligkeit und die Geschwindigkeit der Datenübertragung ist in der modernen Zeit extrem wichtig.“ Um auf mögliche Ausfälle oder Probleme reagieren zu können, hat die Wamsler Vermögensverwaltung eine eigene IT-Abteilung in der Gruppe, die schnell eingreifen kann.

Eine weitere digitale Neuentwicklung wurde im Juni 2017 gestartet: Eine eigene App für die Vermögensverwaltung. „Der direkte Kundenkontakt und Austausch mit dem Kunden ist enorm wichtig. Deswegen bieten wir auch eine Chat-Funktion an, liefern auf der App alle wichtigen Informationen für den Kunden zu unseren Wamsler-Fonds und ermöglichen eine Funktion zur Terminanfrage“, erklärt Wamsler, der selber an der Entwicklung der App beteiligt war – er studierte im Nebenfach Informatik und ist generell sehr Technik-affin.

„Durch die App stellen wir sicher, dass wir für den Kunden mehr oder weniger rund um die Uhr erreichbar sind und reagieren auf jünger werdende Kunden und den anstehenden Generationenwechsel. Einer der nächsten geplanten Schritte ist dem Kunden direkten Lese-Zugriff auf seine Portfolios zu geben“, so Wamsler. Ein Service, der von der mittleren dreistelligen Kundenanzahl gerne in Anspruch genommen wird. Dabei kommen Kunden überwiegend aus dem Münchner Raum, aber reichen von Zürich über Salzburg bis Wien und Passau.

„Sind bei den Anleihe-Märkten extrem vorsichtig“

Dabei schätzen die Kunden der Münchner Vermögensverwaltung den langfristigen Blick bei den Investment-Entscheidungen von Wamsler und seinen Mitarbeitern. Getreu dem Motto „praktisch und sparsam“, das Urgroßvater Friedrich Wamsler bei der Herstellung seiner Öfen pflegte, wird auch in der heutigen Vermögensverwaltung investiert. „Es ist wesentlich schwieriger, Geld über Generationen zu erhalten, immer wieder neu zu investieren und über die verschiedenen Familienstämme und Generationen zu bringen, als kurzfristig einen einmaligen Erfolg zu erzielen.“

Aus diesem Grund steht das Risiko beziehungsweise dessen Minimierung im Fokus der Anlage- Entscheidungen. „Gerade bei den Anleihemärkten sind wir extrem vorsichtig und passen auf, wo und wie wir investieren. Täglich wird dahingehend unsere Allokation kontrolliert. Ich sehe das Risiko, dass zu viel in schlechte Papiere investiert wird“, so Wamsler. Auf der Anleiheseite bevorzugen die Münchner derzeit kürzere Laufzeiten, um mögliche Zinsänderungsrisiken zu minimieren.

Auf der Aktienseite ist die Wamsler Vermögensverwaltung opportunistisch geprägt. „Dort nehmen wir auch sehr gerne Gewinne mit. Wir sind selten zu 100% investiert“, sagt Wamsler. Derzeit sei man zu 70% auf der Aktienseite investiert. „Der Rest liegt als Kasse in den Portfolios und ist dazu da, dass man auf sich bietende Chancen reagiert.“ Der Vermögenserhalt steht klar im Fokus. „Wir spekulieren nicht.“

Mit dieser Lebenseinstellung hat es die Familie Wamsler bereits in die Geschichtsbücher geschafft. Zum einen als Mitgründer des FC Bayern München. Zum anderen als Gründer der Wamsler Öfen und Holzherde. Aber auch die Wamsler & Co. Vermögensverwaltung ist dank der Kombination von Tradition und Innovation auf gutem Weg, ihre eigene Erfolgsgeschichte zu schreiben.

Dieser Text erschien erstmals im Citywire-Magazin vom Juli/August 2017.

Kommentar hinterlassen

Bitte melden Sie sich an oder registrieren Sie sich um zu kommentieren. Die Registrierung ist kostenlos und wird nur ein bis zwei Minuten dauern.