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Gebhardt, Allgeier, Mumm und Co. diskutieren: Notwendige Korrektur oder Beginn eines Crash?

Experten geben eine Meinung zu den jüngsten Entwicklungen an den Aktienmärkten.

Die jüngste Korrektur der Aktienmärkte könnte ein erster Vorgeschmack auf das sein, was noch kommt. Ist die aktuelle Entwicklung lediglich eine Korrektur, die notwendig war, oder wird es tatsächlich schon bald einen Crash geben?

Erste spürbare Unruhen haben sich an den weltweiten Börsen breit gemacht - der DAX, der Dow Jones, S&P, EuroStoxx und der Nikkei müssen allesamt Kurseinbrüche verkraften. Dabei verzeichnete der Dow Jones den größten Rückgang innerhalb eines Tages seit 2008.

Doch in Panik zu verfallen ist nicht die richtige Handlungsprämisse, vielmehr sollte das Ausloten etwaiger Nachkaufmöglichkeiten fokussiert werden.

Im Folgenden äußern sich Experten zur ersten Einschätzung der aktuellen Lage und wie die Reaktionen darauf ausfallen.

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Die jüngste Korrektur der Aktienmärkte könnte ein erster Vorgeschmack auf das sein, was noch kommt. Ist die aktuelle Entwicklung lediglich eine Korrektur, die notwendig war, oder wird es tatsächlich schon bald einen Crash geben?

Erste spürbare Unruhen haben sich an den weltweiten Börsen breit gemacht - der DAX, der Dow Jones, S&P, EuroStoxx und der Nikkei müssen allesamt Kurseinbrüche verkraften. Dabei verzeichnete der Dow Jones den größten Rückgang innerhalb eines Tages seit 2008.

Doch in Panik zu verfallen ist nicht die richtige Handlungsprämisse, vielmehr sollte das Ausloten etwaiger Nachkaufmöglichkeiten fokussiert werden.

Im Folgenden äußern sich Experten zur ersten Einschätzung der aktuellen Lage und wie die Reaktionen darauf ausfallen.

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Carsten Mumm, Chefvolkswirt

Donner & Reuschel

„Pfad der Normalisierung eine Gefahr für den Aktienmarkt“

„Die in der letzten Woche zaghaft begonnene Unruhe am Rentenmarkt sorgte für eine heftige Korrektur und einen ‚Sell-off‘ an den globalen Aktienmärkten. Der DAX verlor in der Vorwoche 4,16% und somit seine ganze Jahresperformance. Am Montag weiteten sich die Verluste weiter aus. Besonders hart traf es gestern aber die sonst so robusten US-Indizes. Der Dow Jones Industrial verlor 4,60% und der Nasdaq 100 3,80% – an nur einem Tag!

In der Folge werden auch die europäischen Aktienbörsen am Dienstag noch einmal deutlich nachgeben. Grund für diese Korrektur ist die Angst vor steigenden Zinsen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe stieg zeitweise auf 0,77% p.a., das Pendant in den USA auf knapp 3,00% p.a.. Die nahezu risikolose Alternative zum Aktienmarkt wird damit zumindest in den USA immer attraktiver, womit ein Hauptargument für Aktien-Investments aus den letzten Jahren nicht mehr gilt. In Europa sieht die Situation noch anders aus. Bundesanleihen mit kurzen Laufzeiten rentieren noch immer deutlich im Minus (zum Beispiel Einjährige mit -0,55% p.a.).

Generell ist der Renditeanstieg zwar ein positives Zeichen. Die Wirtschaft läuft rund und der US-Arbeitsmarktbericht wies Lohnsteigerungen von 2,9% aus. Die langersehnte Inflation ist wieder ein Thema und die Fed signalisierte eine weitere Zinsanhebung im März. Der Pfad der Normalisierung ist in den USA allerdings schon weit fortgeschritten und daher eine Gefahr für die hohe Aktienbewertung. In Europa sind nicht nur die Renditeanstiege Grund für die Korrektur. Der weiterhin starke Euro belastet die exportorientierten Unternehmen und ihre Gewinnentwicklung. So fielen einige Unternehmensberichte in den letzten Tagen trotz der guten globalen Konjunktur, eher enttäuschend aus, besonders die Zahlen der Deutschen Bank. Immerhin haben die Verluste zuletzt wieder für leicht fallende Zinsen, einen festeren US-Dollar und vor allem einen deutlichen Anstieg der Volatilität, der Angstbarometer der Aktienmärkte, gesorgt. Das waren in der Vergangenheit oftmals die Vorzeichen einer beginnenden Stabilisierung.“

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Henning Gebhardt, Leiter Wealth and Asset Management

Berenberg

„Möglichkeit zum Nachkaufen und Aufstocken“

„Wir glauben nicht, dass die derzeitige Abwärtsbewegung an den Aktienmärkten das Ende des Bullenmarktes ist. Sie ist vielmehr Ausdruck der ansteigenden Volatilität, wie wir sie auch prognostiziert haben. Dieser Anstieg hat automatische Verkäufe durch systematische Strategien ausgelöst, das heißt die aktuelle Bewegung ist in erster Linie technisch beziehungsweise mechanisch bedingt und nicht fundamental.

Der makroökonomische Zyklus ist weiterhin in Takt und sollte uns auch noch deutlich über das Jahr hinaus tragen. Auch von der Zinsseite sehen wir keine allzu große Gefahr, da der Zinsanstieg nicht in diesem Tempo weitergehen sollte. Insofern sehen wir die aktuelle Situation eher als Möglichkeit zum Nachkaufen und Aufstocken von Positionen. Positiv gestimmt sind wir für Zykliker wie die Halbleiterindustrie oder Small Caps.“

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James Bateman, Chefanleger für Multi Asset

Fidelity International

„Ich werde in Value-Titel umschichten“

„Die leichten Rückschläge der vergangenen Tage scheinen der beste Beweis dafür, dass die Märkte gesund sind. Der von Technologieaktien befeuerten Rally in den USA war schon lange jeder Sinn für Realität verloren gegangen. Die Aussicht auf ewig niedrige Inflation konnte nicht von Dauer sein, und die US-Notenbank hat einen neuen Chef, der sich erst noch bewähren muss. Besorgniserregender wäre es, wenn die Märkte auf all das mit einem Achselzucken reagiert hätten. Selbst nach den jüngsten Kursbewegungen notieren US-Aktien immer noch um rund 50% über ihrem Stand von Anfang 2016. Der aktuelle Kursrückgang mag sich auch deshalb seltsam anfühlen, weil wir uns an ein wenig volatiles Umfeld gewöhnt hatten, in dem weltweit die Wirtschaftsdaten im letzten Jahr kontinuierlich positiv ausfielen.

In diversen Aktiensektoren schwächeln die Kurse zwar, aber doch nicht so stark, dass mit einem allgemeinen Markteinbruch zu rechnen wäre. Ich bleibe daher in Aktien investiert – werde aber nach Kursverlusten in ‚Value“-Titel‘ umschichten, die während der jüngsten Momentum-Rally nicht mit den Aktienmärkten Schritt halten konnten. Ferner werde ich solche Aktien meiden, deren Dividendenrenditen nicht durch starke freie Cashflows und eine solide Bilanz untermauert werden. Die Suche nach Rendite hat nicht nur die Kurse von Aktien mit höheren Dividendenrenditen hochgetrieben. Sie hat auch die Geschäftsmodelle mancher Unternehmen grundlegend verändert – leider nicht eben zum Besseren. All das spricht für ein aktives Management in der Spätphase des aktuellen Zyklus. Diesen Kurs auch dann zu halten, wenn die Schwankungen nachlassen, wird nicht leicht sein. Aber in der momentanen Zyklusphase werden Anleger gewinnen, die die Nerven bewahren, während andere die Nerven verlieren.“

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Olivier de Berranger, Chief Investment Officer

La Financière de l'Echiquier

„Oft sehr gute Einstiegspunkte in die Märkte“

„Nach dem Verlust von 666 Punkten am Freitag ist der Dow-Jones-Index mit einem ‚Flash Crash‘ von 1.175 Punkten am Ende der Sitzung am Montag weiter stark zurückgegangen. Diese brutale Korrektur geht zum Teil auf die Neubewertung der Inflationserwartungen vor allem in den Vereinigten Staaten zurück, auf die wir schon zu Jahresbeginn verwiesen haben. Die Volatilität ist zurück in den Märkten!

Viele US-amerikanische Unternehmen haben beschlossen, ihren Angestellten einen Teil der Vorteile der Steuerreform von Präsident Trump in Form von Gehaltserhöhungen und Boni weiterzureichen. Die Liste der Gehaltsanpassungen ist lang. Auch die US-Beschäftigungszahlen von Freitag bestätigen die hinzugewonnene Kaufkraft: Für 12 Monate betrug das Lohnwachstum in den Vereinigten Staaten 2,9%, ein seit Mitte 2009 unbekanntes Niveau.

Diese Lohnanstiege wecken das Gespenst der Inflation und das einer US-Notenbank ‚hinter der Kurve‘, wenige Stunden vor dem offiziellen Amtsantritt von Jerome Powell. Die Renditen der 10-jährigen US-Staatsanleihen sind im Laufe der Woche um mehr als 20 Basispunkte auf 2,88% gestiegen, der führende 10-jährige französische Satz liegt bei über 1,00% und die 10-jährigen deutschen Staatsanleihen bei über 0,75%. Es war schließlich der starke Rückgang der Aktienmärkte am Montag, der den Anstieg der langfristigen Zinsen vorübergehend stoppte. Die Stärke des globalen Konjunkturzyklus‘ und seine Synchronizität dürften durch diese Börsenkorrektur nicht gefährdet sein. Die Dynamik der Unternehmensnachrichten, der wahre Richter von Börsenbewertungen, versagt nicht. Von dem Viertel der US-Unternehmen, die bereits ihre Quartalszahlen veröffentlicht haben, übertrafen 81 % den Konsens, eine seit zehn Jahren beispiellose Outperformance.

Während sich die Weltwirtschaft normalisiert, ist der Anstieg der langfristigen Zinssätze unvermeidlich und wird damit immer wieder Episoden hoher Volatilität mit sich bringen. Seit der Krise von 2008 wurden den Zentralbanken jedoch alle Instrumente zur Verfügung gestellt, um das Tempo und die Auswirkungen zu steuern. Als Aktieninvestoren sind wir an diese Abfolge von Zweifeln gewöhnt, die, auch wenn es schwer ist damit zu leben, doch immer wieder die Bedeutung der Auswahl von Werten betont.

Der VIX, der Index der Angst, stieg gestern um mehr als 110% auf 37%. Eine Premiere, die Strategien und strukturierte Produkte der Verkäufer der Volatilität untergräbt. Ein VIX, der auf mehr als 50% wächst, kam nur vier Mal vor (1990, 1991, 2007 und 2011) – und das waren oft sehr gute Einstiegspunkte in die Märkte.“

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Burkhard Allgeier, CIO

Hauck & Aufhäuser

Warum die Korrektur weitergehen könnte

„Gestern setzte sich in den USA die Abwärtsbewegung an den Aktienmärkten beschleunigt fort. Der Dow Jones etwa fiel im Tief bis auf 23.924 Punkte – das war der größte Tagesverlust seit langem. Herbe Verluste hagelte es auf vielen anderen Aktienmärkten rund um den Globus. Die üblichen ‚sicheren Häfen‘ legten zu (USD, JPY, AAA-Anleihen).

Selbst die für März von der Fed erwartete Zinserhöhung ist nach den Kursrutschen der letzten Tage unwahrscheinlicher geworden – nach wie vor sollte man den ‚Notenbank-Put‘ nicht unterschätzen. Gemeint ist damit die Bereitschaft der Notenbanken, Negativentwicklungen auf den Finanzmärkten nicht noch durch die eigene Politik zu verstärken. Im Gegenteil, es ist sogar möglich, dass von Seiten der Notenbanken alsbald Entwarnungssignale gesendet werden, Zinssorgen könnten sich also wieder verflüchtigen. Die Märkte würden sich beruhigen und besinnen können, ihre Akteure ebenfalls. Die Gewinnberichterstattung verläuft bislang ohne Enttäuschungen. In den USA haben etwas über 40% der Unternehmen berichtet, mehr als drei Viertel davon haben die Erwartungen (gemessen am Gewinn je Aktie, EPS, übertroffen); auch die Ausblicke waren überwiegend positiv. Ähnlich verläuft die Earnings Season in Europa und Asien, allerdings ist hier die Berichtsquote noch geringer.

Insbesondere nachdem im gestrigen Handelsverlauf technische Marken nach unten gerissen worden sind, war kaum noch Unterstützung vorhanden. Dieses Muster ist wenig überraschend. Denn Trendfolgestrategien, Strategien mit Volatilitäts- Targeting oder Hedging-Strategien werden modellimmanent zu gezwungenen Verkäufern, was gestern Nachmittag den ‚Flash- Crash‘ in den USA stark befeuerte und zum Absacken im Dow Jones unter 24.000 Punkte geführt hat. Es ist nicht auszuschließen, dass in den kommenden Tagen Manager solcher systematischer Strategien zu weiteren Portfolioanpassungen gezwungen sind und ihr Aktienexposure verringern, sofern es nicht zum (auch möglichen) Aussetzen von Verkäufen kommt. Letztlich hat der Ausverkauf vom gestrigen Tage, der sich heute über Asien hinweggezogen hat, einen gewissen ‚Black-Box“-Charakter‘.“

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Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

Deutsche Bank

„Strategisch weiterhin optimistisch“

„Seit Freitag sind die Nervosität und die Schwankungsintensität am Aktienmarkt stark gestiegen. Zum Beispiel ist der DAX seit seinem Hoch am 23.01. bei über 13.500 Punkten zwischenzeitlich auf rund 12.200 Punkte gefallen. Ähnliches ist für den US-Markt zu beobachten: Beim Dow Jones lag das Minus am Freitag bei 2,5, gestern bei 4,6%. Ich gehe allerdings davon aus, dass wir eine Korrektur im Bullenmarkt beobachten und keinen Einstieg in einen Bärenmarkt. Auslöser waren wahrscheinlich der gute US-Arbeitsmarktbericht am Freitag und der starke Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor in den USA. Durch die konjunkturelle Stärke steigt die Angst vor Reaktionen der US-Notenbank und möglichen Herausforderungen durch einen Zinsanstieg.

Die Marktteilnehmer gehen in dieser Lage aus dem Risiko. Das ist angesichts der zuletzt sehr starken Kursentwicklung am Aktienmarkt nicht untypisch. Der Bullenmarkt läuft inzwischen seit März 2009, die Bewertungen sind dabei deutlich gestiegen und die Volatilität ist insbesondere in 2017 nochmals gesunken. Die Erwartungen waren hoch und der Optimismus breit. Wie lange die Schwächephase am Markt anhält, ist schwierig vorherzusehen. Aber realwirtschaftlich sieht das Umfeld nach wie vor robust aus. Die großen Volkswirtschaften werden 2018 voraussichtlich stärker als im Vorjahr wachsen. Und auch die Erwartungen für die Unternehmensgewinne haben sich nicht eingetrübt. Für den globalen Aktienindex MSCI World wird in diesem Jahr ein Gewinnwachstum von 13,4% erwartet. Außerdem beobachten wir – abgesehen von einigen Ausnahmen – keine Übertreibungen beim Kreditwachstum, die oft Auslöser für Rezessionen sind.

Historisch gesehen sind Korrekturen von 10 bis 15% nichts Ungewöhnliches. Eine durchschnittliche Korrektur dauert rund vier Monate und eine Erholung bis zu vorherigen Kursständen ebenfalls etwa vier Monate. Trotzdem sehe ich die aktuelle Marktbewegung noch nicht als Kaufgelegenheit. Ich gehe zwar davon aus, dass die wichtigsten Aktienindizes am Jahresende höher stehen werden als heute. Die Schwankungsbreite dürfte jedoch hoch bleiben. Anleger sollten deshalb über eine Risikoreduktion in ihrem Portfolio nachdenken. Insbesondere Bewegungen am Zinsmarkt und Kommunikation sowie Umsetzung der Geldpolitik müssen zudem eng beobachtet werden. Strategisch bleibe ich aber optimistisch und halte an den Kurszielen von 3000 Punkten beim S&P 500 und 14.100 beim DAX zum Jahresende fest.“

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