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Gebündelte Kompetenz unter einem Dach

Gebündelte Kompetenz unter einem Dach

Auf die Frage, wie denn das Logo und der Name der Greiff capital management AG zustande kamen, antworten die beiden Vorstände und Portfoliomanager Volker Schilling und Edgar Mitternacht mit einem Schmunzeln. Die kurze Variante ist, dass man schließlich in Freiburg sitze und auf der Baden-Württembergischen Flagge ein Greif abgebildet sei.

Doch als sie das Unternehmen am 1. März 2005 gründeten, wollten sie einen Namen finden, der den Leuten im Gedächtnis bleibt. Ein Name der greift, zum Greifen nah ist, den man gewissermaßen „begreift". Am Ende entstand eine elegante Marke mit Wiedererkennungswert. Als Gedanken nennen Schilling und Mitternacht auch den Greif, das mythische Mischwesen, das üblicherweise als Löwe mit dem Kopf eines Greifvogels dargestellt wird. Vielleicht weil es auch ein Sinnbild für die guten Augen ist, die man braucht, um den richtigen Fondsmanager aus der Distanz zu erkennen.

Als sich die Wege der beiden Vermögensverwalter kreuzten, hatten Schilling und Mitternacht ähnliche Erfahrungen in ihren Karrieren gemacht und wussten, dass sie neue Ideen auf den Markt bringen wollten. So beschäftigt sich Edgar Mitternacht schon seit 1990 mit Fondsmanagern, und die Selbständigkeit war für ihn immer wichtig.

„Als ich damals bei einer großen Bank gearbeitet habe, weigerte ich mich, nur die konzerneignen Produkte zu verkaufen, gerade auf der Aktienseite, da sie einfach nicht gut waren. Daher ist meine Leidenschaft entstanden, die wirklich guten Fondsmanager zu finden," so Mitternacht.

Volker Schilling gründete bereits 1994 in Mannheim einen der ersten Fondsshops. Damals war es noch völlig exotisch, Fonds außerhalb von Banken zu verkaufen, erklärt er. Aus der Performance AG, wie sein damaliges Unternehmen heißt, stieg er dann 2004 aus.

Kraut und Rüben-Fondslandschaft

Genau das ist es nämlich, auf was sich die Greiff-Gründer in ihrer Vermögensverwaltung spezialisieren: Eine gute Weitsicht zu haben und in Europas „Kraut und Rüben-Fondslandschaft", wie Volker Schilling die Lage beschreibt, die richtigen Fonds und Fondsmanager zu finden.

„Die Fondslandschaft in Europa besteht gewissermaßen aus Kraut und Rüben, wenn man das mit den USA vergleicht. In Europa gibt es 27 Länder und 27 Regulierer. In den USA gibt es etwa 7000 Fonds, in Europa hingegen 30,000. Da muss man schon genau hinschauen, um die richtigen Fonds zu finden."

Heute hat die Greiff-AG 180 Millionen Euro an Assets under Management. Schilling und Mitternacht bezeichnen ihr Unternehmen als ein „Dachfonds-Haus", das vier wichtige Standbeine hat: Eines davon ist ihr eigener Dachfonds, ein weiteres besteht aus ihren Partnerfonds. Als drittes Standbein nennen die Portfoliomanager explizit ihren Greiff Special Situations Fonds, ein auf Absolute Return fokussierter Aktienfonds, der in Kooperation mit der TBF Global Asset Management GmbH verwaltet wird. Ihre eigene Publikation, der Fondsanalyst, ist das vierte Standbein und ist für die Greiff-AG schon seit langem ein fester Bestandteil des Geschäfts. Man müsse schließlich beweisen, dass man Ahnung hat, so Schilling.

„Wir wollen die Stärken des Dachfonds stärker hervorheben. Multi-Manager, Multi-Asset und Multi-Style, das geht wirklich nur mit einem Dachfonds," erklärt Schilling.

Multi-Style, fügt Schilling hinzu, sei die Implementierung unterschiedlicher Stile in einem Fonds. Man könne somit auch die Dienstleistung eines Fonds aufrechterhalten, nämlich eine Investmentstrategie zu bieten, die sich auf den Kunden einstellt und weitaus flexibler sei als herkömmliche Fonds.

Realistische Wahrnehmungen 

Flexibilität sei die eine Sache, doch für die Vermögensverwalter sei es außerdem wichtig, dass die Wahrnehmungen hinsichtlich Dachfonds realistisch seien. Die Branche müsse sich auch selbstkritisch hinterfragen, was ein Dachfonds-Management eigentlich an Leistungen erbringen muß.

Eine der Leistungen, die ganz oben auf der Liste stehen, ist natürlich die Auswahl der richtigen Fonds – eine Frage mit der sich die Firma jeden Tag beschäftigt. Doch es gehe hier nicht nur darum, einen Fonds mit einer guten historischen Performance zu suchen, viel mehr gehe es darum, eine Unterscheidung zu den gängigeren Ansätzen zu finden, erklärt Mitternacht.

„Es gibt unterschiedliche Wege, sich einen Überblick zu verschaffen. Die herkömmlichen sind natürlich die Analyse von Datenbanken und eine gute Vernetzung in der Branche. Doch wichtig ist – wie in vielen anderen Branchen auch – zum einen der aktive Austausch und zum anderen sich Fonds anzuschauen, die bisher noch nicht ins Bild gerückt sind und die keine Historie haben," so Mitternacht.

So entschieden sich Schilling und Mitternacht zu Beginn ihrer Greiff- Karriere für einen Fonds, der tatsächlich noch nicht ins Bild gerückt war: Den Squad Capital – Squad Value, der 2004 einer der ersten Fonds der Fondsmanager Stephan Hornung und Christian Struck war. Die Investition in den Squad Value zahlte sich aus, und somit wurde danach auch in den Squad Capital – Squad Growth investiert.

„Aufgrund der positiven Erfahrungen, die wir mit dem Squad Value gemacht hatten, haben wir auch in den Squad Growth investiert, dessen Performance seit unserem Kauf knapp +100% beträgt," so Mitternacht. Der Squad Growth konnte über die letzten fünf Jahre, bis Ende August, einen Gesamtertrag von 133,38% erzielen. Damit liegt der Fonds 24,44 Prozentpunkte über seiner Citywire-Benchmark.

Freiburg, die Finanzstadt

In einem Moment, in dem im Hintergrund die Kaffeemaschine klappert und wir die Gelegenheit nutzen, um über Freiburg als Standort der Greiff capital management AG zu sprechen, sagt Schilling, dass sich diese Stadt in den letzten Jahren stark entwickelt hat. Finanzzentren seien heute nicht mehr nur Frankfurt, sondern durchaus auch Orte, wo die Menschen gerne leben wollen, wo sie sich wohl fühlen und wo letztendlich auch diejenigen Menschen leben, die über das Kapital verfügen, welches verwaltet werden muss, so Schilling. Freiburg biete hier gewissermaßen die ideale Mischung.

Die ideale Mischung bei einem guten Fondsmanager sei sein Gespür für Marktentwicklungen und eine klare Struktur der Vorgehensweise. Wer etwas dem Zufall überlasse, führe kein gutes Risikomanagement, meinen die Vermögensverwalter.

Einige Beispiele für Fondsmanager, die zwar nicht im schönen Freiburg leben, aber trotzdem die ideale Mischung vorweisen können und über einen guten und langjährigen Track-Record verfügen, seien Nicolas Walewski (Alken European Opportunities, Alken Small Cap Europ, Alken Absolute Return Europe) und Stefan Böttcher von Charlemagne Capital, der seit langer Zeit zu den Top-Managern gehört. Die Greiff-Manager hatten in seinen neu aufgelegten OAKS Emerging and Frontier Opportunities (Long/ Short Emerging Markets) investiert. Auch Ingmar Przewlocka aus München gehöre zu den Guten:

„Wir waren früher in dessen MEAG EuroErtrag investiert. Nachdem er sich mit Kollegen selbständig gemacht hatte, haben wir in seinen neu aufgelegten Skalis Evolution Flex investiert," so Mitternacht.

Wie sehr die Greiff-AG auf Genauigkeit und Präzision achtet, wird deutlich, wenn man erfährt, dass sie ihre Gespräche mit Fondsmanagern seit 14 Jahren archivieren. Somit könne man Fondsmanager auch mit alten Aussagen konfrontieren und analysieren, wo die Selbsteinschätzung gepasst, und wo sie vielleicht nicht gepasst hat.

„In der Regel glauben wir was uns ein Fondmanager sagt. Aber dann schauen wir, ob er auch gemäß seinen Aussagen handelt. Nach einer Investitionsentscheidung wird er für die folgenden Monate und Jahre mit seinen anfänglichen Aussagen konfrontiert und letztlich daran gemessen," so Schilling.

Er fügt hinzu, dass er sich mehr Mut von den Fondsselektoren wünscht, die Dinge zu hinterfragen.

Sich wohlfühlen

Es gehe auch darum, sich mit seinem Produkt wohlzufühlen, sein Produkt zu verstehen und sich damit zu identifizieren. Das spielt auch in der Fondslandschaft eine zunehmend wichtigere Rolle, sagen die Greiff-Gründer. Manche Ansätze seien zwar erfolgreich, doch sei es sehr schwer, sich einen klaren Überblick über das Produkt zu verschaffen.

„Ein Beispiel, das wir schon seit längerem beobachten, ist der Fonds von Matthias Van Randenborgh, der RP Vega I. Wir hatten schon drei oder vier Treffen mit ihm, aber das Thema ist sehr komplex, und wir wollen die Materie erst komplett verstehen, bevor wir uns dazu entscheiden zu investieren," erklärt Schilling.

Als wir zum Ende unseres Gesprächs kommen, geben Schilling und Mitternacht einen Ausblick in die Zukunft. Dabei fällt ein Satz, der die aktuelle Fondslandschaft gut beschreibt:

„In der Zukunft sind wir in Sachen Regulierung Long, und bei der Freiheit Short," so Schilling. Deswegen sei es wichtig, gute Dienstleister für die Fondsanalyse zu haben. Gerade beim Blick nach vorne sei es wichtig, dass man die Vergangenheit zwar in Betracht zieht, sich aber nicht von ihr täuschen lässt. In den Rückspiegel zu schauen sei Teil der Einschätzung eines Fonds, aber noch lange keine Garantie für den Weg, der noch vor einem liegt.

„Sie geben im Auto auch nicht Gas, weil beim Blick in den Rückspiegel alles frei ist, sondern Sie schauen nach vorne. Prognosen sind schwierig, weil sie die Zukunft betreffen.

Hier geht es auf einmal von einer großen, objektiven und leicht verständlichen Welt in eine sehr subjektive Welt – die Beurteilung der Fähigkeiten eines Fondmanagers," so Schilling.

Das gute Dach

Risiko gäbe es immer, erklärt Schilling, doch darüber dürfe man sich nicht beschweren, denn schließlich gebe es ohne Risiko auch keine Risikoprämie. Die Vermögensverwalter sind sich aber einig, dass die Anzahl der Fonds in Deutschland sinken muss. Die Branche müsse professioneller werden, flexibler agieren und sich auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Menschen einstellen.

Deswegen setzen Schilling und Mitternacht auf ein Dachfonds- Revival. Bald wird die Greiff-AG nämlich zehn Jahre alt, und eine der Sachen, die in der letzten Zeit eine zunehmend wichtigere Rolle gespielt hätte, sei ein gutes Freiburger Dach zu haben, welches so manches Gewitter aushält und nicht wegweht, wenn es einmal Ernst wird.

Dieser Artikel erschien zuerst in der  Ausgabe von Citywire Deutschland.

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