Goldman Sachs AM CEO: Nicht mehr zwischen EM und DM unterscheiden

von von

Andrew Wilson, der CEO von Goldman Sachs Asset Management für EMEA, sagte im Interview mit Citywire Deutschland, dass es insgesamt eine Verwischung der Abgrenzungslinie zwischen entwickelten Märkten und den Märkten von Entwicklungsländern gebe.

Bei der Suche nach Anlagen gehe es nicht so sehr mehr um entwickelte Märkte versus Schwellenändermärkte, sondern rein um die Handelsbilanzen, Politiken, Institutionen und Zentralbankpolitiken, meint der CEO, der auch Co-Chef für Global Fixed Income bei Goldman Sachs AM ist.

“Es gibt eine Verwischung dieser Unterscheidung zwischen Entwicklungsländern und entwickelten Märkten. Wenn ich mich hinsetzten würde und Ihnen die Schuldenbilanzposition von Italien und einem Schwellenland geben würde, dann könnte ich unter den Schwellenländern ein Land finden, das jedem einzelnen Wert nach besser ausschaut,“ sagte Wilson.

„Südkorea, das man als Schwellenland betrachtet hat, ist in großartiger Form. Das ist nicht notwendigerweise wahr für viele osteuropäische Länder,“ ergänzte er.

„Für uns ist es mehr ein Spektrum, in dem am guten Ende der Skala Österreich, Deutschland, Frankreich und Finnland liegen würde, einige diese Länder, in denen man gesunde  Bilanzen und Politiken sehen würde bis hin zu einigen Länder, von denen man sagen würde: keine guten Handelsbilanzen, wie in Italien oder Brasilien,“ sagte Andrew Wilson.

In diesem Spektrum würden, laut dem CEO, eine Reihe an Politikveränderungen stattfinden: In den nächsten 18 Monaten bis zwei Jahren werde die Fed die Zinssätze erhöhen, aber Europa nicht.

„Es wird nicht mehr um Disinflation oder sogar Deflation gehen. Wir lebten bis Mai letzten Jahres in einer Welt, in der Tapering zuerst erwähnt wurde, in der Zentralbanken sich alle in dieselbe Richtung bewegten. Sie hatten niedrige Zinssätze und sehr entgegenkommende Politiken. Jetzt ist es eine Welt, in der es sich ein bisschen spezifischer nach den Situationen Länder richtet,“ sagte Wilson.

Als aktiver Assetmanager würden viele Orte in verschiedene Richtungen gehen, meint Wilson, was wiederum neue Chancen öffnen würde: „Es gibt diese „relative value“-Chancen die ein Ergebnis darauf ist (auf das Auseinanderdriften), sowohl im Währungs- als auch Anleihenmarkt.“

Wilson sagt aber auch, dass es mehr Ressourcen und Teams bedürfe, um diese Chancen zu ergreifen.

Schwierig sich von Marktkapitalisierung-Indizes zu trennen

Der CEO glaubt auch, dass in drei bis fünf Jahren die Unterscheidung zwischen EM und DM nicht mehr so relevant sei, wohingegen die Unterscheidung zwischen hoher und geringer Qualität von einer Schulden und Defizitsicht aus relevanter werden.

„Die Menschen sind so eingefahren auf traditionelle Marktkapitalisierung-Indizes, aber es ist sehr schwierig sich von denen wegzubewegen. Die andere Schwierigkeit ist die Kategorisierung der Credit Ratings. Ich bin nicht sicher, ob die Credit Ratings die zukunftsgerichteten Elemente einige dieser Länder erfassen. Diese Kategorisierung fühlt sich ein bisschen veraltet an,” sagte er.

Mittlerweile haben er und sein Team das Gefühl, dass in der Eurozone entscheidende Verbesserungen stattgefunden haben und Defizite reduziert wurden, insbesondere in Spanien und Irland.

„Die Spreads sind stark zusammengelaufen. Wir sind nicht so positive wie im Dezember, haben einige Profits mitgenommen, aber fühlen uns immer noch konstruktiv gegenüber den Perspektiven,“ sagte er.

„Das Tail-Risk eines Auseinanderbrechens der Eurozone hat sich verringert, aber die Ausmaße der Schuldenquoten sind immer noch groß, und ohne sehr starken Wachstum wird es eine sehr lange Zeit dauern BIP-Niveaus wieder auf normale Niveaus zu bekommen,“ ergänzte Wilson.