Das Berenberg-Duo Henning Gebhardt und Matthias Born stand auf dem Fondsprofessionell Kongress in Mannheim Rede und Antwort. Im Gespräch mit Citywire Deutschland waren die Aktienmärkte im Fokus. Warum Berenberg unlängst in seinen Multi-Asset-Portfolios die Aktienquote erhöhte und dennoch auf Stabilität in seinen Portfolios achtet erklärt es im Folgenden.

Henning Gebhardt: „Im abgelaufenen Jahr haben wir fast keine Schwankungen an den Aktienmärkten gesehen. Das wird sich in 2018, wie die vergangenen Tage gezeigt haben, zweifelsfrei ändern. Durch die US-Steuerreform haben gegen Ende des vergangenen Jahres die Kurse nochmal starken Rückenwind bekommen. Deswegen sind auch wir in unserer Multi-Asset-Portfolios eine relativ hohe Aktienquote von 55% gefahren. Insgesamt sind die Bewertungen hoch, aber dennoch angemessen. Sobald überbrodelnde Euphorie an den Märkten herrscht wird es allerdings gefährlich…“

Matthias Born: „Ganz genau! Die Euphorie, die man an den Stimmungsindikatoren vor allem in den USA ablesen konnte, hat sich innerhalb der letzten Tage stark abgekühlt. In Europa beobachten wir, dass ohnehin deutlich weniger Euphorie für Aktien herrscht. Viele Investoren sind noch skeptisch und fahren mit einer angezogenen Handbremse. Dennoch muss ich gestehen, dass eine höhere Volatilität auch ihren Charme hat. Denn dann ergeben sich wieder attraktive Möglichkeiten für Investments.“

Gebhardt: „Deswegen haben wir unmittelbar nach dem Kursrutsch vom Montag unsere Aktienquote um zwei Prozentpunkte gesteigert. Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Korrelation sowohl bei den Assetklassen als auch in den einzelnen Sektoren des Aktienmarktes zusammenläuft. Aber allen voran bietet der Tech-Sektor viele attraktive Investment-Möglichkeiten. Denn ohne die entsprechende Technologie und technologische Updates werden viele Firmen in Zukunft nicht mehr überleben.“

Born: „Zukunftstrends bieten zweifelsfrei die größte Wachstumsdynamik. Künstliche Intelligenz, die viele Branchen verändern wird und explodierende Datenvolumina werden zum Beispiel in den nächsten Jahren weiter für starkes Wachstum in einigen Halbleitersegmenten führen. Die Konsolidierung führt auch zu einem rationaleren Verhalten. Durch unsere hohen Gewichtungen bei Techologie, Gesundheit und Industriegüter partizipieren wir von dem Wachstum der Innovationsführer in Europa.“

Vorsichtig bei der Automobilbranche

Gebhardt: „Hinzu kommen auch Veränderungen am Rentenmarkt, wodurch eine Volatilität für die Aktienmärkte erzeugt wird. Dabei spielen natürlich die Zentralbanken auch eine entscheidende Rolle.“

Born: „Gerade in diesem volatileren Umfeld wird die Qualität und Stabilität von Geschäftsmodellen wieder attraktiver. Deswegen setzen wir in diesem Umfeld auf eine Kombination aus Wachstums- und Qualitätstiteln. Dies ist auch der Kern unserer Anlagestrategie, wodurch wir auch unser Portfolio stabilisieren. Da die Bewertungen der einzelnen Sektoren zusammengelaufen ist, zählt die Einzeltitelselektion noch mehr. Das Wachstum der Unternehmen wird wichtiger, nicht die Bewertungsveränderung. Niedrige Bewertungen finden wir derzeit einzig im Sektor der Automobilbranche. Allerdings bleiben wir da vorsichtig und sind eher bei Zulieferern engagiert.“

Gebhardt: „Insgesamt werden wir ein schwankungsreiches Jahr sehen. Dabei rechnen wir aber trotz aller zwischenzeitlichen Korrekturen mit einem DAX bei 14.200 Punkten Ende dieses Jahres. Der Weg dahin wird aber interessant werden.“