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Hintergrund: Wie Christoph Bruns zum AA-Fondsmanager aufstieg

Hintergrund: Wie Christoph Bruns zum AA-Fondsmanager aufstieg

Über 1200 Kilometer entfernt liegt die New Yorker Börse, die sagenumwobene Wall Street. An der größten Wertpapierbörse der Welt wird seit 1817 gehandelt. Erst seit 1966 sorgt die Basket­ballmannschaft der Chicago Bulls für Furore auf einem anderen Parkett: Im 25.000 Zuschauer fassenden United Center haben Fans insgesamt sechs NBA-Meisterschaften und Superstars wie Michael Jordan gefeiert. Live im Stadion war auch schon Christoph Bruns, Fondsmanager, Teilhaber und Vorstand bei Loys. Ob man den gebürtigen Westfalen als Bulls-Fans bezeichnen könne? „Wenn man bedenkt, dass die Bulls über Jahre hinweg die konsistenteste Sportmannschaft Chicagos sind, dann kann man das wohl sagen“, antwortet Bruns. „Hinzu kommt, dass meine beiden Kinder als Sport Basketball gewählt haben.“

Seit dem Jahr 2002 arbeitet Bruns aus seinem Büro in Chicago. Natürlich ist er nicht wegen seiner Affinität zum Basketball in die USA gezogen: Bruns hat eine US-Amerikanerin geheiratet. Alle zwei Monate reist er nach Deutschland. Ein gehöriger Aufwand, der sich seiner Meinung nach aber lohnt. „Das Büro in den USA hat Loys sehr gut getan. Wir sind eigentlich ein kleines Haus, aber international aufgestellt.“ Insgesamt 17 Personen arbeiten derzeit bei Loys an den Standorten Chicago, Oldenburg und Frankfurt am Main. Das Unternehmen vertreibt derzeit fünf eigene Fonds – und zwar alles Aktienfonds. Und auch für Bruns zeigt die Entwicklung konstant nach oben: Als Fondsmanager im Sektor für Alternative UCITS hat er seit diesem September von Citywire ein AA-Rating.

Der USA-Fan scheut US-Investments

Somit ist Loys ein reines Aktienhaus. Sicherlich auch durch die US-amerikanische Prägung von Bruns. „Ich war 1986 das erste Mal in den USA. Da herrscht eine ganz andere Aktienkultur. Jedes Kind ist dort überzeugt davon, dass man selbst in Aktien investieren sollte. Das hat mich und Loys zweifelsfrei auch beeinflusst“, sagt Bruns. „Die Amerikaner verstehen den Kapitalmarkt besser. Das habe ich mir früh abgeschaut. Deswegen hat unser Haus einen durchaus US-amerikanischen Hauch. Die Musik am Kapitalmarkt spielt eben in den USA. Deswegen tut es uns gut, dass wir dort auch ein Büro haben.“

Trotz der Verbundenheit mit den Vereinigten Staaten ist Bruns derzeit skeptisch für den US-amerikanischen Aktienmarkt gestimmt und hält in seinem Loys Global MH-Fonds keinerlei US-Aktien. Sein Blick geht auch auf die sogenannten FANG-Aktien, also auf die US-Unternehmen Facebook, Amazon, Netflix und Google. „Natürlich können wir anerkennen, dass manche dieser Gesellschaf­ten wie Amazon, Google und Co. vieles geleistet haben. Aber wir denken nicht, dass dies von dauerhaftem Bestand ist“, sagt Bruns, der durch zusätzliche Wettbewerber eine Renditeerosion erwartet. „Zum anderen sind die Bewertungen astronomisch. Es wird sehr schwer für diese Firmen, diese Bewertungen aufrecht zu erhalten.“

Single-Hedgefonds im UCITS-Mantel

Wären FANG-Aktien also eine Möglichkeit zum Shorten? „Dazu haben wir nicht ausreichend Grund, weil diese Unternehmen im operativen Geschäft gute Arbeit leisten. Deswegen sind wir bei FANG-Aktien neutral und halten uns dort heraus.“ Eine Besonder­heit des Loys Global MH-Fonds ist, dass er sowohl auf der Long- als auch auf der Short- Seite agieren und in alle Assetklassen flexibel investieren kann. Bruns will in seinem 2006 als Single-Hedgefonds gestarteten Fonds absolute Freiheiten.

„Der Fonds wurde ursprünglich als Single-Hedgefonds aufgelegt. Es hat sich allerdings herausgestellt, dass Hedgefonds in Deutschland nicht erfolgreich vertrieben werden können. Deswegen haben wir Ende 2014 den Fonds vom Single-Hedgefonds zum UCITS-Fonds mit Hedgefonds-ähnlicher Long/Short-Aktienstrategie nach dem Vorbild von Warren Buffett umstrukturiert. Wir möchten unterbewertete Titel kaufen und bei überbewerteten Titeln Short gehen“, erklärt Bruns.
Derzeit stellt sich der Fonds aber relativ einseitig auf. So inves­tiert Bruns aktuell lediglich auf der Long-Seite in Aktien und hält zudem eine größere Kasse-Position. „Wir dürfen auch in Anleihen investieren. Aber tun dies nur, wenn es sich lohnt. Derzeit ist es nicht sinnvoll, in andere Assetklassen als in Aktien zu investieren. Wir sind aber vorbereitet und wenn die Zinsen einmal erhöht werden, investieren wir auch in Anleihen“, erläutert Bruns.

Die Short-Positionen wurden seit Ende 2014 zurückgefahren. „Wir haben vor dem weiter steigenden Bullenmarkt kapituliert. Der Markt geht nach oben, das liegt an den Zinsen. Deswegen macht es keinen Sinn, dort gegen den Strom zu schwimmen“, sagt Bruns, der zwei Bedingungen für Short-Positionen benötigt: „Zum einen wollen wir Strukturprobleme bei Unternehmen und zum anderen eine deutliche Überbewertung der Aktie sehen.“ Dort hält Bruns derzeit Titel aus dem Bekleidungseinzelhandel im Blick, die durch E-Commerce bedroht werden.

Hoffen auf teures Öl

Deutlich positiver gestimmt ist Bruns gegenüber Japan. Insgesamt 20% des Fonds hat er derzeit in japanische Aktien investiert. Der MSCI World hält momentan lediglich 8,9% in Japan. „Die Unter­nehmen haben sehr gute Bilanzen und sind von den Bewertungen her sehr günstig. Wir erwarten sehr viel von dieser Position.“ Unter anderem investiert der passionierte Motorradfahrer Bruns mit 4% in Shoei, einen japanischen Hersteller von Motorradhelmen. Japanische Unternehmen hätten mit die stärksten Bilanzen und die größten Defizite beim Shareholder-Value-Denken, sagt Bruns und fügt hinzu: „Diese Kombination ließe sich bei einem Mentalitätswandel zum großen Vorteil der Unternehmen mobilisieren. Damit sind wir ein großer Außenseiter.“

Außenseiter war Bruns lange auch bei seinen Investments in Öl- und Rohstoff-Titel. Investments, die ihm lange etwas auf die Performance drückten, sich nun aber auszahlen. „Unserer Auffas­sung nach erleben Rohstoffe nach einer schwachen Phase einen Turnaround – und das über alle Sektoren des Rohstoff-Marktes, außer vielleicht im Agrarsektor“, so Bruns.

Aktuell sind fast 18% in Rohstoffe und rund 9,3% in Energietitel investiert. Von diesen Investitionen erwartet der Fondsmanager noch einen deutlichen Wertzuwachs. Anfang Oktober lag der Ölpreis beispielsweise für einen Barrel WTI-Öl bei rund 50 US-Dollar. Bruns erwartet hingegen eine deutliche Steigerung.

„Es verbessern sich die ökonomischen Zahlen zugunsten des Ölpreises. Für das kommende Jahr erwarten wir vor diesem Hintergrund Ölpreise von 70 bis 90 Dollar“, so Bruns über den Markt, der von einem Überangebot geprägt ist. „Die Nachfrage nach Öl ist steigend. Das bleibt auch weiterhin so. Das Angebot ist flexibel und geht derzeit zurück. Nach aktuellen Berechnungen werden sich die Kurven zeitnah schneiden“, sagt Bruns.

Viele große Anbieter hätten ihre Investitionen zurückgestellt. Deswegen müsse zeitnah wieder mehr von den Öl- und Gasfirmen investiert werden. „Dafür wollen wir rechtzeitig positioniert sein. Aktuell gewichten wir die Zulieferer dieser Unternehmen höher. Denen geht es aktuell nicht gut. Aber man muss diese Titel kaufen, bevor sie vor dem Sonnenaufgang stehen“, erklärt Bruns seinen Value-Ansatz.

Unpopuläre Aktien im Portfolio

Ungewöhnlich hoch sind im Loys Global MH-Fonds nicht nur Invest­ments in Japan und im Ölsektor, sondern auch die Kasse-Position des Fonds. Anfang Oktober waren 19% des Fonds-Vermögens als Cash im Portfolio. „Das ist sehr hoch für uns. Vor 15 Monaten waren wir voll investiert“, bilanziert Bruns. Der Grund für diese erhöhte Kasse-Position sind die US-Wahlen Anfang November. „Die Kasse- Erhöhung erfolgte fünf Wochen vor der US-Präsidentschaftswahl, um von etwaiger zusätzlicher Event-Volatilität zu profitieren“, erklärt der Fondsmanager.

Diesmal will er auf Nummer sicher gehen. Beim überraschenden Ergebnis des Brexit-Referendums lag er nämlich nicht richtig: „Wir sind mit vollen Segeln in den Brexit gegangen und waren vom Brexit- Votum der Briten überrascht. Daraus haben wir gelernt und gehen nun vorsichtiger in die kommende US-Wahl.“

Wenn Bruns in seinem Fonds Geld verliert, ist das nicht nur das Geld seiner Kunden, sondern auch sein eigenes. Bruns ist selbst größter Aktionär von Loys und größter Einzelinvestor des Fonds.
„Das verändert die Arbeitsweise schon deutlich. Man ist viel näher am Unternehmen und viel mehr involviert. Man denkt nicht in Vertragslaufzeiten“, so Bruns. Als Loys-Teilhaber sei er frei von Sachzwängen, die im Angestelltenverhältnis bestehen. „Ich darf langfristig arbeiten und muss nicht auf den Bilanzstichtag 31. Dezember denken. Ebenso wenig spielen Boni für mich als Unter­nehmer eine Rolle“, sagt Bruns. „In der Folge kann ich die Fonds auch mit unpopulären Aktien bestücken, für die ich ansonsten von internen Gremien und aus Marketinggründen kritisiert würde. Klar ist: Je wohler sich die Kunden mit den Loys-Fonds fühlen, desto wertvoller ist die Loys AG.“

Nächster Plan: Neuer Japan-Fonds

Wohl fühlt sich Bruns auch seit nun mehr 14 Jahren in den Vereinig­ten Staaten. Das Zentrum der Loys AG soll allerdings neben dem Oldenburger Hauptsitz Frankfurt am Main werden. Vor wenigen Monaten zogen die Kollegen in Frankfurt in ein größeres Gebäude.

Auch personell wollen sie nachlegen. „Wir brauchen keine Renten­fonds oder ähnliches. Aber wir brauchen vermutlich mehr Analysten in den kommenden Monaten“, blickt Bruns in die nahe Zukunft und wird konkreter: „Ein Japan-Fonds wäre ebenfalls sehr interessant. Dafür könnten wir uns einen neuen Fondsmanager vorstellen, der einen Japan-Fonds auflegt und verwaltet.“

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der November-Ausgabe des gedruckten Magazins Citywire Deutschland. Mehr Informationen zu dem Magazin finden Sie hier.

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