Citywire - Für professionelle Investoren

Melden Sie sich an um unbeschränkten Zugriff zur Fondsmanager-Datenbank von Citywire zu bekommen. Die Anmeldung ist kostenlos und dauert nur wenige Minuten.

Im Portrait: Achim Hammerschmitt von der Fürstlich Castell'schen Bank

Im Portrait: Achim Hammerschmitt von der Fürstlich Castell'schen Bank

„Mein Ziel ist einfach. Es ist ein vollständiges Verständnis des Universums.“ Diesen berühmten Satz äußerte der gelähmte britische Astrophysiker Stephen Hawking. Unter seiner Leitung an der Universität Cambridge forschte Achim Hammerschmitt, heutigerLeiter der Vermögensverwaltung und des Fondsmanage­ments bei der Fürstlich Castell’schen Bank. In Cambridge arbeitete Hammerschmitt in einem mathematisch hochkomplexen Rand­gebiet zwischen Kosmologie und Quantenphysik. In seinem Büro in Würzburg erzählt Hammerschmitt von Gesprächen mit dem stummen Genie, das nur über einen Sprachcomputer kommuni­zieren kann. Die intellektuelle Anregung dieser Erfahrungen nahm Hammerschmitt mit, als er 1994 in die Finanzwelt wechselte – ein Schritt, der so ungewöhnlich klingt wie gleichermaßen sinnvoll.

„Zwischen der Mathematik, der Physik und dem Finanzmarkt gibt es viele Parallelen. Als theoretischer Physiker hatte ich sehr viel Handwerkszeug, das man in der Hochfinanz gebrauchen kann. Ich habe gelernt, Probleme mathematisch zu gliedern und zu lösen“, sagt Hammerschmitt, der als Analyst vom US-Bankenriesen JPMorgan über die Bank Sal. Oppenheim 2012 zum Portfolioma­nager beim Würzburger Traditionshaus avancierte.

„Was man in der Quantenphysik erforscht, produziert man für die Regale der Bibliotheken. Vielleicht 200 Leute auf der Welt ver­stehen, was man schreibt. Ich wollte mehr mit Menschen zu tun haben“, erklärt Hammerschmitt seinen Weg in die Finanzbranche.

Ausverkauf bei den Aktien

In dieser Branche muss man ein gewisses Risiko eingehen, um Rendite zu erzielen. Doch bei der Fürstlich Castell’schen Bank, die zwölf Filialen in Unter-, Mittel- und Oberfranken sowie in Heilbronn, Mannheim, München und Ulm hat, steht die Verminderung des Risikos im Fokus. Es geht um den Werterhalt. „Wir kommen von der Risikoseite zum Investieren. Unsere Verlässlichkeit ist ein wichtiger Faktor für unsere Kunden“, so Hammerschmitt, der mit seinem Team ein Vermögen von rund 1,6 Milliarden Euro verwaltet.

Die defensive Herangehensweise Hammerschmitts wurde zum Jahresbeginn deutlich. „Wir sind sehr vorsichtig in das laufende Jahr gestartet. Das hat dazu geführt, dass wir in einem Umfeld mit steigender Volatilität sehr defensiv waren. Wir hielten Anfang des Jahres bewusst eine Aktienquote von 2% bis 3% in den defen­siven Mandaten und haben diesen Wert dann sukzessive nach unten geschraubt. Zeitweise waren wir bei unserem defensiven Mandat bei einer Aktienquote von 0%“, sagt Hammerschmitt, der hinzufügt, er habe normalerweise eine Aktienquote von etwa 15% in diesem Mandat.

Einkaufen von Neuseeland bis Südkorea

Dass man mit einer Aktienquote von 0% kaum Rendite erwirt­schaften könne, streitet Hammerschmitt ab. „Wir können nicht verstehen, warum viele Kollegen meinen, dass man Staatsanleihen nicht mehr gebrauchen kann. Man muss eben andere Staatsanlei­hen nehmen als die Klassiker“, verdeutlicht der Physiker und fügt hinzu: „Wenn man das nicht kann, sollte man lieber Cash halten.“

Die Fürstlich Castell’sche Bank sei in ihrer Anleihen-Auswahl hingegen deutlich internationaler geworden. „Wir haben auch nicht in Euro-denominierte Anleihen ins Portfolio genommen. Staatsanleihen der USA, Großbritannien und Neuseeland bei­spielsweise. Außerdem überlegen wir derzeit, auch Papiere aus Australien und Südkorea aufzunehmen“, sagt Hammerschmitt.

Vor zwei Jahren hatten er und sein Team noch fast ausschließ­lich Bonds aus Euroländern. „Derzeit haben wir hingegen 30% nicht in Euro-denominierte Staatsanleihen. Man sieht, dass es außerhalb der Eurozone andere Zinskurven gibt und dadurch eine gewisse Diversifikation entsteht.“

Renten mit 2% Rendite

Zudem wolle Hammerschmitt über die Währungsal­lokation Zusatzerträge erwirtschaften. „Die Kurven bei nicht in Euro-denominierten Staatsanleihen sind steiler und weisen eine höhere Verzin­sung auf. Dadurch kann man mit Renten noch rund 2% Rendite erwirtschaften. Diese 2% haben wenig Korrelation zu anderen Assetklassen.“

Insgesamt sei Hammerschmitt positiv für den Rentenmarkt und zurückhaltend gegenüber dem Akti­enmarkt gestimmt. „Aber wir wollen auch keine zehnjährigen deutschen Staatsanleihen mehr dazukaufen“, erklärt er. „Man muss dynamischer werden und statt Bundesanleihen US-Treasuries kaufen oder andere Staatsanleihen. Durch anderes Durations-Management kann man bestehende Renditen erwirtschaften.“

Dass es allerdings immer schwerer wird, gewisse Renditeerwartungen durch Investitionen in Renten und mit einem niedrigen Risiko zu erzielen, weiß auch Hammerschmitt. „Seit ich 1994 im Finanzmarkt tätig bin, habe ich sehr viele schwierige Zeiten an den Märkten erlebt. Diese Krisen treten inzwischen häufiger auf und die Einschnitte werden heftiger. Man braucht länger, um aktu­elle Krisen wieder aufzuholen. Für den Ausgleich eines schlechten Jahres braucht man inzwischen drei bis vier gute Jahre.“

Deswegen dürfe man bei Abstürzen der Kapitalmärkte nicht so schwer getroffen werden und so viel Zeit benötigen, um die Verluste wieder aufzuholen. „In unserem Ansatz werden wir eher einmal zu viel auf die Bremse treten“, bringt es Hammerschmitt auf den Punkt. „Das bedeutet auch, dass wir in Jahren, in denen der Markt einen klaren Trend nach oben hat, mal ein Prozent schlechter abschneiden. Aber in den Zeiten, in denen es drauf ankommt, bewahren wir das Vermögen. Wir werden die größte Outperfor­mance in Krisenzeiten haben.“

Adelige Doppelspitze

Seit ihrer Gründung im Jahr 1774 als Gräflich Castell-Remlingen’sche Landes-Credit-Cassa hat die Fürstlich Castell’sche Bank viele Krisenzeiten überstanden. „Die Fürsten von Castell wollten damals verhindern, dass Bauern den Wucherern zum Opfer fallen und ihren Grund und Boden beziehungsweise ihren Besitz verlieren“, erklärt Hammerschmitt den historischen Hintergrund des Hauses. Die Bank, deren Anteile je zur Hälfte die fürstlichen Familien Castell-Rüden­hausen und Castell-Castell halten, gilt als älteste Bank Bayerns.

Die Fürstenhäuser spielen auch in der heutigen Zeit noch eine zentrale Rolle. „Ich bin neben dem Vorstand immer nur zwei Personen rechenschaftspflichtig: Fürst Otto und Erbgraf Ferdinand“, erklärt Hammerschmitt. „Von der Struktur her muss das, was mein Team und ich machen, diesen beiden Herren gefallen. Das sieht man auch an der Art, wie wir das Geld verwalten. Ich kann in einem Umfeld denken, in dem die handelnden Personen langfristig und generationenübergreifend agieren. Das Geld soll erhalten und, wenn es geht, vermehrt werden. Dadurch sind wir bei der Grundausrich­tung konservativ geprägt“, sagt Hammerschmitt.

Diese konservative Grundhaltung zeigt sich auch bei der Fonds­auswahl der Bank. Generell vertraut der Vermögensverwalter in den Kernmärkten Europa und USA auf passive Instrumente. Kosten­günstige ETFs spielen dabei eine zentrale Rolle. „Wir verwenden häufig als Grundbausteine ETFs. Es ist sehr schwierig für einen aktiven Manager, eine breite Benchmark zu übertreffen. Deswegen bilden wir einen Markt wie den S&P 500 lieber über einen ETF als über einen aktiven Fonds ab. Dementsprechend häufig sind wir in den Basismärkten in ETFs vertreten und nutzen in Randmärkten in eher aktive Produkte “, erklärt Hammerschmitt.

Dabei schätzt er einige Fonds besonders: „Im Nachranganleihe- Segment mögen wir zum Beispiel den Aramea Rendite Plus. Das ist kein leichtes Segment, aber am Ende des Tages wurden die Kosten erwirtschaftet – und das sehen wie bereits als gute Leistung in die­sem Segment an.“ Außerdem investiert er in den XAIA Credit Debt Capital- oder den Acatis Value Renten-Fonds. „Letztgenannter ist aber eher etwas für Kunden, die auf Renditesuche sind“, räumt Hammerschmitt ein.

Raus aus Rohstoffen

Trotz seines konservativen Grundtons akzeptiert Hammerschmitt den Trend, dass Anleger die Bremse immer weiter lockern wollen und vermehrt auf Renditesuche sind. Derzeit bietet die Fürstlich Castell’sche Bank zwei Profile für ihre Kunden an: ein defensives und ein ausgewogenes. „Weil man künftig in allen Assetklassen geringere Rendite erwarten muss, muss ein Kunde jetzt vom defensiven in das ausge­wogene Profil wechseln, wenn er seine Renditeerwartung in fünf Jahren erfüllen will“, sagt Hammerschmitt und fügt hinzu: „Wenn er lieber genauso gut schlafen will wie bisher, also seine Risikoneigung beibehalten will, muss der Kunde mit weniger Rendite zufrieden sein.“ Viele Kunden würden diesen Schritt gehen. Klar ist: „Um die gleiche Rendite der letzten fünf Jahre zu generieren, muss der Kunde mehr Risiko eingehen.“

Dabei vermeidet Hammerschmitt jedoch Risiko, das er als unnötig ansieht. „Investitionen im Energie- und Rohstoffbereich haben wir seit etwa eineinhalb Jahren nicht mehr im Portfolio. Wir haben die Schwächen dieser Märkte früh erkannt. Deswegen sind wir auch aus den Schwellenländern ausgestiegen“, so Hammerschmitt. In diesen Sektoren sei er zunächst vollständig aus Aktien und dann aus Anleihen ausgestiegen. „ Wenn die Rohstoffpreise nach unten rauschen, sind diese auch schwer getroffen. Die Risiken sind bei Schwellenländern einfach größer als die Chancen“, stellt er klar.

US-Tech-Firmen sind dynamischer

Hammerschmitt, der seinen Abschluss ebenso wie Isaac Newton, Charles Darwin oder Prinz Charles in Cambridge gemacht hat, erläu­tert: „Schwellenländer haben die guten Zeiten mit den Rohstoff­aufschwüngen genutzt, um zu prassen. Es wurden beispielsweise Gehälter, Ausschüttungen und Dividenden erhöht, aber es wurden keine strukturellen Veränderungen in den Unternehmen oder Staaten initiiert.“

Jetzt habe man in Schwellenländern Unternehmen, die eine deutlich schlechtere Rendite auf das Kapital haben als US- oder EU-Unternehmen. „Dann muss man sich die Frage stellen: Will ich bei der höheren Volatilität und den Risiken dieser Staaten Schwel­lenländeraktien halten?“

Positiv eingestellt ist Hammerschmitt hingegen gegenüber dem Technologie-Sektor. „Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass der Tech-Markt die USA treiben wird“, sagt er und erklärt, warum er sich dabei auf die Vereinigten Staaten konzentriert: „In Europa ist es deutlich schwieriger, weil es kaum innovative Technologie-Titel gibt. Außer man geht in den Mid- und Small-Cap-Bereich. Der US-Markt ist führend und deutlich dynamischer.“

Dynamisch will auch Hammerschmitt bei seiner Asset Allokation bleiben – und beweisen, dass dies trotz seiner konservativen Inves­titionsphilosophie weiterhin möglich ist. Von Stephen Hawking habe er dafür zwar keinen speziellen Ratschlag parat. Doch ein möglichst breites Verständnis des Universums helfe sicherlich – auch wenn es dabei weniger um Unschärferelationen oder spezielle Atommodelle geht, sondern schlicht um Staatsanleihen, Aktienquoten und Renditequellen.

Dieser Text erschien ursprünglich in der Mai-Ausgabe des Citywire Deutschland Magazins.

Kommentar hinterlassen

Bitte melden Sie sich an oder registrieren Sie sich um zu kommentieren. Die Registrierung ist kostenlos und wird nur ein bis zwei Minuten dauern.
Unterwegs mit der Community
  • Citywire Deutschland 2017

    Citywire Deutschland 2017

  • Citywire Deutschland 2017

    Citywire Deutschland 2017

  • Citywire vs Sauren 2017

    Citywire vs Sauren 2017

  • Patricia Gasiorowska besucht Maria Spanner von Ariqon in Wien

    Patricia Gasiorowska besucht Maria Spanner von Ariqon in Wien

  • Vermögensverwalter Roundtable im Citywire HQ, München

    Vermögensverwalter Roundtable im Citywire HQ, München

  • Stefan Sealey tauscht sich mit Tobias Ueffing von Allianz Global Investors aus

    Stefan Sealey tauscht sich mit Tobias Ueffing von Allianz Global Investors aus

  • Wiesn-Treffen mit Katharina Ehrhardt von W&W

    Wiesn-Treffen mit Katharina Ehrhardt von W&W

  • Talabfahrt mit Thomas Metzger von Bankhaus Bauer

    Talabfahrt mit Thomas Metzger von Bankhaus Bauer

  • Das Citywire München Team freut sich auf Ihre Kontaktaufnahme

    Das Citywire München Team freut sich auf Ihre Kontaktaufnahme

  • Citywire Deutschland 2016

    Citywire Deutschland 2016

  • Citywire Deutschland 2015

    Citywire Deutschland 2015

  • Citywire Deutschland 2015

    Citywire Deutschland 2015

  • Citywire vs. Sauren 2015

    Citywire vs. Sauren 2015

  • Citywire Deutschland 2015

    Citywire Deutschland 2015

  • Elisa Morettini zum Mittagsessen mit W&W AM

    Elisa Morettini zum Mittagsessen mit W&W AM

  • Elisa Morettini in Wien mit Marcus Klug, von Bundespensionskasse AG

    Elisa Morettini in Wien mit Marcus Klug, von Bundespensionskasse AG

  • Citywire Deutschland 2014

    Citywire Deutschland 2014

  • Citywire Deutschland 2014

    Citywire Deutschland 2014