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Im Portrait: Das Duo von Schäfer Regensburger Vermögensmanagement

Im Portrait: Das Duo von Schäfer Regensburger Vermögensmanagement

Rund 700 Kilometer trennen das Münsterland und den Süden des Freistaats Bayern voneinander. In beiden Regionen gibt es durchaus unterschiedliche Kulturen und damit verbunden auch verschiedene Bedürfnisse für Kunden einer Vermögensverwaltung. Es ist nicht leicht, diese unterschiedlichen Forderungen unter einen Hut zu bringen und vor allem immer persönlich Präsenz über eine solche Distanz zu zeigen. Aber das Schäfer Regensburger Vermögensma­nagement schafft es, diese Grenzen zu überwinden. Von den beiden Standorten Münster und Berg am Starnberger See aus verwalten Inge Schäfer-Schmidbauer und Isolde Regensburger derzeit ein Vermögen von etwa €40 Millionen.

Vor fünf Jahren starteten Schäfer-Schmidbauer und Regensburger ihre eigene Vermögensverwaltung. „Wir haben das Unternehmen gegründet, weil wir eine Firma haben wollten, die so ist, wie wir uns das vorstellen“, sagt Schäfer-Schmidbauer und fügt hinzu: „Wir schätzen den direkten Kontakt mit den Kunden. Leider gibt es bei vielen großen Banken kaum noch einen wirklichen Dialog.“ Genau dieser Punkt ist für die beiden Frauen allerdings zentral für ihre Arbeit.

„Wir pflegen mit vielen unserer Kunden ein sehr freundschaftlich-professionelles Verhältnis. Unsere Kunden schätzen, dass wir bei Marktschwankungen präsent sind, was sehr wichtig und beruhigend st“, so Schäfer-Schmidbauer. Deswegen wagten sie den Schritt und gründeten eine eigene Vermögensverwaltung, die vor allem kommu­nikativ und persönlich sein soll. Bereut haben sie es bisher nicht.

Unternehmer, Designer und Stiftungen

Die beiden Geschäftspartnerinnen, die eine 20-jährige Freundschaft eint und die auch gerne ihre Freizeit gemeinsam verbringen, wissen, wovon sie sprechen. Beide arbeiteten vor ihrer Unternehmensgrün­dung bei diversen europäischen Großbanken wie beispielsweise der Deutschen Bank, Credit Suisse, UniCredit oder Merrill Lynch. Kennengelernt haben sie sich bei Goldman Sachs in Frankfurt.

Inzwischen haben die beiden Frauen ihren jeweiligen Lebensmittelpunkt in einer anderen Stadt. Der direkte Kundenkontakt trotz zweier weit auseinander liegender Standorte steht jedoch über allem. „Das macht unser Business aus. Wir sind für den Kunden Ansprech­partner und Portfoliomanager in einem“, so Schäfer-Schmidbauer.

Zweimal wöchentlich ist jede der beiden Vermögensverwal­terinnen in Deutschland unterwegs, um Kunden zu treffen und Investment-Strategien festzulegen. Vom Hamburger Umland bis ins Alpenvorland und sogar bis nach Österreich reichen die Kundenkontakte inzwischen. Die beiden Frauen verwalten dasVermögen von 30 Familien. Das ist ihr Kerngeschäft und macht 90% ihres verwalteten Vermögens aus. Außerdem kümmern sich Schäfer-Schmidbauer und Regensburger um die Gelder von sechs gemeinnützigen Stiftungen. Aktuell sind sie auch im Gespräch mit einer Bundesstiftung. Aus den Mandaten der Vermögensverwaltung entspringen zusätzlich noch Family-Office-Aufträge.

„Die Kunden der Vermögensverwaltung sind meistens mittel­ständische Unternehmer, die auch schon Teile ihres Unternehmens verkauft haben“, sagt Schäfer-Schmidbauer. Dabei ist die Zielgruppe breit gestreut. „Die Kunden sind Maschinenbauer, Ärzte, Designer oder auch Private-Equity-Investoren.“

Kleinere Fondsboutiquen im Fokus

Tendenziell seien diese selbstbewusste Anleger. „Unternehmerkun­den sehen oftmals die Chancen bei einer erhöhten Aktienquote“, sagt Schäfer-Schmidbauer, die gemeinsam mit Regensburger eine Bottom-Up-Analyse des europäischen Aktienmarktes betreibt. „Dabei achten wir sehr auf unsere Sektor- und eine ausgewogene Länderstreuung. So können wir generell gut Risiko rausnehmen.“

Die Analyse für Aktien aus Europa betreiben die beiden Vermögens­verwalterinnen selbst. Eine Kollegin aus London übernimmt die Analyse für die Märkte in Großbritannien und den USA. Ansonsten ziehen Schäfer-Schmidbauer und Regensburger überwiegend die Expertise von kleineren Fondsboutiquen hinzu. „Wir arbeiten gerne mit kleineren Fondsboutiquen zusammen, die sich auf bestimmte Marktsegmente wie beispielsweise auf Wandelanleihen oder Small-Caps spezialisiert haben. Also überall dort, wo wir selber unser Bottom-Up-Research nicht machen können“, sagt Schäfer-Schmidbauer.

Ihre Kollegin Regensburger geht ins Detail: „Wir finden Columbia Threadneedle bei American Small Caps gut und sind seit Kurzem mit der schottischen Fondsboutique Kames Capital im Bereich der globalen Unternehmensanleihen gestartet. Außerdem arbeiten wir beispielsweise mit Fisch Asset Management bei Wandelanleihen zusammen und wir haben auf der European Small Caps-Ebene vor kurzem mit Mandarine Gestion angefangen.“

Die Fonds-Auswahl ist dabei weit gestreut. „Auch die Spängler und Schöllerbank aus Österreich sind für uns sehr interessant. Der Euro Alternative-Fonds der Schöllerbank wurde schon vor der Euro-Einführung aufgelegt und ist unsere Absicherung für den Euro“, sagt Schäfer-Schmidbauer. „Es sind reine Staatsanleihen im Fonds, die aber nicht in Euro denominiert sind. Wenn der Euro schwächer wird, haben wir durch den Fonds eine wunderbare Performance.“

Ein Blick unter den Fonds-Radar

Die Absicherung des Vermögens stehe dabei immer im Vordergrund. „Wir legen großen Wert auf den Werterhalt“, sagt Regensburger. „Wir achten strikt auf Risikostreuung. In allen Depots ist keine Einzelposition in der Regel größer als 2%.“

Dabei wählen die beiden Vermögensverwalterinnen in den jeweiligen Portfolios je nach Geschmack und Vorgaben eines Kunden aus Einzelaktien und Fonds aus. Der Kunde könne allerdings auch einschränken und sagen, dass er beispielsweise keine Bank-Aktien haben möchte. „Wenn er uns aber sagt, dass er eine Aktienquote von 70% haben möchte, können wir frei wählen, ob wir das durch Fonds oder Einzelaktien abdecken“, erklärt Schäfer-Schmidbauer.

Wichtig bei der Auswahl der Fonds ist neben der Performance aber nicht unbedingt ein langjähriger Track Record. „Der Dreh- und Angel­punkt ist die Strategie des Fonds und ob diese zu uns passt, eine gute Leistungsbilanz ist Voraussetzung. Wenn wir einen Fondsma­nager oder eine Fondsmanagerin kennen, darf er oder sie uns gerne auch eine neue Fonds-Idee vorstellen“, sagt Schäfer-Schmidbauer.

Dabei habe man besonderes Interesse daran, in kleinere Fonds zu investieren. „Wir orientieren uns nicht an den großen Ranglisten, sondern blicken auch in den Bereich unter dem Radar“, so Schäfer- Schmidbauer, die unter anderem den Investment-Ansatz beim Sachwerte-Fonds der Vermögensverwalterin Nina Kordes favorisiert. Bei kleineren Fondsboutiquen und -gesellschaften sei außerdem oftmals der Service besser. Zudem sei man bei größeren oder sogenannten Blockbuster-Fonds eher ein kleinerer Teil der Masse.

„Bei VW können wir das Risiko nicht mehr abschätzen“

Durch ihre diversifizierte Auswahl bei Fonds und Einzeltiteln überzeugen Schäfer-Schmidbauer und Regensburger seit nun mehr fünf Jahren ihre Kunden. Das liegt auch daran, dass sie nicht auf jeden vermeintlichen Trend aufspringen. „Wir schauen sehr auf unsere Sektor-Streuung. Es wird oft ein Sektor hochgelobt, zum Beispiel musste man im Jahr 2000 unbedingt Biotech- und Internet- Titel in seinem Portfolio haben. Aber genau diese Sektoren sind dann am meisten gefallen“, sagt Regensburger. Es komme vor allem auf eine gute Analyse der Einzeltitel und Fonds an. „Bei Einzeltiteln schauen wir auf die fundamentalen Daten des Unternehmens, auf die Management-Story und darauf, dass das Unternehmen eine außergewöhnliche Marktstellung besitzt.“

Ein Trend, den die beiden Vermögensverwalterinnen derzeit als entscheidend erachten, ist der demographische Wandel. „Dieser wird den weltweiten Konsum verändern“, so Schäfer-Schmidbauer. „Wir investieren gerne in den Konsumsektor, weil die Produkte des täglichen Lebens auch in schlechteren Konjunkturphasen gebraucht werden. Wir mögen aber auch Wirecard oder VISA. Wir investieren in Unternehmen mit einer starken Marktposition und solidem Wachstum.“

Ein glückliches Händchen bewiesen die Vermögensverwalterinnen bei der Aktie von Volkswagen. Nachdem sich die Papiere des in die Krise gekommenen Wolfsburger Autobauers kurzzeitig im vergangenen Dezember leicht erholten, verkauften sie die VW-Positionen in allen Depots. „Wir haben die Aktie geliebt und jeweils zu relativ guten Kursen gekauft. Bei Verkäufen haben wir immer rund 20% Kursgewinne gemacht“, sagt Schäfer-Schmidbauer. Eine VW-Position werde man ab sofort in den Depots der beiden Frauen aber nicht mehr sehen. „Wir können das Risiko einfach nicht mehr abschätzen.“

Die beiden Frauen nehmen einmal im Quartal eine Analyse vor und beurteilen die Performance der jeweiligen Fonds. Dann reagieren sie: „Am Anfang unserer Vermögensverwaltung haben wir inflationsgeschützte Anleihen mit dem Nomura Real Return-Fonds zur Diversifizierung an Bord genommen“, erläu­tert Schäfer-Schmidbauer und fügt hinzu: „Aber aufgrund der Quantitative-Easing-Maßnahmen der europäischen Notenbank konnte der Fonds nicht so investieren, wie wir uns die Risikostreu­ung länderübergreifend gewünscht hätten. Den Fonds haben wir dann Ende 2014 komplett aus den Depots rausgenommen.“

Wer hat Angst vor Fintech?

Um mögliche Risiken zu senken, investiert das Schäfer Regensburger Vermögensmanagement generell nicht in Zertifikate oder in Rohstoffe und Immobilien. „Wir wollen unnötige Komplexität und Risiken vermeiden. Uns ist es sehr wichtig, dem Kunden zu erklären, was genau die einzelnen Bestandteile des Depots sind und wie wir das Risiko streuen“, sagt Schäfer-Schmidbauer.

Als pragmatisch in jeder Hinsicht bezeichnen sich die beiden Vermögensverwalterinnen, die früher beide unabhän­gig voneinander jeweils Lehrerin werden wollten. Ihre Liebe zur Mathematik und den Finanzen hat sie dann aber doch ins Fondsamanagement gezogen, eine Wahl, die sie bisher nicht bereut haben.

Mit dieser Pragmatik sehen beide auch das regulatorische Umfeld für Vermögensverwalter. „Unser Geschäftsmodell basiert auf MiFID II. Produktunabhängigkeit, Kostentrans­parenz und ausschließliche Honorierung durch den Kunden haben wir schon implementiert, als die Richtlinie noch nicht in Kraft war. Unser Verwalterhonorar orientiert sich am Depotvermögen. Wenn wir eine gute Performance erarbeiten, freuen sich die Kunden und wir auch. Wir sind überzeugt: Die Provisionen gehören dem Kunden.“

Regulatorisch sehen sie sich für die Zukunft deswegen gut aufgestellt. Auch, weil viele Konkurrenten an Strukturen festhielten, die über kurz oder lang nicht mehr vorhanden sein werden. Kon­kurrenz durch FinTech-Unternehmen erwarten die beiden Vermö­gensverwalterinnen nicht unbedingt. „Einen persönlichen Kontakt kann ein Roboter nie ersetzen, nur Abläufe vereinfachen oder Möglichkeiten berechnen. Was junge versierte Anleger schätzen, ist das Zusammenspiel des technischen Fortschritts gepaart mit der Erfahrung und der Verantwortung von uns Finanzspezialisten“, so Schäfer-Schmidbauer.

Die Dienstleistung, die Schäfer-Schmidbauer und Regensburger ihren Kunden anbieten basiere vor allem auf Kommunikation und direktem Kontakt. Deswegen setzen sich beide zusammen eine Grenze von €100 Millionen beim gesamten verwalteten Vermögen. Mehr sei zu viel, denn sie wollen den privaten Kontakt zu ihren Kunden beibehalten und gleichzeitig Portfoliomanager bleiben – und nicht zu Managerinnen ihrer Mitarbeiter werden.

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