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Im Portrait: Das Münchener Huber & Reuss-Duo

Im Portrait: Das Münchener Huber & Reuss-Duo

Die Flicks, die Quants, die Piëchs – sie alle sind hier zu finden. Wenn nicht persönlich, dann zumindest in Büchern. Umringt von den Familienchroniken Deutschlands erfolgreichster Unternehmer führen Friedrich Huber und Michael Reuss ihre Kundengespräche. „Diese Leute haben immer wieder was geleistet, sie sind durch Fleiß und schwierige Entscheidungen zu diesem Vermögen gekommen“, erklärt Huber.

Er sitzt in einer der zwei alten Bibliotheken der Vermögensver­waltung Huber, Reuss & Kollegen in München. Vor der Haustür fließt die Isar vorbei. Im Regal stehen Gedichte von Wolfgang von Goethe neben dem Wall-Street-Kultbuch „Narren des Zufalls“ von Nassim Taleb in einer bunten Mischung aus der Finanz- und Literaturwelt. Es sind diese teils historischen Bücher, deren Erkenntnisse und Aura auch in Kundengesprächen Eingang finden.

Viele der Mandanten, die der Münchner Vermögensverwaltung bundesweit insgesamt €2 Milliarden anvertrauen, haben selbst die deutsche Geschichte mit beeinflusst. Etwa eine neunzigjäh­rige Mandantin, die im Zweiten Weltkrieg mit ihrem Mann eine Fabrik im Osten Deutschlands aufgebaut hatte. Als sie damals erfuhr, dass sich die russischen Truppen näherten, holte sie über Nacht ihren Mann aus dem Krankenhaus, packte ihr Kind ins Auto und fuhr nach Süddeutschland. „Diese Frau wusste nicht, wohin sie fährt und ob die Informationen über die nahenden Truppen überhaupt stimmten“, erzählt Reuss voller Begeis­terung für diese Entschlussfreude. In Bayern baute die Dame dann mit ihrem Mann aus dem Nichts wieder eine Fabrik auf.

Aber es ist nicht nur die ältere Generation, die zu Huber und Reuss kommt. Zu den Mandanten gehören schon die ersten Kunden aus dem Tech-Bereich. „Die Strukturen haben sich geändert. Man wird nicht mehr durch Palettenschleppen reich“, sagt Huber. So wie man Google- neben Nestle-Aktien im Portfolio hält, müsse man auch bei der Kundenbetreuung die alten und neuen Welten verbinden.

Den Hintergrund des Kundens zu erfragen sei an sich schon interessant, vor allem aber sei es bei der Beratung unvermeid­lich. „Je besser man den Kunden kennt, desto besser kennt man die Geschichte seines Geldes – und nur mit diesem Hintergrund versteht man wirklich, wie der Kunde anlegen möchte.“

Vielleicht aus diesem Interesse an der Geschichte ihrer Kunden stapeln Reuss und Huber in der Eingangs­halle hohe Türme von blauen Kundenordnern. „Alle Transaktionen unserer Kunden sind darin zu finden“, erklärt Reuss. Diese Art von Transparenz gegenüber dem Kunden war für die beiden Ex-Banker der wichtigste Punkt bei ihrer Firmengründung im Jahr 2000.

Beide hatten zuvor mehrere Jahre bei der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank in München gearbeitet. Huber war für vermögende Privatkunden zuständig, während Reuss Geschäftskunden betreute. Zur Jahrhun­dertwende war die Bank eine der ersten, die anfing, einen stärkeren Fokus auf den Produktverkauf zu legen, so Reuss. Beide Vermögensverwalter erhielten damals ein Fax von ihrer Bereichsleitung, das sie bis zum Wochenende ausgefüllt hätten zurücksenden müssen. „In diesem Fax standen Produktziele statt Erlösziele. Es hieß, dass wir Produkte verkaufen sollten, egal, ob wir sie für den Kunden richtig fanden oder nicht. Wir mussten nur die Produktquote erreichen, sonst ging es an den Bonus.“ Das Fax sendeten Reuss und Huber nie zurück. Stattdessen entwickelten sie ihre Prämisse für die neue Vermögensver­waltung: Sie würden keine Produktverkäufer werden.

Institutionelle Nachfrage zieht an

Mit knapp 250 Kunden und insgesamt €150 Millionen starteten Huber, Reuss & Kollegen im Juli 2000. Viele der Kunden wechsel­ten von der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank zu der neuen Vermögensverwaltung oder stießen durch Empfehlungen hinzu. Ursprünglich waren es nur Privatkunden, seit einiger Zeit zieht jedoch die Nachfrage von institutionellen Kunden, darunter Pensionskassen und Stiftungen, deutlich an. Mittler­weile stammt ein Drittel des betreuten Anlagevolumens von institutionellen Anlegern. „Die Institutionellen stellen immer öfter fest, dass sie nicht mehr das uniformierte Angebot einer Großbank haben wollen, sondern dass sie sich die spezialisierte Dienstleistung eines unabhängigen Vermögensverwalters wünschen“, so Reuss.

Über diesen Weg gewannen die zwei Vermögensverwalter einige institutionelle Kunden, die zuvor von einer Bank betreut worden waren. Sogar die Pensionskasse einer Bank zählt zu den Neukunden. Zwischen dem institutionellen und dem privaten Kunden gäbe es gar nicht so viel Unterschied, erklärt Reuss.

„Pensionskassen haben auch ihre Wünsche und Ziele, die gar nicht so weit von denen eines Privatkunden entfernt liegen,“ so Reuss. „Man muss auf jeden individuell eingehen. Die Performance ist nicht das alleinig Entscheidende, sondern, dass man auch das liefert, was man zusammen mit dem Kunden besprochen hat. Man muss auf die Kundenwünsche eingehen – und gut zuhören.“

Zum eigenen Fonds gezwungen

Ab einem Vermögen von €500.000 wird dem Kunden eine individu­elle Vermögensverwaltung angeboten. Das heißt, dass Einzeltitel für das individuelle Portfolio des Kunden ausgewählt werden. Ab €250.000 wird für den Kunden eine Fondsselektion ausgeführt.

Eine eigene Fondspalette war ursprünglich jedoch nie als Teil des Angebots geplant gewesen. „Wir haben die Firma gegründet nach dem Motto: bei Huber und Reuss gibt es keine eigenen Produkte. Wir wollten nie wieder in der Situation eines Produktverkäufers sein,“ erklärt Huber.

Ein Jahr vor der Änderung des Steuerrechts gründeten sie dann 2008 doch ihren Flaggschifffonds, den heutigen Arbor Invest – Vermögensverwaltungsfonds. Der Druck, das eigene Versprechen zu brechen, kam diesmal von Seiten der Kunden. „Wir wurden direkt von Kunden angesprochen, ob wir Geld nach der alten Rechtsprechung investieren könnten. Dazu gab es dann keinen anderen Weg mehr, als einen Fonds aufzulegen“, begründet Huber den Schritt.

Darauf folgten drei weitere Nischenfonds, darunter ein Fonds mit Fokus auf Substanzwerte, ein Rentenfonds und eine trendfolgende Strategie. „Wir wollen kein Fondshaus mit unseren eigenen Fonds werden. Wir wollen mit diesen Spezialstrategien nur gewisse Bereiche abdecken, die wir für wichtig halten. Unter anderem auch im Falle größerer Turbulenzen im Finanzsystem.“

Diese Zielsetzung sei bei der Firmengründung noch kein Thema gewesen. „Wir wollten für unseren Kunden einen guten Job machen und natürlich selber eine Arbeit haben“, erzählt Reuss. Dann kam noch ein zusätzliches Ziel dazu: die Mandanten vor größeren Verlus­ten nach Turbulenzen im Finanzsystem zu bewahren, da besonders bei Stiftungen der Vermögenserhalt an höchster Stelle steht. So hatte der Flaggschifffonds ursprünglich eine Aktienquote von mindestens 15% vorgeschrieben. Doch 2009 wurde diese Mindestgröße abge­schafft. Somit ist der Fonds jetzt in der Lage, die Aktienbestände komplett zu verkaufen. In der Regel liegt die Aktienquote bei 20% bis 30%. In den ersten Handelstagen dieses Jahres wurde diese Quote durch die Absicherung über Futures von 25% auf 10% reduziert.

„Wir erwarten, dass die Turbulenzen durch die Unsicherheit um die US-Zinspolitik bis März anhalten“, so Reuss. „Von der Fed erwarte ich maximal noch eine Zinsanhebung, und diese nur, damit sie ihre Glaubwürdigkeit nicht verliert. Da wir keine Zinswende in Europa oder in den USA erwarten, glaube ich, dass die Aktienmärkte im zweiten Quartal wieder steigen könnten – wir würden in diesem Fall jedoch nur defensive Titel kaufen.“

Expertise aufgebaut

Die größte Veränderung seit der Firmengründung sei die zunehmende Herausforderung bei der Suche nach Rendite. „Die Stiftungen und Pensionskassen suchen teilweise noch stärker als der Privatkunde nach Renditen, die es einfach nicht mehr gibt“, erklärt Reuss.

Als Lösung haben Huber und Reuss seit sieben Jahren ein Team aus Experten im Haus, die die verschiedenen Bereiche in der Asset Allokation abdecken. „Sie müssen tiefer gehen – in die Strukturen der Anleihen – und sich mit den verschiedenen Aspekten, wie den Kriterien eines Ausfalls oder einer Aussetzung der Zinsen, auseinan­dersetzen können.“

Ein anderes wichtiges Ziel wurde beim Aufbau dieses mittlerweile vierköpfigen Researchteams gesetzt: sich unabhängig von der Bankenanalyse zu machen. Auch bei der Auswahl eines Drittfonds wollen sich die Vermögensverwalter von Trends fernhalten und fokussieren sich deshalb auf kleinere Fonds und Fondsboutiquen. „In einem Fonds der größten deutschen Fondshäuser sind wir seltener investiert. Wir wollen den Fondsmanager kennenlernen und ihn zu einem persönlichen Gespräch im Haus haben“, so Reuss.

Diese Publikumsfonds, die durchschnittlich 20% eines Privatkun­denmandats ausmachen, sollen die eigene Expertise ergänzen. Als Beispiel wird der Aspoma China Opportunities Fonds genannt. Er wird von Harald Staubinger verwaltet, einem ehemaligen Fondsma­nager bei Pioneer, der seine eigene Boutique in Linz gegründet hat.

„Trotz der jüngsten Entwicklung am Aktienmarkt halten wir nach wie vor China über eine zwei- bis drei-Jahressicht für sehr attraktiv. Der Fonds ist nicht in chinesische Banken investiert, was auch zu unserem Investmentausblick in China passt“, erklärt Huber.

Andere Fonds, die das Duo seit längerer Zeit im Portfolio hat, sind der ACATIS – GANÉ Value Event Fonds von Henrik Muhle und Uwe Rathausky sowie der SQUAD Value Fonds von Stephan Hornung und Christian Struck. „Wir sehen es immer gerne, wenn ein Fondsma­nager die Disziplin zeigt, seinen Fonds für neue Gelder zu schließen, wenn er eine gewisse Größe erreicht hat“, sagt Huber und bezieht sich dabei auf letzteren Fonds.

Privatbankier alter Schule

Am liebsten beschreibt sich Reuss als Privatbankier von der Sorte, die es heutzutage kaum mehr gibt: „Wir verkaufen unseren Man­danten nichts, sondern wir beraten. Das war früher der Privatban­kier, bevor die Vertriebsarmada die Banken heimgesucht hat.“

Nicht nur die historischen Bücher, die einen hier umgeben, vermitteln den Eindruck, dass eine traditionelle Art der Kunden­betreuung stattfindet. „Fintech könnte in Zukunft hilfreich sein, um Anlageideen zu generieren, aber den Vermögenverwalter wird es nie ersetzen können“, so Reuss. Eine digitalisierte Vermögensverwaltung sei daher bei den Kunden von Huber und Reuss undenkbar. Die Mandanten brauchen maßgeschneiderte Strategien, so Reuss. Einige Portfolios haben Sondersituationen, wie zum Beispiel viele Immobilienanteile, die in ein Computersys­tem einfach nicht passen.

Bei diesem Thema kommt außerdem das persönliche Verhältnis zu einem Kunden zum Vorschein, erklärt Huber: „Die Beziehung zwischen dem Vermögensverwalter und dem Kunden hat schon etwas Ehe-ähnliches. Der Kunde wird mit Ihnen Dinge besprechen, die er vielleicht nicht einmal mit seiner Familie bespricht.“

Zudem können Computer die Geschichten ihrer Kunden nicht erzählen.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Februar-Ausgabe von Citywire Deutschland.

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