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Im Portrait: Die Franz Heinrich Bauer Vermögensberatung

Im Portrait: Die Franz Heinrich Bauer Vermögensberatung

Vor über vier Jahrzehnten war Franz Heinrich Bauer ein Exot. 1972 gründete er eine Vermögensberatung in Münster. Sein Fokus: Investmentfonds. Damals war das noch eine Nische. 1982 verkaufte die Firma den ersten Fonds. Während Banken Einzelaktien oder klassische Produkte wie das Sparbuch anboten, eröffnete einer der ersten Fondsberater Deutschlands.

Heute sitzt er mit seinen beiden Söhnen Guido und Stefan Bauer an einem Tisch. Denn 2006 und 2007 stiegen sie jeweils in das Geschäft des Vaters mit ein. Der 73-Jährige hat es somit geschafft, das Unternehmen Franz Heinrich Bauer GmbH & Co. KG erfolgreich in die zweite Generation zu übergeben – ein Schritt, an dem andere scheitern.

Seitdem stellen sich die drei als Geschäftsführer gemeinsam den Herausforderungen. Regulationen wie die MiFID II-Verordnung stehen bevor. Auch wenn noch nicht ganz klar ist, wie sie konkret in Deutschland umgesetzt wird, blicken einige Betriebe mit Sorge auf mögliche kostspielige Vorschriften. 

Fondsverkauf auf dem Bierdeckel

In Münster sieht man die Entwicklungen gelassen. „In der Vergangenheit haben wir schon so viele Anpassungen durchgemacht“, sagt Stefan Bauer. „Wenn ich überlege, wie mein Vater angefangen hat. Was da regulatorisch erforderlich war, das war im Grunde Fondsver­kauf auf dem Bierdeckel.“

Dieses Selbstbewusstsein rührt auch daher, dass es wenige Vermögensberater gibt, die seit über 40 Jahren bestehen. Das Fami­lienunternehmen berät Privatanleger, Stiftungen und institutionelle Kunden in Vermögensfragen. Dafür gibt es zwei Gesellschaften. Zum einen die Franz Heinrich Bauer GmbH & Co. KG. Sie hat eine 34f-Lizenz und als Zielgruppe Kunden mit einem liquiden Vermögen von mindestens 250.000 Euro.

2009 wurde zudem die Franz Heinrich Bauer Asset Management GmbH & Co. KG für Kunden mit einem liquiden Vermögen von mehr als 500.000 Euro gegründet. Diese hat eine 32er KWG-Zulassung zur Anlagevermittlung, Abschlussvermittlung und Anlageberatung, aber keine Lizenz zur Finanzportfolioverwaltung. Das heißt, es wird nichts im Portfolio umgeschichtet, ohne den Kunden vorher zu fragen. „Wir sehen uns ganz klar als Vermögensberater“, sagt Stefan Bauer.

Sind Fonds noch das Richtige?

Mit einem verwalteten Kundenvermögen von rund 250 Millionen Euro hätten die Bauers die Größe für einen Vermögensverwalter. Dennoch bleibt das Familienunternehmen in Münster seinem Geschäftsmodell treu. Warum?

„Weil wir unseren Kunden enger mit einbeziehen wollen“, so Stefan Bauer. „Der Kunde soll über Transaktionen in seinem Depot genau informiert sein.“ Die Kunden wollten beraten und nicht mit einem fertigen Performance-Ergebnis konfrontiert werden. „Man­che Kunden haben wir von Vermögensverwaltern übernommen, und genau das ungefragte Umschichten hat viele von ihnen dort zuvor gestört.” Zudem sei durch die Anlage in Fonds ein regelmäßiges Hin-und Herschichten im Portfolio nicht erforderlich. Nur hierfür wäre eine solche Lizenz sinnvoll.

Auch, wenn das Unternehmen seit seiner Gründung der Vermö­gensberatung treu bleibt, stellen sich die drei Geschäftsführer als alte Hasen im Fondsgeschäft immer wieder die Frage, ob Fonds überhaupt noch das Richtige sind. Ein vermögender Kunde habe die Auswahl zwischen verschiedensten Assetklassen. Er könne sich ein vermietetes Reihenhaus oder Einzelaktien kaufen oder in Versiche­rungsprodukte investieren. „Wenn wir uns die Vor- und Nachteile dieser einzelnen Anlagen anschauen, haben wir den Eindruck, dass ein Portfolio von gut ausgewählten Fonds für die meisten Kunden das Beste ist“, sagt Stefan Bauer. Nach wie vor sei er der Meinung, dass das, was sein Vater vor 40 Jahren angefangen habe, auch heute noch der richtige Weg sei.

Dennoch richten die Bauers ihren Blick auf Alternativen. Etwa auf ETFs – auch wenn der Großteil ihrer Investitionen in aktiv gemanagte Fonds fließt, so Stefan Bauer. Grundsätzlich setze man ETFs sporadisch ein, wenn ein Kunde sehr traditionell in sehr effiziente Märkte investieren will.

Raus aus Renten

Fonds liegen also weiterhin klar im Fokus, aber innerhalb dieses Segments hat sich in den vergangenen Jahren einiges geändert. Die Portfolios jedes Kunden bestehen aus vier Säulen, die unterschiedlich bestückt sind: die Aktiensäule, die Rentensäule, die gemischte Säule und die alternative Säule. Die Rentenquoten in den Portfolios seien jedoch seit fünf Jahren auf einem historischen Tiefstand. Denn Rentenfonds seien heute Nullzins- oder gar Negativzinsanlagen.

Vor der Finanzkrise hätten viele Kunden noch die Dollar­zeichen vor Augen gehabt und zweistellige Renditen seien an der Tagesordnung gewesen, sagt Stefan Bauer. Nach der Finanzkrise wurden viele Kunden sehr risikoavers und wollten sich konservativ aufstellen. „Das hat sich aber auch wieder verändert, die Kunden sind risikofreudiger geworden. Viele haben verstanden, dass sie auf der vermeintlich sicheren Rentenseite nicht mehr gewinnen können.“

Für konservativere Kunden, die Aktienschwankungen nur sehr bedingt ertragen können, brauche es aber einen Renten-Ersatz. Daher habe die alternative Säule in den vergangenen drei Jahren stark gewonnen, so Stefan Bauer.

Im Bereich Aktien Long/Short Market Neutral sei der inzwischen für Neuanleger geschlossene BSF European Absolute Return sehr interessant. Im Bereich Aktien Long/Short mit Long Bias nennt Bauer den Henderson Pan European Alpha, den Schroder GAIA Egerton Equity, den Gartmore UK Absolute Return und den Loys Global L/S. Im Bereich Alternative Multi Strategy seien unter anderem der Franklin K2 Alternative Strategies und der AB Multi- Strategy attraktiv.

In der Aktiensäule sei das Wiedererstarken des Global Basics von M&G spannend, so Guido Bauer. Auch den Fonds DJE Dividende und Substanz von Jens Ehrhardt finde das Trio als eher defensiveren globalen Aktienfonds gut. Im Renten­bereich habe Krautzberger von BlackRock gute Ansätze. Im Multi-Asset-Bereich gehörten Fonds von Flossbach von Storch und der Nordea Stable Return in das Portfolio. Zudem setze man auf Fonds von BlackRock, aber auch Eckhard Sauren und Invesco hätten Produkte mit guter Performance.

Spazieren über den Trading Floor

Bei der Auswahl der Fonds achten die Bauers auf engen Kontakt mit den Fondsmanagern, auch wenn das nicht immer ganz einfach ist. „Wenn unsere Kunden zehn oder 15 Fonds in ihrem Portfolio haben, können sie darauf vertrauen, dass wir jeden dieser Fondsmanager persönlich kennengelernt haben“, sagt Stefan Bauer.

Dabei versucht er zu klären: Ist der Erfolg eines Fonds reproduzierbar? War es nur Glück des Fondsmanagers? War es eine einmalige Marktsituation oder tatsächlich eine außergewöhnliche Leistung? Um diese Fragen zu beantworten, suchen die Bauers das direkte Gespräch. Dafür fliegt der Vater oder einer der beiden Söhne regelmäßig nach Frankfurt, London oder auch New York. „Wir wollen den Arbeitsplatz des Fondsmanagers kennen, wir wollen mit ihm über den Trading Floor gehen, wir wollen auch einfach den Menschen kennen lernen“, sagt Stefan Bauer. Circa 100 Gespräche durch persönliche Treffen führen sie im Jahr. So sei in den vergangenen Jahren ein großes Netzwerk mit den Fondsgesellschaften entstanden.

Die Besuche kosten viel Geld, sagt Franz Heinrich Bauer. Aber sie bieten Informationen. So helfen die Gespräche zu erfahren, wie der Fondsmanager zum Beispiel über die Lage in Griechenland und England denkt. „Viele Kunden sind von der Wirklichkeit verunsichert“, sagt Stefan Bauer. „Sie erfahren, dass sich althergebrachte Dinge auflösen.“ Politische Unsicherheiten in Europa, ein möglicher Brexit, das Erstarken von extremen politischen Parteien seien Dinge, bei denen manch vermögender Kunde um sein Erspartes bange. Dafür müsse man Lösungen und Anlagestrategien parat haben, wie der Kunde sein Vermögen schützen kann.

Daher setzen die Bauers auf spezielle Diversifizierung. „Alle reden von Diversifikation aber fast alle Depots, die wir zur Überprüfung bekommen, sind nicht ausreichend diversifiziert“, sagt Stefan Bauer. So liege der Fokus bei anderen Depots teilweise nur auf Aktien aus Deutschland, und dabei entstünden Klumpen­risiken. Wer jedoch zu große Angst vor Verlusten von 5% hat, dem empfiehlt Stefan Bauer, keine Fonds zu kaufen, sondern zum Beispiel auf das Festgeldkonto zu setzen. Das gebe zwar kaum Zinsen, falle aber auch nicht plötzlich um 5%.

Ansätze für eine App

Trotz der Beständigkeit machen die jüngsten Entwicklungen in der Branche auch vor dem Münsteraner Familienunternehmen nicht Halt. Immer mehr Fintechs strömen auf den Markt und machen den klassischen Vermögensverwaltern- und beratern mit einem Roboter oder einer App Konkurrenz.

„Ich kann mir als Unternehmer immer alles vorstellen“, sagt Stefan Bauer auf die Frage, ob eine Kooperation mit einem Fintech vorstellbar wäre. „Wenn sich zeigen sollte, dass es da Ansätze gibt, die unser Geschäftsmodell ergänzen oder für unser Geschäftsmodell interessant sind, kann ich mir das natürlich vorstellen.“ Dazu zählten zum Beispiel Fintechs, die im Asset Allocation Prozess etwas Innovatives zu bieten haben.

Zudem würden Fintechs neuen Schwung in die regulatorischen Rahmenbedingungen bringen und könnten hier gegebenenfalls vieles vereinfachen. Fintechs seien keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung. Denn Themen wie Erbschaftsplanung oder die Übertragung von Vermögen auf die nächste Generation seien zu komplex, um von einer App gelöst zu werden

Junge Kunden für junge Chefs

Zudem hat sich mit dem Einstieg der beiden Söhne vor zehn Jahren die Zahl der Kunden und ihre Altersstruktur verändert. Interessenten, die noch nicht Kunde waren, aber die der damals 64-jährige Vater schon lange kannte, wollten plötzlich Kunde werden, weil die Nachfolge geregelt war, sagt Guido Bauer. Als klar war, dass es eine nächste Generation gibt, seien viele junge Unternehmer dazugekommen.

Dabei war es nicht selbstverständlich, dass es eine zweite Generation geben würde. Beide Söhne hätten Karriere bei Unternehmensberatungen gemacht und konkrete Angebote für Führungspositionen gehabt, sagt Franz Heinrich Bauer.

Er hat die meisten seiner Aufgaben im Unternehmen mittlerweile an beide Söhne übergeben. Das sei entscheidend gewesen für den erfolgreichen Einstieg beider Söhne, sagt Stefan Bauer. „Ich bin selber aktiv im Familienunternehmer­verband und da beschäftigen wir uns auch mit Unternehmens­nachfolgen. Viele Unternehmer, die tolle Firmen aufgebaut haben, waren zum Schluss nicht in der Lage, diese Firmen in die nächste Generation zu führen.“ Zum einen hätten sie nicht loslassen können, zum anderen sei die zweite Generation vielleicht auch nicht geeignet gewesen, das Unternehmen zu führen, so Stefan Bauer.

Ganz aufhören möchte aber auch sein Vater nicht und bleibt weiterhin für das Unternehmen tätig. „Ich mache das gern“, sagt er. „Was soll ich denn zu Hause?“

Das Portrait erschien erstmals in der Juli/August-Ausgabe des Magazins von Citywire Deutschland.

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