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Im Portrait: Dirk Rüttgers und Corinna Schütz von Do Investment

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Im Portrait: Dirk Rüttgers und Corinna Schütz von Do Investment

Die Dornier Do X ist auch 89 Jahre nach ihrem Erstflug noch immer eine beeindruckende Erscheinung. Wie müssen sich erst die Zuschauer gefühlt haben, die Zeugen waren, als das gewaltige Verkehrsflugschiff am 12. Juli 1929 zum ersten Mal abhob – in einer Zeit also, als das Fliegen noch nicht zum Alltag der meisten Menschen gehörte? Mit einer Spannweite von fast 50 Metern und einer Leermasse von nahezu 30 Tonnen sowie ihren sechs Tandem-Gondeln mit zwölf Kolbenmotoren über der Tragfläche war sie nicht nur ein Blickfang; die Dornier Do X war in den frühen 1930er-Jahren mit einem Fassungsvermögen von 166 Passagieren auch das mit Abstand größte Flugzeug der Welt. Konstruiert und gebaut wurde sie von den deutschen Dornier-Werken. Das gilt auch für die nicht weniger legendäre Dornier „Wal“, von der heute nur noch ein einziges von einstmals mehr als 250 Exemplaren in einem Museum in Buenos Aires steht.

Unter anderem diese beiden historisch bedeutenden Flugzeuge gehen auf den Erfindergeist des Flugzeugpioniers Claude Dornier zurück. Dieser gründete 1914 innerhalb der Luftschiffbau Zeppelin GmbH seine eigene Entwicklungssparte unter dem Namen „Abteilung Do“. 75 Jahre später wurde das Family Office der Familie, später außerdem eine eigenständige Vermögensverwaltungsgesellschaft gegründet. Aus dieser ist 2011 nach einer Umfirmierung und einem Rechtsformwechsel die Vermögensverwaltung Do Investment entstanden.

Dirk Rüttgers, seit der Umfirmierung vor sieben Jahren Vorstand bei Do Investment, begründet den Schritt: „Die Familie hat sich geöffnet, weil wir zum einen mit unseren liquiden Assets gut durch die Finanzkrise gekommen sind. Insofern lag es nahe, dass wir unsere sehr konservative liquide Allokation auch Dritten anbieten. Zum anderen hat die Familie Dornier neben den Agrar- und Forst-Investments im Inland auch den Blick über die deutsche Grenze gerichtet und wollte international in Agrarwirtschaft investieren. Damals haben wir mit anderen Familien zusammen erste Agrar-Investments in Form von Club Deals in Rumänien getätigt.“

Schlanke Struktur gegen die Großen

Im Zuge der damals schon zunehmenden Regulierung unter der Einführung der AIFMD bestand die Gefahr, dass ein Club-Deal-Investment unter die Regulierung fällt. „Insofern waren wir damit konfrontiert, ob wir dahingehend stärker reguliert werden. Außerdem hatten wir eine hohe Nachfrage von Dritten, die uns im Agrar-Bereich begleiten wollten. Diese Gründe haben dazu geführt, dass wir uns weiter nach außen geöffnet haben“, sagt Corinna Schütz, seit 2011 im Unternehmen tätig und seit einem Jahr im Vorstand.

Die Kunden der Do Investment profitieren dabei vor allem von großer Umsicht, Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein. Eigenschaften, die nicht nur für eine umfassende Vermögensverwaltung wichtig sind, sondern eben auch für die Entwicklung eines Flugzeugs. Natürlich kann man auch ein Flugzeug von der Stange ohne großen Erfindergeist bauen, dafür benötigt man aber entsprechende Skaleneffekte. Als Massenprodukt sieht die Do Investment ihr Angebot nicht.

Aktuell sind elf Mitarbeiter in München bei Do Investment angestellt. Zum Start im Jahr 2011 waren es drei. Das Team verwaltet über die Fonds-Vehikel ein Vermögen von derzeit mehr als 450 Millionen Euro und sieht sich als spezialisierter Nischen-Player. „Wir haben eine sehr schlanke Struktur im Unternehmen. Das ist auch nötig für ein relativ kleines Unternehmen mit einer gewissen Anzahl an Assets. Um gegenüber den großen Anbietern bestehen zu können, ist eine schlanke Kostenstruktur mit sehr guten Mitarbeitern und in gewisser Weise einem Boutique-Charakter nötig, um einen USP zu haben. Das versuchen wir sowohl im liquiden Bereich als auch beim Thema Agrar zu erreichen. Ansonsten wird es schwierig, sich in einem Markt mit großen standardisierten Unternehmen erfolgreich zu positionieren“, sagt Rüttgers.

Agrar-Investments als größter Wachstumstreiber

Investments in Ackerböden und Agrar-Wirtschaft sind das große Alleinstellungsmerkmal von Do Investment. Derzeit macht der Bereich der Agrar-Investments rund ein Drittel der Assets des Unternehmens aus. Tendenz: Stark steigend. Rüttgers erwartet für die kommenden drei Jahre eine Angleichung der Assets. Bereits im Jahr 2012 wurde der erste Agrar-Fonds aufgelegt. Vier Jahre später folgte die zweite SICAV-SIF.

„Die Assetklasse Agrar ist zweifelsfrei unser größter Wachstumsbereich. Einen Trend spüren wir bereits seit den vergangenen Jahren. Bevor wir aber die nächsten großen Schritte machen, muss das sehr gut geplant und tiefgehend vorbereitet sein. Neben Rumänien sind wir seit einigen Jahren in Uruguay investiert. Aber dies hat auch sehr viel zeitlichen Vorlauf benötigt. Wachstum, sowohl personell bei uns als auch bei Investments in neue Länder, ist in der Planung“, sagt Rüttgers, der vor allem bei Versorgungswerken und Pensionskassen eine immer stärkere Nachfrage feststellt.

Die Maximilianstraße der Ackerböden

Für attraktive Agrar-Investments müssen Rüttgers und sein Team über den Tellerrand blicken. Zunächst hat die Do Investment in Rumänien, der „Kornkammer Europas“, passende Ackerflächen ausgemacht und dort im großen Stil investiert. „Rumänien hat mehr als 12,5 Millionen Hektar Ackerflächen. Davon suchen wir Top-Flächen und kaufen nur die Maximilianstraße bei den Ackerböden. Es ist natürlich schwieriger, hier passende Flächen zu finden. Deswegen haben wir unseren Spezialfonds im letzten Jahr auch final geschlossen. In Rumänien sehen wir daher eine gewisse Verknappung.“ Dies lässt sich an einer deutlichen Verteuerung der Ackerböden pro Hektar erkennen.

Nach Rumänien haben Rüttgers und sein Team Agrar-Investments in Uruguay ins Auge gefasst. In Südamerika gebe es keine Subventionen und der Flächenpreis sei viel stärker vom Preis der Rohstoffe abhängig, beispielsweise von Soja. „Wegen der Schwellenländer-Krise in Argentinien und Brasilien und dem Rückgang bei den Soja-Preisen sind auch die Flächenpreise unter Druck. Das ist für uns eine große Opportunität: Wir können erstklassige Flächen in einem sehr sicheren Land wie Uruguay kaufen“, erklärt Rüttgers die Strategie. Infolgedessen sei der Hektarpreis in Uruguay seit 2014 um bis zu 40 Prozent gefallen.

Neben Agrar-Investments steht der Münchner Vermögensverwalter auch für eine weitere Portfolio- Alternative, die in Deutschland nicht gerade populär ist: Hedgefonds. Seit 2006 managt Do Investment mit der Feri Trust ein Offshore-Portfolio. „Gerade der Offshore-Bereich ist durch das neue Investmentsteuergesetz seit Anfang 2018 auch für deutsche Anleger investierbar“, erklärt Schütz und fügt hinzu: „Es wundert mich, dass noch immer eine eher geringe Nachfrage nach Hedgefonds-Strategien besteht und dass das Thema Hedgefonds sehr verbrannt ist in Deutschland. Aber in herausfordernden Zeiten werden Anleger mit einem Hedgefonds- Portfolio besser fahren. Auch wenn dafür eine gewisse Illiquidität akzeptiert werden muss. Deswegen könnte der Hedgefonds-Anteil in den Portfolios durchaus höher liegen, als es bisher bei vielen Investoren der Fall ist.“

Dabei sei es wichtig für die Mandanten der Do Investment, dass sie wissen, wofür das Unternehmen steht. „Wir wollen nicht unser Angebot mit einer Anlageberatung oder anderen Themen erweitern, nur um noch ein paar weitere Kunden zu gewinnen. Unsere Mandanten haben uns ausgewählt, weil sie die Expertise bei der Verwaltung der liquiden Assets oder unsere Agrar- Expertise nutzen möchten“, sagt Schütz. Wie schon Luftfahrtpionier Claude Dornier, so zeigt sich auch die Do Investment innovativ und kreativ, wenn es um die Erschließung neuer Wege geht. Darüber staunen zwar nicht unbedingt die Massen wie einst beim Erstflug der Dornier Do X. Aber die Anleger wissen den Erfindergeist umso mehr zu schätzen.

CorinnaSchütz ist Mitglied des Vorstands der Do Investment AG. Sie verantwortet die Bereiche Compliance/Meldewesen, Risikomanagement und Personal. Schütz ist seit mehr als 15 Jahren im Wealth- und Asset-Management tätig. Bis zu ihrem Eintritt in die Do Investment AG im Januar 2011 verantwortete sie als Relationship-Manager bei der dänischen Investmentgesellschaft Sparinvest die Vermarktung der Investmentexpertise in den Geschäftsbereichen Semi-Institutional und Wholesale. Ihre berufliche Laufbahn begann Schütz bei einer großen Genossenschaftsbank in Baden-Württemberg. In einem berufsbegleitenden Studium qualifizierte sie sich zur Bankfachwirtin.

DirkRüttgers ist Vorstandsvorsitzender der Do Investment AG. Zudem engagiert er sich ehrenamtlich als Vorstand von gemeinnützigen Stiftungen. Bis Ende 2015 leitete er – in Doppelfunktion zu seinem Mandat der Do Investment AG – über zehn Jahre das Family Office von Silvius Dornier in München. Vor dem Wechsel nach München hatte Rüttgers, zuletzt als Generalbevollmächtigter, den Bereich Vermögensverwaltung der Weberbank Actiengesellschaft in Berlin verantwortet. Nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität zu Köln und Promotion im Fach Volkswirtschaftslehre begann Dirk Rüttgers Anfang der 1990er-Jahre seinen beruflichen Werdegang bei einer großen deutschen Sparkasse im Portfoliomanagement.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in der Juli/August-Ausgabe des Magazins von Citywire Deutschland.

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