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Im Portrait: Wie das Bankhaus Jungholz alternative Investments nutzt

Im Portrait: Wie das Bankhaus Jungholz alternative Investments nutzt

Jungholz, ein malerischer Ort inmitten der Alpen mit einer ganz besonderen Eigenschaft: Der kleine Ski-Ort gehört zu Österreich und ist nicht nur von Bergen umgeben, sondern auch ringsum von der bayerischen Landesgrenze. Jungholz liegt als österreichischer Zipfel tief im Westen des Landes – und eigentlich eher in Bayern. Das Örtchen ist zu Fuß aus Österreich nur über den 1600 Meter hohen Berg Sorgschrofen zu erreichen und besitzt je eine deutsche und eine österreichische Postleitzahl. Doch nicht nur dieser hübsche geografische Schwank macht diesen Ort so besonders: Einst waren in der Tiroler Exklave mit rund 300 Einwohnern auch ganze drei Banken beheimatet – damit gab es in dem sieben Quadratkilometer großen Dorf die größte Bankendichte in ganz Österreich!

Das ist heute anders. Die letzte in Jungholz beheimatete Bank ist inzwischen das Bankhaus Jungholz. Dieses ist 1981 gegründet worden und fungiert rechtlich gesehen als Zweigniederlassung der Raiffeisenbank Reutte, einer regionalen Raiffeisenbank in Tirol. Die Zweigniederlassung in Jungholz ist dabei eine auf das Private Banking und Vermögensverwaltung konzentrierte Bank mit rund 3700 Kunden und Assets in Höhe von €1,25 Milliarden. Aus Jungholz heraus findet das Research und Portfoliomanagement aller Standorte statt – das umfasst neben dem Hauptsitz in Reutte und dem Standort in Jungholz auch eine Dependance in der Schweiz in St. Gallen.

Dreiteilung des Geschäfts

Michael Wimmer ist seit über elf Jahren Investmentfonds- Analyst beim Bankhaus Jungholz und dort für die Fonds-Selektion des Hauses zuständig. Er sagt: „Die Raiffeisenbank Reutte ist und bleibt eine klassische Regionalbank, wobei wir beim Bankhaus Jungholz auch die Hausphilosophie und den Spirit eingearbeitet haben. Wir haben das Raiffeisen-Giebelkreuz im Herzen, das mit Bodenständigkeit und Nachhaltigkeit in Verbindung steht.“ Im Zentrum bei den Investments stehe stets die Neutralität bei der Auswahl der Produkte: „Dafür sind wir bei unseren Kunden bekannt. Wir sind komplett unabhängig. Deswegen macht mir und meinem Team der Job so ungemein Spaß, weil wir völlige Freiheit bei der Auswahl der Produkte haben.“

Rund €450 Millionen der Gelder sind dabei in Fonds investiert. Standardisierte Investment- Lösungen bietet das Haus, das insgesamt 32 Mitarbeiter in der Vermögensverwaltung, dem Back Office und dem Asset Management beschäftigt, ab einem liquiden Betrag von 100.000 Euro an. Dabei stellt sich das Bankhaus Jungholz dreigleisig auf: Zum einen wird eine Vermögensberatung angeboten, zum anderen eine Vermögensverwaltung – und darüber hinaus gibt es auch das Private Brokerage via Direktanlagedepot seit 1995. Auf diesem Weg sollen Kunden mit verschiedenen Anlage-Interessen abgeholt werden: Solche mit dem Wunsch nach Beratung und persönlichem Austausch; solche, die die Verwaltung ganz abgeben wollen; und über das Private Brokerage auch die Selbstentscheider.

„Aufwand zur Dokumentation unter MiFID II verschlanken“

Neukunden werden derzeit vor allem in der Beratung und Verwaltung gewonnen. „Durch MiFID II sollte die Vermögensverwaltung auch noch mal weiter in den Fokus rücken“, blickt Wimmer in die nahe Zukunft. Dem Thema müssten sich alle stellen, „allerdings können wir uns auf Lösungen und rechtliche Unterstützung der Raiffeisen-Organisation verlassen. Das Thema MiFID II betrifft uns als Bankhaus Jungholz allerdings noch mal mehr, weil wir ein produktneutrales Haus sind und nicht nur Produkte der Raiffeisen- Organisation anbieten“.

Deswegen habe man auch das Thema Product Governance intensiv angegangen – vor allem mit Software-Lösungen, um den Entscheidungs- und den Genehmigungsprozess zu straffen. „Wir wollen und werden weiterhin ein großes Produktuniversum anbieten. Aber dem müssen wir uns stellen. Das Thema Vermögensverwaltung wird noch verstärkt durch MiFID II in den Mittelpunkt gerückt, damit der Berater mehr Zeit hat, sich um die Kundenbeziehung und –bindung zu kümmern. Der Aufwand zur Dokumentation wird für den Berater durch MiFID II steigen, das muss man verschlanken.“

Durch Software-Lösungen könne man sich dahingehend effizienter aufstellen, damit der Berater am Ende des Tages mit Hilfe von Tools, die auch zur Vereinheitlichung der Arbeit dienen, den Kunden und die direkte Beziehung zu diesem im Fokus habe. „Deswegen streben wir mehr homogene Lösungen an, damit es auch nicht mehr relevant ist, ob der Kunde zu Berater A oder Berater B geht.“

Minen in den Märkten

Sicher ist allerdings auch weiterhin, dass das fundamentale Research der Kern des Hauses bleiben wird. Nicht nur auf der Produkt-, sondern auch auf der Makro-Seite; ergänzt durch technische und Sentiment-Indikatoren. „Aktuell gibt es ein insgesamt sehr freundliches Umfeld mit Wirtschaftswachstum, steigenden Unternehmensgewinnen und Anpassungen eher auf der positiven Seite. Bei den meisten Regionen haben wir fundamental von der Geldpolitik noch eine Unterstützung. Das lässt das gesamte Umfeld erst mal sehr positiv erscheinen“, sagt Wimmer.

Allerdings traut er dem Braten nicht: „Die Anleger sind angesichts des positiven Markt- beziehungsweise Wirtschaftsumfelds relativ entspannt unterwegs.

Trotzdem bestehen – derzeit im Hintergrund – an vielen Stellen gewisse Risiken.“ Da sei zum Beispiel das Thema Nordkorea, die Unsicherheit in der Türkei und in Spanien beziehungsweise Katalonien. Zudem stehen im kommenden Jahr noch die Wahlen in Italien an. „Man trifft also immer auf Minen, die die Märkte aufrütteln könnten. Inzwischen ist eine gewisse Sorglosigkeit eingetreten. Man schaut über alles hinweg und befindet sich in einer gewissen Wohlfühlzone, die sich für Asset Manager derzeit sehr schön anfühlt. Das kann sich aber so schnell drehen. Da muss man mit Vorsicht agieren. Die größten Risiken bestehen aber immer in Gegebenheiten, die noch keiner auf dem Schirm hat und dann umso überraschender kommen.“

Europa-Gewichtung reduziert

Aus diesem Grund sind Wimmer und sein Team seit Sommer vor allem bei europäischen Aktien vorsichtiger geworden. Bei einem internationalen Portfolio beträgt die Neutralgewichtung innerhalb der Aktien-Allokation bei Aktien der Eurozone als Heimatmarkt 50%. „Wir waren bereits im letzten Jahr und auch durch die Frankreich-Wahl hindurch mit etwas über 60% bei EU-Aktien gewichtet. Im Sommer haben wir dann wieder in Richtung 50% reduziert“, erklärt Wimmer. Auf den Empfehlungslisten des Hauses stehen für den EU-Aktienbereich dabei unter anderem der First Private Euro Dividenden Staufer oder der GAM Star Continental European Equity.

„Die Europa-Gewichtung wurde reduziert, weil wir damit eine sehr gute Performance erzielt haben. Durch die Frankreich-Wahl sind wir mit einer Übergewichtung zu europäischen Aktien gefahren. Letztendlich nähern wir uns jetzt aber der Benchmark etwas mehr aus Vorsicht an. Zudem spielt die herbstliche Saisonalität eine Rolle. Meistens wird es im Herbst immer etwas ruppiger an den Märkten. Gerade der September war aber sensationell gut – es kann also anders kommen“, sagt Wimmer. Sensationell gut sind die Renditen bei Anleihen zweifelsfrei schon länger nicht mehr. „Vor allem auf der Rentenseite sieht man im täglichen Geschäft die Alternativlosigkeit“, so Wimmer. Deswegen seien viele Investoren auf der Rentenseite vermehrt ins Risiko gegangen. „Egal ob bei den klassischen High Yields oder bei Schwellenländer-Anleihen. Das war für die Portfolios im Rückblick sehr gut und man hat sehr gut verdienen können. Man darf aber trotz aller Zinssteigerungs- Thematik die Staatsanleihen nicht komplett vergessen.“ Diese seien die einzige negativ korrelierte Assetklasse, wenn es an den Aktienmärkten größere Verwerfungen geben sollte.

Bis zu 20% in Alternatives

Wimmer stellt allerdings in den vergangenen Jahren eine immer größere Umschichtung der Gelder fest. „Im Rentenmarkt gibt es mit einem überschaubaren Risiko nicht mehr viel zu holen. Deswegen nehmen wir von dieser Seite mehr Gelder und schichten diese in alternative Strategien um.“ So machten im Jahr 2006 alternative Strategien nur eine kleine Beimischung aus, aktuell sind etwa 13% in alternativen Strategien investiert. In den vergangenen Jahren lag die Gewichtung sogar bei bis zu knapp 20%. Entsprechend wurde die Anleihe-Allokation zurückgefahren. „Bei alternativen Investments wollen wir keinen starken Long-Bias. Wir bewegen uns vielmehr im Bereich der Marktneutralität und versuchen, möglichst unabhängig vom Markt eine Rendite von mindestens 2,5% zu erwirtschaften“, erklärt Wimmer.

Alternative Strategien als Absicherung

Dabei gehe es nicht einfach nur um das Erreichen dieser 2,5%-Rendite, sondern auch darum, das Gesamtportfolio mit den alternativen Strategien sicher aufzubauen und vor allem, eine Absicherung gegenüber den klassischen Investments wie Aktien und Anleihen in das Portfolio zu integrieren. „Wir setzen Merger & Arbitrage Strategien, Global-Makro-Strategien, marktneutrale Strategien, Managed Futures und Volatilitätsstrategien als Hedge ein. Das soll uns eine Absicherung bringen, wenn es an den Märkten etwas ruppiger wird.“ So werden beispielsweise der Artemis US Absolute Return, der Helium Fund Performance oder der Assenagon Alpha Volatility eingesetzt.

Allerdings fügt Wimmer, der sowohl CFA- als auch CAIA-Charterholder ist, warnend hinzu: „Alternative Strategien sind nicht das Allheilmittel. Es kommen sehr viele neue Strategien auf den Markt, viele Strategien verschwinden allerdings auch wieder. Oft wird gute Performance verkauft, wenn man die entsprechende Strategie zu einer gewissen Zeit im Portfolio hatte. Es wird aber nicht die Investmentwelt revolutionieren. Der klassische Long-Only-Manager oder Vermögensverwalter ist gefragt, um die Beta-Risiken zu steuern. Ich sehe Alternatives als gutes Beiwerk, vor allem, um den Rentenbereich zu ersetzen.“

Dieser Text erschien ursprünglich im Citywire Deutschland Magazin vom November 2017.

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