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Investments in Fluggesellschaften: Rollfeld oder Himmelreich?

Warren Buffett bezeichnete Investments in Fluggesellschaften in den 1980er Jahren als „Todesfalle“. Über 35 Jahre später investiert er selber in US-Airlines. Doch wie sind Investments in Fluggesellschaften derzeit zu bewerten und wo sind wichtige Unterschiede in der Branche zu beachten? Auch jüngste Übernahmepläne könnten den Sektor in Bewegung bringen. Citywire Deutschland hat bei vier Fondsmanagern nachgefragt.

Der Frankfurter Flughafen plant weiteres Wachstum in Zusammenarbeit mit den Billigfluganbietern Ryanair und Eurowings. Zum Unmut von Lufthansa geht auch der Streit mit Fraport über die Flughafengebühren weiter. Dennoch erwirtschaftet die Lufthansa ein großes Plus, während andere Airlines unter Druck stehen.

Etwa die arabische Fluglinie Emirates: Sie verzeichnet als Lufthansa-Rivale sinkende Gewinne und der Umsatz stagniert seit langer Zeit. Weiterhin in der Krise befindet sich Air Berlin. Neben einem Schuldenberg kämpft die Fluggesellschaft mit Rekordverlusten, sowie Mitarbeiter- und Gepäckproblemen. Sollte die Wettbewerbshürde überwunden werden, ist unter Umständen eine Übernahme durch Lufthansa denkbar.

Auch die französische Air France, ebenfalls ein Lufthansa- Rivale, ist schwach in das laufende Jahr gestartet und fuhr im ersten Quartal 2017 ein millionenschweres Minus ein. Die British Airways-Mutter, International Airline Group, verzeichnete hingegen im ersten Quartal dieses Jahres Rekordgewinne und übertrag die Markterwartungen– entsprechend reagierte der Aktienkurs.

Angesichts der zum Teil entgegengesetzten Entwicklungen stellt sich die Frage, welche Fluggesellschaften positiv zu werten sind und von welchen man als Aktieninvestor die Finger lassen sollte? Vier Experten erklären ihre Sicht auf den Markt und wie sie ihr Portfolio entsprechend angepasst haben.

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Nicolas Walewski, Alken AM

Wir haben unsere Airlines-Investitionen spezifisch gewählt und konzentrieren uns auf langfristige strukturelle Gewinner innerhalb des Sektors. Ryanair halten wir seit vielen Jahren, da sie Kostenführer in der Branche sind. Das Unternehmen hat eine ausgezeichnete Wachstumsstrategie, die sehr gut ausgeführt wird und das Geschäftsmodell hat einen strukturellen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Mitbewerbern aufgrund einer überlegenen Verwaltung der Vermögenswerte und der Kosten. Folglich sind Billigfluggesellschaften, beziehungsweise strukturelle Kostenführer wie etwa Ryanair, positiv zu bewerten.

Ein Risiko besteht jedoch immer in der Nachfrage. Der operative Hebel ist in dieser Branche sehr hoch, sodass ein sinkender Umsatz pro Sitz zwangsläufig einen Einfluss haben wird. In Bezug auf regulatorische Risiken ist der Brexit ein Risiko, das dem Markt durchaus bewusst ist. In der Tat könnten britische Fluggesellschaften sich für ein europäisches AOC (Air Operator’s Certificate) bewerben. Aber, wenn das Vereinigte Königreich aus dem Open-Sky-Abkommen ausscheidet, dann müssen EU-Fluggesellschaften sich auch für ein UK AOC bewerben.

Schließlich ist auch ein Crash ein innewohnendes Risiko, aber wir glauben nicht, dass es ein Reputationsrisiko dahinter gibt, wenn die Wartungskosten auf dem empfohlenen Niveau bleiben. In der Vergangenheit haben wir keine Anpassungen vorgenommen, denn wir halten Ryanair seit über 15 Jahren, obwohl das Gewicht in unseren Portfolios je nach Bewertung und der Chance in anderen Bereichen des Marktes variiert.

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Richard Burkhardt, Fidecum

Die Aktien von Fluggesellschaften sind bei Investoren seit etwas mehr als einem halben Jahr ausgesprochen beliebt. Einerseits flacht das Kapazitätswachstum bei Lang- und Kurzstreckenflügen ab, was den Wettbewerbsdruck abmildert. Andererseits sehen wir weltweit ein robustes Wirtschaftswachstum. Schließlich wirkt der durch die amerikanische Frackingindustrie gedeckelte und stabil niedrige Ölpreis unterstützend und führte zuletzt zur Anhebung der Gewinnschätzungen. Vor allem die Aktien der großen Langstreckenfluggesellschaften sind günstig bewertet. Allerdings haben sie höhere Treibstoffkosten als die staatlichen Flaggschiffe Emirates und Etihad und stehen im harten Wettbewerb mit aufstrebenden Langstreckenbilliglinien wie Norwegian Air Shuttle und Air Asia. Damit sind sie verwundbar.

Wir bevorzugen die Aktien des Wachstumsunternehmens Ryanair. Die Gesellschaft verfügt unter allen europäischen Fluglinien über die niedrigste Kostenbasis. So werden die Iren auch ihre neuen Kapazitäten strukturell profitabel im Markt platzieren. Gleichzeitig entwickeln sie sich auch im Geschäftsreiseverkehr zu einem ernstzunehmenden Wettbewerber für die etablierten Linien. Ryanair verdoppelt nicht nur seine Passagierzahlen, sondern generiert auch durch zusätzliche Dienstleistungen, wie Sitzplatzreservierungen oder die Vermittlung von Hotels und Mietwagen, hochmargigen Extraumsatz. Durch das Ausnutzen und Skalieren der Kundenverbindungen hat das Unternehmen die Vision, langfristig ein Amazon des Reiseverkehrs zu werden. Aber auch ohne diese Vision ist Ryanair ein interessantes Investment.

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Matthew Kates, Union Bancaire Privée

Buffetts Erfahrung mit Fluggesellschaften stammt aus den 1980er Jahren, mit dem Kauf von bevorzugten US Air Aktien. Durch seinen eigenen Eintritt wurde die These auf Grundlage einer Kombination von Überangebot der Fluggesellschaften und Marktfragmentierung (also keine Preisgestaltung), schlecht beurteilt.

Heutzutage hat sich die US-Landschaft wesentlich verändert. Während der Sektor kapitalintensiv bleibt, nimmt die Konsolidierung zu und folglich wird der Bezug auf den Kapitaleinsatz rationaler, was wiederum zu einer besseren Vermögensauslastung und letztlich zu einer größeren Kontrolle der Preisgestaltung geführt hat – und auch die niedrigeren Preise haben geholfen. Dieser Zusammenfluss von Faktoren hat zu einer höheren und nachhaltigeren Rendite auf das Kapital geführt, und somit das erneute Interesse von Buffett und anderen renommierten Investoren.

Unserer Meinung nach sieht der US-Sektor zunehmend investierbar aus, während das Gegenstück in Europa angesichts der anhaltenden Zersplitterung, der Gewerkschaftsstärke, der staatlichen Interessenvertretungen, der Devisenkapazitäten - die schwer umzustrukturieren sind – und der anhaltenden Bedrohung von Low-Cost und nahöstlichen Carriern viele Herausforderungen beinhaltet.

In Europa scheint die International Airlines Group (IAG) bei der Konsolidierung des Marktes ein gewisses Maß an Erfolg zu haben, Kosten zu senken und einen eher rationalen Ansatz für das Kapazitätswachstum zu erlangen, während die Lufthansa und KLM-Air France weiterhin mit den oben beschriebenen Ergebnisproblemen aufgebürdet werden – große M&A scheinen somit schwierig. Letztlich bleibt es eine sehr zyklische Industrie und wie bei jeder Ware werden die Langzeit-Gewinner weiterhin preisgünstige Betreiber wie Ryanair sein, die wir in der Vergangenheit besessen haben, aber derzeit nicht mehr im Portfolio sind.

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Marcus Hoppe, Deutsche AM

Im europäischen Markt sind vor allem Low-Cost-Anbieter erfolgreich, wodurch eine Unternehmensstrategie, die vornehmlich auf den Preis setzt, bestärkt wird. Hieraus ergeben sich beeindruckendes Wachstum und entsprechende Kapitalrenditen. Gleichermaßen gibt es auch Anbieter in diesem Preissegment, die kaum Geld verdienen und strukturelle Kostenprobleme haben. Diese großen Fluggesellschaften, sogenannte Legacies, versuchen mit gutem Service und einem attraktiven Flugangebot gegen die Low-Cost-Anbieter zu bestehen. Bei möglichen Konsolidierungen entsteht einzig der Vorteil, dass ein weiterer Preisverderber vom Feld rollt.

Insgesamt ist der innereuropäische Markt der Fluggesellschaften jedoch eher zäh und schwierig. Wirklich auskömmliche Margen werden von den Legacie-Fluggesellschaften meist nur auf der Transatlantik-Strecke verdient. Durch Joint-Ventures mit US-Unternehmen ist hier ein „letztes quasi-Monopol“ entstanden. Auch der Ölpreis hat hier unterstützend gewirkt. In Konsequenz wird sich der Wettbewerb in diesem Markt in den kommenden zehn Jahren voraussichtlich verstärken. Die Margen geraten somit unter Druck.

Doch die Yields haben sich seit fast drei Jahren erstmals wieder verbessert und die Nachfrage ist aktuell robust, generell aber zyklisch. In den USA ist der Markt weniger schwierig, da weniger Wettbewerber als in Europa um die Gunst der Kunden werben. Auch der allgemeine Lohnkostenanstieg bei nahezu allen Unternehmen der Airlines- Branche in den USA könnte zu einer höheren Preisdisziplin und somit steigender Profitabilität führen. Hinzu kommt, dass die amerikanischen Fluggesellschaften derzeit verhältnismäßig günstig sind.

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