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Jens Spudy kritisiert Family-Office-Branche als teilweise verkappte Vermögensverwalter

Jens Spudy kritisiert Family-Office-Branche als teilweise verkappte Vermögensverwalter

Wenn man nach einem Tempo fragt, dann weiß jeder, dass man ein Taschentuch möchte. Der Markenname „Tempo“ steht schon lange stellvertretend für das eigentliche Produkt. Gleiches gilt für Tesa, Uhu, Aspirin und den Fön. Diese Markennamen haben sich im allgemeinen Sprachgebrauch als Bezeichnungen für bestimmte Produktgruppen durchgesetzt. Im Lateinischen werden diese Begriffe Deonyme genannt, also generische oder generalisierte Markennamen.

Hört man heute den Namen Jens Spudy, dann weiß zumindest die Investment-Welt, dass damit ein Family Office gemeint ist. „Ich sehe mich nicht als Family Officer oder Vermögensverwalter, sondern als Unternehmer. Ich wollte schon immer mein eigenes Unternehmen und meine eigene Marke aufbauen. Der Name Spudy soll für unabhängiges Family Office stehen“, sagt Jens Spudy im Gespräch an einem sonnigen Tag in Hamburg. Ihm ist zweifelsfrei gelungen, was er schon immer geplant hatte: Eine Marke zu kreieren. 2015 ist die Spudy Invest GmbH gegründet worden, seit 2017 firmiert diese unter der Spudy Family Office GmbH. Inzwischen hat Spudy über elf Milliarden Euro Assets under Control – und steht damit als Inbegriff des deutschen Family Offices.

„Verkappte Vermögensverwalter“

Die drei Grundsätze des Unternehmens sind bereits im Logo des Hamburger Family Office verankert. Ein Leuchtturm, der in drei Teile gegliedert ist: Sicherheit, Erfahrung und Nachhaltigkeit. Diese Säulen sind für das Handeln von Spudy und seinen über 40 Mitarbeitern zentral.

„Wir verstehen uns als klassisches Family Office und sehen uns als Intermediär zum Vermögensinhaber und sonstigen Dritten. Das können Rechtsanwälte, Steuerberater, das Finanzamt oder auch Vermögensverwalter sein. Wir koordinieren das Ganze und nehmen unseren Mandanten Arbeit ab. Wir haben keine eigene Vermögensverwaltung“, erklärt Spudy. Ein zentraler Punkt in einer Investment-Welt, in der Family Offices immer häufiger auch eine eigene Vermögensverwaltung anbieten.

Für den Family-Office-Pionier Spudy ist das ein No-Go. „Eine Vermögensverwaltung, die sich Family Office auf die Fahnen schreibt, nur um ihre Vermögensverwaltung an den Kunden zu verkaufen, will vor allem Geld verdienen“, so Spudy. Dadurch entstehe ein Interessenkonflikt.

Dass der Begriff Family Office in Deutschland nicht geschützt ist und anders als beispielsweise in Luxemburg keiner Lizenz bedarf, sieht Spudy aus diesem Grund kritisch. „Jeder Vermögensverwalter kann ‚Family-Office-Leistungen‘ anbieten oder sich Family Office nennen. Dabei sind viele der Family Offices doch verkappte Vermögensverwalter. Aber viele Unternehmen sehen Family-Office-Dienstleistungen als Königsdisziplin und wollen dadurch vertriebliche Chancen nutzen“, erklärt Spudy und ergänzt: „Ich würde es daher sehr begrüßen, wenn wir ähnlich wie in Luxemburg eine offizielle Family-Office-Lizenz einführen würden. Dann müssten Unternehmen nachweisen und beweisen, dass sie entsprechende Family-Office-Leistungen erbringen.“

Der Maschinenraum in Frankfurt

Aber was macht die Arbeit eines Family Office aus? Zunächst einmal kostet die Konsolidierung des bestehenden Kunden-Vermögens sehr viel Zeit und Aufwand. Mit drei Online-Fragen zur Risikobereitschaft des Kunden ist es dort nicht getan. Dafür sind auch die Vermögen der Kunden zu komplex. Zur Bestandsaufnahme des Vermögens eines Kunden mussten auch schon einmal 270 Kisten – und pro Kiste zehn Ordner – gesichtet werden. Das dauert für eine grobe Bewertung eine Woche und für eine detaillierte Aufarbeitung mit allen Steuerfachmännern rund sechs Monate. „Der Aufwand ist zu Beginn des Vermögensreportings immer immens. Diese Arbeit ist aber nötig, um die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen zu treffen. Außerdem macht es die Arbeit natürlich leichter, wenn alle Vermögensinhalte gebündelt und einwandfrei konsolidiert sind.“ Zur Stärkung dieser Bündelung der Vermögensinhalte und um Prozesse effizienter aufzustellen, hat Spudy 2016 die ICR GmbH von der UBS-Gruppe übernommen. Durch die mittelbare Übernahme der Wirtschaftsprüfung in Frankfurt wurde das Vermögenscontrolling gestärkt.

„Wir möchten nicht zwei Vermögenscontrolling- Abteilungen in Frankfurt und Hamburg haben, sondern unsere Stärken bündeln und zentralisieren. Dadurch stellen wir uns für die Zukunft effizient auf und sorgen für einen fortführenden Austausch unserer Experten. In Frankfurt ist jetzt unser Maschinenraum, den wir für die Strategieberatung hinsichtlich der Finanzplanung und für unsere Beratungsseite haben. Die Grundlage und Basis dieser deutschlandweiten Beratung ist das Vermögensreporting in Frankfurt“, erklärt Spudy.

„Wir sind kein Produktverkäufer“

Die Experten ordnen dabei zunächst alle liquiden und illiquiden Anlagen und stellen eine Vermögensbilanz auf. Auf dieser Grundlage wird die Strategie aufgebaut. „Das Vermögen zu konsolidieren, stellt viele Mandanten bereits vor eine große Herausforderung. Das liquide Vermögen ist dabei leicht überschaubar und abbildbar. Aber das illiquide Vermögen ist durchaus schwieriger abzubilden und zu ordnen. Dort müssen teilweise aus Bilanzen, Schätzungen und Bewertungen Gutachten erstellt werden“, so Spudy. Der klassische Immobilienbestand spielt dabei eine ebenso große Rolle wie die eigenen Unternehmen der Kunden oder auch Kunst und Oldtimer.

Danach wird der Honorar-Dienstleistungsvertrag erstellt. Darin ist klar die Dienstleistung mit einem entsprechenden Jahreshonorar vereinbart. Es gibt „All Inclusive“-Pakete, die die Konsolidierung des Vermögens, Strategieberatung und den Concierge-Service beinhalten. Wenn ein Kunde aber bereits eine bestehende Finanzstruktur hat und lediglich die Strategieberatung in Anspruch nehmen möchte, kann er genau diese Segmente auswählen und zahlt dann nur dafür. Im vorherigen Dienstleistungsvertrag sind die Kosten genau hinterlegt und vereinbart.

„Wir verkaufen die Dienstleistung, Ansprechpartner der Familie zu sein. Wir sind kein Produktverkäufer und verkaufen nicht die Dienstleistung Rendite. Wir sind Ansprechpartner der Familie und fungieren sozusagen als Architekt des Vermögens. Das beginnt bei der Strukturierung des Vermögens. Wir kopieren keine zwei Zettel und tragen drei Buchungen ein. Ein Bericht zum Vermögenscontrolling kann auch mal über 300 Seiten lang sein“, gibt Spudy einen Einblick.

Schutzschild seiner Klienten

Dabei spielen neben klassischen Immobilien und liquiden Anlagen auch Investments in Private Equity teilweise eine Rolle. Aber auch weitere Dienstleistungen, die die Allokation des Vermögens weit überschreiten, sind wichtig für das Family Office von Spudy.

Ein Mandant sei beispielsweise in den Wintermonaten immer im Ausland. In dieser Zeit werden unter anderem auch die Briefe und Korrespondenzen des Mandanten übernommen. Dieser kann im Ausland in Ruhe seinen Aufenthalt genießen. In einer Telefonkonferenz werden dann die Briefe mit dem Mandanten besprochen. In einem anderen Fall war die Brüstungshöhe eines 30-Familien-Hauses eines Mandanten nach Einsicht der Spudy-Experten nicht groß genug. „Dies wäre im Zweifel ein Haftungsfall gewesen und hätte große rechtliche Sorgen und Probleme bereiten können, wenn jemand über diese Brüstung gefallen wäre, weil die Brüstungshöhe nicht hoch genug war. Das haben wir noch aufgezogen und glatt gezogen, um das Risiko zu erkennen beziehungsweise die Lösung für den Mandanten zu finden.“

Spudy versteht sich als Löser von Problemen – und hat dabei alle möglichen Probleme des Kunden im Blick. „Wir möchten Probleme erkennen und lösen. Wenn wir diese Lösung aus rechtlichen Gründen oder wegen fehlender Expertise nicht lösen können, ziehen wir externe Experten heran.“ Damit fungiert Spudy sozusagen als Schutzschild seiner Klienten. Nicht aus dem Elfenbeinturm, sondern vielmehr aus dem Leuchtturm heraus. Mit einem umfassenden Blick auf das Vermögen der Mandanten. Mit Weitsicht. Und falls nötig auch als Absicherung bei rauer See.

Jens Spudy ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der Spudy-Gruppe, die 2016 mit dem mittelbaren Erwerb der Frankfurter Inter-Concern-Revisions GmbH (ICR GmbH) Wirtschaftsprüfungsgesellschaft von der Schweizer Großbank UBS zu einem der führenden unabhängigen Multi Family Offices in Europa aufstieg. Zur Spudy-Gruppe gehören neben dem eigentlichen Spudy Family Office die ICR GmbH vor allem als Dienstleister für Controlling und Reporting sowie Steuerfragen und die Spudy Real Estate als Rund-um-Dienstleister für die Betreuung von Immobilien. Aktuell betreut die Spudy- Gruppe Mandanten mit einem Gesamtvermögen von mehr als elf Milliarden Euro. Nach seiner Lehre als Bankkaufmann bei der Deutschen Bank studierte Jens Spudy Betriebswirtschaftslehre an der Christian- Albrechts Universität Kiel. 1994 gründete er eines der ersten unabhängigen Multi Family Offices in Deutschland und gilt seitdem als Pionier dieses Geschäftsfeldes. Zu seinen Spezialgebieten gehören Private Equity Projekte und Immobilien. Jens Spudy legt besonderen Wert auf Unabhängigkeit und Nachhaltigkeit. Aus diesem Grund verzichtet er konsequent auf das besonders lukrative Geschäftsfeld der Vermögensverwaltung und verpflichtete sich mit seiner gesamten Unternehmensgruppe den von Kofi Annan initiierten Principles for Responsible Investment (PRI) der Vereinten Nationen.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in der Juni-Ausgabe des Magazins von Citywire Deutschland.

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