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Michael Gollits von der von der Heydt & Co. im Portrait

Michael Gollits von der von der Heydt & Co. im Portrait

Näher an der Isar kann ein Gebäude kaum liegen als die Münchner Niederlassung der von der Heydt & Co. Vermögensverwaltung. Nur wenige Meter entfernt und mit direktem Blick auf den Fluss thront das Gebäude, das als Baudenkmal in die bayerische Denkmal­liste eingetragen wurde und 2007 den Münchner Fassa­denpreis gewann. Doch schick ist hier nicht nur das Äußere. Auch in den Räumen macht sich handwerkliches Können bemerkbar. Die Decken sind mit aufwendigem Stuck verziert. In Handarbeit.

Allerdings wurden diese Arbeiten erst unter der Initiative der von der Heydt & Co. vollzogen. Unter dem vorherigen Mieter war der Stuck verdeckt. Die Freilegung und Restauration waren ein symbolischer Akt, der Gemeinsamkeiten mit der allgemeinen Arbeitsweise in dem Haus hat. „Alle technischen Prozesse wie die Abwicklung beispielsweise müssen hochgradig automa­tisiert und effizient betrieben werden oder auch wie in unserem Fall weitestgehend outgesourced werden. Aber die Betreuung der Kunden, das Verwalten der Portfolios, also das richtige Handwerk, muss auch dementsprechend manuell betrieben werden. Wir verstehen uns als Manu­faktur“, sagt Michael Gollits, seit Ende 2014 Vorstand der von der Heydt & Co.

Dabei ist für Gollits und seine Vermögensverwaltung, die unabhängig vom Bankhaus von der Heydt & Co. agiert, der unmittelbare Kontakt zu den Kunden zentral. Statt standardisierter Portfolios gibt es individuelle Vermö­gensverwaltung. Echtes Handwerk eben. Auch mit den Hindernissen, die diese Sorgfalt bringt: „Wir machen uns für den Kunden passend. Wir gehen zu 100% auf ihn ein, erlauben auch sehr individuelle Ausschlüsse und Sondervereinbarungen. Diesen Luxus leisten wir uns. Der Kunde hat bei uns direkten Kontakt zu seinem Portfolio­manager. Wir sind uns bewusst, dass wir dadurch unser Wachstumspotential beschränken, dafür aber eine starke Kundenbindung haben.“

Wachstum in München

Derzeit betreut die Vermögensverwaltung mit Hauptsitz in Frankfurt am Main und einem weiteren Büro in München 120 Kunden. Das gesamte verwaltete Vermögen beträgt rund 500 Millionen Euro. Auch wenn der Hauptsitz in Frankfurt ist, und dort sieben der neun Portfoliomanager der Firma arbeiten, kommen rund 60% der Kunden aus dem südlichen Raum Deutschlands. Darauf will die Firma reagieren und den Ausbau des Büros in München vorantrei­ben. Zum einen wolle man dadurch näher an den Kunden sein. Zum anderen spielt MiFID II eine Rolle. „Im Rahmen der steigenden Anforderungen muss man Wachstum anstreben. Für kleinere Vermögensverwalter wird es auf lange Sicht sehr schwer, zu überleben.“

Dahingehend hat die von der Heydt und Co. bereits reagiert und einen Mitarbeiter eingestellt, der sich 80% nur um regulatorische Themen kümmert. „Wir sind zugleich offen für Kooperationen und Übernahmen von Vermögensverwaltern. Diese wollen wir dann aber bei uns im Unternehmen integrieren und sie sollen bei uns wei­terhin an Bord bleiben. Gemeinsam im Sinne der Kunden soll dies dann vorangetrieben werden.“

Dabei muss Gollits beachten, dass er für viele Unterneh­mer arbeitet. „Viele unserer Kunden haben auf der einen Seite das unternehmerische Investment. Deswegen darf auf der liquiden Seite nicht viel passieren im Hinblick auf die Drawdowns. Aus diesem Grund steht das Risikoma­nagement bei uns im Vordergrund.“ Insgesamt fällt die Positionierung deswegen eher konservativ aus. Konserva­tive Investments sind im heutigen Marktumfeld mit einer niedrigen Anleihe-Rendite und korrelierenden Märkten allerdings schwieriger zu finden. „Aus dem risikofreien Zins ist ein zinsfreies Risiko geworden. Darauf muss man sich als Vermögensverwalter anpassen und einstellen.“

Hochzinsanleihen wurden halbiert

Deswegen haben Gollits und sein Team Staatsan­leihen komplett aus den Portfolios gestrichen. Der Rentenanteil von 26,5% inklusive der Kasseposition ist komplett in Unternehmensanleihen investiert. Rund die Hälfte davon in Investment-Grade, die andere Hälfte in Hochzinsanleihen. Allerdings hat sich vor allem auf der High-Yield-Seite innerhalb der vergangenen Monate viel verändert. „Wir sind im letzten Jahr relativ lange komplett im High-Yield- Bereich gewesen. Nach der starken Performance dort haben wir unsere Positionierung gesenkt und diese in Hybrid- und Wandelanleihen umgeschichtet.“ So waren bis Mitte 2016 noch rund 80% des Anleihe- Portfolios in Hochzinsanleihen investiert. Derzeit sind es hingegen nur noch 40%.

„Bei einigen Anleihen muss man sich derzeit schon fragen, ob das Risiko noch adäquat vergütet wird“, blickt Gollits skeptisch auf den High-Yield-Sektor. In Europa habe die EZB den Markt für Unternehmens­anleihen im IG-Bereich durch ihr Kaufprogramm leergefegt. Deswegen seien viele Investoren, ohne das höhere Risiko richtig zu bewerten, auf der Jagd nach Rendite in risikoreichere Anleihen eingestiegen. „So lange es auf der Aktienseite so weitergeht wie in den letzten Monaten, wird es aber auch auf der HY-Seite keine größeren Probleme geben, weil beide Segmente durchaus hoch miteinander korreliert sind.“

In Europa seien die Ausfallraten sehr gering. In den USA gebe es Ausfälle im Wesentlichen nur im Energie-Sektor. „Sollten wir aber bei den Noten­banken eine schärfer als erwartete Zins-Bewegung erhalten, dann ist es sicherlich so, dass man auch im HY-Bereich Rücksetzer sehen wird. Unmittelbar kann ich mir das aufgrund der erfreulichen aber nicht überschäumenden Konjunkturlage kaum vorstellen“, so Gollits.

Deswegen verfährt die von der Heydt & Co. im Hochzinsbereich derzeit vorsichtig. „Wir setzen aktuell bei Hochzinsanleihen auf eine kurze Duration.“ Sobald die Zinsen bei Staatsanleihen steigen, und es andere und vor allem risikolosere Alternativen gibt, könnte es bei Hochzinsanleihen unangenehm werden. Das sieht Gollits aber erst kommen, wenn die Rendite bei US-Treasuries über 3,5% steigt. „Deswegen verfolgen wir einen flexiblen Ansatz und investieren auf der High-Yield-Seite beispielsweise in den OVID Infrastructure HY Income und Robeco High Yield Bonds Fonds.”

Das Infrastruktur-Thema des OVID-Fonds wird seiner Meinung nach immer attraktiver. „Zum einen weil Infrastruktur-Investments der gesamten Bevölke­rung zugutekommen und deswegen leicht vorange­trieben werden können, und diese Investments in der Gesellschaft akzeptiert sind, weil alle davon profitie­ren. Da spielt die EZB auch eine Rolle, die den Staaten klargemacht hat, dass sie investieren müssen, um die Konjunktur anzukurbeln.” Zum anderen habe man in den USA mit Donald Trump einen US-Präsidenten, der Investitionen in die US-Infrastruktur vorantreibe.

So hat Gollits sein Anleihe-Portfolio in den vergangenen Monaten zu Wandel- und Hybridan­leihen umgeschichtet. „Das erscheint uns von der Ertrags- und Risikoseite attraktiv. Im Frühsommer 2016 haben wir verstärkt auf Wandler gesetzt, weil der High-Yield-Bereich damals schon weit gelaufen war, der Aktienmarkt aber noch hinterher gehinkt hatte. Die Hybridanleihen wurden weiter aufgebaut, um die Qualität der Schuldner zu verbessern. Insofern haben wir unser Risiko etwas herausgenommen und unser Portfolio robuster aufgebaut.“

Umschichtung in Europa

Ebenfalls aufgebaut haben Gollits und sein Team Alternative Investments. Seit Ende des ersten Quartals 2015 wurden Investments in sogenannte Alternative Strategien nahezu verdoppelt. „Anleger suchen immer mehr Investments, die nicht mit dem klassischen Kapitalmarkt korrelieren. Heute gibt es keinen Platz an den Kapitalmärkten, an dem man sich verstecken kann. Woher kommt denn die gute alte Vermögensaufteilung von 70% Anleihen und 30% Aktien? Aufgrund einer Anleiherendite für Staatsan­leihen im mittleren einstelligen Bereich konnte aus diesem Segment ein positiver Renditebeitrag erzielt werden, der Korrekturen an den Aktienmärkten abmildern oder gar überkompensieren konnte”, erklärt Gollits. Angesichts von Renditen für Bundesanlei­hen nahe der Nulllinie funktioniere das nicht mehr. Deswegen steige der Bedarf nach Versicherungen und alternativen Strategien.

Themen auf dieser Investment-Seite sind schon immer bei von der Heydt & Co. Mikro-Finanz aber auch im Laufe des Jahres 2016 verstärkt Risk Parity und in der Folge Mezzanin Kapital sowie Anfang 2017 eine Währungsstrategie. Dies soll die Portfolios diversifizieren und robuster aufbauen – auch, um sich gegen sogenannte Schwarze Schwäne, also unwahr­scheinliche, aber äußerst verlustbringende Ereignisse, abzusichern.

Solche Schwarzen Schwänen könnten im laufenden Jahr vor allem aus Europa drohen. Die Unsicherheiten sind groß und Wahlen in Frankreich und Deutschland könnten für weitere Volatilität sorgen. Nichtsdesto­trotz setzt Gollits auf ein Übergewicht bei EU-Aktien im Vergleich zu US-Titeln. „Die Prämie im US-Markt ist so stark angewachsen, dass wir unsere Allokation in den USA gesenkt haben. Die Gewinnerwartungen haben sich in Europa relativ gesehen zu den USA stärker gesteigert. In Europa ist auffällig, dass das Umsatzwachstum zwar schwächer war, die Gewinne aber ordentlich gestiegen sind. Das spricht für eine Margenausweitung, die wir in den USA nur schwer sehen”, sagt Gollits. Allen voran wegen der Vollaus­lastung am US-Arbeitsmarkt, die zu einem spürbaren Kostenanstieg von der Lohnseite führe. „Deswegen fühlen wir uns in Europa sehr wohl.“ Insgesamt macht die Aktienseite derzeit 47% in einem ausgewogenen Portfolio aus.

Innerhalb von Europa hat Gollits allerdings wie im Anleihe-Teil der Portfolios eine Umschichtung vorgenommen: „Schon im vergangenen Jahr haben wir nach dem Brexit angefangen, unsere Positionierung in Europas zu verändern. Wir sind von den Large Caps in die Mid Caps und haben unsere Europa-Positionierung leicht verringert, weil wir gute Chancen in den Schwel­lenländern gesehen haben. Innerhalb Europas haben wir somit die Struktur verändert, stehen aber zu unserem vorhandenen Übergewicht in Europa. Vieles spricht dafür, dass Europa dieses Jahr besser perfor­men wird als der US-Markt.“

Ein Fonds, mit dem Gollits diese Erwartungen abdeckt ist der Lupus alpha Smaller Euro Champions von Marcus Ratz, der bei Citywire mit einem AA-Rating ausgezeichnet ist. Mit ihrer ihrem individuellen Ansatz sind Ratz und die Boutique Lupus Alpha ebenfalls eine Art handwerkliche Meister, und passen somit gut in das Universum der von der Heydt & Co.

Das Portrait erschien ursprünglich in der März-Ausgabe des Magazins von Citywire Deutschland.

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