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Milliardenmanager Stefan Isaacs: Vollzieht die EZB die Wende?

Milliardenmanager Stefan Isaacs: Vollzieht die EZB die Wende?

Stefan Isaacs,  stellvertretender Leiter des Anleiheteams von M&G und Fondsmanager des rund €1,3 Milliarden schweren M&G Global High Yield Bond Sterling X Inc sowie des rund €1,8 Milliarden schweren M&G European Corporate Bond GBP A Inc, sieht einige erste Anzeichen für eine Zunahme von Übertreibungen und Ungleichgewichten am Anleihemarkt. Dies zwinge Sparer nach wie vor, entweder ein beträchtliches Laufzeit- oder ein Kreditrisiko einzugehen, um eine positive Realrendite zu erzielen.

So sei ein schwacher oder praktisch nicht vorhandener Anlegerschutz bei vielen High-Yield- und Leveraged-Loan-Transaktionen zur Regel geworden.

Begründete Bedenken

Bedenken gegen die Nullzinspolitik seien daher laut Isaacs nicht unbegründet. Trotzdem bestehe die Gefahr, dass diese zu früh umgekehrt werde. „Denn den Staaten der Eurozone fehlt finanzieller Spielraum, und das Wirtschaftswachstum kann Unterstützung immer noch vertragen - die EZB ist daher gut beraten, weiter eine vorsichtige Haltung einzunehmen - der Weg zu einer strafferen Geldpolitik sollte nur sehr allmählich beschritten werden.“

Zum Ende April lag die Rendite zehnjähriger italienischer Staatsanleihen bei unter 2% und für Laufzeiten unter drei Jahren im negativen Bereich. So schien es also vor ein paar Wochen in Italien kein nennenswertes Risiko anhand der Bewertungsmaßstäbe der Anleihemärkte zu geben.

„Das hat sich nun geändert, die Renditen italienischer Anleihen sind drastisch gestiegen und die Märkte insgesamt nervöser“, so Isaacs. Gleichzeitig könne sich die EZB damit trösten, dass die Ansteckungsgefahr auf andere Märkte der Euro-Peripherie seit der Eurokrise angesichts von Strukturreformen und robuster Konjunktur gesunken sei.

EZB im Fokus

Anleger und Ökonomen dürften am kommenden Donnerstag gespannt nach Lettland schauen, wo der EZB-Rat tagen wird.

„Bis vor kurzem dürfte sich die EZB auf einem guten Weg zur Zinswende gesehen haben. Rosige Aussichten für Unternehmen und Arbeitnehmer in der Eurozone, ein gesünderer Bankensektor, billige Kredite für Unternehmen und Staaten und eine leicht anziehende Inflationsrate – nach Jahren der ultralockeren Geldpolitik sprach Ende 2017 alles für eine allmähliche Normalisierung.“

Doch keine sechs Monate später sehe die Welt wieder anders aus - unter anderem die Konjunkturdaten haben sich abgeschwächt. „Die jüngsten Ereignisse in Italien haben uns daran erinnert, dass man die Gefahren einer populistischen Politik für die Wirtschaft nicht unterschätzen sollte“, mahnt Isaacs.

Aber es sei gut möglich, dass sich die Anhänger einer expansiven Geldpolitik im EZB-Rat für eine Rücknahme der Anreize noch nicht bereit fühlen.

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