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Noch zusammen: Eindrücke aus dem Vereinigten Königreich

Noch zusammen: Eindrücke aus dem Vereinigten Königreich

Das Königreich bleibt vereinigt: Die Schotten werden, zumindest für jetzt, im Vereinigten Königreich verbleiben. Die Mehrheit hat auf dem Wahlpapier das ‚Nein‘ angekreuzt und sich somit im Referendum gegen die Unabhängigkeit von Großbritannien, nach 300 Jahren der Vereinigung, ausgesprochen.

In der höchsten Wahlbeteiligung der demokratischen Geschichte der UK, haben 55,4% ‚Nein‘ gewählt und 44,6% ‚Ja‘.  Somit war das Ergebnis viel enger als von den Umfragen der letzten Monaten vorhergesagt wurde.

Aus der englischen Presse kann man entnehmen, dass sich doch eine Erleichterung breit macht. So schreibt ‚The Telegraph’, dass Schottland sich mit einer überwältigenden Mehrheit gegen die Unabhängigkeit entscheidet. Der ‚Guardian‘ wiederum zitiert den spanischen Premierminister Mariano Rajoy, der sagt, dass Schottland sich für die beste Option entschieden hätte. Vielleicht trifft es der ‚Economist‘ wiederum am besten, der schreibt: ‚Britain survives‘, also ‚Großbritannien überlebt‘.

Direkt nach den Ergebnissen hat Citywire mit Fondsmanagern aus Schottland und London gesprochen, um herauszufinden, wie es jetzt mit der Debatte um das Vereinigte Königreich weitergeht und welche Reaktionen man an den Märkten erwarten darf.

Iain Stealey, A-gerateter Rentenmanager bei JP Morgan Asset Management, London

Unsere Einschätzung ist, dass das ‚Nein‘ Votum keine größeren Auswirkungen auf die UK-Gilts hatte. Wenn man sich die 30-jährigen Gilts anschaut, dann sieht man wenig Veränderung. Auswirkungen hat man eher am Front-End des Anleihenmarktes gesehen.

Nun heißt es ‚back to Business‘ für die Bank of England. Ich würde sagen, dass der Markt zu 80% einen Zinsanstieg im Februar erwartet. Es wird natürlich immer noch von den wirtschaftlichen Daten abhängen, doch ein ‚Yes‘ Votum hätte diesbezüglich mit Sicherheit wieder für mehr Ungewissheit gesorgt. Jetzt kann sich die Bank of England wieder ihrem eigentlichen Job widmen und die Daten anschauen. Falls sich die Löhne und Wachstumslevels wieder verbessern sollten, dann muss die Bank ihren außerordentlichen Ansatz zurückfahren und die Zinsraten wieder normalisieren.

Interessant ist hier der Dominoeffekt, den das ‚Nein‘ Votum auf spanische Renditen hatte. Diese sind deutlich gefallen und es gab wohl Beunruhigungen, was ein ‚Yes‘ Votum für Katalonien und andere Regionen bedeutet hätte. Das war wahrscheinlich nach dem Ergebnis die größte Veränderung im Anleihenmarkt, wenn man den Sterling einmal außer Betracht lässt.

Gregor Macintosh, gebürtiger Schotte und Fondsmanager bei Lombard Odier, Genf

Die Tragweite des Sieges der ‘Nein’-Stimmung verhindert eine direkte Unruhe im Markt, aber unserer Einschätzung nach wird das Ergebnis nur für eine kurzfristige Unterstützung an den UK Finanzmärkten sorgen.

Entscheidend ist die Sorge um einen möglichen konstitutionellen Umsturz. Bei diesen zukünftigen Gesprächen ist es fraglich, ob eine Koordinierung der verschiedenen politischen Parteien wirklich produktiv und einvernehmlich sein kann, insbesondere im Vorfeld der Wahlen im nächsten Jahr. Die politische Diskussion im kommenden Jahr wird einen großen Einfluss auf die Märkte haben und damit die politische Risikoprämie möglicherweise sehr hoch halten.

Bezüglich unserer Positionierung haben wir begonnen unsere Positionen in GBP versus USD aufzubauen. Wir bevorzugen weiterhin eine Short Position in inflationsgeschützten Anleihen. In Erwartung auf eine ‚Relief Rallye‘ nach dem ‚Nein‘-Ergebnis werden wir möglicherweise unsere Position in Short Durationen leicht erhöhen.

Stephen Jones, CIO bei Kames Capital, Edinburgh

Ich glaube nicht, dass sich viele Länder in so einer intensiven und schweren Situation besser hätten verhalten können. Von der Marktperspektive aus sind wir erleichtert diesen hohen Grad an Unsicherheit entfernt zu haben.

In der Welt in der wir leben wird eine Form von konstitutioneller Evolution sehr lange dauern und ich denke nicht, dass das Vereinigte Königreich hier ein Einzelfall ist. Wir werden sehen, dass auch andere Regionen ihren zentralen Staat in Frage stellen. Beispiele beobachten wir bereits in Katalonien oder in Frankreich, wo die Nationalistische Partei in letzter Zeit stark an Popularität gewonnen hat. Als eine schottische Firma, bedeuten diese Ergebnisse für uns, dass wir unser Geschäft in UK und Europa erweitern.

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