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Ruhe im Regulierungswahn: Klaudius Sobczyk über den Start des MiFID-II-Jahres

Ruhe im Regulierungswahn: Klaudius Sobczyk über den Start des MiFID-II-Jahres

Zum Jahreswechsel ist MiFID II in Kraft getreten. Und obwohl dieser Stichtag für Klaudius Sobczyk, den Leiter im Bereich Asset Management der PEH Wertpapier AG in Frankfurt am Main, per se keinen Knall verursacht hat, steht fest: Die Arbeit im Zuge der Umstellung auf das neue Anlegerrecht war trotz der langen Vorbereitung an diesem Tag nicht beendet. Im Gegenteil: „Die Regulierung wird meiner Meinung nach weiter zunehmen und weitere Veränderungen werden sicher folgen – die Veränderungsprozesse, die MiFID II auslöst, sind nicht abschließend.“ Doch trotz des Umfangs und des Aufwands durch MiFID II ist Sobczyk der Meinung, dass die Regulierer – beziehungsweise die BaFin – ihre Aufgabe unter den gegebenen Umständen bisher sehr gut gemeistert haben. „Alle Regulierer agieren europaweit proaktiv und haben Einsicht gezeigt für den zeitlichen Aufwand der Implementierungen.“

Auffällig findet Sobczyk allerdings, dass sowohl private als auch institutionelle Kunden wenig Verständnis für die Unmengen an Unterlagen und Vertragsänderungen gezeigt haben, die nun auf sie zukämen und nun mal notwendig seien. „Viele Kunden haben meines Erachtens die Notwendigkeit der Regulierung nicht gesehen – deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sie wenig Verständnis dafür aufbringen“, sagt Sobczyk. Es obliege schließlich den Beratern und Asset Managern selbst, die Anleger über deren Rechte, Vorteile, aber auch Mitwirkungspflichten zu informieren und aufzuklären. Doch das werde sicher noch eine längere Zeit in Anspruch nehmen – dazu sei MiFID zu komplex und zu umfangreich. In diesem Punkt habe es vonseiten des Regulierers relativ wenig Input gegeben. „Eine verstärkte Aufklärung durch die Regulierungsseite wäre allerdings wünschenswert.“

Digitalisierung in großen Schritten

Auch wenn MiFID II die Digitalisierung und die Datenverarbeitung vorantreibe sowie die Transparenz in vielen Bereichen verbessere, bleibe fraglich, ob die Umstellung mit solcher Wucht erfolgen müsse: „Womöglich wären kleinere Schritte ebenfalls sinnvoll gewesen.“

In Summe ist Sobczyk dennoch davon überzeugt, dass die Branche durch die Digitalisierung und den Ausbau der IT vorangebracht wird. Das werde auch dazu führen, dass Kooperationen zwischen Vermögensverwaltern und Fintechs entstehen. „Hier sehe ich durchaus Potenzial, dass sich Vermögensverwalter vor den Kunden profilieren können – durch effiziente Leistungen, Transparenz, Kosteneffizienz und das extensive Reporting. Wer dem Kunden einen reibungslosen Informationsfluss zur Verfügung stellen kann, was technisch möglich ist, kann effektive und überzeugende Dienstleistungen anbieten.“

Innerhalb der Branche haben im Zuge von MiFID II viele Vermögensverwalter aufgerüstet und entsprechend auch Outsourcing betrieben und Services extern integriert. Für Sobczyk schärfen diese Veränderungen aber nur wenig das Unternehmensprofil. Auch wie stark sich die Branche letztendlich konsolidieren wird, sei derzeit noch nicht absehbar. „Im Rahmen der Digitalisierung achten wir auch unter dem Aspekt der Kundenbedürfnisse genau darauf, was für unsere Kunden Sinn macht und langfristig ausbaufähig ist. Denn viele Kunden im gehobenen und vermögenden Bereich bevorzugen nach wie vor die persönliche Betreuung und nicht so sehr das Angebot der digitalen Vermögensverwaltung.“ Es habe sogar den Anschein, dass dieses Bedürfnis nicht abnehme, sondern steige. „Das heißt, die Kundenbetreuung wird dank immer komplexerer Finanzwelt und Finanzprodukte intensiver“, blickt Sobczyk in die Zukunft. Auf der anderen Seite zeige sich bei IT-affineren, zumeist jüngeren Personen die Neigung, Online-Angebote auch bei der Vermögensverwaltung zu nutzen. Welches Vermögensanlagemodell sich letzten Endes durchsetzen werde, bleibe abzuwarten. „Persönlich gehe ich davon aus, dass auch in der Zukunft alle Formen der Geldanlage ihre Berechtigung haben werden.“ Die PEH selbst evaluiert durchaus, ob dieser Bereich mit Partnern ausgebaut werden sollte. Doch derzeit behält Sobczyk mit seinen Kollegen den Bereich der Vermögensverwaltung als persönliches Betreuungsgeschäft bei – das sei schließlich die Stärke der PEH.

Wachstum, aber anders

Im Rahmen der Regulierung gewinnt auch das Thema Wachstum immer weiter an Bedeutung. Das Wachstum der PEH ist indes nicht nur von der Vermögensverwaltung getrieben. Hier besteht ein deutlicher Unterschied zu den meisten anderen Vermögensverwaltern am Markt. „Durch die innovative und dynamische Strategie der Axxion konnten in den Bereichen der Fondsadministration, Fondsauflegung und Fondsentwicklung wesentliche Wachstumspotenziale erschlossen werden – auch unsere Verbriefungsgesellschaft Oaklet, ein unabhängiger Produktentwickler mit maßgeschneiderten Lösungen für institutionelle Anleger, wächst stetig“, erklärt Sobczyk.

Unverändert tätigt die PEH Wertpapier Investitionen ausschließlich aus dem operativen Cashflow, um langfristige Wachstumschancen zu sichern. Innerhalb der Vermögensverwaltung steigere die Fokussierung auf quantitative Tools und Systeme die Qualität der Betreuung und gleichzeitig die Effizienz. „Dadurch lassen sich mehr Kunden betreuen.“ Der Kunde erhalte detailliertere und regelmäßigere Informationen. „Es geht im Grunde darum, dem Kunden alle wichtigen und interessanten Informationen transparent und effizient bereitzustellen“, betont Sobczyk.

Deutliche Aktienneigung

Auch für das neue Jahr setzen sich im Hause der PEH auf der Investmentseite die deutliche Aktienneigung und eine vorsichtigere Einstellung gegenüber Renten zunächst fort. „Kurzfristig haben wir das Europagewicht in unseren Portfolios aufgestockt und die asiatischen Märkte nach einer sehr guten Entwicklung etwas abgebaut.“ Derzeit bleibe abzuwarten, wie die Berichtsaison laufe – entsprechend werde man bei der PEH für 2018 die ersten Weichen stellen, wie es mit den Aktien weitergeht und wie die Aufstellung in den kommenden Monaten aussehen wird. „Langfristige Indikatoren lassen uns noch keine wirtschaftliche Abschwächung erwarten – auch nicht im zweiten Quartal.“

Bei einem anhaltenden wirtschaftlichen Wachstum im Jahr 2018 seien zyklische Industriesektoren interessant. Gleiches gelte für Rohstoffe und langfristige Wachstumssektoren wie IT und Gesundheitswesen. Zudem markiere das Exposure in den Emerging Markets im Vergleich zur Benchmark ein Übergewicht. „In den Schwellenländern ist die Wirtschaftsstärke noch deutlicher und insbesondere bevorzugen wir China und Indien – beide entwickeln sich sehr positiv, was auch für 2018 in den ersten beiden Quartalen so weiterhin zu erwarten ist“, fasst Sobczyk zusammen. In den vergangenen Jahren sei die Region der Schwellenländer von den Investoren als Assetklasse vernachlässigt worden. „Im vergangenen Jahr begannen die Emerging Markets, ihre Schwäche zu überwinden – damit traten deutliche Aufholeffekte ein, die noch nicht abgeschlossen sind.“ Für 2018 erwartet Sobczyk, dass diese noch weitergehen werden.

Die Luft nach oben wird dünn

„Im Jahr 2017 gab es viele Ereignisse, die die Finanzmärkte aufgewirbelt haben, und es wurden beständig die Erwartung eines imminenten Aktien- oder Rentenmarktniedergangs heraufbeschworen“, erinnert sich Sobczyk. Trotz aller vermeintlich widrigen Umstände zeige der Euro historisch eine hervorragende positive Wertentwicklung. Die Wirtschaft in Europa und der Welt boomt und der Grundtenor werde von den Fundamentaldaten vorgegeben.

Als Vermögensverwalter führe man den Investoren vor Augen, was die Richtung sei, in die es sich entwickle. Die Verunsicherung hingegen werde oft durch die Diskussion und Berichterstattung in den Medien angefacht. „Unsere Aufgabe besteht darin, die kurzfristigen Nachrichten von den langfristigen Informationen zu trennen und somit die Richtung klarer und eindeutiger darzulegen und zu kommunizieren. Es ist die immerwährende Diskussion zwischen kurzfristigen Einflussfaktoren und langfristigen Trends.“ Für das Jahr 2018 erwartet Sobczyk, dass es durchaus enger für die Wirtschaft werden könnte, denn die Zinsen in den USA steigen weiter an. Unabhängig davon, wie viele Zinsschritte es geben wird, ob drei oder fünf: Die Luft nach oben wird dünn.

Das A und O: Die Gewinnerwartungen

Für die Zukunft sei die Betrachtung, beziehungsweise hauptsächlich die Entwicklung der Gewinne der Unternehmen immer wichtiger. „Aufgrund von Steuersenkungen werden besonders die US-amerikanischen Unternehmen vorerst eine kurzfristige positive Gewinnentwicklung erfahren.“ Aufgrund der Steuerpolitik in den USA sei es zudem wahrscheinlich, dass es in den ersten Quartalen 2018 zu weiteren guten Ergebnissen komme, die über das gesamte Jahr positive Auswirkungen haben dürften. „Unsere Einschätzung der Aktien ist seit mehreren Jahren ungebrochen positiv.“ Überzogene Zinssteigerungen, unvorsichtige Geldpolitik oder externe Schocks könnten diese positive Meinung Sobczyks zu den Aktien allerdings ändern. „In den USA erachte ich die Zinswende als vollzogen. Europa und Japan dürften die niedrigsten Zinsstände der Dekade gesehen haben und eine Stabilisierung beziehungswese Erholung ist auch hier sichtbar“, meint Sobczyk.

Die Allzeithochs in den US-Aktienindizes, aber auch über 20 Jahreshochs in Japan stimmen ihn schon nachdenklich – besonders während der raschen und deutlichen Preisanstiege. Jedoch bieten die Aktien immer noch gute Wachstumspotenziale in der mittleren Frist. „Das Risikomanagement und die Aktienauswahl werden unter diesen Umständen wichtiger denn je.“ In Europa werde die Zinswende schleichend kommen, aber für das Jahr 2018 sei keine große Änderung der Niveaus zu erwarten. Die EZB habe ihren Kurs relativ klar gesteckt. „Es müsste etwas Ungewöhnliches passieren, beispielsweise eine Inflation von zwei Prozent in Europa, damit die EZB von ihrem festgelegten Pfad abweicht.“ Sobald in den USA im Laufe des Jahres ein Ende des Zinsanstiegs absehbar werde, würden die US-Anleihen für die PEH wieder auf die Agenda rücken. Dieser Zeitpunkt dürfte aber erst in der zweiten Jahreshälfte 2018 zu definieren sein.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Februar-Ausgabe des Magazins von Citywire Deutschland.

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