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Sechs Münchner Vermögensverwalter diskutieren Anleihe-Gefahren und Aktien-Investments

Sechs Münchner Vermögensverwalter diskutieren Anleihe-Gefahren und Aktien-Investments

Die sechs geladenen Gäste gehören zu den führenden Vermögens­verwaltern der bayerischen Hauptstadt. In den Münchner Highlight Towers, dem Stammsitz von Citywire Deutschland, kommen sie zusammen, um sich vertraulich auszutauschen und Einblicke in ihre Arbeit zu gewähren. Denn das ist die Absicht der regelmäßigen Roundtables, die Citywire Deutsch­land jährlich in mehreren Städten veranstaltet: eine Vernetzung der Community, die hilft, voneinander zu lernen. Dementsprechend direkt geht die Unterhaltung auch los…

Tim Habicht: „Anleihe-Investments stehen derzeit im Fokus der Anleger. Niedrige oder negative Zinsen sowie divergierende Notenbankpolitiken in den USA und Europa bestimmen die Märkte. Hinzu kommt die steigende Inflation, die vor allem die EZB unter Druck setzt. Wie sehen Sie aktuelle Risiken und Chancen auf dem Anleihemarkt?“

Gerd Häcker: „Das Risiko auf der Anleiheseite steigt und wird durch inflationäre Tendenzen unterstützt. Deswegen setzen wir in unserem Anleiheportfolio auf eine kurze Duration und auf hohe Qualität. Anleihen dieser Art dienen uns aktuell nur als Stabilisator für unser Portfolio. Wir rechnen mit deutlich attraktiveren Einstiegschancen, wenn die Zinsen in den USA auf 3% steigen.“

Marco Herrmann: „Solange Draghi am Ruder ist, werden wir meiner Meinung nach keine Zinserhöhun­gen sehen. Die Märkte werden aber bald beginnen, einen möglichen Wechsel der Geldpolitik für die Zeit nach Draghi einzupreisen. Wir sehen deswegen deutlich steigende Zinsen am langen Ende der Zinskurve. Bei Neuengagements meiden wir Lang­läufer, denen deutliche Kursverluste bei einem Zinsanstieg drohen.“

Marco Herrmann, Fiduka

Richard Lutz: „Anleihen sind in einer ausgewogenen Asset Allo­kation nicht mehr so attraktiv wie in den vergangenen Jahren. Wir gewichten Anleihen derzeit unter und haben unsere Anleihe-Position in den vergangenen Jahren von 50% innerhalb eines ausgewogenen Portfolios auf aktuell 25% gesenkt. In unseren klassischen Rentenman­daten begegnen wir den erhöhten Risiken durch kürzere Duration und ausschließlicher Auswahl von Qualitätstiteln.“

Habicht: „Wie lässt sich mit Anlei­hen im aktuellen Marktumfeld dann noch Rendite erzielen?“

Gabriele Hartmann: „Auf der Anleiheseite muss man sich als Anleger einfach deutlich flexibler aufstellen. Insgesamt ist der Anleihebereich viel problematischer und schwieriger als in der Vergan­genheit. Man muss das Puzzle bei Anleihe-Investments neu zusam­menstellen. Chancen sind aber weiterhin vorhanden. Allerdings weniger in Europa.“

Maximilian Kreitlmeier: „Für uns sind Anleihen aktuell nicht abge­schrieben. Aber Aktien sind einfach attraktiver. Größere Flexibilität ist wie angesprochen aber ein Muss im aktuellen Marktumfeld. Dabei kann man Staatsanleihen aus der Eurozone aktuell allerdings ausklammern.“

Michael Thaler: „Es ist Wunsch­denken, dass der risikolose Zins wieder steigen könnte. Die Europäische Zentralbank wird ihre Anleihen nicht verkaufen. Deswegen muss man, sofern man als Anleger mit Anleihen Rendite erzielen will, mehr Risiko auf der Anleiheseite gehen und tiefer graben – beispielsweise bei Hochzinsanleihen.“

Michael Thaler, TOP Vermögen

Häcker: „Die große Gefahr besteht bei vielen Unternehmensanleihen darin, dass viele Unternehmen nur noch aufgrund des aktuellen Zins­niveaus am Leben erhalten werden. In einem normalen Zyklus würde es einige dieser Firmen schon nicht mehr geben. Die nächste Rezession beziehungsweise der nächste Zinsanstieg wird für eine Bereinigung sorgen. Deswegen sind meiner Meinung nach manche Anleiherisiken sehr hoch. Wenn die Stimmung kippt, werden viele Unternehmensanleihen und vor allem Hochzinsanleihen unter Druck geraten. Deswegen sollte man meiner Meinung nach besonders risikoreiche Anleihen eher jetzt abstoßen, bevor der Markt dazu tendiert und man in der fehlenden Liquidität gefangen ist. Und statt auf der Anleiheseite Risiko zu gehen, sollte man lieber die Chance bei Aktien suchen. Dort ist das Risiko nämlich deutlich besser steuer- und einschätzbar. Allen voran, wenn man auf Dividenden­titel setzt.“

Gerd Häcker, Steinbeis & Häcker

Lutz: „Meiner Meinung nach sind viele Dividendentitel inzwischen überbewertet. Insgesamt sind wir in unseren Portfolios vorsichtiger bezüglich Dividendenti­teln geworden und haben diese abgebaut.“ 

Häcker: „Das sehe ich nicht so. Jedenfalls nicht, wenn man auf Dividendentitel setzt, die eine entsprechende Qualität besitzen. Die Bewertungen dieser Titel sind zwar höher, allerdings bieten sie weiterhin attraktive Investment-Möglich­keiten. Und wie gesagt: Die Risiken sind dort deutlich überschaubarer als bei Anleihe-Invest­ments mit ähnlicher Rendite.“

Kreitlmeier: „Ent­scheidend neben der Rendite und den Risiken, die der Vermögensverwalter ausmachen kann, ist aber auch der psycho­logische Aspekt bei Aktien- Investments. Auch, wenn ein Titel eine regelmäßige Dividende zahlt, schwankt der Aktienkurs mitunter beträchtlich. Die große Frage ist dann: Kann der Kunde trotz der Ausschüttung der Dividenden mit diesen Schwankungen umgehen und hält er der Volatilität Stand.“

Hartmann: „Trotz dieser Unsicher­heiten denke ich, dass vor allem europäische Aktien ein großes Aufholpotential besitzen und in der zweiten Hälfte dieses Jahres positiv performen werden. Derzeit meiden ausländische Investoren den europäischen Aktienmarkt und investieren überwiegend in den US-Markt. Dieser Trend wird meiner Meinung nach auch kurzfristig weiterlaufen. Aber auf mittlere und lange Sicht sehen wir EU-Aktien positiv und werden sie in den Portfolios wieder höher gewichten. Sobald die politischen Unsicherheiten, die beispielsweise durch die bevorstehenden Wahlen in Frankreich entstehen, vorüber sind, könnte dies als Katalysator für EU-Aktien dienen.“

Gabriele Hartmann, Perspektive Asset Management

Kreitlmeier: „Die USA ist einfach die Leitbörse. Und diese wird derzeit von Donald Trump getrieben. Deswegen ist es meiner Meinung nach noch zu früh für ein Überge­wicht bei EU-Aktien. Europa steht derzeit etwas am Spielfeldrand. Allerdings ist der Zeitpunkt nah, an dem Europa auch wieder für Investoren in den Fokus rückt.“ 

Thaler: „Ich bin skeptisch gegenüber europäischen Aktien gestimmt. Die Risikoprämien für EU-Aktien werden meiner Meinung nach in etwa bestehen bleiben oder sich sogar weiter aufgrund der anstehenden Wahlen erhöhen. Deswegen ist der Zeitpunkt für ein EU-Übergewicht aus meiner Sicht noch nicht gekommen. Zudem investieren europäische Unternehmen derzeit wenig. Das hemmt das Wachstum. Und generell gesehen geht es der US-Binnenwirtschaft gut. Deswegen liegt unser Fokus auf der Aktienseite bei solchen Titeln, die in der US-Binnenwirtschaft agieren.“

Richard Lutz, Wamsler & Co

Lutz: „Wieso muss man unbedingt in das fremdsprachige Europa oder sogar in die USA schauen? Es gibt in der DACH-Region viele sehr attraktive Unternehmen, die unter dem Radar der Anleger agieren und auch vom Research erst wirklich erfasst werden, wenn diese Firmen grö­ßeren Newsflow produzieren oder aufgekauft werden. Aber vor allem im Tech-Sektor gibt es in Deutsch­land, Österreich und der Schweiz einige Unternehmen, die Markt­führer sind und dazu eine äußerst günstige Bewertung haben. Wir als Stockpicker setzen momentan auf ein Nebenwerte-Übergewicht.“

Kreitlmeier: „Bei aktiven Fonds setzen wir gerne auf Spezialisten und Boutiquen. Dort schätzen wir den oft besseren Service und eine unkomplizierte Kommunikation. Aber der Trend geht klar zu passi­ven Investments und Produkten, was wir kritisch sehen. ETFs sind zwar kostengünstig und für eine schnelle Allokation sehr praktisch, aber man kauft damit immer auch die schlechten Titel. Wir sehen ETFs aber mehr als taktische und weniger als strategische Positionen und investieren momentan weniger als 10% in passive Produkte in unseren Portfolios.“

Maximilian Kreitlmeier, Hellerich

Herrmann: „Passive Produkte sind für uns ein sehr gutes Instrument, um schnell Markt-Exposure aufzubauen, aber auch um die Märkte in der Breite besser abzu­decken. Insgesamt bevorzugen wir Direktinvestments.“

Lutz: „Auch wir decken mit ETFs ganze Märkte oder Markt-Seg­mente ab. Die strikte Abgrenzung der Anlagewelten hebt sich weiter auf und Vermögensverwalter werden neben Aktien und Anleihen auch auf ETF`s und Fonds setzen.“

Dieser Beitrag erschien erstmalig in der März-Ausgabe des Magazins von Citywire Deutschland.

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