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So managt €10-Milliardenmanagerin ihren Anleihefonds als Alternative zur Kasseposition

So managt €10-Milliardenmanagerin ihren Anleihefonds als Alternative zur Kasseposition

Mit dem Schulabschluss in der Tasche machte sich Tatjana Greil-Castro als Jugendliche von Österreich aus auf den Weg nach Amerika – voller Erwartungen, Neugierde und offen für Neues. Aufgewachsen ist die Österreicherin, die heute in der Finanz-Metropole London arbeitet, in einer Welt, in der das soziale und ökonomische System nicht allzu sehr hinterfragt werden mussten. Damals erschien ihr der Unterschied zwischen einem Leben in Österreich und einem Leben in den Vereinigten Staaten unbeschreiblich groß. Plötzlich kamen Fragen auf; auch rund um die Kapitalmärkte. Schien und scheint es doch, dass trotz der einerseits vielen zugänglichen Informationen zum Markt andererseits sehr viel auf Sentiments aufgebaut ist und die rationalen Entscheidungen der einzelnen Marktteilnehmer beeinflusst.

Nach den ersten Jahren Berufserfahrung, mit dem Start bei Muzinich & Co, hat Greil-Castro ihre eigene Fondsstrategie ins Leben gerufen – auch inspiriert von ihren Erfahrungen rund um den Kapitalerhalt, Marktverhalten und Geldanlage. Die Strategie hat sich seit Auflage bewährt. Greil-Castro, Fondsmanagerin und Mitglied des Investment-Komitees bei Muzinich & Co, verwaltet inzwischen den größten Fonds des Unternehmens. Der Londoner Asset Manager ist aktuell für rund 30 Milliarden Euro verantwortlich, wovon allein zehn Milliarden Euro im Muzinich Enhancedyield Short-Term-Fonds von Greil-Castro allokiert sind. Dieser Fonds investiert insbesondere in europäische und US-amerikanische Investment-Grade und High-Yield-Anleihen und bietet mit der Allokation von kurzlaufenden Bonds eine durchaus attraktive Rendite. So lieferte die Strategie von Greil-Castro über die vergangenen zehn Jahre bis Ende März 2018 eine Wertsteigerung von 51,1 Prozent. Eine beeindruckende Performance, die sie zur einsamen Spitzenreiterin im Citywire-Sektor für kurzlaufende Unternehmensanleihen macht. Der Zweitplatzierte des Rankings kommt im selben Zeitraum auf lediglich 26,6 Prozent.

Damit macht die Österreicherin, die seit August 2017 durchgehend mit einem Citywire-Rating von AA ausgezeichnet ist, in der Branche auf sich aufmerksam und hat vor allem über die vergangenen zwölf Monate fleißig Gelder in ihrem Fonds eingesammelt. So habe sich durch die Zuflüsse in den vergangenen zwölf Monaten das Fondsvolumen von etwa fünf auf derzeit knapp zehn Milliarden Euro verdoppelt. „Dies begründet sich insbesondere damit, dass viele Investoren aktuell nicht mehr zu 100 Prozent in den Märkten investiert sein wollen – egal in welchem Markt“, zieht Greil-Castro ihre Schlüsse. Auch sei es das Bestreben vieler Investoren, die Cashposition in Assets gering zu halten, durch die der Verlust von Vermögen aufgrund der negativen Zinsen unter Umständen unausweichlich sei. Da ist ihr Fonds eine lohnenswerte Alternative.

Doch wie handhabt man diesen zunehmenden Zuspruch der Investoren, die in Greil-Castros Fall größtenteils Privatbanken sind? „Die Größe des Fonds sollte nicht so sehr im Vordergrund stehen – die Performance ist letztendlich entscheidend. So lange das Fondsvolumen hier keine Einbußen fordert, habe ich keine Bedenken“, ist die Fondsmanagerin überzeugt. Auch in Anbetracht des gesamten investierbaren Universums umfasst der Fonds mit seinen knapp zehn Milliarden Euro nur etwa 0,5 Prozent des Marktes. „Es gibt also noch einige Investitionsmöglichkeiten.“ Zudem hat Muzinich & Co in den vergangenen zwei, drei Jahren kontinuierlich und gezielt Personal aufgebaut und so beispielsweise fünf Analysten und zwei Trader eingestellt, um den Markt noch besser Durchkämmen zu können und dem Volumen entgegenzukommen. „Man kann die beste Idee haben, aber man muss sie auch finden, um sie zu kaufen“, betont Greil-Castro.

Kreditanalyse vor Zinsrisiko

Für den Muzinich Enhancedyield Short-Term-Fonds setzt das Team um Greil-Castro auf eine umfassende Kreditanalyse, während das Zinsrisiko bewusst auf maximal zwei Jahre Duration limitiert wird. „Die Zinsbewegung ist für uns eher spekulativ, daher versuchen wir Erträge zu erwirtschaften, indem wir weniger den Zins fokussieren, sondern mehr auf unsere Kreditanalyse setzen. Dadurch wollen wir die Chance für eine Rendite erhöhen.“ Eine echte Vergleichs-Benchmark gibt es dabei für den Fonds nicht. Vielmehr werde der Kupon in Zusammenhang mit der jeweiligen Fälligkeit betrachtet. In Anbetracht des Kreditrisikos muss die Rendite über der von kurzlaufenden deutschen Staatsanleihen liegen. Gleichzeitig besteht hier auch das größte Risiko für den Fonds. Dass ein Unternehmen nicht mehr über ausreichend Liquidität verfügt, sei ein mögliches Ereignis. „Eine solche Sondersituation ist allerdings selten überraschend, sondern muss stets offengelegt werden – es sollte sich also ausreichend lange vor einem Ausfall feststellen lassen, ob ein Unternehmen noch über genug Liquidität verfügt oder nicht.“ Defaults seien also bei entsprechend genauer Analyse üblicherweise vermeidbar.

Was aber tun, wenn doch mal ein Ausfall eintritt? „Dann wäre ein Verkauf notwendig. Dieser würde zwar mit Abschlägen einhergehen, doch fallen diese in der Regel aufgrund unserer Diversifizierungsmaßnahmen vergleichsweise gering aus“, erklärt Greil-Castro. Eine hohe Fehlerquote ist aus Sicht der Fondsmanagerin nicht wahrscheinlich, denn die Warnsignale seien in diesen Fällen immer sehr stark. „An einem solchen Punkt muss man eben diszipliniert genug sein und rechtzeitig verkaufen, denn die Fakten zeigen es, auch wenn möglicherweise eine Mehrheitsmeinung etwas anderes andeutet.“ Ein gutes Beispiel für klare Analyse und den Einfluss von Marktstimmungen.

Defensiv durch Duration

Warnsignale werden von Greil-Castro und ihrem Team sehr ernst genommen. Insgesamt agiert die Fondsmanagerin momentan eher vorsichtiger und stellt ihren Fonds defensiver auf. „Derzeit verkürzen wir die Duration, indem wir die Anleihen nicht frühzeitig auflösen und Gewinne mitnehmen, sondern bis zum Ende durchlaufen lassen. Dadurch verringert sich die Duration des Portfolios sukzessive“, so Greil- Castro. Aktuell bereitet sich die Fondsmanagerin auf weitere Korrekturen vor, die Duration liegt bei etwa 1,8 Jahren. Sie ist sehr vorsichtig bei der Allokation. Denn: „Gegenwärtig ist noch nicht ganz klar, ob die Volatilitätsrisiken von den Zinsen oder vom Aktienmarkt herrühren. Gerade in dieser Situation profitiert der Kreditmarkt, der sowohl mit Zinsen als auch mit Aktien korreliert, von seiner Mittelposition.“

Eine negative Duration nutze Greil-Castro hingegen nicht. Aktuell befinden sich aber nahezu 25 Prozent Floating Rate Notes im Fonds, die von einem steigenden Zins am kurzen Ende profitieren würden – „auf diese Weise schaffen wir einen Ausgleich.“ Stand Ende März enthält der Fonds rund 33 Prozent jener Titel, die eine Duration von einem Jahr oder weniger aufweisen. Als Anker dienen dem Fonds Investment-Grade-Titel. Rund 65 Prozent des Fonds investieren in diese Anleiheklasse, um eine gewisse Stabilität zu erreichen. „Die High-Yield-Werte hingegen steuern den Carry bei.“ Aber auch dort hat Greil-Castro ihren Fonds defensiver aufgestellt. Aktuell sind 35 Prozent des Portfolios in Hochzinsanleihen investiert. „Obwohl unser Engagement in High Yield absolut nicht geringer geworden ist, haben wir uns innerhalb dieser Assetklasse weiter abgesichert und unsere Positionierung entsprechend angepasst. Im Portfolio wurde infolgedessen der Anteil der BBWerte ausgebaut, während die B-Werte reduziert worden sind“, erklärt Greil Castro. Außerdem sind Anleihe-Emittenten untergewichtet, die von der EZB erworben werden können. Dadurch soll das Portfolio auch nicht so stark von dem langsamen Ausstieg aus der ultra-expansiven Geldpolitik der Zentralbanken betroffen sein. „Insgesamt setzen wir vor allem auf Banken-Titel. Diese stehen unter einer starken Regulierung und werden vom steigenden Zinsumfeld profitieren. Zudem werden diese Titel nicht von der EZB gekauft. Wir erwarten zukünftig weitere Upgrades im Bankensektor“, so Greil Castro. Momentan sind rund 25 Prozent des Portfolios in Bankentitel investiert. Damit hat die Fondsmanagerin ihren Fonds auf unterschiedliche Risiken vorbereitet – aber auch die starke Performance soll fortgesetzt werden. Schließlich wird das Niedrigzinsumfeld aller Voraussicht nach noch lange bestehen bleiben. Alternativen sind gefragt.

Tatjana Greil-Castro ist Mitglied des Investment-Komitees bei Muzinich & Co und managt den Muzinich Enhancedyield Short-Term-Fonds sowie den Muzinich Bondyield ESG Fonds. Zudem ist sie Vorstandsvertreterin der Association for Financial Markets (AFME) European High Yield Division.

Bei Muzinich & Co arbeitet sie seit 2007 und verfügt über 19 Jahre Investment- Erfahrung im Bereich Unternehmensanleihen. Zuvor arbeitete sie bei Metlife Investments und Fortis Investments. Sie hat einen Doktor der London School of Economics und einen Masterabschluss des Kiel Institute of World Economics und der Universität in Wien.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in der Mai-Ausgabe des Magazins von Citywire Deutschland.

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