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So sichert sich David Zahn seinen Spitzenplatz im Anleihe-Sektor

So sichert sich David Zahn seinen Spitzenplatz im Anleihe-Sektor

David Zahn weiß, wie es sich anfühlt, viel umzuziehen. Der heutige Fondsmanager von Franklin Templeton kennt das seit seiner Kindheit. Sein Vater arbeitete bei der amerikanischen Luftwaffe, und so zog die Familie alle vier Jahre von einer Air Force Base und einem US-Staat zum nächsten. Selbst in Alaska lebte die Familie einige Jahre lang.

Die vielen Ortswechsel gingen nach Zahns High-School- Abschluss zunächst weiter. Erst absolvierte er einen Bachelor in Rechnungswesen an der University of Maine, im obersten Norden der US-Ostküste. Dann zog er weiter, um einen MBA an der University of Connecticut anzuschließen. Seine ersten beruf­lichen Zwischenstationen brachten ihn als Fondsbuchhalter zur Phoenix Life Insurance Company und weiter zu Smith Barney in New York, bis er 1996 erstmals ins Ausland zog – und dort seine neue Heimat fand: als Portfoliomanager in London.

Seitdem machte der vielgereiste Zahn zwar das Hochsee- Segeln zu seinem Hobby und flog für die Teilnahme an Regatten wie dem Sydney Hobart Race bis nach Australien. Doch seit seiner Ankunft in London ist der heute 46-Jährige nie mehr für länger in andere Städte gezogen. Stattdessen hat er geheiratet und kürzlich auch zwei Kinder bekommen: eine heute dreijährige Tochter und einen zweijährigen Sohn. Dabei ist es vielleicht kein Zufall, dass er sich bei seinen Londoner Stationen bei der Citigroup und seit 2006 bei Franklin Temple­ton für ein Spezialgebiet entschied, das die Beständigkeit im Namen trägt: Fixed Income.

Comeback nach der Bankenkrise

Inzwischen verwaltet Zahn als Senior Vice President und seit 2013 als Leiter der Europäischen Rentenabteilung bei Franklin Templeton insgesamt fünf in Deutschland erhältliche Fonds. Darunter ist jeweils einer benannt nach Short Duration, European Income, European Corporate, Euro Government und zuletzt nach European Total Return.

Der letztgenannte Fonds hatte noch unter einem anderen Fondsmanager 2008 eine schwierige Phase erlebt, als sich inmitten der Bankenkrise zu viele Anleihen von Finanzfirmen im Portfolio befanden. Folglich litt der Fonds zugleich unter Wert­verlusten und Abflüsse. Doch vor allem seitdem Zahn 2013 die Verantwortung für die Strategie übernahm, erholte sich diese und erzielte über die vergangenen fünf Jahre bis Ende Januar eine beachtliche Rendite von 32,4%. Es is das sechstbeste Ergebnis aller 48 Fonds im Sektor für Anleihen aus Europa, das Zahn bei Citywire derzeit ein Rating von Plus einbringt.

Das Lernen geht weiter

Wie verteidigt Zahn seine Stellung in der Spitzengruppe der Anleihe-Manager? Diese Aufgabe ist nicht nur aufgrund der aktuell niedrigen Zinsen schwierig. Sondern auch, weil dieses Jahr mehrere wichtige Wahlen in Europa anstehen, und somit Anleger mit besonderer Unsicherheit konfrontiert sind. Zahn vertraut dabei auf eine Herangehensweise, die er seit seinen Umzügen als Kind kennt, und die ihm immer wieder geholfen hat, sich in neuen Situationen zurechtzufinden: lebenslanges Lernen.

Nachdem er bereits die Titel als Chartered Financial Analyst (CFA) und als Financial Risk Manager (FRM) erworben hatte, und zudem in seiner Freizeit immer wieder neue Sommelier- Zertifikate von Wein-Kursen erhielt, beschloss er 2010, ein Fernstudium aufzunehmen. Dafür belegte er im Londoner King’s College den Masterkurs in Modernen Kriegen (Modern Warfare).

Diese Ausbildung mag für einen Fondsmanager fachfremd wirken. Doch für Zahn erwies sie sich nicht nur als persönliche Bereicherung, sondern auch als Hilfe in der täglichen Arbeit. „Dank des Studiums habe ich frühzeitig erkannt, dass wir uns in einer neuen geschichtlichen Phase befinden, in der sich viele Länder auf sich besinnen und nach außen hin abschotten,“ erzählt er. „Aus meiner Sicht ist das zwar keine gute Entwick­lung, aber es ist interessant, die Dynamik dahinter zu verstehen.“

Vorbereitung auf Brexit und Trump

So hatte Zahn auch beim britischen Referendum im Juni 2016 einen Erfolg der Brexit-Befürworter für möglich gehalten und sich entsprechend vorbereitet. „Wir haben frühzeitig Risiko und sämtliche Fremdwährung aus unserem Portfolio herausge­nommen“, erinnert er sich. „Außerdem haben wir verschiedene Strategien mit detaillierten Investments entworfen, um schnell auf ein Votum für einen EU-Ausstieg reagieren zu können.“ Die Strategie zahlte sich aus: Im Juni 2016 wuchs der Fonds um 0,9%, im Juli gar um 1,7%.

Ähnlich ging Zahn auch vor der US-Präsidentschaftswahl Anfang November vor. „Ich wurde von manchen Experten ausgelacht, als ich darauf bestand, dass Trump durchaus eine Chance hatte“, erzählt er. Doch er blieb bei seiner Vorsicht. Daher reduzierte er vor der Wahl seine Positionen in einigen zentraleuro­päischen Ländern, die anschließend auch wegen Trumps Skepsis gegenüber der Nato Volatilität in ihren Anleihemärkten erlebten.

Dabei erwartete Zahn einen möglichen Ausverkauf von Anlei­hen nach der US-Wahl und halbierte von Ende August bis Mitte September die durchschnittliche Duration in seinem Fonds von knapp 7 Jahren auf 3,5 Jahre. Als viele Anleger nach der Wahl tatsächlich Anleihen verkauft hatten, erhöhte Zahn von Ende November an die Duration seines Portfolios wieder und gelangte bis Anfang März auf einen Wert von durchschnittlich 6,5 Jahren. „Im Vergleich mit unseren Konkurrenten ist das ziemlich lang, aber wir fühlen uns mit dieser Position wohl.“

Inspiration von Kollegen

Zu dieser entspannten Haltung gelangt Zahn auch dank eines weiteren Engagements, das ihm hilft, seinen Horizont zusätzlich zu erweitern. Seit 2011 arbeitet er als Mitglied und seit 2014 als Vorsitzender des Investment Committees der Health Foundation, einer Stiftung in London, die ein Vermögen von umgerechnet ­knapp einer Milliarde Euro verwaltet und damit medizinische Forschung in Großbritannien unterstützt. „Da helfe ich die Asset- Allokation zu überblicken. Und zugleich kann ich auch mal die Seite wechseln und selbst Investment-Berater und Portfolioma­nager für die Stiftung interviewen und aussuchen“, bekennt er.

„Portfoliomanagement ist ja ein ziemlich spezialisiertes Geschäft mit abgetrennten Nischen für Experten jeder Art: Renten-Fonds, Aktien-Fonds und Alternative UCITS – und das alles oft auch noch geografisch unterteilt“, erklärt Zahn. „Da ist es für mich umso interessanter, einen Überblick über sämtliche Asset-Klassen zu bekommen und dabei auch zu sehen, wie andere Fondsmanager arbeiten. So bekomme ich neue Anregun­gen und verbessere meinen eigenen Investitions-Prozess.“

Freude über das Patt in Rom

Im Rahmen dieses Prozesses passte Zahn zuletzt nicht nur die Duration in seinem Portfolio an. Er verkaufte über die vergange­nen drei Monate auch einige Unternehmensanleihen und erwarb stattdessen Staatsanleihen. „Da gab es bessere Liquidität. Und in Italien fanden wir sogar einen ungewöhnlichen Deal“, erklärt er. „Trotz des Wechsels von Corporates in Government Bonds konnten wir dort die Rendite unserer Papiere erhöhen, das ist innerhalb eines Landes nur selten möglich.“

Dabei ist Italien die größte Länderposition seines Fonds mit mehr als 16% zum Ende Januar. Diese Investment-Entscheidung ist umso interessanter, nachdem im vergangenen Dezember das Verfassungs-Referendum des damaligen Premiers Matteo Renzi gescheitert war. Denn das Votum sahen viele Anleger als Warnung vor Italiens anhaltendem Reform-Stau.

„Wir haben jedoch eine andere Interpretation der Abstim­mung“, wendet Zahn ein. Aus seiner Sicht hätte das Referen­dum, das vor allem auf eine Entmachtung des italienischen Senats abzielte, künftigen Regierungen große Macht gegeben und damit möglicherweise auch zu mehr Volatilität geführt. „Für uns ist das aktuelle Patt in Rom in Ordnung, weil es ist für Italien normal und schafft eine Situation in der große Verän­derungen unwahrscheinlich sind. Zugleich werden wir für das verbleibende Risiko gut mit solider Rendite entschädigt.“

Lauern auf die Chance in Paris

Anders sieht Zahn die Situation in Frankreich, das mit 6,8% nur seine sechstgrößte Länderposition darstellt, während die Benchmark, der Bloomberg Barclays Euro Aggregate Index, Frankreich als Topposition mit 22,4% hält. „Die anstehende Präsidentschaftswahl hat mich in Frankreich vorsichtig werden lassen, und daher habe ich aktuell gar keine französischen Staats­anleihen mehr im Fonds“, erklärt Zahn. Er rechnet damit, dass die Volatilität französischer Staatsanleihen vor allem im Vorfeld der ersten Wahlrunde am 23. April zunehmen wird. „Das beobachte ich aber genau, denn sobald die Spreads groß genug werden, und ich Gelegenheiten sehe, würde ich hier auch zukaufen.“

Sein zweitgrößtes Länder-Untergewicht von rund zehn Prozentpunkten hat Zahn bei deutschen Titeln, da er bei Bun­desanleihen derzeit keine großen Gelegenheiten für Rendite sieht. Ein Ausgleich kommt indessen von einem deutlichen Übergewicht außerhalb der Euro-Zone.

Zum einen fand Zahn Chancen in Polen, wie er erklärt. „Nach der US-Wahl gab es einen Ausverkauf polnischer Titel, da viele Anleger Schwierigkeiten für das Land gesehen haben, falls Trump künftig enger mit Russland kooperieren würde“, erklärt Zahn. „Aber diese Sorge ist aus meiner Sicht übertrieben, denn für Polen ist der weitaus wichtigste Handelspartner weiterhin Deutschland.“ Da der Ausverkauf aus seiner Sicht daher übertrieben war, erwarb er zehnjährige polnische Staatsanleihen und baute seine Länderposition auf 5,6 Prozent aus.

Mit ähnlichen geostrategischen Überlegungen, die Zahn nicht zuletzt in seinem Masters-Studium verfeinert hat, erklärt er auch seine zweitwichtigste Länderposition: Groß­britannien. Dort hat er 10,5 Prozent seines Fonds investiert – mehr als acht Prozentpunkte über der Benchmark. „Ich glaube, dass viele Politiker auf dem Kontinent ihre Position bei den Brexit-Verhandlungen mit London überschätzen“, erklärt er.

„Einige Europäer, und nicht zuletzt die deutschen Export­weltmeister müssen sich klar werden, wie groß ihre Exporte und ihr Handelsüberschuss mit Großbritannien sind – ins­besondere in der wichtigen Automobilbranche“, erläutert er. Zudem sehe er bei den Brexit-Verhandlungen mögliche Sollbruchstellen innerhalb der Europäischen Union, da verschiedene EU-Mitglieder unterschiedlich harte Forderun­gen an London stellen wollen. Diese Unterschiede könnte die britische Regierung für eine Spaltung der EU in den Verhand­lungen nutzen.

Zuletzt habe auch die Wahl von Trump und dessen Kritik an den niedrigen Militärausgaben vieler europäischer Länder die restlichen EU-Mitglieder abhängiger von der militärischen Macht Londons gemach, erklärt Zahn. Auch dies könnte den Briten bei den Verhandlungen helfen. Diese Begründungen wirken nüchtern und wohl überlegt. Doch für die EU bleibt zu hoffen, dass sie auch von Zahns Liebe zu seiner neu gefunde­nen Heimat in Großbritannien beeinflusst sind. 

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der März-Ausgabe des Citywire Deutschland Magazins.

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