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So will Hamburger Vermögensverwalter durch Branchen-Konsolidierung wachsen

So will Hamburger Vermögensverwalter durch Branchen-Konsolidierung wachsen

Ein paar Gehminuten vom Jungfernstieg entfernt hat die Vermögensverwaltung Proaktiva AG in Hamburg ihren Sitz. Das Wasser funkelt an diesem kalten Februartag im Sonnenschein. So viel Sonnenlicht ist selten in der regnerischen Hansestadt, die vom Jungfernstieg über die Alster und Elbe den Weg in die große Welt ermöglicht. Auf ein Meer, auf dem sich viele Schiffe tummeln. Mit einem historischen Fernglas ausgerüstet, richtet Torben Peters seinen Blick auf genau diese Schiffe – und auf Mitbewerber in der Branche der Vermögensverwalter. Nicht aus Angst vor der Konkurrenz, sondern um potenzielle Partner zu suchen. Seit dem Jahr 2014 wird dieser Ansatz der Proaktiva unter einer Holdingstruktur vorangetrieben.

Bereits seit ihrer Gründung im Jahr 1990 ist die Proaktiva auf die Betreuung anspruchsvoller Privatkunden spezialisiert – nicht nur in Hamburg, sondern mit einem zweiten Sitz auch in Hannover. Seit 2006 fungiert sie unter der Hövelrat Holding, die bis zum Jahr 2014 noch Nordaktienbank hieß: Eine Spezialbank, die neben individueller Vermögensverwaltung auch Corporate-Finance-Dienstleistungen angeboten hat. Im Jahr 2006 hat die Nordaktienbank zur Stärkung ihres Vermögensverwaltungsbereichs die Proaktiva gekauft. Im Rahmen der Neuausrichtung der Nordaktienbank wurde der Geschäftsbereich Corporate Finance eingestellt, so dass Mutter und Tochter den gleichen Geschäftszweck verfolgten. Im Jahr 2014 wurde die Vermögensverwaltung der Nordaktienbank per Ausgliederung auf die Tochter (Proaktiva) übertragen. „Auch 2014 mussten schon viele administrative und regulatorisch aufwendige Aufgaben bewältigt werden, weshalb wir uns für diese Holdingstruktur und gegen einen Zusammenschluss beider Gesellschaften entschiedenen haben“, erinnert sich Torben Peters, Vorstand der Proaktiva AG und Vorstandssprecher der Hövelrat Holding.

Schon damals sei es die Idee gewesen, dass die Holding zunächst für die Tochter Proaktiva und später dann für weitere Vermögensverwaltungen Dienstleistungen erbringt, die nicht zum operativen Kerngeschäft der Töchter gehören, um diese Prozesse skalierbar zu machen. „Die Idee war ganz einfach, dass es doch auch anderen Vermögensverwaltern so gehen muss wie der Proaktiva: Dass sie vor dem Problem stehen, sich mehr mit den Kunden auseinandersetzen zu wollen und nicht so sehr mit der Bürokratie und Regulierung; und auch Themen wie Vertrieb und Marketing bei vielen erfolgreichen Vermögensverwaltungen zu wenig Beachtung geschenkt wird“, erklärt Peters das Unternehmenskonstrukt. In der Folge habe die Proaktiva zwar einige Gespräche geführt, um weitere Töchter zu finden, aber lange habe es nie so recht gepasst. Im Mai 2017 fand man dann den richtigen Partner und die Hövelrat Holding hat 100% der Geschäftsanteile des Hamburger Vermögensverwalters Andreas Meißner Vermögensmanagement GmbH erworben. „Wir suchen für das Konstrukt unter der Hövelrat Holding zum einen Vermögensverwalter, die in der Vergangenheit selber erfolgreich waren und ihre Identität behalten wollen, so wie es bei Andreas Meißner der Fall war“, erläutert Peters. Zum anderen können die Proaktiva sowie die Hövelrat Holding durch das Know-how des Neuen auch sich selbst verbessern und effizienter werden. Entsprechend solle auch der sich anschließende Vermögensverwalter von den Mehrwerten profitieren. „Durch MiFID II wird der Druck bei kleineren Vermögensverwaltern durchaus größer“, bemerkt Peters. Die Hövelrat Holding habe selbst intensiv in den IT-Bereich investiert und hatte folglich wenig Bedarf bei der Umstellung auf MiFID II. Die Holding bietet in vielen Bereichen – wie Research, Marketing, Vertrieb und IT – Dienstleistungen an, die den Vermögensverwaltungen zur Verfügung gestellt werden. So nutzen beide Töchter beispielsweise über Telefonanlagen oder Cloud-Computing das Dienstleistungsangebot der Hövelrat.

„Wir haben lediglich als Hövelrat Holding Verträge mit externen Research-Häusern abgeschlossen, die allen Töchtern zugutekommen.“ Insgesamt sei die Unternehmensgruppe der Hövelrat inzwischen mit über 500 Millionen Euro Assets under Management an einem Punkt angelangt, wo sie Investitionen und zusätzlichen Aufwand schultern könne. „Kleinere Häuser tun sich damit vergleichsweise schwerer und für diese Unternehmen macht es daher sicher Sinn, sich zu überlegen, wo man sich möglicherweise anschließt, ohne seine eigene Identität zu verlieren“, sagt Peters. Jede Tochtergesellschaft soll eine eigene 32er-Lizenz der BaFin behalten, denn die Idee der Hövelrat ist: Leute zusammenbringen, die in ihrem Bereich erfolgreich sind. Das alles mit der Maßgabe, dass man zusammen in einem sehr stark fragmentierten Markt mehr erreichen kann als jeder für sich.

Mischfonds Spitzenbereich

Im Jahr 2009 hat die Proaktiva bewusst einen bestimmten Weg gewählt: „Wir haben damals unseren Fonds, den Wachstum Global, aufgelegt – losgelöst von der Vermögensverwaltung, aber wir haben unsere Einzelkundenbetreuung im Rahmen der Vermögensverwaltung nicht komplett aufgegeben.“ Die Trennung ermögliche ein steuereffizientes Investieren, getrennt von der Vermögensverwaltung, die aber weiterhin angeboten werde. Andreas Meißner sei in der Vergangenheit einen anderen Weg gegangen als etwa die Proaktiva. „Zum Jahr 2009 ist die Abgeltungssteuer eingeführt worden, weshalb sich Andreas Meißner zuvor entschieden hatte, alle seine Privatkunden auf zwei Fonds zu verteilen – den AM Fortune Fund Defensive und den AM Fortune Fund Offensive“, erklärt Peters. Da es bei der AM Vermögensmanagement auch den einen oder anderen größeren Kunden gebe, der ein individuelles Mandat bevorzuge, mit einem Depot auf seinen Namen und einem persönlichen Vermögensbetreuer, konnte Andreas Meißner diese Kundenbedürfnisse bisher nicht bedienen. „Aber nun kann er diese individuelle Dienstleistung im Unternehmensverbund anbieten.“

Während die AM Vermögensmanagement als Fondsboutique der Unternehmensgruppe fungiere, stehe die Proaktiva schwerpunktmäßig für die individuelle Vermögensverwaltung. Entsprechend decke die Proaktiva aktuell zwei Bereiche ab: Die seit 1990 angebotene individuelle Vermögensverwaltung – das absolute Kerngeschäft – und zusätzlich den vermögensverwaltenden Fonds, der von Peters selbst gemanagt wird. Mitsamt der Strategie des Mischfonds ist Peters bereits seit Anfang September 2017 in der Citywire-Datenbank mit einem Rating ausgezeichnet.

Inzwischen wird der Fonds losgelöst von der Proaktiva auch verstärkt über Volksbanken, Vertriebsorganisationen und Vermittler vertrieben. Mit der Einstellung des Head of Sales Robert Focken im September 2014 habe der Fonds zunehmend an Bedeutung gewonnen und seither sein Volumen auf rund 80 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Der Wachstum Global bediene hauptsächlich die Proaktiva-Kunden, die im Jahr 2008 entschieden haben, ihr Geld vergleichsweise steuereffizient anzulegen. „Die Strategie des Fonds ist im Grunde nichts anderes als ein ausgewogenes Proaktiva-Vermögensverwaltungs-Mandat.“

 

Digitale Vermögensverwaltung mit aktiven Fonds

Zusätzlich zu diesen beiden Bereichen plane Peters für 2018 auch eine digitale Vermögensverwaltung, die „Proaktiva Digital“ – auf Fondsbasis mit aktiv gemanagten Fonds – als dritten Geschäftsbereich. „Neben dem Wachstum Global wollen wir innerhalb der digitalen Vermögenverwaltung auch die Andreas- Meißner-Fonds zum Einsatz bringen“, erklärt Peters. So sollen insgesamt etwa zehn ausgewählte aktiv gemanagte Fonds in den digitalen Bereich mit einfließen – beispielsweise auch der Tiger German Opportunities-Fonds aus der Vertriebskooperation mit Tiger Asset Management. „Wir wollen uns dem Digitalisierungs-Trend nicht entziehen, sondern nutzen letztendlich eine Möglichkeit, Prozesse effizienter zu gestalten – das ist auch für traditionelle Vermögensverwalter wichtig“, hebt Peters hervor. Für den Kunden sei es oft schöner, digital Verträge abschließen zu können. Insbesondere für die heranwachsende Generation sei es nicht mehr zeitgemäß, inhaltliche Updates und Berichte per Post zu erhalten. Entsprechend öffne sich die Proaktiva mit dem dritten Standbein auch neuen Kundengruppen.

Der Aufsichtsratschef der Hövelrat Holding, Stefan Mittnik, ist einer der Mitgründer von Scalable Capital. Doch während Scalable ausschließlich auf ETFs und ein theoretisches Quant-Modell setzt, werde die „Proaktiva Digital“ auf aktiv gemanagte Fonds setzen, um mit langjähriger Erfahrung bei der Betreuung von Vermögen zu zeigen, dass ein nachweislicher Track-Record eine neue, wenig erprobte Theorie schlägt. „Unser Ansatz soll Mehrwerte durch aktives und diskretionäres Vorgehen schaffen und gleichzeitig auf der Kostenseite wettbewerbsfähig mit den bisherigen Robo-Advisor- Angeboten sein“, gibt Peters zu verstehen.

Kunden mit einem Vermögen unter 250.000 Euro sind bei der Proaktiva überwiegend in Fonds allokiert. So solle die „Proaktiva Digital“ insbesondere auch Kunden mit vergleichsweise niedrigeren Vermögenssummen ab 25.000 Euro ansprechen. „Denn hier spielt zum einen die Kosteneffizienz eine Rolle, aber auch der vereinfachte Zugang über Online-Tools. Diesen Vorteil wollen wir nutzen. Das Kundewerden muss einfacher und nachvollziehbar werden.“ Auf der anderen Seite werde sich der persönliche Bezug zum Kunden im Rahmen der Vermögensverwaltung nicht verändern, denn darauf legen die vermögenden Kunden nach wie vor großen Wert. Die Idee hinter der digitalen Vermögensverwaltung sei auch, als aktiver Vermögensverwalter durch effiziente Strukturen wettbewerbsfähige Kosten anbieten zu können. „Wir wollen auf der Kostenseite mit den bestehenden Angeboten am Markt vergleichbar sein“, betont Peters.

Das Wachstum des vergangenen Jahres hat dies bestätigt. Die Assets under Management der Proaktiva sind um rund 60 Millionen Euro gewachsen, hinzu kommt das Wachstum unter der Hövelrat Holding durch die Andreas Meißner Vermögensmanagement in Höhe von rund 70 Millionen Euro. „Seit unserer Neuausrichtung im Jahr 2010 verzeichneten wir jedes Jahr ein Wachstum der Assets under Management und der Kundenzahlen – diese erfreuliche Historie spornt uns für das aktuelle Jahr weiter an!“ Und so wird Peters weiter nach passenden Vermögensverwaltern und möglichen Zusammenschlüssen Ausschau halten. Auch außerhalb von Hamburg. Und sicher auch nicht nur in sonnigen Zeiten.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Februar-Ausgabe des Magazins von Citywire Deutschland.

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