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Sönke Niefünd von der Otto M. Schröder Bank im Portrait

Sönke Niefünd von der Otto M. Schröder Bank im Portrait

Der Sport in Hamburg gehört schon länger nicht mehr zur europäischen Elite. Der Hamburger SV spielt seit langem gegen den ersten Abstieg aus der Bundesliga, und die Olympischen Spiele in der Stadt lehnten die Wähler per Referendum ab. Doch dafür floriert der Handel. Schon im späten Mittelalter hatte dieser eine wichtige Rolle gespielt, als die Hanse an Einfluss gewann, und 1517 ein Verein seinen Ursprung fand, der noch heute von Bedeutung ist: die Versammlung Eines Ehrbaren Kaufmanns zu Hamburg.

Zwar tritt der hanseatische Kaufmann heute nicht mehr in Flanellhosen, Gehrock und Zylinder auf, sondern eher in Anzug und Krawatte. Und während die Händler im Mittelalter noch schwere Waren wie Kaffee und Tee verkauften, sind ihre liebsten Produkte heute eher Aktien und Anleihen. Doch viele andere Dinge haben sich in den vergangenen 500 Jahren nicht verändert – und das erkennt man an einem hanseatischen Kaufmann wie Sönke Niefünd.

„Als Vermögensverwalter muss man entweder die richtigen Einzelprodukte oder die richtige Mischung aus verschiedenen Produkten finden“, sagt Niefünd, der bei der Hamburger Otto M. Schröder Bank fachlich verantwortlich für die Vermögensverwaltung ist. „So arbeiten wir auch heute und stellen unserem Kunden basierend auf Risiko und Chance die beste Mischung aus einem einzelnen Investment und Fonds zusammen.“

„Banken könnten die neuen Versorger sein“

Dabei setzt Niefünd vor allem auf traditionell sichere und defensive Anlagen. „Wir favorisieren Dividenden-Aktien als Einzeltitel in Deutschland, Europa und teilweise den USA.“ Schwankungsarme Aktien sollen den Kunden, die überwiegend im Hamburger Raum beheimatet sind und wenig Appetit auf Risiko haben, ruhige Nächte und eine zugleich ansehnliche Rendite bescheren.

Viele der Kunden sind prinzipiell zwar skeptisch bei Aktien. „Das Marktumfeld ist nach wie vor durch die Notenbanken getrieben. Viele Investoren werden vom Markt von Anleihen in Aktien gedrückt – obwohl sie gar nicht dieses Risikoprofil aufweisen“, erklärt Niefünd. Genau für diese Anleger sucht er schwankungsarme Dividenden-Titel aus.

„Für uns ist die Dividende ein Qualitätsmerkmal. Unternehmen können natürlich auch eine Dividende aus der Substanz zahlen. Da selektieren wir beispielsweise in Deutschland eine Münchner Rück oder eine Allianz, die aufgrund ihrer Struktur eine relativ hohe Dividende zahlt“, sagt Niefünd und fügt hinzu: „Titel wie die Commerzbank oder Deutsche Bank meiden wir aber, weil die Banken als neue Versorger fungieren könnten.“

Doch auch hier ist Vorsicht geboten. „Dividenden sind der neue Zins. Das ist ein Schlagwort der Medien. Es erweckt den Eindruck, dass die Titel so sicher wie Anleihen sind. So ist es bei Dividenden aber nicht“, erklärt Niefünd und fügt hinzu: „Es kann auch Ausfälle geben, weil schlecht gewirtschaftet wurde. Für einen langfristigen Investor spielt der Aktienkurs aber zunächst eine zweitrangige Rolle, wenn die Dividende konstant bleibt. Aber das ist ein emotionales Thema, wenn eine Aktie auch mal ein Minus von 20% darstellt. Da müssen wir als hanseatische Denker dafür sorgen, dass ein Kunde ruhig schlafen kann.“

Es ist allerdings wichtig, zwischen Aktien und Anleihen zu unterschieden. Ein Investment, das Niefünd bei Aktien meidet, ist die Lufthansa. „Die immer wieder aufkommenden Tarifkonflikte, die schlechte operative Marge, die geopolitischen Risiken sowie die schlechte Dividendenrendite halten uns von einem Aktieninvestment bei Lufthansa ab.“ Auf der Anleiheseite ist das aber wieder ein anderes Thema.

Cash-Quote wegen US-Wahlen erhöht

Unsicherheit ist nicht nur bei den Kunden von Niefünd das bestimmende Thema, sondern auch für den ehemaligen Private Banker von Julius Bär selbst. Politische Unsicherheiten wie das Brexit-Votum oder die US-Wahlen sorgen für eine entsprechende Anpassung der Portfolios, wie Niefünd erklärt.

Aktuell halte er eine Aktienquote von rund 40% in den ausgewogenen Portfolios, was nahezu einer Vollinvestition gleicht, denn es werden generell maximal 45% in Aktien investiert. Die Cash-Quote liegt aktuell bei 10%. Ein relativ hoher Wert. „Die US-Wahlen waren der Grund, warum wir viel Cash halten. Die Unsicherheiten im Vorfeld waren zu groß, wir wollten die Risiken nicht eingehen und haben mit einem Abfall der Aktienmärkte gerechnet, sollte Donald Trump gewinnen“, so Niefünd. Anfang des Jahres war die Cash-Quote sogar noch höher. Im Februar habe Niefünd aber seine Kasse-Position abgebaut und vollinvestiert.

Dass sich eine erhöhte Cash-Position automatisch negativ auf das Portfolio auswirkt, weil es keine Rendite erzeugt, sieht Niefünd anders: „Liquidität sehen wir nicht als Residualwert. Vielmehr sehen wir die Liquiditätsposition positiv besetzt - als einen ruhigen Pol im Portfolio und nutzen diese zur Verbesserung der Duration. Zudem investieren wir geldmarktnah in den Lange Asset-Fonds.“ Aktuell sind außerdem 10% in Rohstoffe wie Gold investiert.

Nachranganleihen und Laufzeiten bis 2075

Dass es für eher konservative Anleger derzeit sehr schwer geworden ist, mit Anleihen Rendite zu erzielen, steht außer Frage. Allerdings ist Rendite mit der richtigen Investmentauswahl eben auch noch bei Anleihen zu holen, weiß Niefünd. „Wir achten darauf, dass wir Rendite generieren, die sich aus dem Kupon und Kurspotential zusammensetzt. Beispielsweise investieren wir in eine Otto-Anleihe aus Hamburg“, sagt er. Die Hamburger Handels- und Dienstleistungsgruppe biete aufgrund ihres fehlenden Ratings eine höhere Prämie. „Im Zweifelsfall halten wir die Anleihen bis zur Endfälligkeit, sollte sich kein entsprechendes Kurspotential ergeben. Das Geld ist dann nicht weg und wir erhalten noch minimale Zinsen.“

Außerdem habe Niefünd im vergangenen Jahr vor allem auf Nachrangtitel und eine längere Laufzeit vertraut. Dies mache er nun nicht mehr. „Die Nachrang- oder Hybridanleihen haben bis zu 50% der Rentenquote ausgemacht. Im Neuemissionsbereich haben Bayer, Merck aber auch Volkswagen die Kupons immer weiter gedrückt, sodass für uns das Rendite-Risiko-Profil nicht mehr stimmte“, erklärt Niefünd.

Bei Veränderungen der Zinsstrukturkurve wirkt sich das besonders stark auf die Anleihekurse der Langläufer aus. Ein Beispiel ist die 2,375% Bayer Nachranganleihe mit einer Laufzeit bis 2075.

ETFs mit aktivem Touch

Neben Direktinvestments in Aktien und Anleihen werden auch passive Instrumente wie ETFs und natürlich aktiv verwaltete Fonds immer wichtiger für Niefünd. Das gilt schon aus pragmatischen Gründen: „Bei einem Mandat unter 1 Million Euro ist es nicht möglich, eine breite Diversifizierung rein durch Einzeltitel zu schaffen. Deswegen spielen dort Fonds und ETFs eine größere Rolle, beispielsweise der MainFirst Germany-Fonds.“

Der Trend zu ETFs werde sich laut Niefünd weiter verstärken. „Wir setzen definitiv häufiger ETFs ein, um eine breite Diversifikation herstellen zu können. Natürlich schauen wir uns auch die Kostenquoten an. Wichtig ist die Frage: Performt der aktiv verwaltete Fonds einen passiven aus? Qualität kostet Geld und dort geben wir auch gerne Geld aus. Aber die Kosten müssen sich im Rahmen halten.“

Das steigende Angebot für ETFs ist Fluch und Segen zugleich. Fluch vor allem für Privatanleger, die bei der großen Auswahl an passiven Produkten nicht mehr durchblicken. Segen für Vermögensverwalter, die sich zwar detaillierter mit den Produkten und deren Inhalten beschäftigen müssen, aber mit einer guten Auswahl einen Mehrwert für ihre Kunden generieren können.

„ETFs entwickeln sich weiter und sind häufig auch nicht rein passiv gesehen, sondern mit einem aktiven Touch versehen. Es gibt so viele Indizes, die für Privatanleger schon nicht mehr transparent sind, dort kommen wir ins Spiel, um dem privaten Anleger bewusst zu machen, in was man investiert“, sagt Niefünd.

Dabei sieht der ehemalige Private Banker von Julius Bär auch die Gefahren von ETFs: „Kunden tendieren dazu, sich weniger dafür zu interessieren, was in den jeweiligen ETFs steckt oder wie die Konstruktion sein wird. Swap-basierte oder physische ETFs weisen beispielsweise eine ganz andere Risikostruktur auf. Diese Risiken einschätzen, das können die wenigsten Anleger.“ Als positive Beispiele nennt er den MSCI Dividend ETF, den iShares J.P. Morgan USD Emerging Markets Bond UCITS oder den Henderson Horizon Global High Yield Bond Fund in USD.

Der Hanseat sucht das Abenteuer

Allerdings weiß auch Niefünd wo seine Expertise endet und wo er Investment-Grenzen ziehen muss: „Wir können Schwellenländer nicht so detailliert einschätzen, dass wir dort selektiv Einzeltitel auswählen können. Dort endet unsere Expertise und das sehen wir selbst ein, kommunizieren dem Kunden dies auch und nutzen lieber breit diversifizierte Investmentfonds.“

Selbst hat der Portfoliomanager hingegen ganz anders in Schwellenländer investiert.  Zwischen seiner Arbeit als Private Banker bei Julius Bär und als Portfoliomanager bei der Otto M. Schröder Bank baute Niefünd ein Haus für gehörlose Waisenkinder in Südafrika um. Gemeinsam mit Freunden und lokalen Handwerkern. „Wir leben in einer Gesellschaftsschicht, in der man etwas zurückgeben kann. Dafür muss ich nicht warten, bis ich 50 Jahre oder älter bin“, sagt der 34-Jährige. Schon früh habe ihn sein Vater geprägt und ihm die hanseatischen Tugenden gelehrt. „Bei aller Risikoscheu suchte der Hanseat stets das Abenteuer, wenn es darum ging, ferne Regionen zu erschließen oder dort zu investieren. So ähnlich ging es mir auch.“ Da erkennt man ihn, den modernen Kaufmann.

Die Erfahrung, die Niefünd in Südafrika machte, hat ihn auch längerfristig für seine Arbeit in Deutschland geprägt. „Diese Erfahrung mit den Kindern hat mich gelehrt, viele Dinge anders zu sehen und vor allem seine Sorgen, beispielsweise über fallende Aktienkurse, anders einzuordnen.“

Dieser Text erschien ursprünglich in der Dezember-Ausgabe des Citywire Deutschland Magazins.

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