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Spiekermann & Co will wachsen und sucht Berater

Spiekermann & Co will wachsen und sucht Berater

Bielefeld in Nordrhein-Westfalen und Nordhorn in Niedersachsen trennen lediglich 130 Kilometer. Etwa auf halbem Weg zwischen diesen beiden Städten liegt Osnabrück, das schon im Mittelalter ein Knotenpunkt von Handelsstraßen war und heute für die Spiekermann & CO Vermögensverwaltung ein geografisches Zentrum bildet. Denn wie an einer Perlenkette gereiht folgen die drei Städte aufeinander. Dass die Spiekermann & CO Vermögensverwaltung in jeder dieser Städte auch einen Standort hat, ist deswegen kein Zufall. Komplettiert wird das Standort-Portfolio des Anfang 2001 gegründeten Vermögensverwalters durch Münster, etwas weiter südlich von Osnabrück.

„Die Gegend Osnabrück, Münster und Bielefeld ist sowohl wirtschaftlich als auch fußballerisch von Wettbewerb geprägt. Dies haben wir in unserer Firma überwunden und eine gemeinsame Strategie aufgestellt“, erklärt Thomas Acker, Sprecher des Vorstands des Unternehmens grinsend. Das Unternehmen habe sich bewusst für Standorte auf einer Achse entschlossen, um alle Mitarbeiter und Kunden schnell erreichen zu können. Das Ziel war: Vom größten Standort in Osnabrück aus sollen alle Büros der Spiekermann & CO Vermögensverwaltung innerhalb einer Stunde erreichbar sein.

„Die Achse ist aber auch dadurch entstanden, dass ehemalige Kollegen von unserem Konzept und unserem Ansatz überzeugt waren und einen eigenen Standort eröffnet haben. Insofern spielen zum einen die regionale Nähe und zum anderen die entscheidenden Mitarbeiter an den jeweiligen Standorten eine Rolle“, erklärt Acker.

Jenseits der halben Milliarde

Seit der Gründung vor rund 16 Jahren sind die Assets under Management beim Vermögensverwalter aus Osnabrück auf inzwischen rund 550 Millionen Euro angewachsen. Die Mitarbeiterzahl hat sich auf derzeit 26 erhöht. Davon sind 14 Vermögensbetreuer aktiv im Unternehmen tätig, die gemeinsam 1.800 Mandate verantworten. Eine Zahl, die nur als Zwischenetappe gesehen wird. „Wir sehen das Geschäft des unabhängigen Vermögensverwalters als Wachstumsmarkt. Bei den Kunden spüren wir, dass diese nicht mehr so in der Bankenlandschaft abgeholt werden, wie das noch vor fünf oder zehn Jahren war. Dort sehen wir einen Strukturwandel“, sagt Dirk Scherz, Vorstand von Spiekermann & CO, der hinzufügt: „Das heißt auch für uns, dass die Anforderungen und die Erwartungshaltung des Kunden an uns durchaus eine andere wird. Vor allem dass eine ganzheitlichere Betreuung wichtiger wird, auf die wir uns einstellen und unser Leistungsspektrum erweitern.“

Fokus auf vier Teams

Insgesamt werden die Kunden von Großbanken nicht mehr so individuell betreut, wie diese das lange Zeit gewohnt waren. „Dort sehen wir für uns Wachstumschancen, um unzufriedene Kunden der Banken bei uns in der Vermögensverwaltung zu gewinnen.“ Exemplarisch dazu könne man den Standort der Spiekermann & CO in Bielefeld sehen. Dieser würde davon profitieren, dass sich beispielsweise die größeren Häuser wie eine UBS oder Berenberg aus der Stadt zurückgezogen beziehungsweise sich auf andere Standorte fokussiert haben.

Selber legt die Vermögensverwaltung von Acker, Scherz und auch Sebastian Kotte, ebenfalls Vorstand der Spiekermann & CO, ihren Fokus auf den Ausbau der bestehenden Standorte. Die Achse des Erfolgs soll zunächst nicht weiter ausgebaut werden. „Beim räumlichen Wachstum konzentrieren wir uns derzeit auf die vier bestehenden Standorte. Allerdings wollen wir an diesen weiter wachsen und neue Kolleginnen und Kollegen einstellen. Mit diesen Teams wollen wir an unseren Standorten von der Kunden- und Asset-Zahl weiter wachsen“, gibt Kotte die Richtung vor. Durch den Anker-Investor, die Horus GmbH, das Family Office der Familie Helmig, habe man die Basis für eine stabile und starke Struktur, die Wachstum von der Mitarbeiter- und prinzipiell auch von der Standort-Zahl ermögliche.

Viel Aufwand, wenig Ertrag

Dieses Wachstum sei in den kommenden Monaten durchaus nötig – wenn man auf den steigenden regulatorischen Druck durch MiFID II schaue. „Es ist ein irrer Aufwand und teilweise kontraproduktiv beziehungsweise trägt nicht wirklich zum Verbraucherschutz bei. Aber die steigende Regulierung ist nun mal da und ist teilweise auch nachvollziehbar“, bilanziert Acker. Probleme sieht er eher bei Gesprächen mit mancher Depotbank. „Dort gibt es teilweise Nachholbedarf was die Aufstellung und Unterstützung der Depotbanken bezüglich der steigenden Regulierung betrifft und einen gewissen Preisdruck.“

Für kleinere Vermögensverwalter werde das Thema MiFID II allerdings immer schwieriger zu bewältigen. „Es wird eine Mindestgröße im mittleren dreistelligen Millionenbereich entstehen, die auch eine gewisse Kapitalkraft voraussetzt. Denn es muss auch Geld investiert werden, um Dinge anzugehen und zu lösen, die völlig unproduktiv für das reine Geschäft sind“, sagt Scherz, der auflistet: „Eine Person, die sich um nichts anderes kümmert als um Revision, internes Kontrollsystem, Zuarbeitung bei Compliance-Themen, das sind alles administrative Anforderungen, die einen großen Aufwand darstellen.“ Das alles seien nicht die Stellen, an denen man Geld verdient, aber die trotzdem intensiv und gewissenhaft umgesetzt werden. „Zusätzlich beschäftigen wir uns mit MiFID II und der Investmentsteuerreform.“

Im Rahmen der steigenden Regulierung und der immer weiter voranschreitenden Digitalisierung werden zweifelsfrei neue einheitlichere Prozesse in der Vermögensverwaltung entstehen. „Insgesamt muss man sagen, dass eine erweiterte Standardisierung für gewisse Kundensegmente kein Nachteil sein muss. Natürlich fordern Kunden, die etwa mit einem großen Vermögen von der klassischen Private-Banking-Seite kommen, andere Investment-Lösungen als Kunden mit weniger Vermögen. Deswegen muss man auf beide entsprechenden Anfragen reagieren. Eine mehr standardisierte und damit auch günstigere Anlage- Möglichkeit birgt deswegen durchaus Wachstumsmöglichkeiten“, so Kotte. Bei Spiekermann & CO gebe es keine Untergrenze für die Vermögensverwaltung. Der Fokus liege aber bei Kunden mit einem Vermögen zwischen 250.000 Euro und drei Millionen Euro.

Suche nach Beratern

Erweitern will die Firma aber auch auf der Mitarbeiterseite. Aber: „Es ist nicht leicht, gut ausgebildete und talentierte Mitarbeiter zu finden. Viele klassische Banker oder Sparkassen-Mitarbeiter scheinen sich derzeit noch in einer Komfortzone zu befinden“, stellt Acker fest und Vorstands-Kollege Scherz fügt hinzu: „Aber wenn ich Mitte 30 wäre und einen guten Kundenkontakt pflege beziehungsweise einen guten Kundenstamm aufgebaut hätte, würde ich mir über das Geschäftsmodell meines Arbeitgebers bei beispielsweise einer Sparkasse schon Gedanken machen, ob das die nächsten Jahre auch so weitergeht. Es überrascht uns schon, dass wir auf unsere Stellenanzeigen wenig Resonanz erfahren.“

Viele Mitarbeiter bei Banken hätten Angst vor neuen Herausforderungen. Außerdem säßen sie natürlich noch komfortabel im gemachten Nest. Das Vorstands-Trio weiß, wovon es spricht. Alle drei waren zuvor bei der Commerzbank oder der Oldenburgischen Landesbank tätig. „Wir kommen alle aus der Vertriebsschiene von Banken. Dort haben wir eine Maßgabe erhalten, welche Produkte wir verkaufen mussten. Dabei mussten wir feststellen, dass diese nicht unbedingt die Produkte waren, die der Kunde wollte“, blickt Scherz zurück auf die Beweggründe, warum das Trio zur Spiekermann & CO wechselte, die von Friedhelm Spiekermann ins Leben gerufen wurde – der vorher ebenfalls bei der Commerzbank tätig war.

Sowohl Gründer Spiekermann als auch die drei aktuellen Vorstände der Vermögensverwaltung haben den Schritt weg von der Bank gewagt. Bereut haben sie es nicht. Heute haben Sie mehr Freiheiten im Umgang mit Kunden und bei der Wahl ihrer Investment-Entscheidungen. Und wenn es für Spiekermann & CO weiterhin so gut läuft, werden auch die Perlen entlang der Kette rund um Osnabrück immer größer.

Dieser Text erschien erstmals im Citywire-Magazin vom September 2017.

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