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Spitzenfonds trotz Unruhen: Tawhid Ali managt €1 Milliarde in europäischen Aktien

Spitzenfonds trotz Unruhen: Tawhid Ali managt €1 Milliarde in europäischen Aktien

Ist Europa in Gefahr? Italien hat sich zum Ballast der Eurozone entwickelt und entfacht die erneute Sorge um ein Ende des Euros beziehungsweise der Europäischen Union. Dass sich die italienische Regierung, bestehend aus der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung und der rechtspopulistischen Lega, für ein gestärktes Europa einsetzen wird, darf bezweifelt werden.

Das Staatenbündnis und die Währungsunion sind in den vergangenen Monaten vielfach auf die Probe gestellt worden. Europa muss sich mit der Italien-Krise, dem Brexit und einer möglichen Katalonien-Abspaltung auseinandersetzen. Politischer Zündstoff an allen Ecken und Enden. Diese Unsicherheiten beeinflussen zum einen das Europa-Bündnis, zum anderen aber auch die Aktienmärkte. Tawhid Ali, Fondsmanager des AB Eurozone Equity Portfolio-Fonds, allokiert in dieser brisanten Zeit bewusst abseits der Politik – und sammelt dank einer starken Performance trotz risikoaverser Anleger neue Gelder ein.

Kein Wunder, denn Ali hat Erfahrung im Umgang mit europäischen Krisen: Sein Aktienfonds startete am 15. September 2010. Nur wenige Wochen zuvor richteten die Staats- und Regierungschefs der Euro-Länder einen Rettungsschirm für die gesamte Eurozone ein. Dass sich Europa spätestens seit dieser Ära der Rettungsmaßnahmen in einem ständigen Auf und Ab befindet, ist unumstritten. Umso mehr verdeutlicht die Performance-Entwicklung von Alis Fonds, dass unabhängig von Krisenherden und politischen Risiken widerstandsfähige und nachhaltige Ertragsquellen zu erschließen sind. Sein AB Eurozone Equity Portfolio erzielte in den vergangenen fünf „Es ist verwunderlich, dass selbst professionelle Investoren Performance und Politik in Zusammenhang stellen.“Jahren bis Ende Mai 2018 eine Wertsteigerung von 84,5 Prozent. Der Durchschnitt des Citywire-Sektors für europäische Aktien liegt im selben Zeitraum bei 47,4 Prozent. Der Fonds belegt damit den zweiten von 91 Rängen des Sektors.

Trotz starker Performance merkt Ali, dass die steigende politische Unsicherheit Europas Aktienanleger nervös macht. Investoren seien aufgrund der zunehmenden politischen Unsicherheiten vorsichtiger mit Investments in Europa geworden. „Es ist in gewisser Weise sehr verwunderlich für mich, dass oft selbst professionelle Investoren die Aktienperformance in Zusammenhang damit stellen, was in der Politik oder der Wirtschaft passieren wird – aber das kann ich nicht beeinflussen oder ändern“, merkt Ali schmunzelnd an.

Nichtsdestotrotz sei neben der Skepsis bei Investoren immer noch eine passable Nachfrage vorhanden – zumindest, wenn die Performance stimmt. Das spiegelt sich auch in den Fondszuflüssen wider. Der AB European Equity Portfolio hat zum 31. Mai 2018 ein Volumen von 987,8 Millionen Euro – die Grenze von einer Milliarde Euro ist greifbar nah. „Im ersten Quartal dieses Jahres haben wir signifikante Zuflüsse gesehen. Die Strategie war schon immer und wird auch immer darauf ausgelegt sein, politische Risiken zu minimieren.“ Dieser Ansatz beschert Ali seit Mai 2017 ein durchgehendes AAA-Rating bei Citywire und eine ununterbrochene Rating-Historie seit über drei Jahren.

Kein Vergleich zur Schuldenkrise

Die Fonds-Strategie soll von kurzzeitigen Marktineffizienzen durch Überreaktionen der Investoren und damit von kurzweiligen politischen Börsen profitieren. Das hält sich derzeit aber in Grenzen. „Es ist noch lange nicht so schlimm wie während der europäischen Schuldenkrise“, betont Ali. Interessant seien diese Ineffizienzen dann, wenn Investoren auf Makro-News reagieren und der Wert von Aktien sinke, obwohl diese News keinen Effekt auf das Unternehmen an sich haben. Zum Beispiel investiert Ali in Italien in die Zement- Firma Buzzi Unicem, die ihr Geld im Zementgeschäft hauptsächlich in den USA verdient. „Wenn eine solche Aktie einen Sell-Off aufgrund einer krisenartigen Entwicklung in Italien erfährt, sehen wir hier eine klare Kaufmöglichkeit – denn wir wissen, dass die Entwicklung der italienischen Politik und der Staatsanleihen nur sehr wenig Auswirkung auf die entsprechenden Geschäfte des Unternehmens in den USA hat.“ So fiel der Aktienkurs von Buzzi Unicem Ende Januar von 24,40 Euro auf rund 19 Euro Ende März. Mitte Juni rentiert der Titel bei etwa 21 Euro pro Aktie. Aktuell allokiert der AB Eurozone Equity Portfolio mit rund zehn Prozent in Italien, ein historisch eher geringer Wert für den Fonds. Im Vergleich zur Benchmark MSCI EMU Index stellt diese Positionierung allerdings ein leichtes Übergewicht von rund drei Prozentpunkten dar.

Der größte Sektor des Fonds ist mit 21 Prozent der Finanzdienstleistungssektor. Die Benchmark bildet hier etwa 18 Prozent ab – ein moderates Übergewicht. „Wir identifizieren Banken, die den idiosynkratrischen Treibern des Profitwachstums unterliegen und nicht dem Zins- oder dem ökonomischen Zyklus ausgeliefert sind.“ Die aktuell höhere Positionierung im Bankensektor sei zudem gestützt durch die steigende Zinskurve in Europa. Ali weist darauf hin, dass Staatsanleihen immer unwichtiger für die Bewertung der Bank-Aktien werden. „Beispielsweise haben italienische Banken ihre Anteile an italienischen Staatsanleihen in den vergangenen fünf Jahren drastisch verringert – die EZB hat diese Titel dann gekauft und die Gesundheit des Bankensystems hat sich verbessert.”

Fehlpreisung vieler Aktien

Positiv gestimmt ist Ali nicht nur gegenüber Banken: Die aggregierten Gewinne europäischer Unternehmen lagen im ersten Quartal dieses Jahres deutlich über den Erwartungen. „Die einzige andere Region, in der wir eine ähnlich gute Gewinnentwicklung gesehen haben, waren die USA – alle anderen Regionen haben sich in diesem Zeitraum neutral oder sogar negativ entwickelt“, sagt Ali. So handle der MSCI Europe aktuell mit rund 46 Prozent Abschlag in Bezug auf das Kurs-Buchwert-Verhältnis und 29 Prozent Abschlag in Bezug auf das Kurs-Gewinn- Verhältnis (zwölf Monate) gegenüber dem S&P 500.

„Die Bewertungen der Aktien im positiven makroökonomischen Umfeld mit entsprechenden Gewinnentwicklungen sind zwar nicht extrem günstig wie etwa vor sechs Jahren, aber sie sind auch nicht maßlos überhöht“, gibt sich Ali zuversichtlich. Alles zusammen ergebe einen tendenziell eher überdurchschnittlichen Ausblick für europäische Aktien, sowohl historisch als auch im globalen Vergleich. Doch trotz der noch immer attraktiven Bewertungen innerhalb der europäischen Märkte scheinen viele Aktien fehlgepreist zu sein.

Gleichzeitig herrsche noch immer eine Präferenz für Titel mit niedrigem Beta. Also jenen Aktien, die weniger volatil als der Gesamtmarkt sind, und die daher als weniger riskant angesehen werden. Das zeige sich auch im derzeit großen Unterschied zwischen Low- und High- Beta-Aktien im Hinblick auf das Kurs-Buch-Verhältnis. Der Spread sei in Europa weitaus größer als in anderen Regionen. „Dieses Merkmal der europäischen Aktienmärkte könnte eine Spätfolge der europäischen Schuldenkrise von 2010 bis 2012 sein – doch meiner Meinung nach spiegelt es nicht die aktuelle Situation wider.“

Ali ist außerdem der Ansicht, dass Investoren derzeit sehr hohe Prämien für ein geringes Beta zahlen. „Denn sie gehen davon aus, dass das niedrige Beta bei einer Kursabschwächung schützt.“ Doch es gebe andere Möglichkeiten, um von Fehlbewertungen im Markt zu profitieren – auch mit einer guten Absicherung gegen Abwärtsbewegungen, ohne verstärkt auf Aktien mit einem niedrigen Beta setzen zu müssen. Dies gelinge beispielsweise mit einem Fokus auf nachhaltige Cashflows. „Investoren bestrafen verstärkt die Aktien mit hohem Beta und zahlen viel Geld für niedriges Beta, aber man kann diese Lücke ausnutzen.“ Oder anders ausgedrückt: „Anleger zahlen immer noch zu viel für den Anschein von Sicherheit, was Stockpickern reichhaltige Jagdgründe beschert.“

Denn im Kurs-Buchwert-Verhältnis handeln die 20 Prozent der europäischen Aktien mit dem niedrigsten Beta mit einer Prämie von rund 50 Prozent im Vergleich zum Markt. Im Gegensatz hierzu handeln die 20 Prozent der Aktien mit dem höchsten Beta mit 40 Prozent Abschlag. „Diese Spreads haben sich zwar im vergangenen Jahr etwas eingeengt, sind aber immer noch auf hohem Niveau im Langzeit-Vergleich – und mit einer selektiven Auswahl kann man hier fündig werden“, sagt Ali. Abkühlen werden trotz insgesamt positiver Aussichten für europäische Aktien die politischen Risiken und Unsicherheiten vorerst wohl nicht. Auch wenn politische Börsen meistens kurze Beine haben, dürfte die Politik der entscheidende Risiko-Faktor für Europa-Aktien im laufenden Jahr sein. Nur verständlich also, dass Ali zumindest in seinem Fonds keine Lust auf Politik hat.

Tawhid Ali, Fondsmanager bei Alliance Bernstein (AB), ist im März 2016 zum Portfolio-Manager für Global & International Value Equities ernannt worden und ist seit Mai 2016 auch Portfolio-Manager für Global Research Insights. Der Aktienspezialist verfügt über 25 Jahre Investmenterfahrung und ist seit 2012 Chief Investment Officer European Value Equities bei AB und seit 2008 Director of Research.

Ali war zuvor als Research-Analyst für Einzelhandels- und Freizeitaktien in Europa tätig. Bevor er im Jahr 2003 bei AB begann, arbeitete er bei McKinsey in New York und London als Engagement Manager. Ali hat einen Bachelor of Arts der Harvard University und einen MBA der University of Chicago. Er arbeitet von London aus.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in der Juli/August-Ausgabe des Magazins von Citywire Deutschland.

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