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Starmanager mit Heimvorteil: Wie Tim Albrecht €14 Milliarden managt

Starmanager mit Heimvorteil: Wie Tim Albrecht €14 Milliarden managt

Schon als Schüler hat Tim Albrecht einen ersten Einblick in den deutschen Aktienmarkt bekommen, der ihn schon damals faszinierte. Der Unterricht der Wirtschaftspolitik und das damalige Börsenspiel der Sparkassen machten es möglich. In der Folge beschäftigte er sich als Jugendlicher auch privat mit Aktien.

Das hat sich wie ein roter Faden durch sein Leben gezogen: Zunächst als Privatanleger, dann während seiner Banklehre und als Fokus im Studium. Die Anfänge seiner Ausbildung liegen bei der Deutschen Bank in Bonn und an der Julius-Maximilians Universität in Würzburg. Inzwischen verwaltet Albrecht als Aktienstar beim Asset Manager der Deutschen Bank etwa 14 Milliarden Euro.

„Mein Herz schlägt für deutsche Aktien“, sagt Albrecht über seine Leidenschaft. Mit seinem Team bei der Deutschen Asset Management in Frankfurt am Main habe er nun einen Heimvorteil, der einen sehr guten Zugang zu den deutschen Unternehmen – auch zum Mittelstand – ermögliche: „Dort finden sich immer wieder spannende Anlagemöglichkeiten, die unabhängiger von konjunkturellen Entwicklungen sind.“

Seit dem Jahr 2000 ist Tim Albrecht bei der Deutschen Asset Management als Aktienfonds-Manager tätig. Zunächst als Global Sector Head for Industrials, später Head of German Equities und schließlich als Leiter DACH-Aktien. Gemeinsam mit seinem Team, bestehend aus sieben Mitarbeitern, verwaltet er drei Aktienfonds, die gemeinsam Assets in Höhe von etwa 13 Milliarden Euro umfassen: den DWS Investa, den DWS Aktien Strategie Deutschland und den Flaggschifffonds DWS Deutschland.

Während Albrecht den DWS Aktien Strategie Deutschland bereits seit 15 Jahren managt, hat er zu Beginn dieses Jahres die beiden anderen Strategien vom vorigen Aktienchef Henning Gebhardt übernommen. Für beide Fonds hatte Albrecht zuvor die Position des stellvertretenden Fondsmanagers inne. Im Tagesgeschäft habe sich durch diese Neuerung also keine Änderung ergeben. Das Team existierte auch schon vorher. „Wir haben in den Jahren zuvor selbstständig die Portfolios im Tagesgeschäft ausgerichtet. Natürlich hatten wir einen prominenten Abgang, doch im Team hat der Stabwechsel sehr gut funktioniert“, kommentiert Albrecht den Wechsel Gebhardts zu Berenberg im Januar.

Gleichzeitig ergeben sich durch solche Veränderungen auch neue Aufstiegsmöglichkeiten für andere Kollegen. So sind Christoph Ohme und Hansjörg Pack jeweils stellvertretende Fondsmanager geworden. „Insgesamt besteht eine hohe Motivation im Team“, beteuert Albrecht.

Viele Jahre, viele Assets

Als Albrecht den DWS Deutschland vor Jahren übernommen hat, war dieser nur 200 Millionen Euro groß und enthielt verstärkt Small Caps – mit entsprechend höherem Turnover. Heute beträgt das Volumen des Flaggschiff-Fonds mehr als sieben Milliarden Euro. „Einen Fonds dieser Größe führen wir mit ruhiger Hand und Weitsicht“, verspricht er. Statt in Small Caps investiert Albrecht mit seinem Team inzwischen aufgrund des großen Volumens vermehrt in liquide Mid Caps. Zudem setze er parallel verstärkt auf die Investitionsgrad-Steuerung, was zu Beginn nicht so sehr der Fall gewesen sei. Die Kombination aus Nebenwertequote und liquiden Mid Caps, der richtigen Selektion im DAX – vor allem auch auf Sektorebene – und der Investitionsgrad-Steuerung bilde den Kern für Albrechts erfolgreiche Strategie und erkläre auch die Veränderung der Strategie über die Zeit: „Früher haben wir Export-Sektoren höher gewichtet, beispielsweise die Bereiche Automobil, Maschinenbau und Chemie. Mittlerweile haben wir unsere Investments breiter gestreut – auch aufgrund des inzwischen besseren Binnenmarktes.“

Der DWS Deutschland Fonds investiert im Schnitt zu 20 bis 30% in Nebenwerte und 70 bis 80% in DAX-Titel und hat eine flexible Anlagestrategie. „Wir verfolgen je nach Marktlage einen wachstums- oder wertorientierten Ansatz und können den Investitionsgrad in einer Bandbreite zwischen 90 und 120% steuern.“ Ein Drittel des DWS Deutschland folge der Top-Down- Entscheidung, also welche Sektoren über- und untergewichtet sind, und zwei Drittel mache die Bottom-Up Stockpicking- Entscheidung aus. Aktuell beträgt der Investitionsgrad 97,7%.

Aufstockung bei nervösem DAX

Derzeit hat der DWS Deutschland etwa 55 Titel, davon 25 DAXund 30 Nebenwerte, über die das Produkt diversifiziert wird. In der Bandbreite von 0,5 bis 2% des Fondsvolumens hält Albrecht die Einzeltitel. Bei den DAX-Werten unter den Top Ten gibt es auch Gewichtungen von 8 oder 9%. Hierzu zählen beispielsweise die Aktien von Allianz SE (8,7%), SAP SE (7,3%) und auch Siemens (6,9%). „Aber wir halten uns an die Daumenregel: im Vergleich zum Index keine Unter- oder Übergewichtung eines Einzelwertes/ Bluechips von 3%.“ Das Team könne zwar bei einer starken Meinung davon abweichen und der Fonds hat auch das Bewusstsein der Benchmark, aber zu stark lasse man sich nicht davon leiten.

Die Investitionsgrad-Entscheidung, beziehungsweise eine Anpassung, erfolgt im Schnitt zwei bis drei Mal im Monat. Als der Markt nervös geworden und unter 12.000 Punkte gefallen war, hat Albrechts Team den Grad noch einmal aufgestockt und in der jüngsten Erholungsrallye wieder einen Teil der Position einfließen lassen. Auch auf der Einzelwertebene erfolge das mit sehr ruhiger Hand. Einen Titel halte der Fonds im Schnitt zwei bis drei Jahre im Portfolio.

Eine Strategie, die sich offensichtlich auszahlt, wenn man auf die Performance-Daten des Fonds schaut: So liegt der DWS Deutschland mit einer Wertsteigerung von 141,1% auf die vergangenen zehn Jahre bis Ende September 2017 auf dem ersten von insgesamt 46 Plätzen im Citywire-Sektor für deutsche Aktien. Auch beim maximalen Verlust zeigt sich der Fonds stark. Dort liegt er im selben Zeitraum auf Platz 6. Auffällig ist auch, dass Albrechts zweiter Fonds, der DWS Aktien Strategie Deutschland, mit einer Performance von 121,8% auf dem dritten Platz des Rankings liegt.

Auch für die Zukunft zeigt sich der Fondsmanager positiv: Aktuell sieht Albrecht in Deutschland das beste wirtschaftliche Umfeld seit fünf bis sechs Jahren und die Stimmung bei deutschen Unternehmen lasse sich als sehr positiv zusammenfassen. Der IFO Geschäftsklima Index stehe auf Rekordständen und auch die Konsumentenstimmung in Deutschland sei sehr gut: „Unsere Gespräche mit den Unternehmen bestätigen dies.“ Auch die deutschen Exporte entwickeln sich sehr gut, trotz der Diskussion um den jüngsten Anstieg des Euros. Betrachtet man die Fakten, dann sind die Exporte in die Eurozone besser als erwartet. Insgesamt kann man von einem synchronisierten Aufschwung sprechen. „Das freut uns auch als Fondsmanager“, weiß Albrecht zu schätzen.

„Wir sind grundsätzlich sehr positiv ausgerichtet und daher übergewichtet in offensiven Sektoren. Untergewichtet sind wir in den Sektoren, die unter einem Zinsanstieg leiden könnten – das heißt, wir meiden eher defensive Konsumgüterhersteller und Immobilienwerte.“ Dauerhafte Konsumgüter umfassen derzeit 15,6% des Fondsvolumens, Immobilienwerte hingegen 0,5%.

Daimler ist eine der größten Positionen

Der deutsche Automobil- und Zuliefererbereich zählt für Albrecht zu den Schlüsselindustrien in Deutschland. Themen wie der Wandel hin zur Elektromobilität sowie drohende Diesel-Fahrverbote in Innenstädten haben die deutschen Hersteller unter Druck gesetzt, schneller an Zukunftsmodellen und Mobilitätskonzepten zu arbeiten. Nach Monaten der Unsicherheit herrsche inzwischen etwas mehr Klarheit: „Anlässlich der IAA haben die deutschen Automobilhersteller ihre Pläne hinsichtlich des Zeitrahmens und der Modellpalette veröffentlicht – die Zulieferer haben sich intensiv mit dem Effekt der Verschiebung von Marktanteilen zwischen Benzinern, Diesel und Elektrofahrzeugen auseinandergesetzt.“

Auch die große Diskussion um autonomes Fahren, Car-Sharing- Modelle und die Abgasthematik führe zu einigen Fragezeichen in der Industrie und belaste diese. Aber Albrecht ist weit davon entfernt zu sagen, dass dies das Ende der deutschen Automobilindustrie sei: „Wir betrachten das eher konstruktiv und haben einige Hersteller und Zulieferer höher gewichtet.“ Insgesamt agiere er im Automobilsektor selektiv. Zudem sei der Sektor im historischen Vergleich sehr günstig bewertet. Der Kapitalmarkt spiegele schon jetzt den Druck der nächsten Jahre auf die Gewinne der Autohersteller wider. Die Risiken seien bereits eingepreist. Daimler zählt aktuell zu den größten Einzelwerten des Portfolios mit 4,7%.

Einjahres-Prognose: Dax bei 13.600 Punkten

Der DWS Deutschland hat zudem ein deutliches Übergewicht im Technologie- und Industriebereich, mit gegenwärtig 16% im IT-Sektor und 22,4% in der Industrie-Branche. Zum einen aufgrund des großen Wandels, der technischen Disruption sowie der Digitalisierung. Das betreffe vor allem Investitionen im TecDAX. Im Industrie-Sektor spiele die wirtschaftliche Erholung innerhalb der Eurozone und dem Rest der Welt eine große Rolle – das sorge dafür, dass auch bei deutschen Unternehmen im Industriebereich die Auftragsbücher gut gefüllt sind und unterstütze die grundsätzlich optimistische Ausrichtung von Albrecht und seinem Team.

„Als drittes haben wir den Finanzsektor übergewichtet, anders als in vergangenen Jahren – im Finanzsektor haben wir die Gewichtung jüngst weiter ausgebaut, vor dem Hintergrund der Zinswende.“ Albrecht geht davon aus, dass sich eine Änderung der Zinspolitik positiv auf die Ertragslage von Banken und Versicherungen auswirke. In den vergangenen Monaten habe beispielsweise eine leichte Aufstockung des Versicherungs- Sektors stattgefunden: „Wir haben im Grunde in den letzten Monaten das Übergewicht im Versicherungssektor um etwa 1% erhöht, wie bereits auch im vergangenen Herbst.“ Oft sei so ein Schritt eben eine Art Feintuning. Die Investments im Finanzsektor belaufen sich auf nunmehr 15,6%.

„Unsere DAX-Prognose über zwölf Monate liegt bei 13.600 Punkten.“ Albrecht rechnet mit einer Fortsetzung des positiven wirtschaftlichen Momentums im kommenden Jahr. Was die Geldmarktpolitik der EZB angeht, ist er der Meinung, dass sie der Fed-Politik mit einem Zeitabstand von vier Jahren folgen werde. „In den USA verfolgen wir seit Jahren die Diskussion um Tapering und eine restriktivere Geldpolitik – am Aktienmarkt sahen wir ein Rekordhoch.“

Entsprechend rechne er mit einer moderaten Zinswende in Europa, aber nicht mit einer restriktiven Geldpolitik, die im nächsten Jahr für Störfeuer am Aktienmarkt sorgen sollte. 2018 werde erneut eine Kombination aus solidem wirtschaftlichem Wachstum, einer weiterhin expansiven Geldpolitik, gekoppelt mit Anlagenotstand und Niedrigzinsen bereithalten. „Anleger, die ihr Vermögen real erhalten oder vermehren möchten, kommen am Aktienmarkt nicht vorbei.“ Und da spielt laut Albrecht der deutsche Aktienmarkt eben eine entscheidende Rolle.

Dieser Text erschien erstmals im Citywire-Magazin vom Oktober 2017.

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