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Stefan Gretschel von der Rheinischen Portfolio Management im Portrait

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Stefan Gretschel von der Rheinischen Portfolio Management im Portrait

Knapp über zehn Jahre ist die Rheinische Portfolio Management inzwischen alt. Als am 12. März 2007 die Firma gegründet wurde, startet aber nicht nur eine Vermögensverwaltung. Zeitgleich wurde auch die RP Stiftung ins Leben gerufen. Der Stiftung werden jährlich ein Teil der Firmenerträge übertragen. Damit werden viele soziale Projekte und medizinische Forschungsbemühungen begleitet und gefördert.

Beispielsweise der Verein „Helfen durch Geben – Der Sack e.V.“ Im monatlichen Wechsel werden an 850 Empfangsadressen und 15 Kindergärten Lebensmittel geliefert. Die Informationen darüber, welche Einrichtungen die größte Hilfe benötigen, bekommt die Rheinische Portfolio Management beispielsweise durch die Caritas, Pastoren oder engagierte Bürger.

Auch der „himmel & ääd e.V. – För Kindersielcher en Nut“ wird von der RP Stiftung unterstützt. „Aufgrund der auch in Köln stetig wachsenden Zahl der in Armut lebenden Kinder wurde der gemeinnützig anerkannte Verein im Jahr 2007 gegründet“, sagt Christian Roch, gemeinsam mit Gretschel Geschäftsführer der Rheinischen Portfolio Management. Seit 2012 wird über 70 Kindern von Montag bis Freitag ein kostenloser Kindermittagstisch angeboten. „Daran anschließend findet eine Nachmittagsbetreuung statt. Hier wird unter fachkundiger Anleitung Hausaufgabenbetreuung und Nachhilfe angeboten, ebenso wie diverse Freizeitangebote und Workshops. Mehrmals wöchentlich bieten wir Deutschkurse für Flüchtlinge an.“

Dies sind nur einige wenige Projekte, die von der RP Stiftung unterstützt werden. Dabei stehen vor allem Kinder im Fokus der Hilfsprojekte. „Als Kölner Bürger und Kölner Unternehmen spüren wir eine besondere Verantwortung für die Kinder in unserer Stadt. Die lokalen Projekte, die wir mit der Stiftung unterstützen, richten sich deshalb in erster Linie an verarmte und sozial benachteiligte Kinder sowie deren Familien. Es ist unglaublich, unter welchen katastrophalen Bedingungen viele Kinder in Deutschland im Allgemeinen und in Köln im Speziellen aufwachsen“, so Roch.

Alles, was kein Kernbereich ist, wird outgesourced

Dass die Firma von Gretschel und Roch eine eigene gemeinnützige Stiftung betreut, passt in das Bild des Vermögensverwalters aus Köln. „Wir sind nicht der klassische Vermögensverwalter, der vermögende Endkunden bedient, sondern haben ausschließlich professionelle Kunden wie Versicherungen, Banken, Anlageberater, Stiftungen und andere Vermögensver­walter“, sagt Gretschel, der bei der Rheinischen Portfolio Management für die Fonds-Selektion verantwortlich ist.
Gretschel und Roch arbeiteten beide vor ihrer Firmengründung bei der Gerling Investment, deren ehemalige Räumlichkeiten nur wenige Meter vom jetzigen Büro der Rheinischen Portfolio Management liegen.

Der Gerling-Konzern wurde 2005/2006 von der Talanx gekauft und dort vollständig integriert. Inzwischen besteht die Firma als Ampega Investment, dem Rechtsnachfolger von Gerling Investment. „Viele Dienstleistungen, die wir früher nur konzerngebunden anbieten konnten, können wir nun komplett unabhän­gig nach den Wünschen unserer Kunden gestalten und ohne Konzernvorgaben umsetzen“, erklärt Gretschel den Schritt in die Selbstständigkeit.

Mit aktuell zehn Mitarbeitern muss sich Gretschel bei der Auswahl seiner Investments nur noch auf die Vorgaben seiner Kunden konzentrieren. „Alles was kein Kernbereich ist, wird bei uns outgesourced. Sprich: Buchhaltung, Compliance, Interne Revision und IT. Dadurch sind wir professionell aufgestellt und auch regulatorisch immer up to date.“ Bei der Auswahl der Investments spielt vor allem das Risiko eine zentrale Rolle. Strukturell ist die Firma in der Regel defensiv aufgestellt.

„Man muss sich hin und wieder von Managern trennen“

Neben der Risikosteuerung, die sich aus der überwiegend institutionellen Kundschaft der Rheinischen Portfolio Management ergibt, steht die Fonds-Selektion klar im Fokus der Firma. „Wir sind ein Fonds-Haus. Bei uns dreht sich alles um Fonds, sowohl beim Management von Dachfonds als auch in dem noch vergleichsweise jungen Geschäftsfeld der ‚Fonds-Vermögensverwaltung‘.“ Derzeit betreut die Rheinische Portfolio Management zehn eigene Dachfonds bei der Bankengruppe Warburg (davon acht Publikumsfonds und zwei Spezialfonds) sowie fünf systematische FVV-Strategien bei der Augsbur­ger Aktienbank.

Zwischen 80% und 90% der Portfolios werden derzeit durch aktive Fondsmanager abgebildet. Die restlichen Strategien sind passive Produkte. Einzel­titel werden nicht selektiert. „Wir bevorzugen bei der Fonds-Selektion erfolgreiche, aktive Fondsmanager, da diese langfristig Zusatzerträge für unsere Portfo­lios liefern können. Allerdings sind wir auch sehr offen für den sinnvollen Einsatz von ETFs. Vor allem, wenn es darum geht, taktisch zu agieren, sind ETFs häufig die bessere Wahl“, sagt Gretschel.

Eine Ausnahme bildet der globale Aktienfonds RP Global Market Selection, dem einzigen reinen Aktienfonds der Firma, die sonst mit Multi-Asset- Fonds agiert. Im globalen Aktienfonds ist die passive Quote derzeit bei 0%. „Das ist nicht immer so, aber in den vergangenen drei Jahren war der Fonds kom­plett aktiv aufgestellt.“

Für ein Portfolio mit aktiven Fonds ist aber nicht nur die Zusammenstellung zum Strategie-Start wich­tig. Zentraler ist die intensive Pflege des bestehenden Portfolios. „Deswegen muss man sich auch hin und wieder von Managern trennen. Es ist deutlich schwie­riger, dort diszipliniert zu agieren als bei der Auswahl eines neuen Managers. Natürlich schmeißen wir auch einen Fondsmanager, der einmal underper­formed, nicht direkt raus. Wir gehen auch durch Durststrecken mit Managern, wenn sich die temporäre Underperformance erklären lässt und eine gute Aussicht auf Besserung besteht.“

Zu hohes Risiko: Deutlich weniger Schwellenländer-Anleihen seit 2017

Ein erfolgreiches Beispiel solch einer Portfolio- Neugewichtung fand nach dem Jahreswechsel 2015/2016 statt. „Basierend auf dem damaligen Marktumfeld haben wir Schwellenländer-Anleihen als sehr attraktiv erachtet. Daraufhin haben wir uns verschiedene EMD-Manager angeschaut und dann auch in unterschiedliche Manager investiert. Unsere EMD-Quote haben wir dann primär durch aktive Fondsmanager aber auch unter Nutzung von ETFs sukzessive deutlich erhöht.“

Zwischenzeitlich machte die Quote von Schwellenländer-Anleihen einen Großteil des gesamten Anleihe-Portfolios aus. Ein Lieblings­fonds für dieses Segment war der Edmond de Rothschild Fund-Emerging Bonds-Fonds von Jean- Jaques Durand. Außerdem wurde in den MainFirst – Emerging Markets Credit Opportunities Fund und das Goldman Sachs Emerging Markets Corporate Bond Portfolio investiert.

Inzwischen wurde das Portfolio aufgrund von steigenden Risiken bei Schwellenländer-Anleihen angepasst. „Jetzt ist die Situation für Neuan­lagen bei EMD anders. Deswegen haben wir unsere Positionierungen bei Schwellenländer-Anleihen seit Jahresbeginn deutlich gesenkt. Das liegt zum einen an den stark reduzierten Rendite-Chancen und zum anderen am dadurch erhöhten Zinsänderungsrisi­ko. Daher haben wir hier etwas Risiko aus unseren Portfolios genommen“, so Gretschel, der hinzufügt, dass der EMD-Markt insgesamt schon stark gelaufen und dadurch ein Niveau erreicht habe, das einen nicht mehr mit der Zunge schnalzen lasse. „Außerdem sollte man politische Risiken und das Risiko eines noch stärkeren US-Dollars nicht komplett ausblenden. Auf dem aktuellen Preisniveau sind aus unserer Sicht aber einige Risiken nicht mehr adäquat eingepreist. Daher sind wir in dem Segment auch deutlich vorsichtiger geworden.“

„Risiken weniger ersichtlich. Aber auf keinen Fall weg“

Aufgebaut hat Gretschel im Gegenzug seit Jahresbe­ginn Investments in Frontier-Märkte. „Diese Märkte sind weniger zyklisch und waren bisher deutlich weni­ger von Zu- oder Abflüssen ausländischer Investoren betroffen. Die Mittelbewegung ausländischer Anleger ist bei Schwellenländer-Aktien und EMD ein großer Punkt. Dieses Risiko sollte bei Frontier-Märkten aktuell noch nicht so groß sein.“ Bereits investiert oder auf der Watchlist hat Gretschel den Global Evolu­tion Funds Frontier Markets, den Templeton Frontier Markets und den Magna New Frontiers Fund.

Insgesamt habe Gretschel seine Portfolios defen­siver aufgestellt. „Es ist schwer abzuschätzen, wann beziehungsweise ob eine Kurs-Korrektur in diesem Jahr passieren wird. Dass dieses Jahr aber einfach so komplett positiv und schwankungsarm durchläuft denken wir nicht“, sagt Gretschel und fügt hinzu: „Im Hinblick auf Marktprognosen sollte man nach meiner Erfahrung grundsätzlich eine gewisse Demut entwickeln und dabei weder zu gierig noch zu ängstlich agieren. Die Risiken an den Märkten sind derzeit vielleicht weniger ersichtlich, aber sie sind auf keinen Fall weg.“

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