In Anbetracht des teils volatilen ersten Halbjahres zieht Tim Albrecht, DWS-Fondsmanager und Leiter für DACH-Aktien, eine gemischte, aber insgesamt positiv-optimistische Bilanz: „Nach dem Traumstart zu Beginn dieses Jahres hat uns die heftige, teils technische Korrektur auf dem falschen Fuß erwischt -wir haben uns vor dem ‚Flash-Crash‘ entschieden, die Gewinne nicht in vollem Umfang mitzunehmen - die Bewertungen waren zwar gut, aber zu diesem Zeitpunkt nicht extrem hoch.“

So lag die Investitionsquote der Aktienfonds, wie etwa des €7 Milliarden schweren DWS Deutschland LC und des €4,1 Milliarden schweren DWS Aktien Strategie Deutschland LC, während der Korrektur bei 115%. Danach sei diese wieder auf etwa 130% erhöht worden. „Solange die Gewinnentwicklungen der Unternehmen gut aussehen, erwarten wir, dass die Hausse weitergeht - derzeit ist die Investitionsquote wieder etwas niedriger“, so Albrecht im Doppelinterview mit Christoph Ohme gegenüber Citywire Deutschland. Die Investitionsquote steuere das Team antizyklisch.

Nebenwerte in Blue Chips umgeschichtet

Hinsichtlich der technischen Korrektur müssten BlueChips besser als Nebenwerte laufen, aber generell seien diese anfälliger für politische Risiken, da diese zunächst über den DAX abgesichert werden. „So erscheinen uns Large Caps aktuell aufgrund ihrer Bewertung strukturell attraktiver. Zuletzt haben wir ausgewählte gut laufende Nebenwerte verkauft und die Positionierung dafür in Blue Chips erhöht”, erklärt Ohme.

Im DWS Deutschland sind derzeit rund 80% des Portfolios in Unternehmen mit einer größeren Marktkapitalisierung investiert und rund 20% in Nebenwerten.

Allerdings habe im bisherigen Jahresverlauf die Aktienkategorie der Nebenwerte mehr Performance geliefert im Vergleich zu den Blue Chips. „Die negative Stimmung ausländischer Investoren gegenüber dem DAX war belastend, doch seit Jahresanfang haben Nebenwerte sich besser entwickelt als Blue Chips“, betont Albrecht. So sieht er den Markt langfristig aber positiv.

„Der aktuell schwächere Euro hilft den Unternehmenszahlen und wir sehen durchaus eine Stabilisierung in der Eurozone – mit Ausnahme von Italien. Doch auch in Anbetracht der EZB-Politik sind wir für 2018 optimistisch“, fügt Albrecht, der aktuell mit einem A-Rating von Citywire ausgezeichnet ist, hinzu.

Faktor Zinsantieg

„Aktuell sind Exportsektoren sehr wichtig, aber gleichzeitig interessieren uns auch wieder die Versorger. Hier waren wir über Jahre nicht investiert, doch aufgrund des steigenden Strompreises ist dieser Sektor wieder attraktiver“, so Ohme, der ein AA-Rating von Citywire hält.

Auch ein Zinsanstieg komme den Versorgern zugute, da dann die hohen Bilanzbelastungen stärker abgewertet werden. „Wir haben daher im DWS Deutschland Versorger wieder etwas aufgestockt.“ Ende April umfasst die Allokation des Sektors rund 0,7%.

Hingegen sehen Ohme und Albrecht in den defensiven Sektoren zur Zeit wenig attraktive Anlagemöglichkeiten - beispielsweise stehen die Unternehmen im Gesundheitssektor vor einigen Herausforderungen.

„Finanztitel und Banken wurden zu Jahresbeginn allgemein favorisiert, doch das Bild hat sich inzwischen gedreht. Die künftige Zinsentwicklung und die finanzielle Lage in Europa werden entscheidende Faktoren für die weitere Entwicklung des Sektors sein“, gibt Albrecht zu bedenken. Zwar allokiert der DWS Deutschland den Finanzsektor mit aktuell rund 20% als deutliches Übergewicht, jedoch mit einem Fokus auf Versicherer und einem leichten Untergewicht der Banken.

Mit allen Fonds auf Kurs

Über die vergangenen fünf Jahre hinweg, bis Ende April 2018, erreichen der DWS Aktien Strategie Deutschland (Performance 112,6%, Rang 2 von 55), der DWS German Equities Typ O (Performance 85,7%, Rang 3 von 55) und der DWS Deutschland (Performance 81,8%, Rang 4 von 55) allesamt Spitzenpositionen im Citywire-Sektor Aktien - Deutschland.

Der Deutsche Invest I German Equities LC und der DWS Investa LD folgen nur knapp dahinter, auf den Rängen sechs und acht.