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UBS-Milliardenmanager über das Fehlermachen als Fondsmanager und seinen China-Aktien-Fonds

UBS-Milliardenmanager über das Fehlermachen als Fondsmanager und seinen China-Aktien-Fonds

Der Ton im Handelskonflikt zwischen den Großmächten China und USA wird immer rauer. Das schürt bei Investoren auf der ganzen Welt die Angst vor einer möglichen Eskalation – auch ein Handelskrieg scheint nicht mehr ausgeschlossen. Schon seit Jahresbeginn waren sich Beobachter größtenteils einig darüber, dass Blockaden bezüglich wichtiger Geschäftsbeziehungen erste Vorboten einer Ausweitung der Handelskonflikte zwischen den Kontrahenten sein dürften. Der MSCI China hatte Ende Januar 2018 mit rund 101,3 Punkten noch ein Zehnjahreshoch erreicht; gerade einmal zwei Wochen später lag der Kurs bei 87,7 Punkten – ein Einbruch um etwa 13 Prozent. In der Vergangenheit gab es jedoch schon weitaus dramatischere Einbrüche am chinesischen Aktienmarkt. Etwa der Markt-Crash mit der großen Blase zwischen den Jahren 2015 und 2016 sowie die Euroschuldenkrise im Jahr 2011, die auch China schwer getroffen hatte. Der chinesische Aktienmarkt schwankt immer zwischen starkem Wachstum und Auftrieb auf der einen Seite und Unsicherheiten über Handelskonflikte und die Transformation der Wirtschaft auf der anderen.

Zwischen 2015 und 2016 war es auch für den inzwischen 5,07 Milliarden US-Dollar schweren Bin Shi, Fondsmanager und Leiter für chinesische Aktien bei UBS Asset Management, nicht gerade einfach. Doch auch wenn Shi, der seit Februar 2014 nahezu durchgehend mit einem Citywire-Rating ausgezeichnet ist, die Rückgänge im Index nicht ohne Abschwächungen der Performance überstehen konnte, so zeigte der Fonds noch immer eine Outperformance gegenüber dem Markt.

Fehler gehören dazu!

Die Erfahrung, auch mal Fehler zu machen, beeinflusst die Strategie des Milliardenfonds mitunter, wie Shi offen sagt: „Fehler zu machen, gehört zum Leben dazu – und eben auch zum Investieren. Wir haben unsere eigenen Erfahrungen mit Fehlern gemacht: Im Sinne unserer Strategie ist es in der Vergangenheit vorgekommen, dass wir in Unternehmen investiert haben, die noch in einer sehr frühen Phase waren und einen positiven Eindruck gemacht haben.“ Das sei insbesondere im Jahr 2011 problematisch gewesen: „Wenn man sich irrt und die Aktie wird immer günstiger, weil das Unternehmen sich nicht so entwickelt wie gedacht, dann passiert es leider, dass man Geld verliert.“

Dabei sei es aber wichtig zu unterscheiden, dass manche Fehler passierten, weil jemand seinen Job nicht gut mache, und andere, die nun mal zur täglichen Arbeit dazu gehörten und kaum vermieden werden könnten. „Die großen Fehler sollten sich nicht wiederholen. Aber dass eine Aktie an Wert verliert, gehört ganz einfach dazu“, sagt Shi, der hinzufügt: „Wir müssen also sicherstellen, dass alle Teammitglieder den Investmentprozess verstehen und ihn auch verfolgen. Der größte Fehler, den man machen kann, ist dem Investmentprozess nicht zu folgen.

Neue Benchmark, neue Grenzen

Die besondere Bedeutung des Investmentprozesses wird im persönlichen Gespräch mit Shi schnell deutlich. An der Investmentphilosophie des im November 1996 gestarteten UBS Equity China Opportunity-Fonds hat sich in den vergangenen Jahren nichts geändert. Aber mit Beginn des Jahres 2018 bekam der Fonds eine neue Benchmark. Seitdem gilt für den chinesischen Aktienfonds die Benchmark MSCI China 10/40. „Das bedeutet, dass die größten Positionen nicht über zehn Prozent im Portfolio gewichtet sein dürfen und dass die größten vier Positionen zusammen nicht mehr als 40 Prozent des Fondsvolumens auf sich vereinen dürfen“, erklärt Shi die neuen Beschränkungen.

Die beiden IT-Riesen Alibaba und Tencent sind die größten Positionen im Portfolio mit 9,21 beziehungsweise 9,43 Prozent und damit nahezu am Maximum der möglichen Allokation. Im bisherigen Vergleichsindex, dem MSCI China, kommen beide Unternehmen zusammen sogar auf knapp 30 Prozent – ein so hohes Exposure darf Shi in diesem Fall nicht umsetzen, auch wenn er zugibt, vor allem gegenüber Tencent sehr positiv gestimmt zu sein. „Wenn es diese Begrenzung nicht geben würde, wäre das Investment hier sicherlich noch größer.“

IT-Riesen setzen Finanzsektor unter Druck

Diese Überzeugung basiert nicht allein auf der Ausrichtung des Kerngeschäfts der noch vergleichsweise jungen Tech-Firmen. Ein weiterer Grund für die Positionierung liegt auch in dem rund acht Prozentpunkte großen Untergewicht des Fonds im Sektor der Finanzdienstleistungen im Vergleich zum Index.

Das Untergewicht im Finanzsektor erkläre sich durch die Erwartung hinsichtlich eines möglichen Anstiegs in zweifelhaften Schuldforderungen im Finanzbereich in China – auf lange Sicht müssten sich die Finanzdienstleister auch einem Wettbewerb von digitalen Online-Anbietern stellen, beispielsweise Tencent und Alibaba. „Die Unternehmen haben deutlich mehr Einblicke und Informationen über ihre Nutzer und das Nutzerverhalten. Entsprechend können sie besser abschätzen, welche Kreditwürdigkeit die Kunden haben und welche Produkte passend sind. So können sie gleichzeitig auch zweifelhafte Schuldforderungen begrenzen und beeinflussen.“ Tencent besitzt beispielsweise 30 Prozent der privaten Geschäftsbank WeBank. „Die Verlustquote dieser Bank ist deutlich niedriger als die einer klassischen Geschäftsbank in China“, sagt Shi. Die WeBank konzentriert sich auf Onlinekunden. Für klassische Banken werde es sehr schwierig, da mitzuhalten – Tencent und Alibaba agieren im Retail- Geschäft und haben deutlich mehr Berührungspunkte mit den Kunden. „Sie wissen viel mehr über die Aktivitäten ihrer Kunden, das ist bei klassischen Banken nicht so – das macht es für sie schwierig.“

Mehr als eine Milliarde in zwölf Monaten

Dass die Strategie von Bin Shi und seinem Team einen Mehrwert in einem Wachstumsmarkt liefert, zeigt nicht nur seine starke Performance. So liegt der Fonds über die vergangenen zwölf Monate bis Ende Februar 2018 auf dem dritten von insgesamt 52 Plätzen im Citywire-Sektor für China-Aktien: Sowohl bei der Performance als auch bei der Standardabweichung und dem maximalen Verlust. Diese Leistung bestätigt Shi mit einem zweiten Platz bei der Performance über drei Jahre und einem dritten Platz über fünf Jahre. Auch die Zuflüsse des Fonds sprechen für sich: Im vergangenen Jahr hat die Strategie rund 1,5 Milliarden USDollar an Neugeldern verzeichnet. Das ist fast ein Drittel des aktuellen Fondsvolumens in Höhe von rund 5,07 Milliarden US-Dollar. „Das zurückliegende Jahr verlief wirklich erfreulich und die meisten Gelder haben wir von bereits bestehenden Kunden erhalten – einige aber auch von Neukunden“, fasst Shi zusammen.

Das neue Geld wird dabei aber nicht unbedingt breiter investiert und das Portfolio somit nicht unnötig aufgebläht. Shi konzentriert seine Expertise und Investments auf etwa 50 bis 70 Positionen. „Früher waren es noch mehr, aber wir haben festgestellt, dass weniger Namen bessere Ergebnisse erzielen können – also haben wir einige Titel aus dem Portfolio entfernt.“ Die Reduzierung geht auch einher mit der starken Überzeugung des Fondsmanagers von seiner Strategie. Er wolle sich immer stärker auf den Kern des Ansatzes konzentrieren und künftige Marktführer identifizieren. In der Vergangenheit habe das Team durchaus mehr auf die Diversifizierung geachtet, aber es sei deutlich geworden, dass der Fokus ein bisschen verloren gehe. „Es war nicht immer gut zu diversifizieren und oft hat sich dadurch das Ergebnis sogar verschlechtert. Entsprechend haben wir uns wieder mehr dem Kern des Ansatzes gewidmet“, sagt Shi.

Mit A-Shares die Performance beeinflussen

Als Portfolio-Ergänzung nutzt Shi, der aktuell bei Citywire mit einem AAA-Rating ausgezeichnet ist, Investments in chinesische A-Shares. Der UBS Equity China Opportunity kann aus regulatorischen Gründen maximal zehn Prozent in A-Shares investieren und hält aktuell drei Prozent seines Portfolios in A-Shares. „Wir suchen A-Shares mit demselben Ansatz aus, den wir auch für das Gros unserer Investments nutzen“, sagt Shi. Der fundamentale Ansatz bleibe gleich, aber man müsse verschiedene Marktdynamiken und Marktverhalten berücksichtigen. A-Shares-Investoren seien Trade-affiner und der Turnaround im Markt sei entsprechend höher. „Wenn etwas am Markt passiert, bewegen sich die Aktien grundsätzlich um fünf Prozent, aber die Investoren könnten sich sogar bis zu zehn oder 20 Prozent bewegen – A-Shares sind entsprechend volatiler, auch aufgrund der Marktstruktur“, gibt Shi zu bedenken. Durch die Verknüpfung der chinesischen Börsen in den Jahren 2014 (Shanghai und Hongkong) und 2016 (Shenzhen und Hongkong) haben Investoren zumindest mehr Investmentmöglichkeiten. „Sie können beispielsweise auch einen Wert, in den sie bisher schon investiert haben, noch einmal als A-Shares kaufen“, erklärt Shi. Es entstehe also eine neue Möglichkeit, die Performance zu beeinflussen und Werte im Exposure zu erhöhen.

Inwieweit die aktuelle Situation in China und mögliche neue Handelszölle die zukünftige Performance treffen werden, ist unklar. Shi scheint sich aber seiner Philosophie über die Jahre immer sicherer geworden zu sein und blickt zuversichtlich voraus. „Seit dem Crash im Jahr 2010 hat sich die chinesische Wirtschaft deutlich stabilisiert und diese Entwicklung geht auch weiter. 2018 wird sich die Wirtschaft in China aber verlangsamen, denn die Regierung ist sehr auf eine Entschuldung bedacht.“ Historisch gehe dies immer mit geringerem Wachstum einher. Ein Handelskrieg mit den USA würde sein Übriges zu einer Abschwächung des chinesischen Wachstums tun. Unter dem Strich ergibt all das ein Umfeld, in dem Shi seine Stärken einmal mehr beweisen kann.

 

Bin Shi ist Leiter Aktien China bei UBS Asset Management und hat bereits 23 Jahre Erfahrung innerhalb der Investmentbranche. Zudem ist er Mitglied des globalen Schwellenländer- und Aktien Asien-Pazifik-Teams in Hongkong. Er ist im Januar 2006 zu UBS gekommen und leitet seit April 2006 den Greater China Fonds sowie den UBS China Opportunity Fonds. Bevor Shi zu UBS Asset Management wechselte, war er drei Jahre lang Leiter International Business, Portfoliomanager und Analyst bei Boshi Fund Management Co.

Dieser Text erschien erstmals im Citywire-Magazin vom April 2018.

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