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Vehikel mit Charakter: Ariane Biskupek von DJE Kapital im Portrait

Vehikel mit Charakter: Ariane Biskupek von DJE Kapital im Portrait

Ihre erste Allokation traf Ariane Biskupek schon im Alter von 15 Jahren: eine Vespa. Den italienischen Kult-Motorroller hatte sie sich damals gekauft, um als Jugendliche in der Nähe von Pullach mobil zu sein. Dort ist sie aufgewachsen, in dem Ort wenige Kilometer entfernt von München. Heute ist die Fonds-Selektorin beim bayerischen Vermögensverwalter DJE Kapital für über €500 Millionen in vier Dachfonds verantwortlich.

Moment mal, Pullach? Ja, genau dort hat die DJE Kapital ihren Hauptsitz. Und nicht nur die Zentrale des Vermögensverwalters liegt in unmittelbarer Nähe ihrer Heimat. Auch mit dem Gebäude selbst verbindet die Fonds-Selektorin ganz konkrete Erinnerungen. Denn genau dort befand sich früher mal der Jugendtreff, zu dem Biskupek mit ihrer Vespa gedüst ist.

„Das war schon witzig, als DJE Kapital dieses Gebäude gekauft hat und ich dann gesehen habe, dass ich hier arbeiten werde“, sagt Biskupek: „Mit diesem Gebäude verbinde ich dann doch einige Erinnerungen aus meiner Jugend.“

Seit 2007 ist Biskupek bei DJE Kapital. Dort ist sie gemeinsam mit Marc Worbach für den Dachfondsbereich verantwortlich. Fonds selektiert Biskupek schon seit der Jahrtausendwende, anfangs bei der Münchner Kapitalanlage AG.

Warum aber ausgerechnet Fonds und nicht direkt Aktien, Anleihen oder ein eigenes Multi- Asset-Portfolio? „Einzelne Aktien auszuwählen, ist definitiv auch sehr spannend. Die Idee, Fondsmanager auszuwählen, finde ich allerdings noch attraktiver, weil man an diese besser rankommt und direkt mit den Entscheidungsträgern sprechen kann. Zudem hat man viel mit Menschen zu tun und lernt viele unterschiedliche Persönlichkeiten und Investmentansätze kennen. Da kann man nicht unbedingt immer sagen, dass der eine besser als der andere ist. Es muss das große Ganze stimmen.“

„Das Geld geht immer nur an die gleichen“

Dabei stellt die Fonds-Selektorin bei der Manager- Auswahl vor allem die Persönlichkeit der Fondsmanager in den Mittelpunkt. Die entsprechenden Manager sollen nicht nur Meister der Zahlen und Fakten sein, sondern gewisse Entscheidungen auch kommunizieren und mit Menschen umgehen können. „Die soziale Komponente spielt bei der Selektion also auch eine große Rolle. Rein auf quantitative Fakten würde ich mich nicht verlassen. Ich halte auch nichts davon, nach Ranglisten zu kaufen. Der Top-Fonds des letzten Jahres ist oft nicht der Top-Fonds des nächsten Jahres, weil er mit Geld zugeschüttet wird und sich dadurch teilweise die Strategie ändert beziehungsweise diese durch das viele Geld verwässert.“

Insgesamt sieht Biskupek einseitige Zuflüsse für einige große Fonds kritisch. „Ich sehe ein Problem darin, wenn Fonds mehr Gelder einsammeln, als gut für ihre eigentlichen Strategien ist. Leider ist es in der Branche der Fall, dass sich viel Geld auf wenige Fonds konzentriert. Das Geld geht immer nur an die gleichen. Das ist schade“, sagt Biskupek, die sich bewusst auf Fonds und Fondsmanager konzentriert, die noch kleiner und unbekannter sind. „Ich will gar nicht, dass die Fonds, in die wir investieren, riesig werden – aber manchmal geht es eben nicht anders.“

Der Grund für diesen Umstand liege auf der Hand: Die großen Top-Fonds lassen sich besser verkaufen als Fonds von unbekannteren Anbietern. Denn wenn diese Fonds eine Underperformance liefern, habe man als Begründung, dass doch alle in diese Fonds investiert seien. „Den Kauf eines unbekannten schlecht laufenden Fonds zu rechtfertigen, ist oft deutlich schwieriger“, erklärt Biskupek. Mit ihren Entscheidungen lag sie in den vergangenen Jahren allerdings häufiger richtig. Das zeigt die Performance ihrer Dachfonds und die Auszeichnung mit einem Citywire-Rating von + im März 2018.

Aktive Manager sind dank ETFs aktiver geworden

Seit ihrem Start als Fonds-Selektorin zur Jahrtausendwende haben sich die Investment-Welt und der globale Fonds-Markt aber stark verändert. Vor allem durch passive Instrumente und ETFs. „Jeder Fondsmanager, mit dem ich ein Gespräch führe, spricht dabei irgendwann selber aktiv die passiven Instrumente an und vergleicht sich mit ETFs. Die Fondsmanager sehen sich da total in Konkurrenz.“

Der Druck auf aktive Fondsmanager auf der Kosten- und Performance-Seite steigt. Profitieren können Dachfondsmanager dadurch vor allem durch reduzierte Fondskosten. „Bei den Dachfonds investierten wir allerdings immer schon in die günstigsten, institutionellen Tranchen, wenn verfügbar. Durch MiFID II wurden erfreulicherweise zusätzlich Clean-Share-Klassen sowie institutionelle Tranchen neu aufgelegt, sodass doch der eine oder der andere Fonds neuerdings auch günstiger erwerbbar wurde“, sagt Biskupek.

Insofern war das Kostenthema schon immer aktuell für Biskupek und DJE Kapital. Das gelte aber nicht nur für Dachfonds. Auch bei Absolute-Return- Strategien müssen Investoren sehr genau hinsehen, welche Performance nach Kosten erzielt werden soll. „Wird eine Performance-Gebühr erhoben, dann ist hier eine Prüfung der Konditionen, wann diese gezahlt wird, unbedingt ratsam.“

Neben der anhaltenden Diskussion um Kosten und Transparenz haben ETFs aber eine weitere Auswirkung auf aktive Fonds: „Die aktiven Manager sind einfach aktiver geworden. Das heißt Kennzahlen wie das Active Share werden immer populärer. Als ich angefangen habe als Dachfondsmanagerin, hat man sich als aktiver Fondsmanager kaum von der Benchmark weg bewegt. Das hat sich jetzt deutlich verändert und man ist schon bei einer Abweichung von 10% zur internen Benchmark ein Index-Hugger.“

Durch die Konkurrenz der ETFs werde die Spreu vom Weizen bei aktiven Fondsmanagern getrennt. „Die Konkurrenz ist viel größer geworden. Das hat oftmals einen durchaus positiven Einfluss auf aktive Manager und deren Performance“, schaut Biskupek auf die aktive Fonds-Branche, die sich derzeit vor allem in große Asset Manager und kleinere Boutiquen aufteilt.

„Es wäre jetzt zu früh auszusteigen“

Den Investment-Trend hin zur Boutique und weg von den großen Anbietern unterstreicht Biskupek dabei nur teilweise. Denn größere Häuser seien zum Beispiel auf der Anleiheseite oftmals mit einem breiteren Team aufgestellt, das in einem schwierigen und mitunter gefährlichen Umfeld für Anleihe-Investoren auf ein größeres Know-how zurückgreifen kann. Auch die Erfahrung spiele dabei eine große Rolle. „Viele Manager kennen das Investieren bei Zinserhöhungsphasen noch gar nicht. Wir präferieren daher bei unserer Anleihe- Allokation auch aus diesem Grund gerne erfahrene Manager, die alle Marktphasen schon erlebt haben. Auf erfahrene Fondsmanager zu setzen war dabei eine bewusste Entscheidung von uns.“ In dem Zusammenhang nennt Biskupek die Namen Michael Krautzberger und Emmanuel Petit.

Insgesamt dürfte eine große Investment- Erfahrung in ruppigen Zeiten von Vorteil sein. Die Weltkonjunktur läuft zwar, könnte 2017 aber auch ihren Höhepunkt erreicht haben. „Die expansive Geldpolitik neigt sich dem Ende zu. Nach einer weltweiten Aktienhausse seit März 2009, getrieben vor allem durch die Liquidität der Notenbanken, befinden wir uns nun am Anfang einer Zinswende. Die letzte Zinserhöhungsphase liegt weit zurück und war zwischen 2001 und 2008. Daran müssen sich die Marktteilnehmer neu ausrichten“, blickt Biskupek kritisch in die Zukunft.

Auch wegen dieses Ausblicks wurde im Jahr 2018 die Kasseposition der Dachfonds von Biskupek aufgebaut und im Zuge dessen die Aktienquote, die 2017 lange am Maximum gefahren wurde, auf bis zu 70% gesenkt. „Derzeit erleben wir einen Umbruch, den wir alle erwartet haben, der jetzt aber doch heftiger als gedacht eintritt. Allerdings sehen wir noch keinen Grund zur Rezession. In Aktien sollte man nach wie vor investiert sein. Es wäre jetzt zu früh auszusteigen und man würde wichtige Performance-Punkte verlieren.“ Übrigens: Die Vespa, mit der Biskupek in ihrer Jugend zum damaligen Jugendtreff in Pullach geknattert ist, ist immer noch dieselbe, mit der sie heute zur Arbeit rollt. Der Jugendtreff ist in der Zwischenzeit zum Hauptsitz von DJE Kapital geworden, und auch die Investment-Welt hat sich stark verändert. Aber der Roller hat von seinem einstigen Glanz nichts verloren. Die erste Allokation von Ariane Biskupek: bis heute ein voller Erfolg.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in der April-Ausgabe des Citywire Deutschland Magazins.

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