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Vermögensverwalter analysiert: Timing oder doch lieber buy-and-hold?

Vermögensverwalter analysiert: Timing oder doch lieber buy-and-hold?

Nicht ganz uneigennützig versuchen verschiedenen Banken und Fondsgesellschaften Anleger und Berater vom (Market)timing abzuhalten.

Halbwissenschaftlich versucht man dies dann mit fragwürdigen statistischen „Erkenntnissen“ zu untermauern. Beliebt dabei sind in der Headline kernige Aussagen, wie zum Beispiel „Zehn Tage entscheiden über den Erfolg von 17 Jahren“.

So rechnet beispielsweise einer der größten Fondsgesellschaften der Welt vor, dass wenn ein Anleger am 31. Dezember 1998 eine Summe von €1.000 in den MSCI Europe investiert hätte, die Rendite bis zum 31.Mai 2016 bei 4% gelegen hätte. Aus den eingesetzten €1.000 wären €1.992 entstanden. Hätte der Anleger die zehn besten Tage verpasst, hätte am 31. Mai 2016 nur ein Betrag von €1.023 zu Buche geschlagen, was nur einem jährlichen Zuwachs von 0,1% entsprochen hätte. Ohne die besten 40 Tage wären sogar nur noch €324 übrig geblieben.

Bezogen auf den MSCI Germany wird dann vorgerechnet, dass von den anfänglich eingesetzten €1.000 nur €963 übrig geblieben wären, falls der Anleger die besten zehn Tage verpasst hätte. Hätte er gar die besten 40 Tage nicht mitgemacht, sogar nur noch €216. Bei einer buy-and-hold (Kaufen und Halten) - Strategie wären hingegen aus anfänglich €1.000 Euro €2.124 entstanden.

Ein eindeutiges Plädoyer für Kaufen und Halten, oder?

Keineswegs, wenn man in die Tiefe geht. Hierzu eine interessante Studie aus den USA, veröffentlicht im „The Journal of Financial Planning (May 2005)“. Der ausgewiesene Finanzmarktexperte Paul Gire untersuchte in seinem Artikel „Missing the Ten Best“ die Wertentwicklung des Dow Jones in einer der besten Zeitabschnitte für den amerikanischen Aktienmarkt, nämlich von 1984 bis 1998. Die besten Tage zu verpassen, ist gerade über sehr bullishen Zeiträume am verheerendsten. Immerhin lag die buy-and-hold-Rendite über diesen Zeitraum beim Dow Jones bei stolzen 17,89% p.a.. Und in der Tat wäre diese Rendite auf 14,24% geschrumpft, wenn man die zehn besten Tage verpasst hätte. Doch hätte man umgekehrt die schlechtesten zehn Tage vermieden, so wäre die Wertentwicklung sogar auf 24,17% gestiegen.

Und hätte der Investor sowohl die besten zehn als auch die schlechtesten zehnTage verpasst, so hätte die jährliche Wertentwicklung 20,31% betragen – also mehr als bei einer reinen buy-and-hold-Strategie.

Eine andere Untersuchung bezüglich einem einfachen aber robusten Timing-Modell mit der 200-Tagelinie von Mebane T. Faber, veröffentlicht in seinem Buch „The Ivy Portfolio“ bestätigt eine andere Erkenntnis; bei einer Untersuchung seit 1951 stellte Faber im Bezug auf den S&P 500–Index nämlich fest, dass rund 70% der schlechtesten Tage unterhalb ihrer 200 Tagelinie auftreten. Das heißt, wenn ein Index durch seine 200 Tagelinie bricht, ist mit einer viel größeren Wahrscheinlichkeit von circa 70% damit zu rechnen, dass dann gehäuft die schlechtesten Tage auftreten. Und dies führt wiederum letztendlich zu einem wesentlich besseren Drawdown-/Rendite–Verhältnis von Timing-Modellen - selbst im Rahmen einer einfachen 200-Tagelinie-Strategie -, als dies bei einem reinen buy-and-hold-Ansatz möglich wäre. Intelligent umgesetzt erhöht sich bei Timing-Modellen sogar die absolute Wertentwicklung gegenüber buy-and-hold – trotz der viel geringeren Drawdown-Risiken.

Robuste Timing Modelle

Betrachtet man die zwölf besten und zwölf schlechtesten Börsentage des DAX seit 1990 , so tauchen auch hier über 90% sowohl der allergrößten Verlusttage als auch über 90% der allerbesten Tage dann auf, wenn der DAX unterhalb seiner 200 Tagelinie notiert. Gerade Phasen unterhalb der 200 Tagelinie führen zu erratischen Bewegungen an der Börse. Und wer seit dem DAX-Start 1987 bis Ende 2006 den jeweils besten Tag jeden Jahres verpasst hat kommt zwar auf eine Wertentwicklung von nur 165% (+3,4% p.a.), während die buy-and-hold-Variante einen Wertzuwachs von 970% (+8,6% p.a.) erzielte. Wer jedoch über diesen Zeitraum den jeweils schlechtesten Tag pro Jahr ausgelassen hat, konnte seine Wertentwicklung auf stolze 4.770% steigern.

Bleibt also festzuhalten: Selbst bei schlechten Timing-Modellen ist es kaum möglich ausgerechnet die besten Börsentage zu verpassen, die schlechtesten Börsentage jedoch alle mitzumachen. Robuste Timing-Modelle führen allerdings zu einem hervorragenden Drawdown-/Rendite–Verhältnis. Mehr Alpha ist auf anderem Wege kaum möglich.

Werner Krieger ist Geschäftsführer des Badener Vermögensverwalters GFA Vermögensverwaltung. Dort verwaltet er unter anderem den iQ Global-Fonds.

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