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Vermögensverwalter diskutieren Rohstoffe als Portfolio-Baustein

In unsicheren Zeiten sind Investments in Gold beliebt. Aber die Möglichkeiten, sein Portfolio durch Rohstoff-Investments zu diversifizieren und zu stabilisieren, sind vielfältiger geworden. Fünf Investoren diskutieren Rohstoffe als Portfolio-Baustein.

Wenn Angst und Unsicherheit der weltweiten Anleger steigen, die Aktienmärkte stärker schwanken und höhere maximale Verluste drohen, dann gewinnt meistens einer: der Goldpreis. Das Edelmetall fungiert nicht erst seit heute als Sicherheitsanker und Stabilisator des Portfolios.

Goldgewinnung ist bereits mehr als 4000 Jahre vor Christus nachgewiesen worden. Seitdem wurde viel gegraben und gebuddelt. Laut Thomson Reuters wurden Ende 2011 weltweit 32.500 Tonnen Gold als Geldanlage gehalten. Das entspricht bei einem Goldpreis von 33 Euro pro Gramm einem Wert von rund einer Billion Euro.

Auch wenn Investments in Gold nicht unbedingt den großen Performance-Boost liefern und der Goldpreis über die vergangenen fünf Jahre um rund 15% nachgab: Gold steht derzeit vermehrt auf dem Zettel von Investoren. Das gilt auch für Investments in Öl-Aktien. So steigerte sich der Preis in US-Dollar für WTI Brent innerhalb der vergangenen zwölf Monate um 15%. Generell stehen die Zeichen für Rohstoffe gut. Erleben Rohstoffe also ihr großes Comeback im Jahr 2018?

Neben den klassischen Investments in Gold und Öl sorgt beispielsweise die wachsende Elektromobilität für eine verstärkte Nachfrage bei Lithium, Kobalt oder Graphit. Das erweitert das Spektrum der möglichen Rohstoff-Anlagen.

Grund genug für uns, bei professionellen Investoren nach den Chancen und Risiken für Investments in Rohstoffen zu fragen. Wurde die Gewichtung der Rohstoff-Allokation in den vergangenen Monaten angepasst? Und wie wird die Allokation konkret umgesetzt? Dabei sehen die folgenden Investoren vor allem für die taktische Allokation Chancen durch Investments in Rohstoffe.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der März-Ausgabe des Magazins von Citywire Deutschland.

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Stefan Gretschel, Rheinische Portfolio Management

Wertvoller Beitrag zur Diversifikation

Wir allokieren in unseren globalen Multi- Asset-Fonds schon seit jeher Rohstoffe im Segment der Alternativen Investments. Insbesondere die Diversifikationseigenschaften sind für uns interessant. Renditeseitig waren Rohstofffonds in den vergangenen Jahren leider wenig zuträglich. Inwieweit sich diese Entwicklung nun in einen Performance-Boost umkehren könnte, lässt sich sowohl für breite Rohstoff-Investments als auch für einzelne Rohstoffe aus unserer Sicht nicht seriös vorhersagen. Auch sollten Euro-Anleger berücksichtigen, dass eine positive Kursentwicklung in US-Dollar schnell über eine gleichzeitige Abwertung des Greenbacks zunichte gemacht werden kann.

Das konnte man 2017 bei der Entwicklung des Goldpreises in Euro schmerzhaft miterleben; und auch in diesem Jahr führte der steigende Euro bisher zu Wechselkursverlusten bei Dollardenominierten Anlagen. Insofern halten wir uns mit kurzfristigen Kursprognosen zu einzelnen Rohstoffen zurück, vertrauen aber auf deren Diversifikationsbeitrag. Zudem können Edelmetalle und insbesondere Gold in Krisen ein Stabilitätsanker sein. Zum Aufbau eines breiten Rohstoff-Exposures setzen wir systematische ETFs ein wie den Ossiam Risk Weighted Enhanced Commodity Ex Grains oder den ComStage Commerzbank Commodity Ex Agriculture. Zur Investition in einzelne Edelmetalle präferieren wir mit physischen Beständen abgesicherte ETCs, wie den ETFS Physical Swiss Gold ETC oder den Source Physical Gold ETC. Als aktiven Fonds allokieren wir derzeit den PIMCO Commodity Real Return.

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Michael Thaler, Top Vermögen

Wird Kaffee zu teuer, gibt es halt Muckefuck

Rohstoffe zur Anlage sind auf lange Sicht mit Vorsicht zu genießen. Bei Industriemetallen ist es nicht selten eine Wette gegen den Erfindergeist von Ingenieuren. Wird ein Metall zu teuer, wird es durch ein günstigeres Pendant substituiert. Auch bei anderen Rohstoffen gibt es dieses preisdämpfende Phänomen. Wird der Kaffee zu teuer, gibt es halt Muckefuck. Taktisch bieten sich Rohstoffe unseres Erachtens durchaus zur Diversifikation an. Gold gefällt uns trotz steigender Zinsen, so lange die Realzinsen nicht deutlich steigen.

Zudem bietet Gold Schutz in politisch unsicheren Zeiten. Geopolitisch liegt da einiges im Argen: Saudi-Arabien, der Iran, Russland und die Türkei kommen sich im Nahen Osten immer stärker in die Quere. Solch ein negatives geopolitisches Szenario ist aus unserer Sicht auch einer der wenigen Positivfaktoren, die derzeit für Ölinvestments sprechen. Denn die Lager in den USA sind nicht zuletzt aufgrund der Hurrikan-Saison geleert. Lithium und Kobaltinvestments haben wir vereinzelt getätigt. Hier gefällt uns auch nach dem steilen Anstieg im Jahr 2016 die chilenische Gesellschaft Sociedad Quimica Y Minera. Für ein breites Rohstoffinvestment bietet sich der ComStage Commerzbank Commodity ex-Agriculture an.

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Kai Heinrich, Plutos Vermögensverwaltung

Nervosität an den Märkten

Viele Rohstoffe haben 2016 ihre Trendwende vollzogen. Aufgrund guter Konjunkturprognosen für die Weltwirtschaft rechnen wir auch dieses Jahr mit steigenden Rohstoffpreisen. Im Bereich der Industriemetalle haben wir 2017 gute Gewinne mit Freeport-McMoRan und BHP Billiton erzielt. Besondere Beachtung sollten der Goldpreis sowie die davon profitierenden Goldminen-Aktien erhalten. Gold hat in unseren Augen Ende 2015 die Trendwende vollzogen und befindet sich in einer Zwischenkonsolidierung.

Die Verbraucherpreise deuten auf eine Preisteuerung hin, wovon auch Gold profitieren sollte. Hinzu kommt die Nervosität an den Aktienmärkten, die sich positiv auf den Goldpreis auswirken sollte. Wir erwarten, dass die Konsolidierung des Goldpreises zur Jahresmitte endet, und rechnen mit steigenden Notierungen der Edelmetalle. In dem Kontext blicken wir auf die Goldminen- Aktien, die erfahrungsgemäß stark an einem Goldpreisanstieg partizipieren. Seit der Trendwende Ende 2015 haben wir Gold beziehungsweise Goldminen- Aktien in unserer Asset-Allokation beigemischt und unter anderem in Newmont Mining und IamGold investiert. Sollte sich der Goldpreis wieder deutlich über sein Zwischenhoch von $1380 pro Feinunze entwickeln, ziehen wir eine Aufstockung dieser Anlageklasse in Betracht.

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Stephan Witt, FiNUM Private Finance

Die Unsicherheit der Anleger

In den vergangenen Jahren erging es den Rohstoffen insgesamt nicht gut. Die Jahre waren geprägt von Kursverlusten, die erwartete Erholung blieb aus. Doch gerade bei zyklischen Vehikeln wie Rohstoffen könnte sich das Bild bald ändern, denn Rohstoffe sind im Vergleich zu anderen Assetklassen derzeit sehr günstig. Doch das sind sie schon eine Weile. Warum sollte also gerade jetzt der Schub kommen? Der Hauptgrund ist wohl in der weltweiten Geldpolitik zu finden. Zuletzt gab es Gerüchte über eine weitere Zinsanhebung durch die Fed. Dieses Gerücht reichte aus, dass der Dow Jones an einem Tag so viele Punkte wie noch nie verlor. Das zeigt, dass die Anleger unsicher sind und empfindlich auf mögliche Änderungen reagieren. Und wenn die Anleger unsicher sind, profitieren oftmals Rohstoffe wie Gold oder andere Edelmetalle.

Ohnehin können wohl viele Produzenten die niedrigen Rohstoffpreise (besonders beim Öl) nicht mehr lange halten und müssen aus dem Markt ausscheiden. Die übrigen Akteure können dann bei steigender Nachfrage den Preis anheben und Gewinne einfahren. Die Chancen bei Gold und Öl stehen also sehr gut. Für andere Zulieferrohstoffe sehen die Möglichkeiten tendenziell sogar besser aus. Doch höhere Chancen gehen immer mit höheren Risiken einher.

Eine Möglichkeit für Anleger ist es, neben den Rohstoff-ETFs noch in Fonds zu investieren, die in Rohstoffaktien investieren. Zu nennen wäre hier der BlackRock World Mining, welcher zum größten Teil in Aktien von Unternehmen investiert, deren Aktivitäten überwiegend in der Förderung oder dem Abbau von Grundmetallen und industriellen Mineralien liegen, zum Beispiel Eisenerz oder Kohle. Der Fonds kann außerdem in Aktien von Unternehmen investieren, deren Fokus überwiegend auf den Bereichen Gold oder sonstigen Edelmetallen sowie Mineralbergbau liegt.

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Christof Schmidbauer, Von der Heydt & Co.

Die Rückkehr der Rollrendite

Vor rund zehn Jahren wurden Rohstoffe als Portfoliodiversifikation und Ertragsquelle für moderne Multi- Asset-Portfolios gefeiert. Studien versprachen Rollrenditen aus der Futures-Backwardation, Analysten prognostizierten einen durch China ausgelösten Preis- Superzyklus und laut der Peak-Oil-Theorie sollte Öl unfassbar teuer werden. Wir mieden damals aufgrund des breiten Konsenses Rohstoffinvestments mit der Ausnahme von Gold. Und es kam tatsächlich anders. Neben dem Preisverfall erwiesen sich Rollverluste als Performance-Killer. Der Goldman-Sachs-Commodity- Spotpreis-Index verlor von seinem Hoch im Jahr 2008 bis Ende Januar 2018 rund 49%, der Futures-Investor verlor jedoch 76%.

Rohstoffe sind nun, von Gold vielleicht abgesehen, weitestgehend out. Die Vorzeichen für ein Investment sind aber gerade jetzt deutlich besser. Nach unserer Einschätzung befinden wir uns in der Spätphase eines zyklischen Aufschwungs, dem historisch besten Zeitraum für Rohstoff-Anlagen. Überschüsse bei den Lagerbeständen wurden abgebaut, anziehende Investitionen für längerfristige Anlagegüter und Infrastrukturausgaben lassen die Nachfrage steigen. Der Schulterschluss der erdölfördernden Staaten und die bessere Kapitaldisziplin der Schieferölförderer verhindern ein Überangebot. Rohstoffpreise reagieren wieder stärker auf idiosynkratische Ereignisse und nicht auf eine künstlich geschaffene Ebbe und Flut aus den Rohstoffindexinvestitionen der Finanzmarktakteure. Damit steigt der Diversifikationseffekt. Die Rückkehr der Rollrendite in wichtigen Märkten – bei Öl etwa fünf Prozent p.a. – ist allein noch kein Grund zum Investieren, stabilisiert aber und erhöht die Sharpe-Ratio. Wir investieren über den ComStage Commodity ex-Agriculture EW-ETF, der gleichgewichtet in Energie, Edel- und Industriemetalle investiert. So vermeiden wir die oft in anderen Vehikeln anzutreffende Dominanz von Rohöl, halten aber dennoch ein überwiegend zyklisches Rohstoffportfolio. Edelmetalle werden von einem Vermögenseffekt in den Schwellenländern profitieren.

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