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Vermögensverwalter hoffen auf Rückgang der Regulierung

Vermögensverwalter hoffen auf Rückgang der Regulierung

Die meisten Vermögensverwalter seien sich einig, dass ein Anleger, der über die Finanzmärkte im Bilde ist, weniger durch Regulierung geschützt werden müsse, als unwissende Anleger. So bestehe für die unabhängigen Vermögensverwalter die Lösung eines möglichen Misstrauens-Problems zwischen Kunde und Dienstleister, nicht im Ausbau der Regulierung; sondern in Maßnahmen, die die finanzielle Bildung im Sinne eines effektiven Verbraucherschutzes entstünden.

Entsprechend erhoffen sich unabhängige Vermögensverwalter, laut einer aktuellen Studie des  Instituts für Vermögensverwaltung (InVV) an der Hochschule Aschaffenburg, dadurch auf längere Sicht einen Rückgang bei den regulatorischen Anforderungen. Hintergrund sei MiFID II, dessen Umsetzung die meisten Vermögensverwalter in 2017 viel Zeit gekostet habe und mitunter als überzogen erscheine.

Die im Rahmen von MiFID II geforderten Dokumente führten zu einer Informationsflut, die die Kunden der Institute überfordere. Zudem belaste das bürokratische Prozedere das Vertrauensverhältnis zwischen Kunden und Vermögensverwaltern, weil hinter den vorgeschriebenen Maßnahmen ein latentes Misstrauen zum Ausdruck komme.

Rund 64% der Umfrage-Teilnehmer verzeichneten einen starken Anstieg des Zeitaufwandes für regulatorische Maßnahmen im Vergleich zum Vorjahr. Der prozentuale tägliche Arbeitsaufwand habe sich demnach von vormals 21 auf 27% erhöht. Auch sei zu beklagen, dass die regulatorischen Anforderungen die Zeit für den Kontakt zu den Kunden verringern; der Zeitanteil für die Kundenbetreuung in 2017 habe um fast 10% abgenommen.

Regulierungswut durch MiFID II

Auch der Verband der unabhängigen Vermögensverwalter Deutschland (VuV) sehe die Gefahr, dass man zu Tode reguliert werde. „Wir begrüßen jede Initiative, den Anlegerschutz zu verbessern, sagen aber genauso deutlich, dass spätestens mit MiFID II die Regulierungswut derart überhandgenommen hat, dass die durchaus positiven Aspekte wie die Kostentransparenz überdeckt werden“, erklärt Verbandsvorsitzender Andreas Grünewald.

Für sich betrachtet mag jede einzelne der neuen Vorschriften sinnvoll erscheinen und jede Behörde und jeder Politiker habe gute Argumente, warum diese oder jene Regel auch noch wichtig wäre, um den Anleger besser zu schützen. Aber in der Summe sei es einfach zu viel geworden, so Grünewald.

„Mehr Verbraucherschutz“ nicht erfüllt

Für Institutsleiter Hartwig Webersinke zeige die aktuelle Studie, dass die unabhängigen Vermögensverwalter die regulatorischen Anforderungen differenziert bewerten: „Die Aspekte Geeignetheitsprüfung, Kostentransparenz, Zuwendungsverbot und Sachkundenachweis wurden von den meisten Studienteilnehmern als sinnvoll angesehen oder zumindest als neutral bewertet.“

Anders sehe es mit der Zielmarktbestimmung und der Telefonaufzeichnung aus. „Die Vermögensverwalter müssen Telefongespräche selbst dann aufzeichnen, wenn der Kunde schriftlich darauf verzichtet“, so Webersinke. Das widerspreche dem Bild des mündigen Anlegers.

Insgesamt glauben 86% Prozent der Vermögensverwalter nicht, dass das Regelwerk MiFID II das Ziel „mehr Verbraucherschutz“ erreicht hat.

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