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Vom Aktien-Mann zum Mischfonds-Meister: Klaus Kaldemorgen im Portrait

Vom Aktien-Mann zum Mischfonds-Meister: Klaus Kaldemorgen im Portrait

Einer von Deutschlands bekanntesten Aktienexperten, Klaus Kaldemorgen, fing 2011 mit einem ganz neuen Konzept an: einem Multi-Asset-Fonds, dem DWS Concept Kaldemorgen. Bei einem Spezialisten für Aktien, der aber eher die Sicherheit einer Anleihe mit der höchsten Bonität ausstrahlt, war dieser Schritt hin zu einem eigenen Konzept ein ganz natürlicher und erfolgreicher: Mittlerweile ist der Fonds über €4 Milliarden groß. Alleine in diesem Jahr konnte der Fonds €2 Milliarden an neuen Geldern einsammeln. Damit gingen fast 7% der €30 Milliarden, die in diesem Jahr in Mischfonds flossen (Statistik von BVI), in den Fonds von Klaus Kaldemorgen.

Doch der Name Kaldemorgen fällt am häufigsten im Zusam­menhang mit Aktien. Bis 2013 managte Kaldemorgen sowohl den DWS Vermögensbildungsfonds I als auch den DWS Akkumula, zwei wichtige Aktienfonds in der Flotte der Deutschen Asset & Wealth Management. Mittlerweile werden sie von Andre Köttner gemanagt.

Das Anleihegeschäft ist für Kaldemorgen allerdings kein Neuland, schließlich begann er seine Karriere 1982 im Rentenfondsmanage­ment der DWS. „Für den DWS Concept Kaldemorgen konzentriere ich mich strategisch vor allem auf High-Yield-Anleihen. Dort ist durchaus auch eine profunde Aktienkenntnis gefragt. Für mich steht die Frage im Vordergrund, welches Finanzierungsinstrument eines Unternehmens – Anleihe, Aktie oder Wandelanleihe – unter Chance-Risiko-Aspekten am attraktivsten ist“, so Kaldemorgen.

Kaldemorgen verspricht seinen Anlegern, sie dort zu unterstützen, wo sie ihre größten Sorgen haben. Der deutsche Investor suche eine ange­messene Performance mit einem Risikoprofil, das ihrer „Risikokom­fort-Zone“ entspreche, so der Fondsmanager. „Die meisten konkur­rierenden Fonds bilden dieses Risikoprofil über die Assetallokation ab. Der defensive Part sind die Renten und der offensive Part sind die Aktien. Ich habe das von vorneherein vermieden, denn ich möchte nur dann Risiken eingehen, wenn sie sich wirklich lohnen.“

Dieses Versprechen kann Kaldemorgen bisher einhalten. Seit der Auflegung im Mai 2011 bis Ende Oktober 2015 schaffte der DWS Concept Kaldemorgen Fonds 30% an Wertsteigerung. Zwar hat der Fonds keine offizielle Benchmark, doch zum Vergleich: Der Wert des durchschnittlichen Fondsmanagers im Citywire Alternative UCITS – Multi Strategy Sektor lag bei 12%. Seit Auflegung des Fonds kämen etwa 25% der Performance aus Anleihen, 25% aus Währung und etwa 50% aus Aktien, so Kaldemorgen. Insgesamt liegt die Netto-Anleihequote zum Ende Oktober bei 36%, die Aktienquote wiederum bei 36,5% und die Kasse bei 26,4%.

Insbesondere im Zeitraum von Ende August 2011 bis Mitte März 2012, in dem die Renditen am Anleihemarkt besonders auseinander gegangen sind, konnte sich Kaldemorgen von der Konkurrenz unterscheiden: Der Fonds schaffte über 15% an Performance. „In diesem Zeitraum kam ein Großteil der Fondsperformance aus dem Bereich der Hochzinsanleihen, die zu dieser Zeit aufgrund des Chance-Risiko-Verhältnisses besonders stark gewichtet waren.“

Auch die Lage auf dem Rentenmarkt hat Kaldemorgen seit Anfang des Jahres gut eingeschätzt. „Ich habe in diesem Jahr nicht erkennen können, dass sich die Risiken auf der Rentenseite besonders lohnen, schon gar nicht wenn Bundesanleihen nur noch bei einem halben Prozent rentieren. Deswegen habe ich im April, als die Rentenmärkte doch ziemlich nachgegeben haben, eher Geld verdient und keines verloren, im Gegensatz zu vielen defensiven Fonds.“

Die Citywire-Analyse zeigt, dass der Fonds über einen dreijährigen Zeitraum einen maximalen Verlust von 4,1% hatte. Der Wert des Sektor-Durchschnitts lag wiederum bei 8,6%.

EIN HERAUSFORDERNDER SOMMER

Viele Investoren hatten bereits in den letzten Monaten des Jahres 2014 vorhergesagt, dass die Volatilität im Jahr 2015 deutlich steigen würde. So kam es auch. Allerdings für einige sicherlich ein bisschen heftiger als gedacht. Von seinem Höhenflug bei über 12.000 Punkten im April verabschiedete sich der deutsche Aktienindex schnell wieder und landete Ende September bei knapp 9.600 Punkten. Ein großer Teil der „Sommer-Volatilität“ lässt sich auf die Börsenturbulenzen an Chinas Aktienmarkt zurückführen. Nach nahezu traumhaften Gewinnen über viele Monate erlebte der Shanghai Stock Exchange 50 Index im Juni einen deutlichen Crash und verringerte sich um fast die Hälfte.

Zwar ist Kaldemorgen derzeit nicht in China investiert, jedoch sei man in den ersten Monaten dieses Jahres bereits „prominenter in China dabei gewesen“, so der Fondsmanager. „Gut 60 Basispunkte von unserer Gesamtperformance im Portfolio kamen in diesem Jahr aus China. Das heißt, wir haben wohl im richtigen Zeitpunkt gekauft und dann auch im richtigen Zeitpunkt wieder verkauft.“ Der Blick in ein Fact Sheet zum Ende April 2015 verrät, dass Kaldemorgen die Kontrakte im Hang Seng China Enterprise Index in Höhe von 2,4% „nahe der Höchstkurse komplett veräußern“ konnte. Im Monat April trugen diese Positionen 33 Basispunkte (BP) zur Performance bei.

Mittlerweile ist Kaldemorgens Meinung gegenüber Investitionen in China deutlich kritischer, was unter anderem auch dazu führte, dass der Fondsmanager keinerlei Investitionen im deutschen Auto­mobilbereich, insbesondere bei Volkswagen, tätigte. „Ich war nicht in der Autoindustrie investiert, da ich im Laufe des Jahres zuneh­mend skeptischer bei der Entwicklung Chinas geworden bin. Der chinesische Aktienmarkt wurde schwächer und auch die chinesische Wirtschaft hat sich offenbar in Sachen Wachstum abgeschwächt.“ Damit gehe wiederum der Automobilabsatz in China zurück und auf mittlere Sicht könne sich auch die deutsche Autoindustrie von der Schwäche in China nur noch schwer abkoppeln.

Ein weiterer Grund für die im Sommer volatilere Performance des Fonds sei die Politik der amerikanischen Notenbank gewesen. Diese verunsicherte die Märkte durch ihre Entscheidung, den Leitzins in den USA nicht zu erhöhen. „Als die Kurse nach unten gingen, hatte ich meinen Investitionsgrad erhöht und war eigentlich von einer Zinserhöhung ausgegangen“, so Kaldemorgen. Man müsse zwar mit den Entscheidungen der Notenbanken leben, jedoch sollten diese in ihrer Kommunikation etwas klarer werden. Nun liege der Fokus einer möglichen Erhöhung auf Dezember, was jedoch dazu führe, dass eine Rallye zum Ende des Jahres eher unwahrscheinlich sei. „Ob im Vorfeld einer Zinserhöhung noch eine starke Rallye zu sehen sein wird, das möchte ich mit einem Fragezeichen versehen. Ich glaube, die meisten wollen jetzt keine großen Wetten mehr eingehen.“

Der turbulente Sommer scheint in der kurzfristigen Performance des Fonds durch. Von Ende Juli bis Ende September verlor der Fonds 5,7%, konnte allerdings einen großen Teil seiner Verluste bis Anfang November wieder aufholen. „Auf Einzelwertebene im September gab es stärkere Kursverluste bei Banco Santander aufgrund der Belastung durch starke Abwertung des Reals, und bei Vodafone, die die Gespräche mit Liberty Media beendet haben. Beide Werte stehen für einen Verlustbeitrag von 34 BP“, so Kaldemorgen in einem Kommentar zum Fonds im September. Unter den Top-Einzelwerten im Oktober seien wiederum SAP, Cisco und Banco Santander zu nennen, die in Summe einen positiven Beitrag von 44 BP lieferten, so der Fondsmanager.

DIE ANLEIHE-ALTERNATIVEN

Mit deutschen Staatsanleihen lässt sich derzeit nur noch wenig Geld verdienen. Deswegen machen Anleihepapiere aus Deutschland auch nur 2,5% des Fondsvermögens auf der Rentenseite des Fonds aus. Ganz oben stehen Staatsanleihen aus den USA, Spanien und Italien. Diese top vier Positionen machen knapp 10% des Gesamtvermögens aus.

Doch Kaldemorgen wäre kein aktiver Investor, wenn er nicht auch andere Optionen in Erwägung ziehen würde. Deswegen investierte der Fondsmanager im August zum ersten Mal auch in japanische Staatsanleihen. Diese hätten im kurzfristigen Bereich noch eine leicht positive Verzinsung und die Aufwertung des Yen gegenüber dem Euro könne eine Zusatzrendite erbringen, schreibt Kaldemor­gen in einem Bericht im August.

Die Kombination aus Währung und positiven Zinsen sowie einer expansiven Geldpolitik in Japan schien mir eine gute Mischung, um ein Teil meines Cash-Portfolios dort zu investieren. Das sollte man aber eher als Diversifikation der Kasse sehen“, so Kaldemorgen. Insgesamt sei man in auf der Rentenseite in Japan mit 2% dabei. Bei den Aktien seien es rund 5%.

Auch in Russland und Brasilien ist Kaldemorgen in Anleihen investiert, allerdings im wesentlichen in US-Dollar-Anleihen. „Hier mache ich mir die Tatsache zunutze, dass gerade im Energiebereich die Renditen deutlich nach oben gegangen sind. Deshalb sind einige große Emittenten in diesen Ländern nicht uninteressant.“ Kaldemorgen nennt das brasilianische Energieunternehmen Petrobras als Beispiel. Es sei weiterhin einer der stärkeren Emittenten in Brasilien mit Renditen, die je nach Laufzeit zwischen 6% und 8% lägen, so der Fondsmanager. Laut eines aktuellen Fact Sheets trugen hochverzinsliche Unternehmensanleihen im Oktober 66 Basispunkte, inklusive Währungseffekte, zur Performance des Fonds bei. Petrobras und der US-amerikanische Aluminiumhersteller Alcoa lieferten hiervon 26 Basispunkte.

Länder wie Indien und China seien derzeit wiederum kein Thema. „BRICS sind im Augenblick außen vor“, so Kaldemorgen. Das könne sich allerdings auch wieder ändern. China sei bedeutend für die Entwicklung der globalen Aktienmärkte, weil es eine wichtige und große Volkswirt­schaft ist. „Aber im Augenblick sollte man sich zunächst mehr Klarheit darüber verschaffen, wohin die Reise dort überhaupt hin geht.“

DREI PUNKTE FÜR DIE ZUKUNFT

China, Öl und die Wachstumsraten. So könne man die wichtigsten Fak­toren für die nächsten Monate zusammenfassen, sagt Kaldemorgen. Die wirtschaftliche Entwicklung in China stehe weiterhin ganz oben auf der Agenda der Investoren. Diese spiele eine herausragende Rolle für die Wachstumsraten in Europa und den USA, so der Fondsmanager.

Doch was den Fondsmanager ebenfalls beschäftigt sind die Rohstoffpreise und der Ölpreis. Ein niedriger Ölpreis sei kontrapro­duktiv. „Ich wäre froh, wenn der Ölpreis sich stabilisiert und wieder mehr in Richtung $50 geht. Am Ölpreis hängen doch sehr viele Volkswirtschaften, wie die von Brasilien und Russland, aber auch der gesamte Nahe Osten.“ Des Weiteren spiele der Ölpreis für die weltweiten Investitionen eine große Rolle. So käme beispielsweise ein Drittel der gesamten Investitionsgüternachfrage in den USA aus dem Energiebereich. „Beim gegenwärtigen Ölpreis muss man damit rechnen, dass von diesem Drittel ein großer Teil gestrichen wird. Das lässt einen erahnen, wie wichtig die globale Ölindustrie wirklich ist.“

Als dritten Punkt nennt Kaldemorgen die generellen Wachs­tumsraten. Hier seien insbesondere die monatlichen PMI-Daten ein wichtiger Faktor. „Sollten sich die Wachstumsraten weiterhin so fortsetzen, dann wäre das keine schlechte Ausgangsituation für höhere einstellige Returns bei den Aktien. Das Wirtschaftswachs­tum sollte dafür im nächsten Jahr entscheidend sein.“

Auf der Rentenseite gäbe es wiederum mehrere Risiken, unter anderem das Zinsänderungsrisiko, das Kreditrisiko, das Liquiditätsrisiko sowie Währungsrisiken, so der Fondsmanager. „In der Tat lassen sich nur wenige Argumente für Investitionen in langlaufende Staatsanlei­hen finden. Hier steht das Zinsänderungsrisiko in keinem vernünftigen Verhältnis zur Rendite. Dies gilt auch für das kommende Jahr“, so Kaldemorgen abschließend.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Dezember-Ausgabe von Citywire Deutschland.

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