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Warum der Vola-Fonds OptoFlex des Feri-Duos Lucke und Christmann auf über €1 Milliarde gewachsen ist

Warum der Vola-Fonds OptoFlex des Feri-Duos Lucke und Christmann auf über €1 Milliarde gewachsen ist

Volatilität ist ein schwierig zu fassender Begriff. Für Risikomanager und Statistiker eine Wonne, erzeugt allein schon der Klang des ausgesprochenen Wortes bei anderen Investoren Angst und Schrecken. Nicht umsonst wird der CBOE Volatility Index (kurz: VIX) oft auch als Angstmesser der Wall Street bezeichnet. Die Wahrheit liegt – wie so oft – in der Mitte. Anfang Februar stand der VIX allerdings nach langer Abwesenheit im Fokus der Anleger: Ausgelöst durch Inflationssorgen und damit einhergehende Zinsanstiege korrigierten die amerikanischen Aktienmärkte. Dies führte zu einem deutlichen Anstieg des VIX-Index. Passive Short-VIX-Produkte, welche kontinuierlich ungesichert VIX-Futures zur Prämienvereinnahmung verkauften, verloren im Umfeld stark steigender Volatilität einen Großteil ihrer Assets und mussten ihre Short-Positionen eindecken. Hierdurch entstand ein Nachfragedruck auf den VIX, der den Volatilitäts- Index noch einmal deutlich nach oben schraubte. Schon früh im Jahr 2018 ist erkennbar, dass sich die extrem niedrige beziehungsweise im Grunde kaum vorhandene Volatilität aus dem Vorjahr nicht wiederholen wird. „Langfristig sehen auch wir mehr Volatilität an den Märkten und daher auch mehr Chancen für uns, die jährliche Rendite zu steigern – allerdings auch eine für unseren Fonds höhere Volatilität und wahrscheinlich niedrigere Sharpe Ratio“, sagt Daniel Lucke, Fondsmanager und Director bei FERI.

Lucke steht mit der Volatilität in einem ganz besonderen Verhältnis. Er sieht in ihr vermehrt die Investment- Chancen für seinen Volatilitätsfonds OptoFlex, den er gemeinsam mit seinem Co-Manager Steffen Christmann und Portfoliomanager Florian Astheimer verwaltet. Dass der Ansatz funktioniert, zeigen massive Mittelzuflüsse in den vergangenen Monaten, inklusive Erreichen der Volumen-Marke von €1 Milliarde sowie einem AAA-Rating bei Citywire.

„Wenn der VIX steigt, werden wir entlohnt“

Seine Fonds-Strategie erklärt Lucke pragmatisch: „Grundsätzlich handeln wir wie eine Art Versicherungsgesellschaft. Wir verkaufen Put-Optionen auf den S&P 500 an Marktteilnehmer, die eine Absicherung suchen und diese Put-Optionen als Hedge für einen Crash kaufen. Dafür bekommen wir dann letzten Endes die Optionsprämie gutgeschrieben.“ Für Lucke sind diese Put-Optionen grundsätzlich zu teuer, weil es ein asymmetrisches Geschäft, Marktteilnehmer risikoavers und damit die Absicherungsprämie zu hoch sei. „Diese Prämie wollen wir vereinnahmen.“

Im Gegensatz zu den vielen Marktteilnehmern, die diese Prämie ungesichert vereinnahmt haben, spielt die Absicherung bei Lucke und Christmann eine zentrale Rolle. „Ab einem gewissen Punkt ist das Risiko für die Anleger einfach zu groß. Deswegen suchen wir uns Rückversicherungen. Das heißt bei uns, dass wir mit zwei anderen liquiden Optionen Absicherungsinstrumente für den Fonds kaufen. Zum einen eine klassische Gegenposition, also eine gekaufte Put-Option auf den S&P 500. Zum anderen kaufen wir Call-Optionen auf den VIX-Index, der die Volatilität misst. Wenn ein Schaden eintritt, der Markt fällt und der VIX steigt, werden wir auf dieser Seite entlohnt“, so Lucke.

Zusammengefasst sichern also die Call-Optionen auf den VIX die verkauften Put-Optionen ab. Wenn eine Korrektur eintritt, erzeugen die verkauften Put-Optionen Verluste, diese werden aber von steigender Volatilität getrieben und die entsprechenden Call-Optionen auf den VIX federn damit die Verluste aus den verkauften Put-Optionen ab.

Ohne Timing

Verdienen Lucke und Christmann also mit der Angst anderer Investoren ihr Geld? „Im Gegenteil! Dadurch, dass wir Put-Optionen verkaufen, agieren wir vielmehr als Versicherer der anderen Marktteilnehmer, die dadurch die Chance haben, sich gegen Marktrisiken abzusichern. Deswegen helfen wir Investoren eher bei der Risiko-Allokation und teilweisen -Absicherung.“ Dabei stehen die Rückversicherungen und verkauften Put-Optionen immer im festen Verhältnis. So soll das Portfolio stabil gehalten werden, als unabhängige Renditequelle fungieren und mittelfristig kaum zum S&P 500 korreliert sein. Das Konzept des Fonds geht seit dem Start am 13. Dezember 2012 auf – das zeigt die Performance. Über fünf Jahre bis Ende Januar 2018 erzielte der Fonds eine Wertsteigerung von 20,7% auf Euro- Basis. Der Durchschnitt im Citywire-Sektor für Alternative UCITS Volatilitätshandel liegt im selben Zeitraum bei einer Wertsteigerung von 1,2%.

Lucke: „Ziel des Fonds ist es, möglichst stabile Renditen durch Volatilitäts-Risikoprämien zu erzielen. Wir sind dabei komplett prognosefrei und timen nicht. Wir setzen voraus, dass der US-Aktienmarkt, in dem wir agieren, so effizient aufgestellt ist, dass man diesen praktisch nicht timen kann. Deswegen wollen wir die Volatilitätsprämie filtern und vereinnahmen.“ Das hat vor allem während des Flash Crashs Anfang Februar gut geklappt. „Plötzliche Markteinbrüche mit starkem Anstieg der Volatilität, die auch durch passive Investoren mit Stop-Loss-Signalen ausgelöst werden, sind positiv für unsere Strategie“, gibt Lucke zu.

Fast 40% des Portfolios wurden geschlossen

Positiv hat auch eine Besonderheit der Fonds- Strategie auf die Performance in den vergangenen Wochen gewirkt: „Wir greifen zwar nicht diskretionär in die Strategie ein, schließen aber teilweise frühzeitig Positionen. Beispielsweise, wenn die Prämie, die wir auf eine Option vereinnahmen können, bereits nach einer Woche an uns gegangen ist – normalerweise planen wir dafür einen Monat pro Option. Dann schließen wir diese Position, weil sie keine Renditeerwartung mehr für uns hat, sondern nur noch Risiko birgt. Das haben wir im Januar vermehrt gemacht und einige Positionen geschlossen. Somit sind wir nicht mit vollem Exposure in den Februar gestartet – was sehr positiv für uns gelaufen ist.“

Fast 40% des Portfolios wurden im Januar geschlossen, die Prämien bereits vereinnahmt. „Es kommt immer mal vor, dass man selektiv Positionen schließt, aber es ist sehr selten, dass wir so viele Positionen auf einmal schließen wie im Januar. Das war aufgrund der Überhitzung des S&P 500 möglich“, so Lucke, der auch sagt: „Grundsätzlich freuen wir uns natürlich über steigende Volatilität, weil entsprechend auch die Prämien steigen, wie wir im Februar gesehen haben. Die Rendite sollte dadurch mittelfristig steigen. Wir würden aber nicht erwarten, dass wir direkt wieder in ein Umfeld mit sehr niedrigerer Volatilität und einen VIX von unter 10 rutschen. Das sehen wir als unwahrscheinlich an, weil die Risikowahrnehmung generell erhöht ist und die Notenbanken weiter an ihrem Kurs zu steigenden Zinsen festhalten könnten.“ Bei der Frage, ob in naher Zukunft ein neuer Crash ansteht, kann Lucke aber nur lachen – und salomonisch abwiegeln: „Wir sind prognosefrei!“

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der März-Ausgabe des Magazins von Citywire Deutschland.

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