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Warum die ETF-Tochter der Deutschen Bank Rekordabflüsse erleidet

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Warum die ETF-Tochter der Deutschen Bank Rekordabflüsse erleidet

Trotz anhaltender Zuflüsse in passive Strategien hat die ETF-Tochter der Deutschen Bank, db X-trackers, zuletzt erhebliche Abflüsse erlitten. Während ETF-Anbieter in Europa von Anfang des Jahres bis Ende Oktober umgerechnet €44 Milliarden an Vermögen einsammelten, verzeichnete db X-trackers einen Abfluss von €4,1 Milliarden. Das sind die höchsten Abflüsse unter allen europäischen ETF-Anbietern, wie der Analysedienst ETFGI zeigt.

Auch im Oktober erlitt db X-trackers die größten Abflüsse der Branche: €2 Milliarden, gefolgt von der Commerzbank mit €0,3 Milliarden und dem britischen Anbieter Source mit €0,2 Milliarden. Indessen gelang es Asset Managern in Europa, mit passiven Produkten insgesamt umgerechnet €4 Milliarden an neuen Kundengeldern einzusammeln.

Die Plattform db X-trackers bleibt damit nach Zahlen von Deutsche Asset Management und ETFGI zwar mit etwas mehr als einem Zehntel des in passiven Produkten angelegten Vermögens zweitgrößter ETF-Anbieter in Europa. Doch der Drittplatzierte Lyxor, die ETF-Tochter der Bank Société Générale, holt auf: Seit Jahresbeginn sammelte die französische Firma €0,94 Milliarden ein und reduzierte damit den knappen Rückstand auf db X-trackers weiter.

Auf dem ersten Platz liegt mit fast der Hälfte aller europäischen Assets iShares, die ETF-Tochter des amerikanischen Finanz-Giganten BlackRock.

Indirekt oder direkt? – das ist die Frage.

Bei db X-trackers gibt es mehrere Erklärungen für die Mittelabflüsse. Sie beginnen mit einer Grundsatzentscheidung aus dem Gründungsjahr 2007: Damals startete db X-trackers das ETF-Geschäft mit Produkten, die ihre Indizes alle synthetisch, also indirekt, nachbilden.

Bei diesen Angeboten wird ein Index über Tauschgeschäfte, sogenannte Total-Return-Swaps, nachgebildet. Diese Produkte sind zwar vergleichsweise günstig und präzise beim Nachbauen eines Index. Doch sind sie bei Anlegern inzwischen weniger gefragt, da sie ein Risiko tragen, falls der Vertragspartner des Swap-Geschäfts zahlungsunfähig werden sollte.

Bei der alternativen physischen Replikation kauft der ETF-Anbieter hingegen die Indextitel direkt. Aufgrund ihres geringeren Risikos werden diese Produkte immer beliebter. Doch genau hier bieten manche Konkurrenten eine größere Auswahl als db X-trackers.

Stark beim Ladenhüter

Die ETF-Tochter der Deutschen Bank adressierte dieses Problem vor rund drei Jahren, mit dem, was sie inoffiziell als „stetige 180-Grad-Wendung“ beschreibt: Von 2013 an begann die Plattform ihre Aktien-ETFs von synthetischer auf physische Replikation umzustellen.

Nach eigener Auskunft hat die Deutsche Asset Management von allen ETF-Anbietern ihr Angebot am stärksten von der synthetischen zur direkten Replikation umgebaut. Somit liegen inzwischen fast 60% des verwalteten Vermögens der Firma in physisch replizierenden ETFs. Vor allem 2015 habe es dann auch große Zuflüsse insbesondere bei ETFs für deutsche und europäische Aktien gegeben.

Doch diese Stärke führte auch zu Problemen, als 2016 ausgerechnet europäische Aktien bei Anlegern weniger gefragt waren. So flossen bei ETF-Anbietern aus Europa seit Jahresbeginn nur €2,9 Milliarden in Aktien-ETFs – das sind nur 6,5% der Gesamtzuflüssen in ETFs von insgesamt €44,3 Milliarden.

Zudem gingen diese Gelder vor allem in ETFs für Aktien aus Schwellenländern (€7,5 Milliarden) und aus Nordamerika (€7,1 Milliarden). Doch ETFs für europäische Aktien erlitten indessen sogar Abflüsse von €13,4 Milliarden – das traf db X-trackers hart, wie auch andere ETF-Anbieter, die in diesem Segment Mittelabflüsse verzeichneten.

Schwach beim Verkaufsschlager

Ein weiteres Problem der Deutschen-Bank-Tochter betrifft jene Assetklasse, die dieses Jahr bislang die meisten Mittel bei passiven Produkten einsammelte: Renten.

Bis Ende Oktober gab es branchenweit in Europa Zuflüsse von €26,9 Milliarden. Doch genau hier ist db X-trackers derzeit noch dabei, ihre ETFs von synthetischer auf physische Replikation umzubauen.

Denn im Gegensatz zu einigen Konkurrenten sei db X-trackers noch kein rein physischer ETF-Anbieter, heißt es aus dem Unternehmen. „Bis Ende des Jahres haben wir voraussichtlich ein Drittel unserer Renten-ETFs umgestellt“, so Stimmen aus der Firma.

Somit konnte die Deutsche-Bank-Tochter bislang vom Boom bei Renten-ETFs nur gering profitieren. Das soll sich aus Sicht des Unternehmens im Laufe der restlichen Umstellung ändern.

Eine ausführliche Analyse der Entwicklung der europäischen ETF-Branche im Oktober finden Sie in der Dezember-Ausgabe des Citywire Deutschland Magazins, das in wenigen Tagen vorliegen wird. Mehr Informationen zum Magazin finden Sie hier.

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