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Wie AAA-Starmanager mit Asien-Investments sein Fonds-Volumen fast verfünffacht

Wie AAA-Starmanager mit Asien-Investments sein Fonds-Volumen fast verfünffacht

Der erste Auslöser, der Thomas Schaffners Interesse an Asien weckte, war vor mehr als 20 Jahren. In seinen Ferien reiste er damals nach Australien. Dabei hatte er einen Zwischenstopp in Hongkong. Es war zwar nur ein kurzer Aufenthalt, doch für ihn persönlich und für viele Anleger sollte er weitreichende Konsequenzen haben.

„Ich war von Anfang an beeindruckt von der Dynamik der Region“, erinnert sich Schaffner heute. „Was mich dabei besonders faszinierte, war der starke Wille und Ehrgeiz der Leute, sich wirtschaftlich weiterzuentwickeln.“ Diesen Ehrgeiz hat Schaffner auch für sich selbst entwickelt und es dabei weit gebracht: Über die vergangenen drei Jahre bis Ende Mai schaffte er mit seinen drei Fonds mit einem jeweiligen Fokus auf Asien, China und Schwellenländer eine kombinierte Performance von 69,8%. Damit landet er unter den 101 Fondsmanagern im Sektor für asiatische Aktien auf Platz zwei und erhielt im vergangenen Jahr erstmals ein AAA-Rating von Citywire, das er heute noch trägt.

Wie hat es der 40-jährige Schaffner so jung bereits so weit gebracht? Wie findet er seinen persönlichen Ausgleich? Und wie geht er bei der Verwaltung seiner Fonds vor?

Viel Arbeit und hoher Druck

Die Antworten auf diese Fragen beginnen in Schaffners Ausbildung. Schon früh begann er seine Kenntnisse über die asiatischen Märkte gezielt fortzuentwickeln. Dafür ging er nach seinem Bachelor in Accounting und Finance an der Fachhochschule Basel nach Hongkong an die University of Science and Technology. Dort erlangte er einen MBA mit Spezialisierung auf die chinesische Wirtschaft und blieb anschließend drei Jahre vor Ort als Investment Analyst für die Privatbank Lombard Odier Darier Hentsch.

Für ihn war es eine Zeit mit vielen persönlichen und beruflichen Eindrücken. „Einer der Hauptunterschiede zur Schweiz ist die Dynamik des Arbeitsalltags und das Tempo der Veränderungen in Hongkong und der ganzen Region“, erklärt er. Das hat auch Auswirkungen auf das Arbeitsleben, wie er bekennt. „Der Konkurrenzdruck in praktisch jedem Lebensbereich ist wegen der hohen Dichte sehr groß. Und der Arbeitstag ist tendenziell länger, wenn auch in der Schweiz die Effizienz zum Teil höher ist.“

Mit dieser Mischung aus Fachwissen und persönlichen Kenntnissen kehrte Schaffner 2009 zurück in die Schweiz, um zunächst als Analyst im Global Equities Team von Vontobel in Zürich zu arbeiten. Nach zwei Jahren stieg er dort in die Fondsverwaltung auf und übernahm 2013 schließlich die Leitung des Vontobel mtx Sustainable Asian Leaders ex Japan Fonds.

Über die vergangenen drei Jahre bis Ende Mai weist er hier zwar eine Standardabweichung von 18,4 und einen maximalen Verlust von knapp 28% auf. Das sind jeweils fast die höchsten Werte aller 131 Fondsmanager des Sektors für asiatische Aktien. Doch mit einer hervorragenden Performance entlohnt er seine Anleger für das Risiko: Um rund 70% steigerte er den Wert des Fonds über die vergangenen drei Jahre. Das ist der zweitbeste Wert des gesamten Sektors. Diesen Erfolg würdigen auch die Anleger. So hatte im Sommer 2013 das Volumen des Fonds noch bei rund 20 Millionen Euro gelegen – heute ist es mit 110 Millionen Euro mehr als fünf Mal so groß.

Chilisauce statt Tee

Seinen Erfolg verdankt Schaffner auch seinen engen Kontakten in die Region, die er in den vier Jahren aufbaute, als er dort lebte, und sie seitdem pflegt. Dafür reist er drei bis vier Mal pro Jahre nach Asien, um dort Konferenzen und vor allem Firmenvertreter zu besuchen. Zwar spricht er nur begrenzt Hochchinesisch, wie er selbst bekennt: „Beim letzten Versuch einen Tee zu bestellen, habe ich stattdessen eine Schale mit Chilisauce erhalten.“ Doch dafür versteht er von örtlichen Firmen umso mehr.

Das ist für ihn als Stock Picker, der eine Bottom-up-Auswahl nutzt, besonders wichtig. „Bei der Suche nach Unternehmen konzentrieren wir uns auf Branchenführer, die höhere Kapitalrenditen erwirtschaften und die zentralen ESG-Kriterien erfüllen sowie strukturell besser positioniert sind als die Mitbewerber“, erläutert er seine Auswahlkriterien. Dafür bietet Asien aus seiner Sicht ein besonders gutes Umfeld. „Im internationalen Vergleich unterschätzt der Markt zumeist die Fähigkeit asiatischer Unternehmen, ihre Ertragskraft und damit ihr zukünftiges Cashflow-Wachstum aufrechtzuerhalten. Das bietet uns die Gelegenheit, in diese Unternehmen mit einem Abschlag gegenüber dem Substanzwert zu investieren.“

Chancen in China

Am häufigsten fündig wird er dabei in China, das rund 46% seines Portfolios ausmacht. „Die Aussichten für das Land haben sich deutlich verbessert, und die Angst vor einer starken Abwertung des Renminbi ist verschwunden“, erklärt er und prognostiziert: „Das Wachstum stabilisiert sich, und auch das nominale BIP verbessert sich, weil der Produzentenpreisindex ins Positive gedreht hat. Dies dürfte das Gewinnwachstum ankurbeln und eine Neubewertung des Aktienmarkts bewirken.“

Trend trotz Trump

Die von manchen Beobachtern befürchteten Spannungen zwischen Peking und der neuen USA Administration erwartet Schaffner nicht. „Natürlich sind die Handelspolitik und der Wirtschaftsprotektionismus von Trump zwei Risiken, die wir aufmerksam beobachten. Doch Trump will das Wachstum in den USA ankurbeln, und ein Handelskrieg würde sich negativ auf die US-Wirtschaft auswirken“, wendet Schaffner ein. „Daher erwarten wir keine signifikante Trendwende beim Welthandel.“

Ein Sektor, in dem Schaffner zuletzt Gelegenheiten für Investitionen entdeckte, ist die Finanz- und Versicherungsbranche, die ein Viertel seines Fonds und sein größtes Übergewicht ausmacht. „Da der Versicherungsschutz in China nach wie vor kaum verbreitet ist, sind die strukturellen Wachstumsaussichten der Branche relativ stark“, erklärt er. Derzeit verlagere sich die Nachfrage von Anlageprodukten zu jenen mit einer höheren Versicherungskomponente und höheren Margen. Nach der Intervention des Regulators habe der Wettbewerbsdruck nachgelassen, was sich günstig auf die Preisgestaltung auswirke. Zudem kommen den Versicherungsunternehmen die höheren Renditen auf dem inländischen Anleihenmarkt zugute. „Das führt zu einer Verbesserung der Profitabilität aber auch zu einer starken Verbesserung der Free Cash Flows“, erläutert Schaffner.

Samsung im Visier

Noch größer ist sein finanzielles Engagement nur im Technologie-Sektor, der mehr als 36% seines Fonds abdeckt. Für diesen Fokus gibt es mehrere Gründe. „Speziell der asiatische Technologiesektor hat sich zu einem der wettbewerbsfähigsten entwickelt, da die Unternehmen bis zu 30% ihres Jahresgewinns in Forschung und Entwicklung investieren“, sagt Schaffner. „Unternehmen wie Largan und Taiwan Semiconductor sind ihren Wettbewerbern in puncto Technologie und geistiges Eigentum überlegen. Somit erkennen wir hier viele strukturelle Wachstumschancen.“

Der mit 7% größte Einzeltitel ist zugleich einer, der zuletzt auch negativ in den Schlagzeilen aufgetaucht ist: der südkoreanische Technologie-Konzern Samsung. Nach der Verhaftung von Vice-Chairman Lee Jae-Yong wegen mutmaßlicher Korruption haben manche Anleger bei Samsung ihre Position überdacht. Auch Schaffner nahm eine detaillierte Untersuchung vor und bekennt: „Da das Prozessrisiko zugenommen hat, verfolgen wir die Entwicklungen viel enger als für jede andere Position.“

Doch ergab seine Analyse, dass die Verhaftung weder kurz- noch mittelfristig das operative Geschäft oder die Wettbewerbsvorteile von Samsung beeinträchtigen werde. „JY Lee war in das Tagesgeschäft immer nur begrenzt involviert. Zudem werden alle Divisionen von Samsung Electronics von ihren Geschäftsleitern eigenständig geführt, was die Vertraulichkeit und Fairness gegenüber den Kunden des Komponentengeschäfts gewährleistet.“

Ausgleich in den Alpen

Bei Schaffner können auch solche kritischen Entwicklungen die Anspannung im Arbeitsalltag erhöhen. Umso wichtiger ist es für ihn, immer wieder als Ergänzung seinen Hobbys nachzugehen. Dabei geht er gerne laufen, Rad fahren und als gebürtiger Schweizer, der in Basel aufwuchs, auch Ski fahren. „Für mich sind meine Hobbies ein wichtiger Ausgleich zum relativ intensiven Arbeitsalltag und dem damit verbundenen Performancedruck“, bekennt er.

Diese Performance hofft er künftig auch mithilfe des koreanischen Petrochemie-Unternehmens LG Chem zu erzielen, das nach einem jüngsten Zukauf nun mehr als 4% seines Portfolios ausmacht. „Wir erwarten, dass die Kombination aus solider Nachfrage und kurzfristig knappen Kapazitäten das Gewinnwachstum antreiben wird“, erläutert er. „Zudem rechnen wir damit, dass das Nichtchemiegeschäft wieder die Gewinnschwelle erreicht. Dabei stellt LG Chem Batterien für elektrische Autos wie den Chevrolet Bolt her, in diesem Segment erwarten wir starkes Wachstum in den nächsten Jahren.“

Zugleich reduzierte er zuletzt seine Positionen im chinesischen Unternehmen für Automatisierungstechnik Hollysys Automation und dem Zughersteller Zhuzhou CRRC. „Beide Unternehmen müssen wegen der anhaltenden Unsicherheit bei Eisenbahninvestitionen in China mit einer Verlangsamung des Wachstums und rückläufigen Aufträgen für Lokomotiven und Eisenbahninfrastruktur rechnen“, sagt Schaffner. Auch das ist eine wichtige Fähigkeit von ihm, in dieser so dynamischen und faszinierenden Region, jene Firmen zu erkennen, die von einer Verlangsamung bedroht sind.

Der Beitrag erschien erstmals in der Juli/August-Ausgabe des Citywire-Magazins.

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