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Wie Markus Wedel seine Erfolgsfonds aufgebaut hat

Wie Markus Wedel seine Erfolgsfonds aufgebaut hat

Der gebürtige Bremer Markus Wedel ist in vielerlei Hinsicht ein Mann des Wassers. So stammt der 43-Jährige nicht nur aus einer Hafenstadt und absolvierte eine Ausbildung bei der Marine. Auch heute noch lebt der Fondsmanager mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Buxtehude, nahe der Elbe, und verbringt seine Freizeit gerne mit Angeln, Stand-Up Paddling und Radausflügen ans Meer. Und in mancher Hinsicht gleichen auch seine Fonds Schiffen auf dem offenen Meer – so einsam liegen sie vor der Konkurrenz.

Über die vergangenen fünf Jahre bis Ende Juli erreichte Wedels WHC Global Discovery Fonds einen Wertzuwachs von rund 96%. Im Sektor für Absolute Return Euro-Mischfonds bedeutet das nicht nur den ersten Platz. Dort liegt der Fonds sogar mit mehr als 35 Prozentpunkten Vorsprung vor den Zweit- und Drittplatzierten Umberto Borghesi und Bert Flossbach. Dank dieser Leistung erhält Wedel seit Mitte 2015 durchgehend ein AAA-Rating von Citywire – und zugleich ein kontinuierlich wachsendes Anlagevolumen von Investoren, die sich fragen: Wie schafft er das nur?

Erkundigt man sich bei Wedel nach dem Erfolgsgeheimnis, stößt man vor allem auf zwei Faktoren: einen besonderen Team-Ansatz und eine ungewöhnlich aktive Strategie. Dabei beginnt Wedel, indem er sich selbst aus dem Fokus nimmt. „In unserem Führungs- Team bei SPSW Capital ergänzen wir uns extrem gut, was unsere jeweiligen Stärken eben fördert.“

Vom Minensucher zum Broker

Tatsächlich besteht das SPSW-Team aus sehr verschiedenen Experten. Wedel selbst verbrachte nach seinem Schulabschluss zunächst ein Jahr bei der Bundeswehr in der Marineortungsschule in Bremerhaven und als Navigator auf dem Minensucher Gefion, auf dem er mehr als 5000 Seemeilen fuhr.

Anschließend machte er eine Lehre bei der Volksbank Lübeck. „Ich hatte sehr weitsichtige Vorstände und Ausbilder und durfte einen Großteil der Ausbildung in der Wertpapierberatung verbringen, wo ich schon recht früh den Optionsscheinhandel, die Terminbörse, meine ersten IPOs und den aktiven Parketthandel an der Aktienbörse miterlebte.“

Anschließend betreute er für die Deutsche Bank vermögende Kunden und machte die Ausbildungen zum Aktienhändler für Parkett und Xetra sowie für die Terminbörse Eurex. Damit startete seine Karriere als Investmentbanker bei vier internationalen Instituten: 2000 begann er bei der damaligen Warburg Dillon Read, der Investmentbanking-Abteilung der heutigen UBS, wo er im Sales and Trading und im Aktien- Sales Team tätig war. Für die kommenden fünf Jahre wechselte er zu Lehman Brothers. „Da gab es eine vorbildliche Kultur für Cross-Selling, die mir ermöglichte, meine Kenntnisse für Derivate, Aktienanalyse und –handel sowie das Zinsgeschäft zu verbessern“, erzählt er. „Zugleich erlebte ich, wie Fondsmanager in Stresssituationen agierten und dabei zu unterschiedlichen Entscheidungen kamen. Vor allem war interessant, wie unterschiedlich sie mit Risiko umgingen.“

Ein Jahr vor der Lehman-Insolvenz wechselte Wedel zunächst zu Bear Stearns als Head of Equity Sales Germany und nach der Übernahme durch JP Morgen weiter zum US-Institut Jefferies & Company. „Nachdem es schwieriger wurde, neben dem hauseigenen Research seine eigenen Ideen und Anlagestil mit seinen Fondsmanagern zu besprechen, entschied ich mich nach Buxtehude zu meiner Familie zu ziehen“, erinnert Wedel sich. „Dort wollte ich mich selbstständig machen und mein eigenes Geld in einem eigenen Fonds anlegen. Bald hat mein Umfeld aus Brokerkollegen, Kunden und befreundeten Fondsmanagern in meinen Fonds investiert, und so wuchs der WHC Global Discovery bis heute ohne Vertrieb oder Werbung.“

Drei Partner in Hamburg

Während Wedel in Buxtehude seinen eigenen Fonds ausbaute, gründeten parallel zwei Unternehmer und ein Investmentbanker in Hamburg eine ähnlich strukturiere Firma, die SPS Investments. Die beiden Unternehmer waren die Ex-Vorstände der ehemaligen SDAX-Firma D+S Europe, Achim Plate und Henning Soltau. Der Maschinenbauingenieur Plate hatte zunächst eine Offizierslaufbahn bei der Bundeswehr durchlaufen und anschließend eine mittelständische Immobiliengesellschaft aufgebaut. Dabei hatte er ein ehemaliges Kasernengelände für 200 Millionen Euro in einen modernen Stadtteil umgewandelt. Später war er CEO der D+S Europe mit 7000 Beschäftigten. Dort arbeitete er mit dem ausgebildeten Steuerberater und Finanzvorstand Soltau zusammen, der zuvor als Prüfungsleiter bei Arthur Andersen gearbeitet hatte. So verfügen die beiden über Erfahrung bei der Führung großer Unternehmen.

Der dritte war der Investmentbanker Robert Suckel. Er hatte schon im Alter von 19 Jahren mit zwei Partnern die Firma SES Research gegründet. Das Unternehmen hatten sie zum größten deutschen bankenunabhängigen Research-Haus mit 20 Mitarbeitern ausgebaut. Später beteiligte sich die Privatbank M.M.Warburg und rückte den Fokus aufs Investmentbanking. Nach der vollständigen Übernahme durch Warburg 2010 verließ Suckel die SES-Geschäftsführung und gründete zusammen mit Plate und Soltau SPS Investments.

Management-Team von SPSW Capital: Robert Suckel, Achim Plate, Henning Soltau, Markus Wedel (v.l.n.r.)

Einer für Alle

Bald traf Wedel auch Suckel und erkannte einige Gemeinsamkeiten. „Als wir uns kennenlernten haben wir uns erst privat gut verstanden und dann gemerkt, dass wir einen ähnlichen, sehr wertorientierten Investmentansatz haben mit einem klaren Fokus auf das Risiko und zudem komplementäres Wissen über europäische Unternehmen, Netzwerk und Zugänge zu Vorständen“, erzählt er. Somit schlossen sich Wedel und die drei Partner von SPS Investments 2015 zusammen und vereinigten ihre Fonds unter einer gemeinsamen Managementgesellschaft, die SPSW Capital.

Die jeweiligen Expertisen ergänzen sich gut. „Da wir jeweils zwei frühere Investmentbanker und zwei Unternehmer sind, können wir heute Firmen von sehr verschiedenen Standpunkten aus analysieren“, erklärt Wedel.

Zugang Für Neuinvestoren

Gemeinsam betreuen die vier SPSW-Partner seitdem drei Fonds. Diese haben als Kernkomponente ein ähnlich konzentriertes Top-10 Portfolio, wobei ihre zehn Spitzen-Positionen fast identisch, aber unterschiedlich gewichtet sind. Das konzentrierteste Portfolio bietet der SPS Active Value Selection, ein Hedgefonds, der sich mit einem Volumen von 53 Millionen Euro im Hard- Closing befindet.

Der WHC Global Discovery, der vorher von Wedels eigenem Unternehmen Wedel Hanseatic Capital betreut wurde, hat aktuell ein Volumen von fast 400 Millionen Euro und ist im Soft-Closing. Als Neuinvestoren werden dafür nur noch Kunden einiger weniger unabhängiger Vermögensverwalter akzeptiert, die eine längere Kooperations-Vergangenheit mit SPSW pflegen.

„Am größten wird in einiger Zeit wohl unser dritter Fonds werden, der SPS Global Multi Asset Selection“, erklärt Wedel. Der hat aktuell ein Volumen von 127 Millionen Euro. „Er ist etwas weniger konzentriert als der WHC-Fonds, und damit etwas defensiver, aber zugleich weniger volatil und offen für Neuinvestoren.“

Unterstützt im Aufsichtsrat

Spürt man nun weiter dem Geheimnis des Fonds- Erfolgs nach, stößt man neben der Team-Konstellation auf einen wertorientierten Investment-Ansatz, der eher defensive Geschäftsmodelle bevorzugt und von drei Komponenten geprägt ist. So ist er zum einen fokussiert auf vergleichsweise wenige Portfolio-Positionen, die vor allem aus dem Bereich der Mid-, Small- und Micro-Caps in der DACH-Region kommen. Er ist auch wertorientiert durch das Ziel, auf Unternehmen zu setzen, die von langfristigen, globalen Trends profitieren.

Vor allem aber ist der Ansatz durch besonders enge Kontakte zu den Unternehmen geprägt. „Wir sind nicht aktivistisch, aber sehr aktiv“, erklärt Wedel. „Das heißt, wir unterstützen ein Unternehmen gerne mit unseren eigenen Management-Erfahrungen.“ Diese Consulting-Hilfe bietet SPSW, ohne dafür Gebühren zu verlangen. „Aber der Erfolg kommt uns indirekt zugute, indem die Kurse der Unternehmen steigen“, sagt Wedel. „Und da alle vier Partner privates Geld in unsere Fonds investiert haben, profitieren wir auch persönlich vom Wertzuwachs der Strategie.“

Ein Beispiel für diese Art der aktiven Unterstützung ist die Einbringung von Expertise beim Digital-Dienstleister mVise. „Ähnlich wie bei der PNE Wind AG sind wir nicht nur größter Einzelinvestor, sondern stehen dem Vorstand auch über zwei Aufsichtsrats-Mandate zur Seite“, sagt Wedel. „Ein weiterer besonderer Gesichtspunkt ist unsere eigene Lizenz, durch die wir Firmen helfen können, wenn sie zum Beispiel Anleihen begeben möchten.“

Umweg Über die Anleihe

Dabei betont Wedel, dass das Risikomanagement frühzeitig einsetze und grundsätzlich nicht über Derivate funktioniere. „Bevor wir Positionen eingehen, sind Überlegungen zur optimalen Positionsgröße wichtiger, als das finale Renditepotenzial auf 10% genau zu errechnen“, erläutert er. Derivate habe er zuletzt und bislang einmalig 2011 eingesetzt. „Die nutzen wir nur, wenn wir systemische Risiken befürchten.“

Zugleich setzt er jedoch nicht nur auf Aktien, wie er am Beispiel des französischen Unternehmens Eurofins Scientific erklärt. Die unternehmergeführte Firma ist Weltmarktführer als Labordienstleister und profitiert mit ihrem Angebot chemischer und biologischer Laboranalytik von der zunehmenden Reglementierung der Nahrungsmittel- und Gesundheitsindustrie.

Wedel und seine Partner waren zwar stets vom Management überzeugt, wie er sagt. „Aber leider war die Aktie auch nie billig. Daher haben wir uns immer dagegen entschieden, Anteile der Firma zu kaufen.“ Doch emittierte das Unternehmen auch zwei Nachrang-Anleihen, die kein Rating besaßen und somit eine höhere Rendite boten. „Die haben wir dann gerne gekauft und konnten so von der Stärke der Firma profitieren.“

Eine der beiden Anleihen hat Wedel inzwischen wieder mit Gewinn verkauft. Die andere hält er noch in seinem Portfolio. Auch sie hat bereits an Wert zugelegt – und hilft ihm somit, seinen Seemeilen-weiten Vorsprung vor der Konkurrenz zu verteidigen.

Der Beitrag erschien erstmals in der September-Ausgabe des Citywire-Magazins.

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