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Wie Stefan Böttcher zwei Fonds im Schwellenländer- und Frontier-Markt managt

Wie Stefan Böttcher zwei Fonds im Schwellenländer- und Frontier-Markt managt

Wenn sich Stefan Böttcher an seine Jugend erinnert, dann gibt es vor allem zwei Hobbies, die er damals entwickelte, und die sein privates und berufliches Leben bis heute prägen. „Eines meiner ersten Interessen war die Börse, und sobald ich 18 war, habe ich dann auch angefangen, selbst in Aktien zu investieren“, erzählt der 53-Jährige, der im September mit dem Sauren Golden Award als bester Fondsmanager des Jahres in der Kategorie Schwellenländer ausgezeichnet worden ist. „Schon in meinem Abschlussjahr der Schule sicherte ich mir einen sehr angenehmen Nebenverdienst, bevor ich das Hobby später zu meinem Beruf gemacht habe.“

Studium im Schloss

Sein zweites Hobby, das Reisen, musste er zunächst etwas zurückstellen. Denn mit 20 Jahren begann der gebürtige Hamburger ein dreijähriges BWL-Studium an der damaligen Fachhochschule der Deutschen Bundesbank. Diese heutige Hochschule im Schloss Hachenberg in Rheinland-Pfalz bildet vor allem Beamte für den gehobenen Dienst in der Bundesbank und in der BaFin aus. Der Lehrplan verlangt mehrere Praktika in Bundesanstalten und war sehr zeitintensiv – genauso wie Böttchers erste Arbeitsstellen als Analyst bei der Indosuez Group und bei der Hamburger Privatbank Marcard, Stein & Co.

Doch schon mit 26 Jahren begann er seine Laufbahn als international aktiver Fondsmanager bei Fleming Investment, einem schottischen Asset Manager, der später an die Chase Manhattan Bank verkauft wurde. Schon dort konnte er als Fondsmanager und später als Leiter des Emerging-European-Teams seinem Interesse an anderen Ländern wieder stärker nachgehen – eine Hinwendung zum Ausland, die sich bis heute fortgesetzt und sogar noch weiter verstärkt hat. Nach knapp zehn Jahren ging er dann zu Schroder Investment, wo er das Emerging-Markets- Team leitete, bevor er 2001 zu Charlemagne Capital gewechselt ist, einer Londoner Investmentboutique, die sich auf Schwellenländer und Frontier-Märkte spezialisiert. Es ist eine Aufgabe, die besonders viele Reisen voraussetzt, und die auch dazu führte, dass das „Handelsblatt“ Böttcher einmal als „moderne Version der Filmfigur Indiana Jones“ beschrieb.

Wenn er gerade nicht im Ausland nach verborgenen Schätzen sucht, lebt Böttcher in Sevenoaks, einer Ortschaft am Rande von London, die bekannt ist für ihre renommierte, mehr als 500 Jahre alte Schule, die auch seine Kinder besuchten. Bei Charlemagne leitet er das Fondsmanagement und zusammen mit seinem Co-Fondsmanager Dominic Bokor-Ingram zwei Fonds.

Das ist zum einen der 415 Millionen Euro große Magna New Frontiers Fonds, der diesen Sommer die Volumen-Grenze von 400 Millionen Euro überschritten hat und daraufhin in das erste Stadium eines Soft-Closings getreten ist. Demnach müssen Neuanleger den vollen Ausgabeaufschlag von fünf Prozent bezahlen. Allerdings betrifft das deutsche Anleger kaum, da die meisten deutschen Fondsplattformen und Banken, die bereits Anteile an dem Fonds verwalten, als Bestandskunden eingestuft werden. Erst nach Erreichen der 500-Millionen-Grenze soll der fünfprozentige Ausgabeaufschlag auf alle Kunden ausgeweitet werden.

Böttchers zweiter Fonds, der OAKS Emerging and Frontier Opportunities, hat ein Volumen von rund 130 Millionen Euro. Zwar investiert er in ähnliche Titel wie sein größeres Pendant. Jedoch geht er auch Short-Positionen ein und reduziert damit seine Volatilität.

Suche nach persönlichem Zugang

Aus Böttchers Sicht sind diese Frontier-Märkte mit ihren unterentwickelten Finanzmärkten für Anleger aus drei Gründen besonders interessant. „Erstens wachsen sie schneller“, beginnt er seine Erklärung. So prognostiziert er bis 2050 für Frontier- Märkte wie Vietnam, Indonesien, Sri Lanka, Pakistan, Argentinien, Rumänien oder auch viele Golfstaaten ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von 5% pro Jahr. Für Schwellenländer erwartet er indessen nur 4% und für Industriestaaten gerade mal etwas mehr als 2%.

Zudem diversifizieren solche Investments das Portfolio der Anleger. Denn Frontier-Märkte sind in ihrer finanziellen Abschottung weniger abhängig von den großen Industriestaaten. Über die vergangenen sieben Jahre betrug die Korrelation der Wochenrenditen zu den USA und Europa in Schwellenländern 0,7 – doppelt so hoch wie der Wert für Frontier-Märkte. „Für mich als Stock Picker ist das Spannendste aber, dass es in diesen finanziell unterentwickelten Ländern viel Potential für Fehlbewertungen gibt“, sagt Böttcher. Das liege an der geringen Liquidität, mangelnder Marktregulierung, Beschränkungen für ausländische Investoren und der geringen Anzahl an Analysten vor Ort. So arbeiten in Schwellenländern wie Indien, Südkorea oder der Türkei pro gehandelter Aktie mehr als 20 Analysten – in Rumänien und Argentinien sind es weniger als zehn und in Vietnam nur etwa zwei.

„Letztlich führt der politische und wirtschaftliche Wandel in diesen Staaten immer wieder zu Sondersituationen“, erklärt Böttcher: „Um all diese Potentiale zu nutzen, müssen wir sehr viel vor Ort reisen.“ Anfang Oktober war er etwa in Vietnam, eine Woche später flog er nach Argentinien, und dann nach Saudi-Arabien, Dubai und Abu Dhabi. „Oft bin ich schon bei der Einreise dabei, meine nächste Reise zu planen.“

Jedes Jahr absolvieren er und sein Co-Fondsmanager, Bokor-Ingram, insgesamt etwa 500 Unternehmensbesuche. Rund zwei Drittel davon passieren im Ausland. „Gespräche in England sind für uns auch hilfreich, wie etwa eine Konferenz zu Saudi-Arabien in London Mitte Oktober“, sagt Böttcher: „Aber vor Ort bekommen wir exklusive Meetings und entwickeln spezielle Beziehungen zu Bankern, politischen Beobachtern und Investoren, die wir dann schnell nutzen, wenn sich eine Gelegenheit bietet.“

Perlentauchen am Golf

So lief es zum Beispiel Anfang des Jahres, als Böttcher einen Anruf von einem Banker aus Kuwait erhielt. „Er sagte mir, dass der Hauptaktionär von Humansoft, dem größten Anbieter privater Hochschulausbildung des Landes, seine Anteile verkaufen wollte – allerdings nur an jemanden, den er zuvor kennengelernt hatte“, erinnert sich Böttcher. „Also bin ich innerhalb von zwei Tagen nach Kuwait geflogen, habe den ganzen Tag mit dem Management den Campus besichtigt und dabei besondere Einsichten bekommen.“

Zwar sei die Entscheidung schwierig gewesen, da es wenige Informationen und keinerlei Research zu Humansoft gab. Doch nach einigen Tagen eigener Analysen beschloss Böttcher, das Aktienpaket zu kaufen. Der Kurs ist seitdem um rund 30% gestiegen, und Humansoft ist inzwischen mit 7,3% die eindeutig größte Position des Magna New Frontiers Fonds. Auch bei einer weiteren Investition auf der arabischen Halbinsel zahlten sich Böttchers Kontakte aus. Bei einer Neuemission im April 2012 entschied er nach mehreren Gesprächen vor Ort, Aktien von NMC Healthcare zu kaufen, dem Marktführer im privaten Gesundheitswesen der Vereinigten Arabischen Emirate. „Seitdem hat sich der Wert des Unternehmens verzwölffacht und es ist heute mit 4,5% die zweitgrößte Position des Fonds“, schwärmt er.

Hoffen auf die Mopedfahrer

Abgesehen von solchen Stock-Picker-Erfolgen am Golf sind die beiden Länder, die Böttcher aktuell am stärksten beschäftigen, Vietnam und Argentinien. In beiden Fonds sind diese Staaten mit jeweils rund 12% die zweit- und drittgrößte Länderposition hinter den Vereinigten Arabischen Emiraten mit rund 15%.

Vietnam bietet nach Böttchers Einschätzung mit einem Wirtschaftswachstum von 6,4% und einer reformorientierten Regierung, die zu einem Boom der Neuemissionen beigetragen hat, viele Möglichkeiten. Erst vor wenigen Wochen kaufte er nach einem Besuch des Landes eine größere Position im Unternehmen Vincom Retail, einem Entwickler und Betreiber von Einkaufszentren. „Bislang fährt der typische Vietnamese Moped, parkt kurz und kauft direkt beim Straßenhändler ein“, berichtet Böttcher: „Daher ist die Kultur von Einkaufszentren noch unterentwickelt und hat viel Potential.“ Da es für Ausländer Beschränkungen beim Kauf von Aktien in Vietnam gibt, benötigte Böttcher hier einen außerbörslichen Zugang. „Aber dank meiner Kontakte konnte ich die Anteile over-the-counter kaufen, und so wurde das für uns ein exklusives Geschäft.“

Beziehungen vor Ort helfen nicht nur als Hinweisgeber bei Neuemissionen und bei der Abwicklung von Aktien-Käufen. Sie können auch Einsichten in strukturelle Veränderungen geben, die profitable Investments ermöglichen. Das erlebte Böttcher zuletzt in Argentinien.

2009 hatte der US-Finanzdienstleister MSCI das Land in seinen Frontier Markets Index zurückgestuft. Doch als Folge von Präsident Mauricio Macris Reformkurs erhielt Argentinien in den vergangenen zwei Jahren wieder Zugang zu den Kapitalmärkten. Nun spekulieren Anleger, wann das Land wieder in den MSCI Schwellenländer-Index aufsteigen könnte. Auch wenn sich MSCI im Juni noch gegen die Aufnahme entschieden hat, ist das Anleger-Interesse weiterhin hoch.

Schub durch Energieversorger

„Bei unserer Reise nach Buenos Aires Anfang des Jahres haben wir etwa erfahren, wie Macri den Energiemarkt reformieren will“, erläutert Böttcher. Die Energiepreise, die unter Macris Vorgängerin Cristina Kirchner gedeckelt waren, sollten liberalisiert werden, nachdem sie über Jahre mit Inflationsraten von bis zu 40% vergleichsweise niedrig geworden waren. „Also haben wir Aktien vom Gas-Transport-Unternehmen Transportadora de Gas del Norte gekauft“, erklärt Böttcher. Inzwischen investiert er in mehrere argentinische Energie-Versorger: „Die waren einer der Hauptgründe, warum unsere Fonds dieses Jahr so gut gelaufen sind.“ So stieg sein Magna New Frontiers Fonds über zwölf Monate bis Ende September in Euro-Basis um knapp 29% – das beste Ergebnis des Citywire-Sektors Aktien – Frontier-Märkte. Den Spitzenplatz des Sektors holen Böttcher und Bokor-Ingram auch über die vergangenen drei und fünf Jahre.

Nun hofft Böttcher, von seiner nächsten Reise nach Argentinien wieder solch gute Erkenntnisse und möglicherweise auch Unternehmens-Anteile zurück nach London zu bringen. Dann würde sich wieder einmal zeigen, dass sein altes Hobby, das Reisen, ihm nicht nur persönlich, sondern auch beruflich großen Gewinn bringt.

Dieser Text erschien erstmals im Citywire-Magazin vom November 2017.

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